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Fragen und Antworten in der Stadion-Debatte
Am Mittwoch, 24.02.2010, wird Dynamo-Hauptgeschäftsführer Stefan Bohne ab 19.40 Uhr als Gesprächsgast an einem Videochat des MDR-Sachsenspiegels teilnehmen. Sein Gegenüber im Studio wird Dresdens Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann sein. Das Thema des Video-Chats lautet: „Kurz vor Toresschluss: Werden sich Dynamo Dresden und die Stadt noch einig?“. Er kann auf www.mdr-sachsenspiegel.de verfolgt werden, die beiden Gesprächspartner werden auf Zuschauerfragen antworten. Die Antworten des Vereins auf einige der zurzeit in der Öffentlichkeit diskutierten Fragen sind hier zusammengestellt:
Wie lautet die Grundposition des Vereins?
- Der Verein ist sich seiner eigenen Fehler aus der Vergangenheit bewusst und kommt gern der daraus folgenden Pflicht nach, seine Wirtschaftszahlen immer wieder offen zu legen und jederzeit seine Seriosität und Vertrauenswürdigkeit unter Beweis zu stellen.
- Im Mittelpunkt der aktuellen Verhandlungen steht die Frage: Was ist ein angemessener Mietpreis für ein modernes Fußballstadion, das in der 3. Liga betrieben wird?
- Dynamo hat nachweisen können, dass die derzeit vorgesehene Miete in Höhe von 2,1 Millionen Euro ein Vielfaches dessen darstellt, was vergleichbare Drittliga-Vereine zahlen. Zudem haben auch die Wirtschaftsprüfer der Stadt Dresden bestätigt, dass der Verein eine klare und seriöse wirtschaftliche Konsolidierung eingeleitet hat.
- Unter diesen Voraussetzungen geht es der SGD um eine faire, den Rahmenbedingungen angepasste und langfristige Lösung, die ihr sportliche und strukturelle Perspektiven bietet, ohne ihr die Verpflichtung zu Transparenz und Wirtschaftlichkeit zu erlassen.
- Dabei geht es nicht darum, den Verein „wieder einmal finanziell zu unterstützen“, sondern um die Finanzierung und den Betrieb einer städtischen Sportstätte. Zusätzliche Mittel der Landeshauptstadt würden nicht dem Verein zufließen, sondern wäre ein Betriebskosten-Zuschuss für die Sportstätte Rudolf-Harbig-Stadion.
Warum argumentiert der Verein in der Diskussion mit dem Szenario der Insolvenz?
Die SG Dynamo Dresden arbeitet transparent und mit realistischen Zahlen. Die Etatlücke von etwa 1,7 Millionen Euro in den Planungen für die neue Saison ist gleichbedeutend mit der Verweigerung der Lizenz durch den DFB. Diese Lücke klafft nachdem der Verein an vielen Stellen den Rotstift angesetzt hat. Eine Stadionmiete in Höhe von 500.000 Euro entspricht den Rahmenbedingungen der Liga und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Vereins. Doch selbst unter diesen Bedingungen würde die SG Dynamo Dresden am Existenzminimum agieren, Spielraum für höhere Investitionen in Mannschaft, Nachwuchs und Infrastruktur wäre nicht gegeben. Eine höhere Miete gefährdet demnach die Existenz, was hart formuliert werden muss, da das den von Wirtschaftsprüfern und DFB bestätigten Zahlen entspricht.
Welche Sparmaßnahmen hat der Verein seit der Unterzeichnung der Nutzungsverträge unternommen?
Beispielsweise wurde der Etat für die Drittliga-Profis in den Planungen für die Saison 2010/11 weiter gesenkt. Obwohl er sich bereits in dieser Spielzeit unter dem Schnitt der 3. Liga bewegt. Vergleichbare Vereine investieren ca. 1 Million Euro mehr in ihre Lizenzmannschaft! Darüber hinaus hat Dynamo z.B. Verwaltungs-Personal abgebaut, ein externes Unternehmen mit dem aufwändigen Merchandising-Handel beauftragt und eine provisorische Geschäftsstelle mit deutlich niedrigerem Betriebskostenaufwand bezogen.
Ein Vergleich der Bilanz der Saison 2007/08 und der Planung für die Saison 2010/11 ergibt, dass Dynamo an verschiedenen Positionen heute insgesamt 1,6 Millionen Euro weniger ausgibt! Im krassen Gegensatz dazu ist die Stadionmiete seitdem von 91.000 Euro auf 2.085.000 Euro (und damit das 13-Fache des Ligaschnitts von 160.000 Euro, Quelle: DFB) gestiegen.
