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Stefan Bohne

Stefan Bohne: "Wir wollen eine sportliche Perspektive in einem soliden wirtschaftlichen Umfeld"


April 2009

Interview Hauptgeschäftsführer Stefan Bohne

Vielen Dank, dass Sie die Zeit für das Interview gefunden haben. Es steht im Moment eine Vielzahl an Fragen an, die Fans derzeit bewegen. Die erste Frage dreht sich aus aktuellem Anlass natürlich um die Lizenz. Kann man eigentlich schon zur Lizenz gratulieren?
Wir haben gestern ein Schreiben vom DFB erhalten. In diesem Schreiben wurde uns mitgeteilt, dass wir unsere Unterlagen fristgerecht und vollständig eingereicht haben. Wir haben aber als Verein noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Gratulieren kann man also erst dann, wenn wir die Auflagen entsprechend erfüllt haben.  Bis dahin müssen wir unsere Vermarktungserlöse nachweisen. Das ist eine Aufgabe, die wir eins zu eins an Sportfive weitergegeben haben. Wir gehen aber davon aus, dass Sportfive über die Erfahrungen verfügt und wir deshalb dem DFB auch unsere Vermarktungserlöse glaubhaft präsentieren können. Wir müssen daneben als Verein noch andere Mittelzuflüsse nachweisen und unseren Kosteneinsparungsplan untersetzen.

Sportfive ist jetzt unser neuer Partner im Bereich Vermarktung. Ist Sportfive denn jetzt schon in der Lage, dem DFB die Vermarktungserlöse nachzuweisen?
Sportfive hat einen eigenen Business-Plan aufgestellt. Dieser Business-Plan ist realistisch, weil dort auch sehr defensiv geplant wurde.

Sie haben in der Pressekonferenz bei der Vorstellung von Sportfive ein recht ehrgeiziges Ziel herausgegeben. Sie sagten aber, dass Sportfive recht defensiv plant. Macht Ihnen das nicht Sorge?
Ich halte es für richtig, dass wir im Lizenzierungsverfahren defensiv planen. Wir würden uns mit Prognosen, die dann vielleicht nicht eingehalten werden können, selber unnötig unter Druck setzen. Die Erwartungshaltung des Vereins ist aber schon höher. Wir gehen davon aus, dass wir mit unserem Vermarkter doch höhere Erlöse erzielen können, als wenn wir allein vermarktet hätten. Die ersten Tage geben mir Mut. Wir haben derzeit wirklich viele Anfragen nach VIP-Plätzen, Logen und Werbeflächen. Da dreht sich schon richtig was.

Das klingt sehr optimistisch?
Ja, man merkt wieder einmal, welchen Stellenwert der Verein in der Stadt und in der Region hat. Jetzt es ist aber noch die Aufgabe von Sportfive, überregional aktiv zu werden.

 

Ich möchte zum zweiten Thema kommen? Es wurde gestern in der Presse berichtet, dass Dynamo umziehen muss. Stimmt das? Wenn ja warum?
Grundsätzlich ist das richtig. Aktuell befinden wir uns ja noch im Stadion und haben unsere Büros in den alten Gebäuden hier auf dem Gelände. Diese Gebäude werden aber definitiv abgerissen. Auch unser Trainingsgelände im Großen Garten steht uns dann nicht mehr zur Verfügung. Unser Ziel ist es, dass wir noch eine Übergangslösung finden. Sprich, dass bedeutet, dass wir noch ein Jahr hier bleiben können. Parallel wollen wir dann für den Verein eine langfristige Lösung finden.

