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Kapitän Hübener

Thomas Hübener: "Jeder muss für den anderen kämpfen!"



Der Kapitän hat das Wort: Die Hinrunde der 3. Liga ist beendet, zur Halbzeit steht Dynamo auf Abstiegsplatz 19. Zeit für eine Rück- und eine Vorschau mit Thomas Hübener, der im Interview mit www.dynamo-dresden.de die Gründe für diese Bilanz analysiert, die Unterstützung der Fans lobt und Mannschaft und Anhänger auf den gemeinsamen Abstiegskampf einschwört.

Hallo Hübi, zuerst die Frage nach der Gesundheit: Was macht dein rechter Fuß, an dem du nach dem Wuppertal-Spiel behandelt werden musstest?
Dem geht’s soweit gut. Das war eine Prellung, da kann nicht viel passieren, ich trainiere also voll mit. Auch wenn ich beim Laufen noch ein wenig Schmerzen habe. Ich werde am Samstag spielen können.

Habt ihr den Tiefschlag von Wuppertal verdaut? Wie ist die Stimmung in der Mannschaft nach dem 0:1?
Nach dem Spiel herrschte eine katastrophale Stimmung, da waren wir richtig angeschlagen, enttäuscht, frustriert, stinksauer! Aber wir müssen nach vorn gucken, uns jetzt zielgerichtet auf Stuttgart vorbereiten. Am Samstag geht es für uns um enorm wichtige drei Punkte, dem gilt alle Konzentration.

Die Niederlage in Wuppertal war deshalb so bitter, weil ihr so viele gute Möglichkeiten ausgelassen habt. Wie wird in der Trainingswoche auf so ein Spiel reagiert? Wie trainiert man Nervenstärke?
Das Toreschießen ist in der gesamten Hinrunde unser Problem gewesen – das hat teilweise mit Unkonzentriertheit zu tun, teilweise mit Pech. Das kannst du kaum trainieren. Ulf Kirsten hat es ja in dieser Woche gesagt: Es geht um den letzten Willen, alles beiseite zu räumen, Schmerzen bei sich und beim Gegner in Kauf zu nehmen – Hauptsache, der Ball ist drin. Aber das ist doppelt schwer, wenn du unten drin stehst.

„Die Tabelle lügt nicht“, sagt Trainer Matthias Maucksch nach Platz 19 zum Hinrunden-Ende. Was ist aus deiner Sicht der Hauptgrund für diese schlechte Bilanz?
In erster Linie haben wir durch die vielen Verletzten ein richtiges Problem. Das soll wirklich keine Ausrede sein, aber das beutelt uns schon sehr. Normalerweise haben wir die Qualität, um in dieser Liga zu bestehen, aber wenn dir immer wieder wichtige Spieler fehlen, rutschst du eben auch mal unten rein. Dort dann wieder raus zu kommen, ist sehr schwer.

Man hört aus anderen Mannschaften oft, dass man Mannschaftssitzungen einberuft und sich mal richtig die Meinung geigt. Wie geht ihr als Team mit der Situation um, wie kommuniziert ihr darüber?
Auch wir setzen uns zusammen, wichtiger ist aber, dass wir als Mannschaft nicht tot sind. Nach dem Trainerwechsel ist bei uns wieder Leben rein gekommen, wir sind da auf einem guten Weg. Denn wir erreichen unsere Ziele nur, wenn wir als Mannschaft zusammen halten, wenn wir eine Einheit sind. Dafür gibt es gute Zeichen, das hat man auch in Wuppertal gesehen. Als kurz nach dem Anpfiff Aleksandro Petrovic gefoult wurde, der Gegner aber den Freistoß bekam, war gleich die halbe Mannschaft da und hat sich für ihn eingesetzt. Es geht nicht darum, zu meckern, sondern darum, zusammenzuhalten. Die Richtung stimmt, nun dürfen wir nur nicht mehr so schnell in alte Muster verfallen. Wieder das Beispiel Wuppertal: Wir haben gemerkt, wir sind dran, wir ziehen das, wir verunsichern den Gegner. Doch dann kamen die alten Muster – jeder wollte es entscheiden und der Mannschaft alleine helfen. Das hat nicht funktioniert, dann kamen die Fehler. Das hat uns in die Bredouille gebracht und am Ende sogar den einen Punkt gekostet. In solchen Situation fehlen uns einfach Führungsspieler wie Maik Wagefeld. Womit wir wieder bei den Verletzten wären...

Was sind die Dinge, die euch und den Fans Hoffnung machen sollten?
Die Verletzten kommen hoffentlich spätestens nach der Winterpause zurück. Vielleicht gelingt es dem Verein auch, für Verstärkungen zu sorgen. Dazu gehört ebenfalls, dass sich in unserem gesamten Team keiner profilieren oder in den Vordergrund schieben darf. Jeder muss für den anderen kämpfen! Das Wichtigste wird aber sein, dass wir an uns glauben und dass die Fans weiter hinter uns stehen. Wir brauchen sie – wir schaffen es nur zusammen.

In der Fairplay-Tabelle seid ihr oben dabei – muss der Schalter noch auf AbstiegsKAMPF umgelegt werden?
Es ist immer schwierig, in der Hinrunde das Bewusstsein für Abstiegskampf zu vermitteln, da ja immer noch viel Zeit zu sein scheint. Doch diesen Fehler dürfen wir nicht mehr machen, es ist gefährlich, bestimmte Dinge immer weiter aufzuschieben. Derzeit bekommen wir noch eher Gelb für Meckern, als dafür, mal ein Zeichen zu setzen und die anderen wach zu rütteln.

Was kannst oder musst du als Kapitän in dieser Situation tun?
Verschiedene Dinge. Wenn ich merke, dass die Stimmung schlecht ist, hilft vielleicht mal ein Scherz oder eine gewisse Lockerheit. Die Stimmung zu heben, positiv zu sein – das ist nicht zu unterschätzen. Andererseits bin ich aber auch einer der ersten nach dem Trainer, die im Training Konzentration anmahnen oder auch mal einen Spieler zur Seite nehmen. Uns dort voll reinzuhängen und 100 Prozent zu geben, ist mit das Wichtigste im Moment.

Wie können die Fans euch helfen?
Indem sie einfach so weiter machen wie bisher. Wie sie uns unterstützen, davor kann man nur den Hut ziehen. Auch in Wuppertal waren wieder einige Hundert! Gerade in den Heimspielen sind sie sehr wichtig für uns. Pfiffe und Unzufriedenheit sind manchmal berechtigt – aber allein damit kommen wir nicht raus.

Was sind eure Ziele für die beiden letzten Spiele dieses Jahres?
Unser Ziel ist es, in Stuttgart zu gewinnen und möglichst noch auf einem Nichtabstiegsplatz zu überwintern.

Die letzte Frage zum Jahresende: Wie lautet insgesamt dein persönliches Fazit für das Jahr 2009?
Es war ein turbulentes Jahr, in dem sehr viel passiert ist. Ich habe mich im Januar schwer verletzt, habe meinen dritten Trainerwechsel hier erlebt. Auch wenn es sportlich gerade nicht gut läuft, fühle ich mich persönlich sehr wohl in Dresden. Ich bin jetzt Kapitän, ich habe hier eine Aufgabe zu erledigen. Ich werde den Verein nicht im Stich lassen – er hat mir nach einer schweren Verletzung in Leverkusen die Chance gegeben, wieder Fußball zu spielen. Dafür möchte ich was zurück geben und mit Sicherheit nicht absteigen!