Obwohl der Verein also nachhaltig und belegbar eine wirtschaftliche Konsolidierung eingeleitet hat, die auch städtische Wirtschaftsprüfer bestätigen, fällt er in der derzeitigen Konstellation hinsichtlich seines Betriebsergebnisses auf das Niveau von 2007/08 zurück.
Hat der Verein zu wenig „Lobbyarbeit“ betrieben?
Wie mit den Verhandlungspartnern vereinbart, hat sich Dynamo an die Geheimhaltungsvereinbarung gehalten und keine Zwischenstände oder eigene Argumentationen offen gelegt. Auch der DFB hat die von ihm zur Verfügung gestellten Zahlen erst im Februar 2010 für die Veröffentlichung freigegeben. Seit Sommer 2009 war Dynamo, vertreten durch Hauptgeschäftsführer Stefan Bohne, Präsident Hauke Haensel und zeitweise Ralf Minge, immer wieder in den zuständigen Ausschüssen des Dresdner Stadtrates zu Gast und hat alle geforderten Daten und Zahlen stets pünktlich präsentiert. Ein im Dezember versandtes Angebot an die Stadtrats-Fraktionen, die Vereinsposition ausführlich vorzustellen, wurde von allen Fraktionen außer Bündnis90/Die Grünen angenommen.
Was passiert, wenn es keine rechtzeitige Lösung vor dem 1. März gibt?
Dann reicht der Verein die aktuelle Planung für die Saison 2010/11 ein, die aufgrund der auf knapp 2,1 Millionen Euro steigenden Miete eine Unterdeckung von gut 1,7 Millionen Euro aufweist. Nach Prüfung durch den DFB und möglichen Widersprüchen würde die Festlegung der zu erbringenden Auflagen durch den Deutschen Fußball-Bund erfolgen. Bis zum 3. Juni 2010 müssten die Auflagen durch die SG Dynamo Dresden erfüllt werden, dies würde den Nachweis eines Zuflusses in Höhe von mindestens 1.751.000 Euro umfassen. Dies ist für den Verein nach derzeitigem Stand nicht zu stemmen.
Notmaßnahmen für weitere Einsparungen würden die Schließung des Nachwuchsleistungszentrums und drastische Einsparungen in der 1. Mannschaft bedeuten. Auslaufende Verträge würden nicht verlängert, der Kader um zahlreiche Spieler aus der 2. Mannschaft ergänzt werden. Die sportliche Perspektive in der 3. Liga schwindet.
Warum verkauft Dynamo nicht einfach den Stadionnamen?
Die Vermarktung des Stadionnamens durch SPORTFIVE würde nicht die in einem Pressebericht kolportierten 1 Million Euro pro Jahr erbringen, sondern einen niedrigen siebenstelligen Betrag für die gesamte Vertragslaufzeit von fünf Jahren, aufzuteilen unter SPORTFIVE, der Stadion-Projektgesellschaft und Dynamo. Dieses Vermarktungspotenzial ist erst seit der endgültigen Fertigstellung des Stadions Ende 2009 tatsächlich gegeben und wird seitdem von SPORTFIVE bearbeitet. Eine notwendige Umbenennung des Stadions während der Frauen-WM 2011 würde die FIFA finanzieren. Mit den Verhandlungen um die Stadionnutzung steht die Vermarktung des Stadionnamens jedoch nicht im Zusammenhang.
Was passiert mit dem Stadion, wenn Dynamo es nicht mehr nutzt?
Der Baukredit müsste weiterhin abgezahlt, die erheblichen Betriebskosten auch für die nicht genutzte Sportstätte weiterhin getragen werden. Soziales Wirken wie die Jugend- und Nachwuchsarbeit oder wirtschaftliche Effekte würden wegfallen. Die finanzielle Belastung für die öffentliche Hand würde ohne Dynamo sogar steigen. Die vom Verein vorgeschlagene Lösung ist in Unterhalt und Kreditbedienung günstiger für die Landeshauptstadt Dresden als ein leer stehendes Stadion (Quelle: Stadion Dresden Projektgesellschaft): Stadion-Kosten in Höhe von 4,3 Millionen Euro für die Landeshauptstadt ohne Dynamo stehen Kosten in Höhe von 3,8 Millionen Euro für den Fall gegenüber, dass Dynamo eine realistische Miete in Höhe von 500.000 Euro zahlt.
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