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Sachsenderby

Aue gegen Dresden; das ist Kleinstadt (ca. 18.000 Einwohner) gegen Landeshauptstadt (ĂŒber eine halbe Million), Wismut gegen Dynamo, Sachsenderby und Fußballtradition. WĂ€hrend die Veilchen dreimal DDR-Fußballmeister(1956, 1957, 1959) wurden, holten die Dynamos achtmal den Titel. Insgesamt spielte Aue 39 Jahre lang in der höchsten Spielklasse der DDR, soviel wie kein anderer Verein. In der ewigen Tabelle der DDR-Oberliga, die von 1949 bis 1991 ging, ist Carl Zeiss Jena Spitzenreiter, Dresden belegt Platz 3 und Aue Platz 5. Heute spielen alle drei Vereine in der 3. Liga und blicken auf eine bewegende Geschichte zurĂŒck.

Dynamo ist wieder Nummer eins im Freistaat. Seit dem Zwangsabstieg von 1995, als die SGD noch in der 1. Bundesliga spielte, können sich die Schwarz-Gelben wieder Sachsenmeister nennen. Neben Zwickau, Leipzig und Chemnitz war Aue in den letzten sechs Jahren die beste Fußballmannschaft in Sachsen. Obwohl die Erzgebirgler weniger als 20.000 Einwohner zĂ€hlen, spielten sie in der 2. Liga einen Ă€ußerst erfolgreichen Fußball. Dynamo und Wismut diese Duelle begeisterten schon die Fans in den 50er Jahren. Beide Vereine erzielten national, sowie international große Erfolge und finden sich nun in der 3. Liga wieder. Wir blicken zurĂŒck auf die besondere Brisanz, die sich zwischen den beiden sĂ€chsischen Vereinen entwickelt hat.

Der grĂ¶ĂŸte internationale Erfolg:


Das Viertelfinale war fĂŒr Aue im Europapokal der Landesmeister der grĂ¶ĂŸte Erfolg. Nach zwei Unentschieden wurde das Entscheidungsspiel gegen Young Boys Bern in Amsterdam mit 1:2 verloren. Dresden dagegen schafft vor 20 Jahren den Einzug in das UEFA-Cup-Halbfinale. Nachdem Erfolge gegen Aberdeen, Waregem, Rom und Bukarest gefeiert werden konnten, scheiden die Schwarz-Gelben gegen den VfB Stuttgart, unter anderem mit JĂŒrgen Klinsmann, knapp aus. Das 1:1 Unentschieden reicht nicht, um die 1:0-Hinspiel-Niederlage wett zu machen.

DDR Oberliga:


Mythos 1953


In der Saison 52/53 wird Aue Tabellenzweiter hinter Dynamo. Da beide Mannschaften punktgleich sind und das TorverhĂ€ltnis noch nicht berĂŒcksichtigt wird, findet ein Entscheidungsspiel um die Meisterschaft in Berlin statt. Dieses spannende Finale gewinnt die SGD mit 3:2 in der VerlĂ€ngerung, sodass der erste Titel fĂŒr Dynamo 1953 nach Dresden geht. 35.000 Zuschauer sehen im Walter-Ulbricht-Stadion spannende 120 Minuten. Vier Minuten vor dem Abpfiff trifft Schröter zum 2:2 Ausgleich fĂŒr die SGD. In der VerlĂ€ngerung haben die damals noch in grĂŒn-weiß spielenden Dresdner die bessere Kondition. Nach 112 Spielminuten hallt ein Jubelschrei durch das Stadion. MittelstĂŒrmer Karli Holze erzielt das 3:2 in der VerlĂ€ngerung. Als der Abpfiff ertönt, schlagen die Dresdner PurzelbĂ€ume. Erich JahnsmĂŒller, der GeneralsekretĂ€r der Sektion Fußball, ĂŒberreicht dem Pokalsieger die Meisternadel. 

18.02.1967


„Ein Waterloo fĂŒr Wismut“, so betitelt Sportredakteur GĂŒnter Haman den ersten Kantersieg der Dynamos gegen Aue. Den RĂŒckrundenauftakt gewinnen die nun in rot-weiss spielenden Dresdner vor 18.000 Zuschauern mit 6:1. Vor dem Spiel waren die Zweifel groß. In der Nacht zuvor hatte es in Dresden heftig geschneit. Die Dynamos befĂŒrchteten, dass die Erzgebirgler besser mit der geschlossenen Schneedecke zu Recht kamen. Doch weit gefehlt. Mit dem Anpfiff entfachen die Dresdner einen Wirbel, der streckenweise die Massen begeistert.

