Festliche Matinée

Laudatoren, Gäste, Nachwuchsspieler, Dynamo-Präsident Andreas Ritter sowie die Moderatoren Andreas Fritsch und Holger Scholze bei einem gemeinsamen Abschlussfoto am Sonntag im Hygiene-Museum Dresden.

Die Matinée zum Jubiläum der SG Dynamo Dresden ist Geschichte. Und sie ist – das kann man jetzt schon sagen – ein schönes, ein gutes Kapitel in der nun mehr als 60-jährigen Geschichte der Sportgemeinschaft. Bei der von Holger Scholze und Andreas Fritsch moderierten festlichen Veranstaltung mit über 500 Gästen im Hygiene-Museum Dresden am Sonntag empfing die SGD zum Geburtstag Würdigungen aus Sport, Gesellschaft und Kultur. Gleichzeitig würdigte der Verein stellvertretend für viele verdiente ehemalige Spieler eine Reihe von herausragenden Sportlerpersönlichkeiten, die das schwarz-gelbe Trikot mit Erfolg und Stolz trugen und den „Mythos“ Dynamo Dresden bis heute verkörpern.

Dynamo-Präsident Andreas Ritter brachte es am Sonntagnachmittag auf den Punkt, als er sagte, „dass diese Matinée nicht nur dazu beitrug, vielen Gästen, die nicht tagtäglich mit Dynamo Dresden zu tun haben, etwas von der Einzigartigkeit des sächsischen Kult-Clubs zu vermitteln. Die Veranstaltung war auch ein Stück gelebter Traditionspflege“, so Ritter, „von der der gesamte Verein über den Tag hinaus zehren kann.“

Der ehemalige Geschäftsführer Christian Müller zog nach der Festlichkeit ebenfalls ein positives Fazit: „Dynamo Dresden hat es verdient, sich zum runden Vereinsjubiläum auch in diesem feierlichen Rahmen zu präsentieren. Am heutigen Nachmittag möchte ich vor allem sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, für diesen Verein zu arbeiten. Ich freue mich darüber, dass viele Gäste, die Dynamo sonst eher aus der Ferne sehen, unserer Einladung gefolgt sind, und ich glaube, dass es uns auch geglückt ist, das Besondere an Schwarz-Gelb für das Publikum wirklich greifbar werden zu lassen. Dazu beigetragen haben insbesondere die Laudatoren, aber auch viele andere Gäste, die sich mit freundlichen und aufrichtigen Worten an Dynamo Dresden gerichtet haben. Danke dafür.“

Dynamos ehemaliger Geschäftsführer Christian Müller mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig und Dynamo-Präsident Andreas Ritter

Dass das Anliegen, „Dynamo“, „Schwarz-Gelb“ und „1953“ zu transportieren und manchem „Außenstehenden“ erlebbar zu machen bestens verwirklicht wurde, dokumentiert ein Ausspruch von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der die Einladung zur Matinée ohne zu zögern angenommen hatte: „Ich sehe, dass hier in Dresden an einem Strang gezogen wird“, sagte Niersbach. „Man spürt, was dieser Verein den Menschen in Dresden und Sachsen bedeutet.“ Die Laudatio des ranghöchsten deutschen Fußballfunktionärs war für die SGD insbesondere deshalb eine Ehre, weil er seine persönlichen Glückwünsche zum Jubiläum mit kritischen, wohlwollenden, aber jederzeit offenen Worten an den Verein überbrachte. Niersbach formulierte seinen uneingeschränkten Respekt vor der Entscheidung, den Pokalausschluss vor dem Ständigen Schiedsgericht neu verhandeln zu lassen und nannte diesen Schritt „absolut berechtigt“. Gleichzeitig appellierte er an die Vereinsverantwortlichen, die Entscheidung der Sportgerichtsbarkeit in letzter Instanz anzuerkennen. Vor allem jedoch bestärkte Wolfgang Niersbach, der als damaliger DFB-Pressechef das von schweren Ausschreitungen überschattete letzte Europapokal-Spiel der SGD gegen Roter Stern Belgrad in Dresden 1991 im Stadion selbst miterlebt hatte, den Verein in seinen Bemühungen, die Gewaltproblematik in den Griff zu bekommen. „Ich spüre den starken Willen, die Minderheit dieser Chaoten auszugrenzen. Für Dresden gilt hier dasselbe, was für die gesamte Fußball-Landschaft gilt.“

