
TICKETS: Kommt ins Stadion. Dynamo muss man live erleben!
» zu den Tickets

FANSHOP: Trikots, Sportswear, Fanartikel, uvm. Schaut einfach mal rein!» zum Fanshop

Zukunft-Dynamo - Fans für ihren Verein!
» News und Aktionen

Community: Foren, Chats, Umfragen, ... Eure Meinung zählt!
» zur Dynamo-Community

SMS-Info-Dienst: Alle Infos von den Spielen live als SMS!
» zum SMS-Info-Dienst

Mitgliedschaft: Vorteile für Vereinsmitglieder. Werde Mitglied!
» Mitglieder-Infos

Webcam: Das Rudolf-Harbig-Stadion live!
» zur Stadion-Webcam
Dynamo auf's Handy: Bilder, Klingeltöne, Videos, ... Hol dir Dynamo auf Dein Handy!
» zum Mobile-Bereich
Dynamo-LIVE: Live-Ticker, Live-Radio, Fotos, Berichte, Interviews, ... Erlebt Dynamo live!
» zum Live-Ticker
30 Jahre danach
Michael Siemon über seine Zeit im Dynamo-Nachwuchs
Es war im Jahre 1967, als Michael Siemon entschied, die Leichatlethik aufzugeben und Fußballer bei der SG Dynamo Dresden zu werden. Dieser Schritt war gar nicht so unlogisch - er war ein dicker Fan der Schwarz-Gelben und Potential hatte er allemal. Acht Jahre war er im Verein, als 1975 die NVA rief und den Schlusspunkt setzte. Über den ASK Potsdam landete Michael schließlich bei Traktor Pesterwitz, von dem ihn nicht mal der damalige Stahl Freital-Trainer Horst Rau loseisen konnte. Den Dynamos blieb er trotzdem treu, verpasste bis in die neunziger Jahre kaum ein Heimspiel und ist auch heute häufig Gast im Rudolf Harbig-Stadion. "Ich wollte immer gerne Nachwuchstrainer werden, hatte aber beruflich bedingt nie die Zeit dazu. Schade, dass so wenige Spieler direkt nach ihrer Karriere Trainer werden, wie zu meiner Zeit z.B. Uwe Ziegler."
Der Name Michael Siemon ist dem Dynamofan kaum ein Begriff und doch steht seine Laufbahn für die unzähliger weiterer Fußballtalente aus der Region. Den Sprung nach ganz oben schaffen nur die wenigsten, aber die breite Masse macht in einem Traditionsverein mindestens genauso viel aus wie seine Speerspitze erste Mannschaft
"Aus meinem Jahrgang sind Spieler wie Hartmut Schade, Matthias Müller, Karsten Petersohn oder Jörg Bär hervorgegangen,", erzählt Siemon, "nur zusammen gespielt hat man mit denen kaum, die rückten immer bereits ein Jahr eher in die nächste Mannschaft auf. Unter den jüngeren Nachrückern waren dann bereits Matthias Döschner, Gerd Weber, Dietmar Vorwerg, Volker Schmidt." Eine Reihe weiterer hoch gehandelter Talente verschwanden in der Versenkung, ehe das große Rampenlicht rief. "Ralf Schlechte (später langjähriger Trainer in Laubegast) war immer einer der besten, ist aber nie groß rausgekommen." So durften dann auch nur die besten der etwa 35 Spieler eines Jahrgangs mit aufs Mannschaftsfoto. Siemon war nur selten dabei, hatte dafür aber einen Fernsehauftritt im Film "Clown Ferdinand & der Fußball", für den unter anderem im Dynamo-Stadion gedreht wurde. "Der Clown war aber ziemlich arrogant, wir durften ihn bei der Szene mit dem Foul gar nicht wirklich berühren und er ließ sich so lange von selber fallen, bis die Aufnahme echt aussah."
Michaels Trainer waren Gerd Sawatzki und später Heinz Schneider. In Erinnerung geblieben sind aber auch die Einheiten mit dem ehemaligen Oberliga-Coach Kurt Kresse, ein als harter Hund bekannter Fachmann. "Sein Training war sehr hart, mit heutigen Verhältnissen überhaupt nicht zu vergleichen. Einmal in der Woche wurde sogar mit den berüchtigten Medizinbällen geübt. Dafür kannten wir jeden Zentimeter Weg im Großen Garten", erinnert sich Michael Siemon mit einem Lächeln. "Kurt Kresse sagte immer: Wer bei Dynamo spielen will, muss da durch und Schluss!" Trotzdem war die Trainingsqualität bei der SG Dynamo zweifelsohne Spitzenklasse. Geschult wurden technisch-taktisches Verhalten, Ballgefühl genau wie Disziplin, Willensqualitäten, Athletik und Traingsfleiß. Ohne diese Eigenschaften kam man hier nicht weit. Bei Lustlosigkeit und aufkommender Überheblichkeit wurde knallhart durchgegriffen.