Haben Sie schon einen konkreten Plan, oder denken Sie noch über Alternativen nach?
Die Gedanken sind da vielfältig und noch nicht abgeschlossen. Derzeit gibt es zwei mögliche Szenarien. Nummer 1 beinhaltet, dass wir Dynamo dezentral auf verschiedene Standorte verteilen. Das bedeutet, dass wir dann das Nachwuchsleistungszentrum im Ostragehege hätten, mit der 1. und 2. Mannschaft auf jeweils unterschiedlichen Plätzen in der Umgebung trainieren würden und wir unsere Geschäftsstelle in der Stadt hier im Umfeld vom Stadion einrichten. Wenn man genau überlegt muss man feststellen, dass diese Variante nicht vorteilhaft für Dynamo ist. Meine persönlich heute favorisierte Variante ist die, dass wir den Trainingsbetrieb aller Mannschaften gemeinsam mit der Geschäftsstelle zentralisieren. Wir könnte dabei möglicherweise den derzeit in Planung befindlichen Sportpark im Ostragehege nutzen.  Natürlich sind wir für weitere Überlegungen offen.

Ein Argument war, dass dann der Nachwuchs und die Profis enger zusammenrücken würden. Gibt es dort vielleicht noch weitere Argumente?
Die Variante im neuen Sportpark hätte schon einen gewissen Charme. Wir kennen die Planungsstände der Stadt für diesen Park. Das wird ein wirklich multifunktionales Areal. Neben den Fußballplätzen würden uns dann noch Hallenplätze, Krafträume, Tennis- und Volleyball-Anlagen zur Verfügung stehen. Diese könnte man in den Trainingsprozess einbeziehen und das Training wesentlich ausgewogener gestalten. Dazu kommt noch der Aspekt der Vermarktung. Wenn wir dort als Verein präsent sind, besteht auch die Möglichkeit, dass wir diesen attraktiven Standort dann neben dem Stadion auch separat vermarkten.

Das klingt sehr schlüssig, aber trotzdem werden die anderen Alternativen noch diskutiert?
Das ist richtig. Wir diskutieren darüber sehr sachlich und neutral. Fakt ist, wir reden derzeit nur über Planungsstände. Wir haben bis heute nichts unterschrieben, oder irgendwelche Zusagen gegeben oder erhalten.

Kommen wir zum dritten sehr wichtigen Thema. Das ist der Stand der Verträge mit den Spielern für die kommende Saison. Wie ist da jetzt der konkrete Stand?
Zu konkreten Vertragsinhalten können wir natürlich nichts sagen. Vor den Verhandlungen haben wir uns ein Bild über den aktuellen Zustand der Mannschaft gemacht. Wir haben daraus eine Planung entwickelt, die aufzeigt, in welche Richtung wir sportlich gehen wollen. Das haben wir gemeinsam mit Trainer Ruud Kaiser und Chef-Scout Nico Däbritz gemacht. Wir dürfen aber den wirtschaftlichen Bereich nicht außer acht lassen. Da haben wir uns ganz klare Vorgaben gestellt. Wir haben auch eine vom Wirtschaftsprüfer bestätigte Etatplanung beim DFB abgegeben. Die beiden Hauptkriterien, also die sportliche Perspektive und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit, werden wir dabei immer berücksichtigen. Für die Verhandlungen haben wir uns einen Zeitplan vorgegeben. Ich kann sagen, dass wir uns dabei aktuell im Zeitplan befinden.

Dynamofans fordern immer Verstärkungen. Glauben Sie, dass Sie unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen die derzeitige schlagkräftige Mannschaft halten und eventuell noch verstärken können?
Es muss Ziel des Vereins sein, die Leistungsträger zu halten. Das haben wir auch klar definiert. Natürlich besteht immer der Wunsch nach Verstärkungen, doch es muss im Rahmen unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten geschehen. Ich gehe schon davon aus, dass wir in der kommenden Saison eine schlagkräftige Mannschaft aufstellen können. Ich denke auch, dass wir dazu noch die eine oder andere Neuverpflichtung und damit Verstärkung präsentieren werden.

Ich frage trotzdem noch einmal nach dem Zeitplan.
Es liegt ja nicht nur an uns. Es richtet sich auch danach, wie die Spieler oder die Spielerberater auf unsere Angebote reagieren. Einen Teil unserer Angebote haben wir schon präzisiert. Ich bin guter Hoffnung, dass wir in den nächsten Tagen weitere Ergebnisse vermelden können.

Dann kann man nur viel Glück wünschen. Vielen Dank für dieses Gespräch.

Dynamo.Radio: Das Interview