Weitere Grußworte kamen von Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz, dem Sächsischen Staatsminister des Innern Markus Ulbig sowie ZEIT-Redakteur Christoph Dieckmann. Die Stadtoberin hob hervor, dass Stadt und Fußballverein stets wussten, was sie aneinander haben, und verband damit den Wunsch, das partnerschaftliche Verhältnis weiter zu pflegen. Christoph Dieckmann hielt eine brillante und vom Publikum mit viel Beifall bedachte Rede, in der er zwar einerseits aus seiner Verbundenheit mit Carl Zeiss Jena keinen Hehl machte, andererseits jedoch trefflich zu erzählen wusste, wie er nach dem FDGB-Pokalsieg 1971 „einen Fetzen von Manfred Kallenbachs Trikot“ ergattern konnte.

Christoph Dieckmann am Rednerpult

Nagelneue Trikots gab es anschließend für Wolfgang Oeser, Hansi Kreische, Klaus Sammer, Reinhard Häfner und Dixie Dörner. Jede dieser fünf ehemaligen Dynamo-Größen erhielt ein Jubiläums-Trikot mit Namenszug und Rückennummer sowie eine Urkunde für die Ernennung zum Ehrenspielführer der Sportgemeinschaft. Der Verein holte damit ein Stück Traditionspflege nach, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu oft vernachlässigt worden war.

Wie nicht alle verdienten Spieler, sondern deren nur eine Handvoll stellvertretend geehrt werden konnte, so konnte auch der Festakt sich nicht allen Aspekten der Vereinsgeschichte widmen. Dem Gastgeber war es deshalb umso wichtiger, zwei unschöne Kapitel aus 60 Jahren Dynamo Dresden zu beleuchten, zwischen denen ein inhaltlicher Zusammenhang besteht. Zunächst gab der Dresdner Historiker und Dynamo-Fan Kai Schurig dem Publikum einen Einblick in die Stasi-Unterwanderung der Dynamo-Fanclubs in den 80er Jahren. In der Folge wurden die Spieler Peter Kotte, Gerd Weber und Matthias Müller geehrt, deren Fußballerkarrieren wegen bekanntgewordener Pläne zur „Republikflucht“ zu Beginn desselben Jahrzehnts von der Staatssicherheit jäh beendet wurden. Ihre Schicksale bleiben bis heute ein schlechtes Zeugnis nicht nur für den damaligen Staat, sondern auch für den Dresdner Fußball.

Sinnfällig in diesem Zusammenhang war die Verleihung des „SGD-Preises“. Die seit dem letzten Jahr einmal pro Saison vergebene Auszeichnung für außergewöhnliches Engagement für Toleranz und gegen Diskriminierung (SGD – Stark gegen Diskriminierung) ging 2013 an das Alternative Kultur- und Bildungszentrum AKuBiZ e.V. aus Pirna, wo man sich ehrenamtlich aktiv mit den Themen Rassismus und Anti-Semitismus auseinandersetzt.

Den Schlusspunkt hinter die Matinée setzten die Blechbläser der Dresdner Philharmoniker. Das Ensemble hatte den Festakt musikalisch mit mehreren Stücken begleitet und entließ die Gastschar gegen 15 Uhr mit einer Interpretation der Vereinshymne „Der 12. Mann“ in einen sonnigen Sonntagnachmittag.