KREISEL-Interview mit Marco Hartmann

Das war eine andere Welt

Marco Hartmann

Acht Jahre lang hat Marco Hartmann für die SGD auf und neben dem Platz alles gegeben, war Kapitän, Führungsspieler und mit seiner menschlichen und bodenständigen Art ein großartiger Botschafter des Vereins. Nun heißt es voller Dankbarkeit, Hochachtung und auch Wehmut (vorerst) Abschied von einem ganz großen Dynamo zu nehmen.

Wir haben uns mit dem 33-Jährigen zusammengesetzt, um mit ihm vor seiner emotionalen Verabschiedung im Rahmen des Heimspiels der SGD gegen den SC Paderborn über seine beeindruckende Karriere und die unzähligen Erlebnisse zu reden, die er in den vergangenen acht Jahren im schwarz-gelben Trikot gesammelt hat.

Dabei spricht „Harti“ genauso über seine schönsten Erfolge in Diensten der SGD, wie über die Täler, die er zusammen mit dem Verein durchschreiten musste. Herausgekommen ist dabei ein Abschiedsinterview, das die Karriere des dritt-dienstältesten Spielers der SGD nach der Wende widerspiegelt: Authentisch, ehrlich und mit ganz großem schwarz-gelben Herzen.

Wie schwer fällt dir der Abschied nach acht Jahren als Fußball-Profi von Dynamo Dresden?
(überlegt) Der Abschied fällt mir nach all der Zeit nicht leicht, auch wenn er für mich nicht total überraschend kam. Ich musste mich in den vergangenen Wochen und Monaten auch mit diesem Szenario auseinandersetzen, auch wenn ich natürlich bis zuletzt gehofft hatte.

Wie hast du die Entscheidung aufgefasst, die zu deinem Abschied geführt hat?
Am Tag, als ich die Nachricht von Ralf Becker und Kristian Walter mitgeteilt bekommen habe, dass es für mich bei Dynamo nicht weitergeht, war ich schon sehr niedergeschlagen und leer. Die Enttäuschung hat sich dann noch ein paar Tage gezogen. Mittlerweile kann ich aber schon besser mit der Situation umgehen, auch weil ich meinen Blick nun wieder nach vorne gerichtet habe.

Gab es bei dir mal den Gedanken, die Karriere bei einem anderen Verein fortzusetzen?
Ja, auch darüber habe ich nachgedacht. Für mich geht es aber jetzt erst einmal darum, meinen Körper weiter fit zu bekommen und die Verletzung endgültig auszukurieren. Dann mal schauen, was passiert. Aber im Grunde zählt das, was ich immer betont habe. Dynamo war etwas ganz Spezielles, da muss viel passieren, damit ich noch mal die Fußballschuhe auf professioneller Ebene für einen anderen Verein schnüre.

Bereust du die Entscheidung, noch einmal um einen neuen Vertrag gekämpft zu haben?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe den ganzen Sommer über tagtäglich sehr hart zusammen mit Tobi (Anm. d.R. Reha-Trainer und Physiotherapeut Tobias Lange) an mir gearbeitet. Ich versuche die Chancen, die einem das Leben bietet, am liebsten zu nutzen. Ich hätte mich im Rückblick viel mehr geärgert, wenn ich zu stolz dafür gewesen wäre, um einen neuen Vertrag zu kämpfen. Du kannst im Leben nicht immer gewinnen, auch wenn ich wirklich nicht gerne verliere. Die Zeit war sehr intensiv und emotional, aber ich bin mit mir im Reinen, weil ich alles versucht habe.

Du warst nie ein gewöhnlicher Fußballer. Was geht dir durch den Kopf, wenn du nun auf deine gesamte Zeit als Aktiver zurückblickst?
Das es eine super-coole Zeit war, für die ich sehr dankbar bin. Ich hatte eine schöne Kindheit in Thüringen, dann kam die Phase mit dem Studium in Halle, wo ich Fußball zunächst eher nebenbei gespielt habe. Plötzlich habe ich mich beim HFC ins Blickfeld von Dynamo Dresden spielen können, was ich so niemals für möglich gehalten hatte. Ich habe in all den Jahren wahnsinnig tolle Menschen kennengelernt und durfte so viele einzigartige Momente erleben. Ich empfinde für all das einfach große Dankbarkeit. Es sind sehr viele Erlebnisse dabei, die mich mit Abstand in ein paar Jahren noch sehr stolz machen werden, wenn ich diese Erfahrungen dann auch so richtig mit meinen Kindern teilen kann.

Hattest du in deiner Kindheit und Jugend irgendwann mal das Gefühl, dass du das Zeug zum Fußball-Profi hast?
Nein, dieses Gefühl hatte ich nie wirklich. Natürlich habe ich wie jedes andere Kind auch davon geträumt, aber die Realität hat mir früh aufgezeigt, dass mein Talent dafür einfach nicht genug ist.

