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Sven Jänchen: "Dynamo zu dienen, ist eine große Ehre!"
Herr Jänchen, Sie sind jetzt Chef des Aufsichtsrates. Wenn man den Berg an Aufgaben sieht, kann man Sie dazu nicht unbedingt beglückwünschen…
Jänchen: Sie können mich schon beglückwünschen. Einem so großen Verein an dieser Stelle zu dienen ist eine Verpflichtung, aber auch eine große Ehre. Natürlich ist das eine Menge an Arbeit. Das ist aber darin begründet, dass es solange keinen Aufsichtsrat gab. Das fordert uns als Aufsichtsrat schon mächtig, doch das haben wir ja vorher gewusst.
Es ist bekannt, dass Sie schon mehrfach als Aufsichtsrat getagt und Ihre Arbeit aufgenommen haben. Wie ist Ihr Eindruck? Was wird sich im Vergleich zur Vergangenheit jetzt ändern?
Jänchen: Ich hoffe, dass wir als Aufsichtsrat wirklich was bewegen können, indem wir zusammenstehen und gemeinsam an einen Strang ziehen. Ich denke, dass die Mitgliederversammlung eine gute Entscheidung getroffen hat. Die Personen, mit denen ich jetzt zusammen im Aufsichtsrat bin, bringen alle Fachkompetenz mit und mit denen kann man wirklich gut zusammen arbeiten. Ich sehe mich in diesem Kreis übrigens weniger als „Vorgesetzter“ sondern eher als Gleicher unter Gleichen. Deshalb fände ich die Bezeichnung „Sprecher des Aufsichtsrates“ eigentlich besser. Aber gut, die Ämterbezeichnung ist nun halt so.
Ein Thema welches die Fans derzeit bewegt, ist die Ausschreibung eines Geschäftsführers Sport. Im Moment sind wir im sportlichen Bereich nicht ganz so erfolgreich. Liegt es vielleicht an der fehlenden sportlichen Kompetenz? Wie ist da Ihre Einschätzung?
Jänchen: In den vergangenen Monaten haben wir schon sportliche Kompetenz nachgewiesen. Vielleicht nicht in jedem Gremium, aber wir haben einen sehr gut ausgebildeten Trainer, der auch neue Trainingsmethoden einsetzt. Da jetzt grundsätzlich von mangelnder sportlicher Kompetenz zu sprechen, wäre nicht angebracht. Wir hatten auch Pech mit den vielen Verletzten. Der Trainer ist aber trotzdem kein Einzelkämpfer. Um ihn da zu unterstützen, haben wir uns entschieden, die Stelle des zweiten Geschäftsführers, die ja laut Satzung vorgesehen ist, mit einem Sportfachmann zu besetzen. Dieser neue Geschäftsführer muss aber auch Kenntnisse aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich mitbringen. Es geht uns nicht darum, dass uns neue Traumschlösser gemalt werden. Es geht darum, dass er zu uns passende „Traumschlösser“ erarbeitet. Es geht aber auch darum, dass wir dann einen Geschäftsführer haben, der sich im sportlichen Bereich auch um alle Mannschaften unterhalb der 1. Mannschaft kümmert.
Das klingt auch nach dem Prinzip: Vier Augen sehen mehr?
Jänchen: Richtig. Es geht aber auch darum, konzeptionell und strukturell für den Gesamtverein zu arbeiten. Das sind andere Arbeitsinhalte, als wenn man nur für die erste Mannschaft tätig sein würde. Ich will die Arbeit von Matthias Maucksch nicht schmälern. Klar ist aber, dass die erste Mannschaft nur ein Teil des Vereins ist.
Als Aufsichtsrat haben Sie die Aufgabe, die Prozesse im Verein zu überwachen. Da besteht auch immer die Gefahr, dass Sie ins operative Geschäft eingreifen. Wie stellen Sie sich Ihre Kontrollarbeit in der Zukunft vor?
Das ist in der Tat nicht so einfach. Die Satzung gibt ja vor, ab wann der Aufsichtsrat in das operative Geschäft eingreifen muss. Das sind Entscheidungen mit 100.000 Euro Budget und bei Verträgen mit einer Laufzeit von zwei Jahren und länger. Darunter fällt zum Beispiel auch ein Leasing-Vertrag für ein Auto. Dem Aufsichtsrat steht grundsätzlich das Einsichtsrecht in alle Unterlagen zu. Natürlich tagen wir aber nicht jedes Mal in der Geschäftsstelle, deswegen sind wir auch auf die Zuarbeit der Geschäftsführung angewiesen. Der Hauptgeschäftsführer kommt dieser Anforderung im Moment sehr gut nach.
Es gibt ja auch noch das Lizenzierungsverfahren, wo ein Wirtschaftsprüfer auch von außen noch einmal auf die Unterlagen schaut.
Richtig. Es ist aber auch so, dass uns ein Wirtschaftsprüfer auch nicht mehr helfen kann, wenn wir unsere Hausaufgaben nicht machen.
Die Lizenzierung ist eine wichtige anstehende Aufgabe. Was gibt es noch für Aufgaben, die auf Ihrem Zettel ganz weit oben stehen?
Neben der Auswahl des zweiten Geschäftsführers steht die Unterstützung der Geschäftsführung bei den Stadionverhandlungen mit der Stadt ganz weit oben. Da gibt es Abstimmungsbedarf, wir werden hier regelmäßig informiert. Ohne hier jetzt Einzelergebnisse nennen zu wollen, denke ich, dass wir zu einem Ergebnis kommen werden, mit dem die Stadt Dresden und der Verein leben können. Das ist eine wesentliche Aufgabe, die wir vor der Lizenzierung noch zu packen haben.
Das sind jetzt recht kurzfristige Aufgaben. Der Aufsichtsrat ist aber auch für die strategische Ausrichtung des Vereins zuständig. Kommen Sie bei den jetzigen Aufgaben überhaupt dazu, sich um die Strategie zu kümmern?
Jeder im Aufsichtsrat hat da Vorstellungen und eigene Gedanken. Wir haben uns auch schon dazu abgestimmt, wie wir diese Themen abarbeiten wollen. Wir haben eine sehr lange ToDo-Liste. Darauf steht auch die Aufgabe zur Ausformulierung einer Strategie. Da stellen sich solche Fragen wie: Was ist Zweck, was ist Mittel? Das wird uns im kommenden Jahr beschäftigen. Ich muss aber sagen, dass jetzt lange kein Aufsichtsrat da war. Da ist viel liegen geblieben und einarbeiten müssen wir uns auch. Da bitte ich um Verständnis und um die üblichen 100 Tage, an deren Ende wir diese formulierte Strategie präsentieren werden.
Es ist nicht mehr lange bis Weihnachten. Da ist es üblich, dass man sich auch einmal was wünschen kann. Wenn Sie nun drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich da wünschen?
Jänchen: Zunächst zwei Siege in den noch verbleibenden beiden Spielen, eine deutlich verkürzte Verletztenliste und ein für uns erfolgreiches Lizenzierungsverfahren.
Da spricht der Vorsitzende des Aufsichtsrates, das waren alles Wünsche für Dynamo. Gibt es keine persönlichen Wünsche?
Ja, es gibt schon persönliche Wünsche für mich und meine Familie. Der einfachste ist, dass ich anders als im letzten Jahr gesund aus dem Ski-Urlaub zurückkomme. (lacht)
Vielen Dank für das Gespräch.




