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Insolvenzverwalter vor der Tür
Immer mehr Vereine sitzen in der Schuldenfalle
Dem Halleschen FC droht die Insolvenz. Dynamo Dresden kämpft um die Existenz. Die Schlagzeilen der letzten Wochen lassen sich beliebig fortsetzen. Und sie erscheinen nicht nur über Oberliga-Vereine im Osten. "Akute wirtschaftliche Sorgen sind ein generelles Problem in den oberen Fußball-Amateurklassen", bestätigt Hans-Georg Moldenhauer, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Chef des nordostdeutschen Regionalverbandes (NOFV). "Sobald es der Wirtschaft schlechter geht, schlägt das in der Folge auf die Vereine durch." Der Magdeburger sieht einen beträchtlichen Teil der Schuld aber auch bei den Klubs selbst: "Es werden Luftschlösser gebaut, statt solide mit den zur Verfügung stehenden Finanzen umzugehen." Man wolle sportlich möglichst groß herauskommen und glaube deshalb, "mit den Wölfen heulen zu müssen".
Der DFB habe die Gefahr jedoch erkannt. Moldenhauer: "Für den Außerordentlichen Bundestag am 3. Mai sind Beschlüsse vorgesehen, die restriktiv eingreifen, um eine Chancengleichheit ohne Schuldenfalle zu gewährleisten."
So sei eine Neuordnung der Spielberechtigung "im Sinne der Förderung der deutschen Fußballtalente" geplant. Es geht dabei um nicht mehr und weniger als die Beschränkung der eingesetzten ausländischen Kicker. "Denn wenn die deutschen Talente weiter so wenig Einsatzchancen bekommen, können wir uns das geplante neue Stützpunktsystem schenken", sagt Moldenhauer. "Hier wollen wir ja nicht nur für die einzelnen Nationalmannschaften ausbilden, sondern auch für die Vereine selbst." Für ein auch immer wieder gefordertes Lizenzierungsverfahren unterhalb der Regionalliga kann sich der DFB-Vizepräsident dagegen ebenso wenig erwärmen wie für die Reduzierung der Nordost-Oberliga. Ersteres wäre rechtlich bedenklich, während eine einstaffelige vierte Spielklasse von der Mehrheit der betreffenden Vereine abgelehnt würde. "Es ist für sie ja auch eine Frage des Images, überregional zu spielen." Deshalb habe er keine "allzu große Angst, dass im Frühjahr gleich vier, fünf Vereine in die Insolvenz gehen. Die Gefahr besteht seit Jahren, aber die meisten haben sich am Ende immer noch irgendwie retten können".
Auf eine solche Formel läuft derzeit auch alles beim HFC hinaus, dessen kurzfristige Verbindlichkeiten in den sechsstelligen Euro-Bereich gehen. Vorstandsmitglied Reinhard Köppe bezeichnet allerdings alle derzeit öffentlich gehandelten Zahlen als "reine Spekulation". Vor Jahren seien die Schulden "um ein Vielfaches höher" gewesen. Hoffnung macht die jetzt aus dem halleschen Rathaus avisierte Unterstützung. Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler hat angekündigt, dem angeschlagenen Verein finanziell unter die Arme greifen zu wollen. Sie berief zugleich eine Arbeitsgruppe mit kompetenten Persönlichkeiten der Stadt, die den HFC auch konzeptionell begleiten soll. "Als Vorstand sind wir dafür dankbar, aber wir bemühen uns zugleich selbst weiter intensiv um eine Lösung", verkündet Köppe.
Dass es "irgendwie weiter geht", hofft man auch bei Dynamo Dresden. Durch die ausgebliebenen "Sportwelt"-Gelder steht der Verein mit 767000 Euro im Minus und schaltet deshalb jetzt sogar ein "Spendentelefon". Allein im Vorjahr verpulverte Dynamo um aufzusteigen vier Millionen Euro. Solchem Harakiri will der DFB nun einen Riegel vorschieben. Es bleibt aber die Frage, ob sich der bei einigen Vereinen bereits vor der Tür stehende Insolvenzverwalter dann nicht schon Eintritt verschafft hat..

