Interview mit Alexander Schnetzler

„Erfolge kann man immer nur zusammen erreichen.“

In der Zweitliga-Saison war sein Stammplatz bisher nur auf der Bank. Vor zwei Wochen reichten Alexander Schnetzler aber zwanzig Minuten – oder genauer: zehn Sekunden –, um mit dem Tor zum 4:3 gegen Leverkusen deutschlandweit auf sich aufmerksam zu machen.

Im Interview mit dem Dynamo-KREISEL spricht der Neuzugang über den Trubel in den Tagen nach dem Pokaltriumph, die Gefühle nach dem Abstieg mit Osnabrück – und die Pläne für die Zeit nach der Karriere.

KREISEL: Alex, bis zur 100. Minute im DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen hast Du noch keine Minute für die SG Dynamo Dresden auf dem Platz gestanden...
Schnetzler: So schnell kann es manchmal im Fußball gehen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ein Spieler durch eine einzige Aktion von der einen auf die andere Sekunde in einem ganz anderen Licht erscheint. Was dieses Tor im Nachhinein für Wellen schlug, hat mich dann aber doch etwas überrascht.

Deine Mannschaftskollegen haben dich nach dem Schlusspfiff und dem 4:3-Sensations-Sieg über Ballack & Co. vor dem K-Block auf Händen getragen. Doch man sah dir an, dass Du dich dabei nicht allzu wohl in deiner Haut gefühlt hast...
Ich habe ja schon vorher betont, als ich nicht zum Einsatz gekommen bin, dass Fußball für mich ein absoluter Mannschaftssport ist. Und das wird auch immer so bleiben – selbst nach so einem wichtigen Tor. Deshalb kannst Du Erfolge auch immer nur zusammen erreichen. Es kann jeder handhaben wie er möchte, aber ich persönlich möchte nach Erfolgen nicht so sehr im Vordergrund stehen. Sind wir mal ehrlich: So viel habe ich bisher für den Verein auch noch nicht geleistet. Ich habe gegen Leverkusen 20 Minuten gespielt und hatte dann in der entscheidenden Situation das große Glück, ein Tor zu schießen. Aber ohne die vorangegangen 100 überragenden Minuten meiner Mannschaftskollegen, als ich noch auf der Bank saß, wäre ich erst gar nicht zu dieser Chance gekommen. Deswegen sollte man nach einem einzigen Tor einfach besser mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben – zumindest lautet so meine persönliche Devise.

Du hast unser Stadion inzwischen aus zwei Perspektiven als Tollhaus erlebt. Wie sieht der Vergleich zum Relegationsspiel aus, als Du noch als Gegner für Osnabrück aufgelaufen bist?
Man nimmt die Stimmung natürlich ganz anders auf, wenn die Zuschauer hinter der eigenen Mannschaft stehen. Da entstehen so viele positive Energien. Als gegnerischer Spieler nimmst Du die Lautstärke undifferenzierter wahr, weil man fokussiert ist und nicht auf jedes Wort der Zuschauer achtet. Bei den eigenen Fans ist das selbstverständlich anders: Da pushen dich die Anfeuerungsrufe einer solchen Zuschauermasse in einer besonderen Weise.

Welche Erinnerungen hast Du an den Abpfiff des Relegationsrückspiels in Osnabrück?
Der war der absolut schlimmste Moment meiner Karriere! Ich bin direkt nach dem Abpfiff in die Kabine gelaufen. Ich fühlte eine absolute Leere und meinen damaligen Mannschaftskollegen ging es nicht anders. Wir saßen in der Kabine, es war totenstill, keiner konnte oder wollte noch etwas sagen... Die Enttäuschung über den Abstieg war riesengroß! Solche Gefühle kann man genauso schwer erklären wie die größten Glücksmomente in einer Karriere.

War es der schlimmste deiner bisherigen drei Abstiege?
Ohne Zweifel! Vor allem der, den ich am meisten und am intensivsten wahrgenommen habe. Was vielleicht auch daran liegt, dass er noch nicht solange zurückliegt. Beim Abstieg mit Pfullendorf war ich als Anfang Zwanzigjähriger sportlich kaum beteiligt. Wenn man es überspitzt ausdrücken will, war er für uns junge Spieler sogar ein Segen, da wir im Folgejahr richtig in die Verantwortung genommen wurden und dann auch gleich den direkten Wiederaufstieg aus der Oberliga geschafft hatten. Als junger Spieler überblickt man generell aber auch noch nicht die Folgen eines Abstieges so klar,  wie man es später als erfahrener Spieler tut. So hätte der Abstieg Jahre später aus der 2. Bundesliga mit Erfurt für den Verein damals fast den finanziellen Ruin bedeutet. Das habe ich damals glaube ich noch gar nicht kapiert. Erst wenn man etwas älter wird, versteht man erst richtig, was der Abstieg für den Verein, seine Fans, die Stadt und die ganze Region bedeutet. Heute bin ich mir der Konsequenzen sehr bewusst.

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