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Ruud Kaiser: âProfi-FuĂballer ist der schönste Beruf der Welt.â
April 2009
Bald ist es soweit! Ruud Kaiser feiert seinen Jahrestag als Trainer der SGD. Nach einem knappen Jahr blicken wir auf turbulente Monate zurĂŒck, die der NiederlĂ€nder in Dresden seitdem erlebt hat. Mit dem ersten Sieg in der neu gegrĂŒndeten 3. Liga, folgte die Talfahrt bis auf die AbstiegsplĂ€tze. Die Mannschaft drohte auseinander zu brechen und viele junge Spieler kamen anfangs mit dem Druck nicht zurecht. Neben dieser sportlichen Belastung ĂŒberstand der Trainer auch andere Probleme im Verein. Ob Finanzsorgen, Stadionstreit oder dem RĂŒcktritt von Ralf Minge; Kaiser blieb stets optimistisch. Seine positive Ausstrahlung kommt bei Fans und Spielern gut an. Nicht zu unrecht feiern die Schwarz-Gelben den sympathischen Mann mit den blauen Augen, der in den letzten Monaten ein Chaos der GefĂŒhle erlebte.
Amtsantritt
Am 11. Juni 2008 wurde Ruud Kaiser als Nachfolger von Trainerlegende Eduard Geyer prĂ€sentiert. Der 47-jĂ€hrige HollĂ€nder spielte in seiner aktiven Zeit u.a. in Amsterdam, Antwerpen, Coventry und Nizza. Als Trainer war er spĂ€ter im Nachwuchsbereich beim niederlĂ€ndischen Verband tĂ€tig, betreute dort u.a. die B-Junioren-Auswahl, mit der er Vize-Europameister wurde und bei der Weltmeisterschaft den dritten Platz holte. Unter ihm entwickelten sich Spieler wie Rafael van der Vaart, Robin van Persie, Nigel de Jong, Arjen Robben oder Wesley Sneijder zu Weltstars. Bei Chelsea London war er zwei Jahre als A-Junioren-Coach aktiv. Mit seinen Qualifikationen passte er perfekt ins sportliche Konzept, das den Nachwuchs in den kommenden Jahren bei Dynamo Dresden in den Vordergrund stellen sollte. Kaiser bei seinem Amtsantritt: "Dynamo Dresden war schon immer ein groĂer Verein. Ich bin begeistert, was in der Regionalliga hier los ist, wie viele Fans ins Stadion kommen. Ich habe das Spiel gegen Braunschweig gesehen. Im FuĂball ist alles möglich, wenn man zusammen arbeitet. Niemand ist gröĂer als der Verein. Wir mĂŒssen im ersten Jahr in der 3. Liga ankommen, im zweiten Jahr wollen wir angreifen und die Top-5 erreichen."
Der schwierige Neubeginn
Das erste Pflichtspiel vor ĂŒber 12.000 Zuschauern war ein gelungener Auftakt. Dresden schien in der Liga angekommen zu sein. Halil Savran schrieb Geschichte, als er mit seinem Treffer, das erste Tor der 3. Liga schoss. Nach dem Auftaktsieg in Erfurt versuchte Ruud Kaiser die hohe Erwartungshaltung in Dresden zu dĂ€mpfen, weil er wusste, dass er noch viel an seiner neuen Mannschaft arbeiten musste. âEs ist nur ein Spiel. Wir haben noch 37 Spiele zu spielen. BloĂ weil wir ein Spiel gewinnen, bedeutet das nicht, dass die ganze Saison gut wird.â Und die Hinrunde wurde wirklich nicht gut. Mit dreizehn Toren hatte Dynamo die wenigsten Treffer erzielt. Kurz vor Weihnachten wandelte das Abstiegsgespenst auf der Baustelle des Rudolf-Harbig-Stadions. âIch hatte schon ĂŒberlegt, ob ich vielleicht mal alle StĂŒrmer bringe. Die haben zusammen in der letzten Saison ĂŒber 50 Tore geschossen. Dann muss es doch einfach mal funktionieren.â Kaiser verlor nie seinen Humor, egal wie schlecht seine Mannschaft spielte. Er glaubte immer an eine Wende und wusste, dass seine Jungs viel besser sein können. Immer wieder machte der Trainer mit seinem Optimismus Mut, lobte einzelne Spieler und war begeistert von den AnhĂ€ngern: âDie Fans geben alles fĂŒr Dynamo, doch geben wir alles den Fans?â
Nach der enttĂ€uschenden Niederlage gegen Paderborn mahnte er seine Jungs: âMeine Spieler mĂŒssen die Leidenschaft der Fans haben, mit dieser Leidenschaft können wir auch wieder gewinnen. Doch bei einigen Spielern habe ich das GefĂŒhl, dass sie Angst haben. Wenn das so ist, dann mĂŒssen sie Handball spielen.â Angst musste jeder Fan nach der schlechten Leistung haben. Spieler Sascha Pfeffer sprach von einer âKatastropheâ, auch dem Trainer war der Schock anzusehen. Kaiser blieb schon nach der Entlassung von Bern Maas optimistisch: âEs ist ein schwarzer Tag fĂŒr Dynamo, doch wir wollen mit unserer sportlichen Leistung in Jena bewirken, dass alle wieder froh sind.â Auch in dieser Situation bewies er die nötige Ruhe: âFĂŒr mich ist das keine Panik; die Situation ist nicht topp, aber auch nicht so schlecht, wie man denkt.â Obwohl Dynamo sich beim Tabellenletzten zahlreiche GroĂchancen erspielen konnte, scheiterten die StĂŒrmer beim Abschluss. âWir haben in der Offensive das Spiel verlorenâ, bemĂ€ngelte der Trainer, der aber im gleichen Atemzug wieder Mut machte und stark blieb: âDie Belohnung ist nicht da, aber irgendwann kommt die Belohnung nach so einer Leistung.â Doch in der Hinrunde gab es nur noch einen Dreier bei der U23-Vertretung des SV Werder Bremen. Der Druck der Medien war zum Jahresende sehr hoch. Doch der Verein blieb ruhig und stĂ€rkte dem Trainer den RĂŒcken. Obwohl die SGD die schlechteste Hinrundenleistung seit dem Jahr 2005 zeigte, verlor Kaiser nie seinen Optimismus: âJe lĂ€nger man nicht gewonnen hat, desto nĂ€her ist der erste Sieg da. Das Gute am FuĂball ist, dass man jede Woche eine neue Chance bekommt, um seine Fehler zu verbessern.â Das letzte Spiel im Jahr 2008 gegen Erfurt war bezeichnend fĂŒr die ganze Hinrunde. Trotz guter Leistung konnte die SGD nicht gewinnen. Kurz vor Weihnachten konnte dennoch gefeiert werden. Der Sieg des Regio-Cups in Riesa sollte die Wende bringen. Der Titelgewinn zeigte der Mannschaft wie schön es ist, sich als Sieger zu fĂŒhlen.