Als negative Erinnerung ist auch die Qualität der Trainingsplätze geblieben. "Der steinharte Platz im Stadion hat die Knochen kaputt gemacht und auch schon damals viele wechselwillige Talente ferngehalten. Traurig, dass sich das bis heute, nach 30 Jahren nicht geändert hat." Über weitere Mankos kann man heute noch schmunzeln: "Wir versuchten, uns mit den Platzwarten gut zustellen, dann hatten wir eine Chance, beim Training einen der wenigen ordentlichen Bälle zu erhaschen. War man da nicht clever, blieb einem nur einer der uralten Stein-Bälle und die taten ziemlich weh, vor allem bei Regenwetter."
Was natürlich auch geblieben ist, ist ein riesiger Fundus an Erinnerungen und teilweise äußerst unterhaltsame Episoden. "Ein absolutes Highlight war die Europacup-Begegnung gegen die Bayern 1973. Da mussten wir am Vorabend mit den Fernsehteams aus dem Westen unter Flutlicht Probe- Laufen, um die angeblich schlecht beleuchteten Bereiche des Stadion heraus zu finden. Dabei war das Flutlicht hochmodern und absolut auf West-Niveau. Hauptsache war aber, man war dabei. Mit seinem Mitgliedausweis hatte man ja Anrecht auf eine Karte, die man aber trotzdem bezahlen musste. Am Einlass sah man dann nichts außer Polizei, nicht mal ein Programmheft konnte ich mir kaufen. Weiteres Ereignisse waren die Benutzung der Sauna, die eigentlich der ersten Mannschaft vorbehalten war sowie die neu errichtete Traglufthalle." Diese befand sich damals noch auf dem heutigen Parkplatzgelände und bedeutete einen Meilenstein in Sachen Trainingsbedingungen.
Unvergesslich ist auch die enorme Autorität der Übungsleiter geblieben. "Da war Druck dahinter! Gerd Weber, einer der späteren Dynamo-Stars, war als Jugendlicher zweifellos ein Talent, hat aber trotzdem viele Male bis spät abends auf dem C-Platz alleine trainiert. Dieser letzte Funken Ehrgeiz, der vielen anderen gefehlt hat, war sein Schlüssel zum Erfolg. Heute ist der Durchbruch beinahe noch schwerer. Zu wenige Jungs schaffen den Sprung nach oben. Ein perfekt ausgeklügeltes Sichtungssystem der großen Vereine holt die Talente außerdem frühzeitig aus der Heimat weg. Das greift bis unterhalb der Oberliga und in frühe Nachwuchsjahrgänge hinein. Früher sind wir von der D- bis in die A-Jugend weitestgehend zusammen geblieben. Die besten kamen in die Bezirksauswahl. Das waren Spieler von Dynamo, Stahl Riesa und ab und zu FSV Lok Dresden oder Stahl Freital. Das Zusammenziehen der Talente war sehr wichtig. Was nützte es z.B. einem Hartmut Schade, der große Star in Radeberg zu sein. Bei Trainern wie Kresse oder Wolfgang Oeser musste man beweisen, was man drauf hate. Das galt! Jeder Spieler musste in einem Leistungsbuch sich selber, seine Mannschaftskameraden und den Gegner einschätzen. Das musste man den Trainern dann Montags vorlegen und die schrieben ihre Meinung drunter. Die Kritiken der Trainer waren fast immer schlechter, aber das diente ja letztlich dazu, den Jungs gute Ratschläge und Tipps zu geben", weiß Michael Siemon zu berichten.
Und da gab es damals noch das Trainer-Denkmal Walter Fritzsch. Der erwischte den Jung-Erwachsenen Michael Siemon eines Tages im Kabinengang. "Bis morgen warst du beim Friseur. Wenn du mal ein Großer bist, kannst du lange Haare tragen. Solange du in der Jugend spielst erscheinst du mit kurzen Haaren und ohne Bart!" Siemon: "Ab diesem Moment versteckten wir unsere Köpfe unter den Kapuzen der Trainingsjacken, sobald Fritzsch in der Nähe war. Nach so einem Anpfiff im Zwickauer Dialekt war man ganz klein." Dynamo war ein Aushängeschild, ein Ansporn für höhere Leistungen - da gehörte die Optik dazu.
Michael Siemon, für den das kürzliche Benefiz-Spiel eine ganz tolle Sache war, wünscht sich, auf diesem Wege vielleicht den einen oder anderen ehemaligen Weggefährten wieder zu treffen. "Es hat sich alles sehr verlaufen, ist ja auch schon 30 Jahre her und man rückt schnell zu weit weg von seinem Verein." Deshalb würde sich Michael auch freuen, wenn sich auf diesem Wege Mitstreiter aus der Dynamo-Zeit melden würden. michasiemon@gmx.de
Die Fotos:
(1) Michael Siemon heute, ist nach wie vor in der Altherren-Mannschaft des Bobritzscher SV (bei Freiberg) aktiv
(2) Jugendspiel bei der TSG Meißen im Mai 1972, dritter von oben rechts
(3) Trainingslager der Junioren-Mannschaft in Johann-Georgenstadt 1973
(4) Jugendspiel 1972 bei der BSG Stahl Riesa auf Hartplatz
(5) Trainer Kurt Kresse (mit Sonnenbrille) im Trainingslager 1973
(6) Michael Siemon mit 15 1972 im Dynamo-Dress als Jugendspieler