10.10.1970


Ausgerechnet gegen Aue holt sich die SGD die TabellenfĂŒhrung zurĂŒck. Dresden muss zum bisherigen Spitzenreiter Jena vier Tore aufholen, um an den ThĂŒringern vorbei zu ziehen. Am achten Spieltag sehen 21.000 Zuschauer ein Torfestival von Dynamo. Insgesamt fallen fĂŒnf Treffer fĂŒr die Schwarz-Gelben. Das reicht um sich mit einem Tor mehr vor Jena zu schieben. Zuvor hatte die SGD mit 3:2 bei Hansa Rostock verloren und war von der Tabellenspitze verdrĂ€ngt worden. Diesen Platz an der Sonne lĂ€sst sich die SGD im Laufe der Saison nicht mehr nehmen. Nach dem Abstieg, hatte sich Dresden zurĂŒck gekĂ€mpft und kann seine zweite Meisterschaft feiern.

27.11.1971


In der torreichsten Begegnung zwischen Aue und Dynamo fallen acht Treffer. Die SGD gewinnt vor 18.000 Zuschauern mit 5:3. Trainer Walter Fritzsch nach dem Spiel: „Von den acht Treffern waren viele Zufallstore, wĂ€hrend die besten Chancen ungenutzt blieben.“ Der DDR-Meister und Pokalsieger belegt am Ende dieser Saison hinter Berlin und Magdeburg den dritten Platz.

20.06.1973


Einen Spieltag vor Saisonschluss fĂ€llt die Entscheidung um die Meisterschaft in Aue. Dynamo Dresden gewinnt seinen dritten Titel. 1000 Dynamofans sehen den 4:2 Sieg der Schwarz-Gelben im Erzgebirge und singen: „Dynamo, die beste Elf der Welt.“ Nach dem Spiel knallen in der Kabine die Sektkorken. Der dreifache TorschĂŒtze Hansi Kreische, der in 24 Spielen ebenso viel Tore schoss, strahlt: „Es ist geschafft Jungs, ein Prosit auf den dritten Meistertitel.“

13.08.1977


Vor dem Auftaktspiel der 30. DDR-Fußballmeisterschaft zwischen der SGD und Wismut Aue, wird Dynamo-KapitĂ€n Dixie Dörner als Fußballer des Jahres geehrt. In der Umfrage der Fachzeitschrift „Neue Woche“ erhielt er 384 Punke und verdrĂ€ngt damit JĂŒrgen Croy (343) auf den zweiten Platz. 34.000 Zuschauer sehen im ausverkauften Stadion die Eröffungszeromonie und einen 4:1-Sieg gegen Aue. Somit ist der Titelverteidiger gleich nach dem ersten Spieltag TabellenfĂŒhrer und holt nach 1976 die fĂŒnfte Meisterschaft nach Dresden.

05.11.1983


Der höchste Saisonsieg zwischen beiden Vereinen fĂ€llt 6:0 fĂŒr die SGD aus. Obwohl beide Teams ein ChancenverhĂ€ltnis von 10:8 haben, muss nur Aue-TorhĂŒter Weißflog den Ball aus dem Netz holen. Dresdens Trainer Klaus Sammer nach der Partie: „FĂŒr mich erfreulich, dass wir endlich nach sicherem Vorsprung auch in der zweiten Halbzeit weitere Tore erzielten. Ich bin froh, obwohl wir dem Gegner viel zu viel Chancen ermöglichten.“ Nach diesem neunten Spieltag holt sich die SGD die Tabellenspitze zurĂŒck. Am Ende wird jedoch der BFC Dynamo mit zwei Punkten Vorsprung Meister.

Nach der Wende bis heute:


WĂ€hrend sich die SGD fĂŒr die 1. Bundesliga qualifizieren kann, muss Aue in der Regionalliga von vorn anfangen. Als sich 1992 der Konzern Wismut als Geldgeber zurĂŒckzieht, kommt es zur Umbenennung in Erzgebirge Aue. FĂŒnf Jahre spĂ€ter sehen sich beide Vereine erstmals seit der Wende in der Regionalliga Nordost wieder. Die SGD verliert das Heimspiel vor 4700 Zuschauern mit 0:1. Im Jahr 2003 schafft Aue den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Ein Jahr spĂ€ter folgt die SGD. Vor allem die beiden 4:1 Niederlagen in den Zweitliga-Partien gegen Aue sind noch heute vielen Fans der SGD negativ in Erinnerung geblieben. In der neuen 3. Liga kann Dynamo gegen Aue das Heimspiel 3:1 gewinnen. Am letzten Spieltag in Aue wird Dynamo mit einem Unentschieden im Erzgebirge erstmals wieder bester Fußballverein in Sachsen. Die nĂ€chste Saison wird spannend. Ob Dresden seinen „Titel“ verteidigen kann, wird sich zeigen.