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"Wenn 3.Liga, dann nur Dynamo!“
Er war laut Kicker-Rangliste unter in der Top Ten der besten Mittelfeldspieler der vergangenen Zweitliga-Saison und zudem bester Spieler von Alemannia Aachen, jetzt ist er der prominenteste Neuzugang bei der SG Dynamo Dresden: Cristian Fiel. Cristian Ramon Fiel Casanova – wie er mit vollem Namen heißt – verrät im Interview, wie er sein erstes Spiel für die SGD erlebt hat, warum nur ein Wechsel zu Dynamo in Frage kam, er erklärt, wie er die Rolle eines Führungsspielers interpretiert und warum für ihn die Familie an erster Stelle kommt und dann lange nichts...
Cristian Fiel, für dich war es ein perfekter Einstand bei Dynamo, du warst in deinem ersten Spiel gleich an den ersten beiden Toren maßgeblich beteiligt, wie wichtig war das für dich?
Natürlich sehr wichtig. Es ist immer besser gut zu spielen als schlecht. Ich habe versucht meinen Anteil zum Sieg beizusteuern – wie es die gesamte Mannschaft auch getan hat!
Neben dir spielte auch Alexander Esswein zum ersten Mal für die SGD und auch er konnte direkt überzeugen, obwohl ihr beide erst seit wenigen Tagen mit der Mannschaft trainiert. Wie hat euch die Mannschaft aufgenommen?
Der gesamten Mannschaft gebührt einfach ein großes Kompliment, denn sie hat es uns leicht gemacht, indem sie uns super aufgenommen hat.
Du hast dir vor dem Spiel gegen Saarbrücken viele Zuschauer und einen Sieg zur Heimspielpremiere unter Flutlicht für Dynamo gewünscht, beides ist in Erfüllung gegangen. Wie hast du dein erstes Spiel im Rudolf-Harbig-Stadion vor über 17.000 Zuschauern erlebt?
Es war etwas Besonderes. Und es hat mir eine Menge Spaß gemacht, vor diesen Fans, in diesem schönen Stadion zu spielen. Ich bin sehr zufrieden, richtig glücklich. Endlich habe ich mal wieder über 90 Minuten gespielt, auch wenn die letzten richtig weh getan haben. Aber diese Atmosphäre, das war Gänsehaut pur, einfach der Wahnsinn. Für diese Fans lohnt es sich einfach, alles aus sich heraus zu holen. Ich habe mit meinem Wechsel nach Dresden alles richtig gemacht.
Was hat für dich persönlich den Ausschlag gegeben, zu Dynamo zu wechseln?
Ich hatte in der Sommerpause ein gutes Gespräch mit Trainer Matthias Maucksch. Er hat mir das Gefühl vermittelt, mich unbedingt verpflichten zu wollen, das war mir wichtig. Außerdem bin ich ein Fußballer, der Zuschauer, Stimmung und Emotionen braucht. Und genau das wird mir in Dresden geboten: Hier gibt es neben den besten und meisten Fans der 3. Liga auch das schönste und stimmungsvollste Stadion. Das hat mich gereizt. Es war mir von Anfang an klar, wenn ich in die 3. Liga gehe, kommt für mich selbst nur Dynamo in Frage. Ich hatte keine Lust, vor ein paar Fans irgendwo auf einem Dorf zu spielen.
Du hattest auch Angebote aus dem Ausland, hast du mit 30 Jahren nicht noch einmal mit dem Gedanken gespielt, ins Ausland zu wechseln?
Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dafür entschieden in Deutschland zu bleiben. Meine Freundin lebt mit unseren beiden Kindern in Berlin. Sie sind jetzt ganz in meiner Nähe. Das spielte bei meiner Entscheidung für Dynamo eine große Rolle. Ich liebe Fußball und kann ohne ihn nicht leben. Aber Fußball ist in meinem Leben beileibe nicht alles...
Hast du deine Freundin bei deiner Entscheidung für Dresden einbezogen?
Selbstverständlich. Sie ist der wichtigste Ratgeber in meinem Leben. Wir haben uns gemeinsam für Dynamo entschieden.
In Dresden ersehnt das Umfeld seit dem Zweitligaabstieg 2006 den Wiederaufstieg. Die Ansprüche sind jedes Jahr sehr hoch. Auch mit deiner Verpflichtung werden große Erwartungen verknüpft, belastet dich das?
Wenn es für mich eine Last wäre, hätte ich es nicht gemacht. Denn mit einer Last auf dem Rücken kann keiner etwas leisten – nicht nur im Fußball. Ich bin ein positiv denkender Mensch und der Meinung, dass Fußball Spaß machen muss. Ohne Spaß an der Arbeit kein Erfolg. Davon bin ich überzeugt. Dass man von mir mehr verlangt als von einem 20-Jährigen, der vor zwei Jahren aus der eigenen Jugend kam, ist doch völlig normal. Ich bringe die Erfahrung aus über 250 Erst- und Zweitliga-Spielen mit nach Dresden und man wünscht sich einfach von mir, dass ich diese Erfahrungen einbringe. Und das erwarte ich auch selbst von mir.
Was verspricht sich der Trainer konkret von dir?
Er erwartet von mir als zentraler Mittelfeldspieler, dass ich Kommandos gebe und dem Spiel nach vorn Stabilität. Meine Position bringt es mit sich, dass ich im taktischen System ein wichtiger Teil des Spiels zwischen Abwehr und Angriff bin, das Bindeglied sozusagen. Das ist aber keine neue Rolle für mich, das habe ich ja auch schon in Aachen gespielt.