Woran hast du das festgemacht?
Ich hatte zweimal die Woche Training und war im regionalen Vergleich auch nicht ganz schlecht, aber das hatte wirklich nichts mit Leistungssport zu tun. Irgendwann habe ich es zumindest als Nummer 15, 16 oder 17 auch mal in die Thüringen-Auswahl geschafft. Aber alles ohne Ambitionen, da ich auch dort keine wirkliche Rolle gespielt habe, denn für die Startelf hat es nie gereicht. Ich weiß noch, wie ich mal im Jugendbereich mit Union Mühlhausen in einem Pflichtspiel mit 0:8 gegen Hertha BSC verloren haben. Dazu muss man vielleicht sagen, dass auf der anderen Seite in meinem Jahrgang unter anderem Jerome Boateng mitspielte. (lacht) Das war im Vergleich zu mir schlicht eine andere Welt – und ist es ja irgendwie bis heute auch geblieben.

Welchen Förderer auf deinem Weg sollten wir in diesem Abschiedsinterview unbedingt erwähnen?
Zuallererst möchte ich meinen Vater nennen, der mich als Kind überall hingefahren hat und sich unendlich viele Trainingseinheiten angeschaut hat. Ohne die Unterstützung von ihm und meiner Mutter wäre vieles so gar nicht möglich gewesen. Leider ist mein Vater schon 2010 gestorben. Es macht mich bis heute traurig, dass er die vergangenen Jahre nicht mehr miterleben durfte, denn er wäre als fußballverrückter Mensch unendlich stolz gewesen.

Gab es einen Trainer, der dich auf dem Weg zum Fußball-Profi besonders unterstützt hat?
Detlef Schößler, den man aus seiner Zeit als Bundesliga-Spieler hier in Dresden ja noch ganz gut kennt, war mein A-Jugendtrainer in Halle. Er hat mich dann später mit zu den Profis hochgezogen. Das hat damals ganz gut gepasst, da ich zu der Zeit mein FSJ (Anm.d.R. Abkürzung für Freiwilliges Soziales Jahr) absolviert hatte und dadurch zu den Trainingszeiten zeitlich sehr flexibel war. Detlef Schößler hat voll auf mich gesetzt und mich irgendwann als Linksverteidiger in der Oberliga reingeworfen, obwohl ich meinen linken Fuß nur zum Stehen hatte. Dann kam das ein oder andere Tor mit dem Kopf nach einem Standard dazu und so war ich plötzlich bei den Profis fest dabei.

Gehen wir deine beiden Stationen noch mal kurz durch. Welchen Stellenwert hat die Zeit in Halle für dich?
Halle war eine wichtige und prägende Zeit in meinem Leben, die ich niemals missen möchte. Ich habe in dieser Stadt meine Frau kennengelernt. Auch wenn viele Menschen bestimmte Vorurteile haben, ich mag die Stadt wirklich sehr. Der Verein hat mir neben meinem Studium die Möglichkeit für eine Profi-Laufbahn im Fußball gegeben. Das wäre woanders so sicher nicht möglich gewesen. Auch der HFC hat sich in den sieben Jahren unter anderem mit einem Stadionneubau Stück für Stück weiterentwickelt. Ich habe dem Club viel zu verdanken. Wenn ich damals schon bei einem Zweitligisten unter Vertrag gestanden hätte, wäre ich wohl gescheitert. So konnte ich mich in Ruhe mit dem Verein entwickeln, was mir im Rückblick gutgetan hat.

Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dich zu Dynamo Dresden zu holen?
Ich glaube, dass das der damalige Cheftrainer Peter Pacult initiiert hatte. Denn er hatte mich wohl noch in Erinnerung behalten, weil ich ihm zusammen mit dem HFC ein Jahr zuvor den Aufstieg mit RB Leipzig in die 3. Liga vermasselt hatte. Ich glaube, dass er sich dachte, den Jungen holen wir jetzt einfach mal dazu und schauen, was auf dem Niveau geht. Darauf habe ich mich auch komplett eingelassen. Im ersten Moment war ich wirklich einfach nur froh, dass ich in eine Mannschaft komme, wo ich keine Verantwortung trage und mich voll und ganz auf mich selbst konzentrieren konnte.

Wie war das Ankommen damals bei Dynamo?
Ich bin in eine Mannschaft gekommen, wo mir nahezu alle Mitspieler fußballerisch überlegen waren. Aber ich hatte einen Trainer mit Peter Pacult, der irgendwie auf mich gesetzt hat. Ich habe bei ihm so ein gewisses Vertrauen gespürt, was mir dann zunehmend Sicherheit gegeben hat. Außerdem hatte ich mit Anthony Losilla und Romain Brégerie zwei Mitspieler, die mich vom ersten Moment direkt an die Hand genommen und so super integriert haben.
  
