Interview mit Ralf Loose

„Keiner meiner Spieler hat die Hand gehoben, kein Einziger!“

Der gebürtige Westfale und Wahl-Liechtensteiner übernahm die Mannschaft als Cheftrainer am 33. Spieltag der vergangenen Drittliga-Saison und führte Dynamo in einem fulminanten Endspurt in die Relegation. Dort erfüllte er mit seiner Mannschaft den Traum einer ganzen Stadt und führte Dynamo zurück in die 2. Bundesliga: Ralf Loose.

Der Dynamo-KREISEL verabredete sich mit dem 48-jährigen Übungsleiter im Mittelkreis des „glücksgas stadion“ zum Interview. Ralf Loose sprach mit uns über explodierende Gefühle nach dem Sieg in Osnabrück und über den Saisonstart in der 2. Bundesliga. Außerdem verriet er uns, warum er mit seiner Mannschaft für den Klassenerhalt in dieser Spielzeit nicht den Mount Everest besteigen muss.

KREISEL:Herr Loose, am 12. Oktober haben Sie Ihr sechsmonatiges Jubiläum als Cheftrainer bei der SG Dynamo Dresden gefeiert. Wenn sie auf das vergangene halbe Jahr zurückblicken: Was waren Ihre ganz persönlichen Höhepunkte im Rückblick?
Loose: Das Fass zum Überlaufen haben natürlich das Relegationsrückspiel gegen Osnabrück und der anschließende Aufstieg in die 2. Bundesliga gebracht. Das war sicher die Explosion des Ganzen, was sich in den Wochen zuvor angestaut hat. Am Ende wurden wir dafür belohnt, was wir als gesamtes Team an Energie investiert haben, um den Aufstieg am Ende tatsächlich zu realisieren. Trotzdem denke ich, war im Rückblick jedes einzelne Ereignis, eine schöne Erfahrung. Selbst das Spiel gegen Babelsberg, mit allen Enttäuschungen, als wir nur einen Punkt holen konnten, der am Ende aber ganz wichtig für uns war. Schließlich hatten wir am Ende nur einen Punkt Vorsprung…

Gerade nach dem Spiel am 36. Spieltag in Babelsberg schienen eigentlich alle Aufstiegshoffnungen begraben. Sie haben der Mannschaft nach dem enttäuschenden Ergebnis jedoch gesagt, dass es die anderen Teams erst einmal besser machen müssten – und behielten damit zur Überraschung aller recht: Die Konkurrenten aus Erfurt, Wiesbaden und Offenbach patzten ebenso im Rennen um den Relegationsplatz. Haben Sie so etwas schon mal im Finale einer Saison erlebt?
Ich habe sowohl als Spieler als auch als Trainer schon viele Dinge erlebt. Ich weiß, insbesondere wenn es in die Zielgerade einer Saison geht, dass die Nerven eine große Rolle im Fußball spielen. Da geht es nicht mehr ausschließlich um die Fitness und die taktische Klasse einer Mannschaft. Wir haben uns in der Endphase der 3. Liga einfach auf unsere Offensivstärke verlassen können. Wir lagen häufig in den entscheidenden Spielen zurück, mussten Rückschläge verkraften und haben allein in den letzten drei Spielen zwei Eigentore geschossen! Die Mannschaft hat in dieser Phase einen enormen Charakter bewiesen und ist immer wieder nach Rückschlägen zurückgekommen. Selbst in den Relegationsspielen mussten wir in beiden Spielen mit einer großen Moral und dem Glauben an uns selbst jeweils einen Rückstand aufholen. Das war für mich wirklich beeindruckend, wie die Mannschaft sich in diesen wichtigen Spielen und in diesen Drucksituationen präsentiert hat und schlussendlich dann auch den phantastischen und verdienten Aufstieg geschafft hat.

Als Sie am 12. April dieses Jahres, dem Gründungsdatum der SG Dynamo Dresden, als neuer Cheftrainer vorgestellt wurden, waren viele über die Entscheidung verwundert – vor allem deshalb, weil Sie einfach niemand auf dem Zettel hatte. Ihnen wurde in der Pressekonferenz daraufhin spürbare Skepsis entgegen gebracht. Sie sind damals trotzdem ruhig und sachlich geblieben. Woher nehmen Sie diese Ausgeglichenheit und Souveränität?
Ich denke, das ist ein Stück weit Veranlagung bei mir. Ansonsten macht jeder seinen Job. Ich wurde halt nicht mit offenen Armen empfangen, das habe ich aber auch nicht unbedingt erwartet. Die Journalisten machen eben ihre Arbeit und die gestaltet sich auch nicht immer einfach. Schließlich müssen sie ihren Lesern, Zuhörern oder Zuschauern täglich eine neue Story über den Verein liefern. Da ist es nichts Außergewöhnliches, dass auch mal kritische, unangenehme oder polemische Fragen gestellt werden. Ich muss und möchte den Fragenden natürlich trotzdem immer mit einem entsprechenden Respekt gegenüber treten und in sachlicher Form antworten. Das ist einfach meine Art.

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