Sind Maik Kegel und Cristian Fiel die neue kreative Schaltzentrale von Dynamo?
Das kann man nach einer Woche Training und einem Testspiel noch nicht sagen. Ich habe den Jungen gegen Stuttgart II und Großenhain gesehen. Er ist ein sehr begabter Fußballer, da gibt es keine zwei Meinungen. Ich hoffe, dass sich die Abstimmung zwischen uns im Mittelfeld schnell findet. Aber im Normalfall haben gute Fußballer im Zusammenspiel keine Probleme. Man sollte das Wichtigste im Mannschaftssport aber nicht vergessen: Eine Fußballmannschaft besteht aus elf Spielern, nicht aus zwei oder drei Spielern. Erfolg werden wir langfristig nur dann haben, wenn jeder Einzelne seine Stärken einbringt. Das ist grundsätzlich der Schlüssel zum Erfolg.
Du bist der absolute Wunschspieler von Chef-Trainer Matthias Maucksch, er hat dich auch als Führungsspieler verpflichtet, was macht einen Führungsspieler in deinen Augen aus?
Das ist ganz einfach: Führungsspieler ist man nicht deshalb, weil man irgendwelche Reden hält oder irgendeinen Namen durch die Gegend trägt. Führungsspieler ist nur der, der sich diesen Status durch Leistung erarbeitet und auf dem Platz untermauert. Dass ich hier aber nicht falsch verstanden werde: Fehlerlos ist kein Mensch!
Nach zwei Saisons im Abstiegskampf strebt Dynamo vorerst nach einem Platz im gesicherten Mittelfeld. Kannst du dich damit identifizieren?
Ja, natürlich. Ich bin ja nicht nach Dresden gekommen um zu sagen, ich will dieses Jahr um jeden Preis aufsteigen. Ich habe gesagt: Ich bin 30 Jahre alt, bin fit, habe große Lust auf Fußball und will erfolgreich sein. Aber ich bin bestimmt nicht hierhergekommen, um mit 36 immer noch 3. Liga zu spielen. Ich will noch was erreichen, deshalb bin ich hier. Wir als Mannschaft müssen alles abrufen, was in uns steckt. Dafür müssen wir arbeiten und alles geben. Was am Ende der Saison rauskommt, werden wir sehen. Wenn es zum Schluss ein Platz im gesicherten Mittelfeld ist, wird es der Mannschaft niemand verübeln können, wenn wir alles in unserer Macht Stehende getan haben.
Du hast einen Einjahres-Vertrag unterschrieben. Kannst du dir vorstellen, länger in Dresden zu bleiben?
Klar kann ich mir vorstellen, länger bei Dynamo zu bleiben, sonst wäre ich gar nicht erst hergekommen. Ich war in der Vergangenheit nie ein Fußballer, der sich als Groundhopper verstanden hat. Wenn ich mich für etwas entscheide, dann zu 100 Prozent!
Du wirst in dieser Saison mit der Nummer 40 auflaufen, warum?
Fiel: Meine absolute Wunsch-Rückennummer die 21, war leider nicht mehr frei. Um ganz ehrlich zu sein, es standen überhaupt keine schönen mehr zur Auswahl. Deshalb war für mich ganz klar, dann nehme ich aus Dankbarkeit das Geburtsjahr meines Vaters - der 1940 geboren ist. Mein Vater und meine Mutter haben mich gleichermaßen gefördert, waren in der Jugend bei jedem Training und bei jedem Spiel bei Wind und Wetter dabei. Sie haben mir durch ihre bedingungslose Unterstützung erst meine Karriere als Profi-Fußballer ermöglicht. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Was bedeutet dir Familie?
Ich bin ein absoluter Familienmensch! Deshalb kommt meine Familie an allererster Stelle ... dann kommt ganz lange nichts und dann der Fußball! Ich bin so erzogen worden, dass nichts über die Familie geht.
Warum hast du dich mit 18 Jahren für die spanische Staatsbürgerschaft entschieden?
Ich fühle mich in Deutschland unglaublich wohl, bin ja auch in Esslingen am Neckar geboren und aufgewachsen. Aber meine Eltern sind Spanier und deshalb bin ich es auch.
Sprichst du mit deinen Kindern spanisch?
Ja, das ist sehr wichtig für mich.
Du bist gläubiger Christ, welche Rolle spielt der Glaube in deinem Leben?
Eine sehr wichtige. Ich kann nur für mich sprechen: ich bin davon überzeugt, dass der Glaube mir auf meinem Weg immer Kraft gegeben hat.
... und dir auch Kraft gegeben hat auf dem Weg zum Profi?
Ich muss ganz ehrlich sagen, also früher waren die Ziele noch andere … na ja … da träumst du von Real Madrid, vom FC Barcelona, von den besten Clubs der Welt und betest natürlich für diese Träume, bittest um Hilfe. Heute ist das ein bisschen anders: Ich habe zwei Kinder, da betest du für Gesundheit, für dich und die Familie, weil etwas anderes einfach nicht mehr interessiert. Insoweit schöpfe ich aus dem Glauben immer noch Kraft, die Prioritäten ändern sich eben ein wenig.
Danke für das Gespräch und viel Erfolg!
Interview: Henry Buschmann
Fotos: Marc Oliver Rühle