Die sportliche Wende
Als Ex-KapitĂ€n Sebastian Pelzer kurz nach Silvester seinen Vertrag vorzeitig auflöste und er in die Zweite Liga nach Ahlen ging, glaubte bis auf den Trainer keiner daran, dass die RĂŒckrunde besser laufen wĂŒrde. Minge zu Pelzers Wechsel: "NatĂŒrlich ist eine Freigabe von Sebastian fĂŒr uns ein sportlicher Verlust. Er ist, wenn er sein Leistungspotenzial abruft, eine StĂŒtze des Teams. Aber gerade in dieser fĂŒr uns so wichtigen RĂŒckrunde wollen wir nur mit Spielern arbeiten, die mit 100 Prozent ihrer Gedanken bei ihrer Aufgabe und bei Dynamo sind. Aus diesem Grund haben wir uns gemeinsam zu diesem Schritt entschieden." Diese 100 Prozent zeigten die Dynamos schon einen Tag spĂ€ter nach Minges Aussage. Mit dem Gewinn des Hallenmasters in Zwickau, holten die Schwarz-Gelben abermals einen Titel unter dem Dach. Es folgte ein wichtiger Sieg. âMein Herz ist frohâ, freute sich der Trainer nach dem Sachsenderby gegen Aue. Mit dem 3:1 Erfolg zeigte sich die Mannschaft mit einem anderen Gesicht als in der Hinrunde. Endlich trafen wieder die StĂŒrmer. Die Freude des Trainers blieb jedoch nicht ungetrĂŒbt. Drohende Insolvenz, Stadionstreit und Minges RĂŒcktritt sorgten fĂŒr gröĂere Schlagzeilen als die Siegesserie gegen Burghausen, Braunschweig und Jena. Trotzdem blieb Kaiser gelassen, strahlte die nötige Ruhe aus und bot sich als Sportdirektor an: âIch bin nicht glĂŒcklich, es ist schade, dass Ralf Minge weg ist. Aber ich finde, dass das die beste Wahl ist fĂŒr den Verein.â Seine Konzentration legte Kaiser allein auf den sportlichen Bereich. Was blieb ihm auch anderes ĂŒbrig? Mit dem Last-Minute-Sieg gegen die U23-Vertretung des SV Werder Bremen, machten seine Jungs einen riesen Schritt in Richtung Klassenerhalt. Nach dem Spiel freute sich der Trainer ausgelassen: âJetzt bleibe ich bei meinen Spielern und bei meinen Fans und mache die Feier mit.â Ăber 10.000 AnhĂ€nger honorierten Minuten nach dem Abpfiff die Leistung des Trainers, und lieĂen ihn fĂŒr einen Moment das GefĂŒhlschaos vergessen. Mit dem AuswĂ€rtssieg bei Aufstiegsaspiranten Paderborn, zeigte die Mannschaft, wie stark sie ist. Zum ersten Mal in dieser Saison konnte ein Vertreter der Spitzengruppe geschlagen werden. Die Planung fĂŒr die kommende Saison konnte somit beginnen.
Wie geht's weiter?
In den nĂ€chsten Partien dieser Saison möchte Kaiser sehen wie hoch das Potenzial seiner Spieler wirklich ist. âIch freue mich auf die nĂ€chsten sechs Spiele, denn ich bin gespannt wie viele Punkte wir noch in der RĂŒckrunde holen können.â Kaiser hĂ€tte gerne zwei bis drei VerstĂ€rkungen fĂŒr die nĂ€chste Spielzeit und möchte den Kern der Mannschaft behalten. Der Trainer legt wert auf Spieler, die sich mit Dresden, den Fans und dem Verein identifizieren können. So ist es nicht verwunderlich, dass er talentierte FuĂballer aus der Region beobachten lĂ€sst. Wichtigester Spieler bleibt Maik Wagefeld. Obwohl der KapitĂ€n lukrative Angebote aus der Zweiten Liga hat, hofft Kaiser, dass er bleibt. âZurzeit stehen wir in der RĂŒckrundentabelle auf einem Aufstiegsplatz. Das ist unser Potenzial vielleicht. Das sieht gut aus.â, lacht der Trainer und blickt mit seinen strahlend blauen Augen optimistisch in die Zukunft.






