Interview mit Romain Brégerie

„Es gibt in diesen Spielen magische Momente.“

Er ist der erste Franzose, der in der knapp sechzigjährigen Vereinsgeschichte das schwarz-gelbe Dynamo-Trikot trägt. In den vergangenen drei Jahren spielte er  in der 2. Liga seines Heimatlandes beim FC Metz und wechselte als Kapitän  von der Mosel an die Elbe: Romain Brégerie.

Der Dynamo-KREISEL traf sich mit dem Franzosen in einem Weingut am Dresdner Elbhang zum Interview. Wir sprachen mit dem 24-Jährigen zwischen den Weinreben über die ersten Wochen in Dresden, über die besondere Beziehung eines „Bordelais“ zu Wein, über einen großartigen Pokalabend mit dem FC Metz, als er mit dem Zweitligisten den amtierenden französischen Meister aus dem Pokal warf und er erklärte uns, warum Zinédine Zidane in Frankreich eine lebende Legende ist.


Wir befinden uns hier in einem der wenigen Weinanbaugebiete entlang der Elbe bei Dresden. Romain, bevorzugst du eher Rot- oder Weißwein?
Definitiv Rotwein!

Warum...?
Insbesondere aufgrund des Geschmacks. Rotwein ist viel fruchtiger und deshalb auch viel intensiver im Genuss. Ich trinke gern mal ein Glas Rotwein am Abend, geradezu perfekt dazu passen ein paar französische Käsehäppchen.

In Deutschland bevorzugen die Menschen eher ein Bier am Abend. Welchen Stellenwert nimmt Rotwein in der französischen Kultur ein?
Rotwein ist in Frankreich generell viel beliebter als Bier. Aber natürlich hängt es erheblich damit zusammen, aus welcher französischen Region man stammt. In der Region Bordeaux, in der ich aufgewachsen bin, ist Rotwein eine Art Religion für die Menschen. So ist es auch in meiner Familie und denen meiner Freunde nicht anders. Aber ich habe in Metz auch eine andere Seite der französischen Kultur erlebt, die allgemein näher der deutschen ist als der französischen, wenn man die Vorliebe für Wein und Bier als Maßstab nimmt: Die Menschen in Metz, die ja sehr nahe zur belgischen, luxemburgischen und deutschen Grenze leben, bevorzugen eher Bier als wir, die aus Bordeaux kommen.

Ist es für dich nur wichtig, dass ein Wein aus roten Trauben gewonnen wurde? Oder ist es noch viel wichtiger, dass es ein richtiger Bordeaux ist?
Für einen richtigen „Bordelais“ wie mich, ist es im Grunde ein ungeschriebenes Gesetz, dass man andere Rotweine nicht trinken darf (lacht). In den Restaurants meiner Heimatstadt gibt es eine große Auswahl verschiedenster Bordeaux-Weine, aber keine große Auswahl an anderen Weinen. Daran sieht man in gewisser Weise, wie stolz wir auf den Wein aus unserer Region sind. Das ist wie in der Religion, da betet ja auch niemand für einen Moment aus dem Genuss heraus einen anderen Gott an.

Wann hast Du das erste Mal in deinem Leben Wein getrunken?
Sehr früh! Ich war vielleicht sieben, als mir mein Vater am Essenstisch den ersten kleinen Schluck Rotwein zum Probieren gab. Als Kind hat mir Wein natürlich zuerst überhaupt nicht geschmeckt, aber mit den Lebensjahren habe ich Rotwein dann wirklich lieben gelernt. Wobei die Gelegenheiten und die Menge des Konsums als Leistungssportler und Fußballprofi logischerweise eingeschränkt sind und immer im Verhältnis zur täglichen Trainingsarbeit stehen. Wenn ich aber in den Genuss eines guten Rotweins komme, genieße ich das selbstverständlich sehr.

Haben deine Eltern in ihrem Haus in Bordeaux einen richtigen Weinkeller?
Meine Eltern sind geschieden und leben in verschiedenen Häusern. Einen richtigen Weinkeller – wie man ihn sich in romantisch in einem alten Schloss vorstellt – haben beide nicht. Was sie aber selbstverständlich haben, ist ein gesonderter kleiner Raum, wo sie ihre vielen Flaschen Wein auf Vorrat liebevoll deponieren und einlagern.

Wir stehen hier zwischen Weinreben des Dresdner Elbhanges, die zugegebenermaßen noch ein paar Wochen benötigen, bis sie die notwendige Reife zur Ernte erreicht haben. Entsteht bei dir im Anblick dieser Landschaft trotzdem ein klein wenig heimatliches Gefühl?
Nein, eigentlich nicht, da ich ja nicht wirklich zwischen Weinreben aufgewachsen bin. Einigen Freunden von mir aus Bordeaux würde es womöglich tatsächlich so gehen, da deren Familien seit Generationen ein eigenes Weingut besitzen, deren Namen oder Wappen auch die entsprechenden Weinflaschen im Handel zieren. Deshalb sind manche Freunde von mir besonders mit dieser Landschaft verwachsen. Aber ich komme nicht aus einer solchen Familie. Ich bin mitten in der Stadt aufgewachsen und dort gibt es keine Weinreben, die Landschaft sieht auch generell etwas anders aus als hier auf dem Weinhang. Wenn Du vor mich eine gute Flasche Rotwein stellst, erkenne ich mich selbst wieder, aber nicht in einem Weingut (lacht).

Du lebst jetzt seit ein paar Wochen in Dresden. Wo siehst Du im ersten Augenblick die größten Unterschiede zwischen deiner Heimatstadt Bordeaux und Dresden?
(lacht) Da fällt mir spontan das Wetter ein... Ich denke, der Juli meint es in diesem Jahr nicht gut mit uns. Es gab doch sehr viele Regentage und auch die Temperaturen fühlen sich momentan nicht wirklich sommerlich an. Aber mein Vorteil ist, dass ich mich in den vergangenen drei Jahren in Metz bereits an dieses wechselhafte Wetter gewöhnen konnte – ich kann damit also ganz gut umgehen.

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