Was hast du vor acht Jahren für einen Verein vorgefunden?
Für mich war im Vergleich zu meiner vorangegangenen Zeit im Fußball einfach alles in Dresden größer und intensiver. Ich weiß noch, wie ich beim Relegationsrückspiel gegen Osnabrück 2013 mit offenem Mund im Stadion saß und mir die ganze Zeit dachte: ‚Wahnsinn, wie gut die Fußballspielen können!‘ Brégerie und Losilla in der Innenverteidigung. Fiel und Solga auf der Sechs im defensiven Mittelfeld. Das war eine brutale Qualität, die jeder mit ein bisschen Fußballsachverstand sehen musste. Ich habe mich nach dem erfolgreichen Ausgang der Partie wirklich sehr darüber gefreut, dass ich nun tatsächlich Zweitliga-Spieler bin. Gleichzeitig fragte ich mich aber mit Blick auf den Kader, was ich da als Fußballer künftig eigentlich für eine Rolle spielen sollte.

Das erste Dynamo-Jahr endete mit dem Abstieg!
Das Potential der Mannschaft war viel besser als das Abschneiden. Ich habe mich wirklich mit nahezu allen Mitspielern gut verstanden, aber wir sind trotz individueller Qualität in allen Mannschaftsteilen nie zu einem echten Team zusammengewachsen, was gemeinsam durch dick und dünn geht. Hinzu kam ein früher Trainerwechsel und so endete ein sehr unruhiges erstes Jahr bei Dynamo mit dem verdienten Abstieg in die 3. Liga. Wodurch ich wieder dort war, wo ich vor der Saison herkam.

Und plötzlich wurdest du vom Ergänzungsspieler neben Benjamin Kirsten und Cristian Fiel das Gesicht des Neustarts 2014.
Der Tiefpunkt meiner Dynamo-Zeit war dieser Abstieg. So begann rückblickend für den Verein und mich eine wilde aber gleichzeitig auch unglaublich schöne Zeit. Wir wussten zunächst gar nicht, ob wir sportlich mit dem neuen Personal in der 3. Liga überhaupt mithalten konnten. Zur Erinnerung: Dynamo hatte damals keinen Cent auf dem Konto, sondern Millionen Schulden und auch ein professionelles Trainingszentrum war noch nicht in Sicht.

Und keine Handvoll der etablierten Spieler der Abstiegsmannschaft wollte den Weg mit in die 3. Liga antreten …
… und trotzdem herrschte im gesamten Verein von ganz oben bis ganz unten ein ganz besonderer Geist, der uns getragen hat. Alle zusammen haben wir unter der Leitung des damaligen Sportgeschäftsführers Ralf Minge angepackt und den Karren gemeinsam wieder aus dem Dreck gezogen. Meiner Meinung nach ist dort im Rückblick vieles entstanden, wovon der Verein in der Gegenwart noch profitiert.

Bist du mit Hinblick auf deine Verletzungshistorie manchmal überrascht, dass es acht Jahre geworden sind?
Ja, auf jeden Fall. Manchmal waren auch glückliche Umstände dabei. Beispielsweise lief das Jahr nach dem Aufstieg in der 2. Bundesliga mit viel Einsatzzeit überragend für mich, als es um einen neuen Vertrag ging. Auch im Aufstiegsjahr hatte ich über 30 Einsätze machen können, sodass ich einen langen Vertrag unterschreiben konnte. Dann kam die Zeit, in der ich viel verletzt war. Letzte Saison habe ich das Glück gehabt, dass man mir noch einmal die Chance gegeben hat, noch ein Jahr dranzuhängen. Was eben auch daran lag, dass die Verantwortlichen gemerkt haben, dass ich immer auch einer bin, der versucht das große Ganze zu sehen.

Wolltest du immer auch ein bisschen mehr als ‚nur‘ Fußballer sein?
Definitiv. Als Profi-Fußballer dreht sich fast alles zu jeder Zeit um Leistung. Das ist auch sehr wichtig. Was mir aber immer viel wichtiger war, dass man sich durch den Umgang innerhalb der Kabine als Mensch weiterentwickelt und zu einer Persönlichkeit wird, die man authentisch vertritt. Das habe ich auch den Jungs bei meinem Abschied gesagt. In der aktuellen Mannschaft haben wir sehr viele, unglaublich angenehme Menschen, was für das Miteinander sehr wertvoll ist.

Volker Oppitz mit 14 Jahren, Maik Wagefeld mit zehn Jahren und dann kommst schon du mit acht Jahren als längste Dienstzeit bei der SGD nach der Wende. Ist das etwas, auf das du stolz bist?
Ja, und das wird mit größerem Abstand auch immer mehr. Ich hätte natürlich gerne auch die neun dastehen gehabt, aber da bin ich insgesamt schon sehr stolz drauf. Man muss auch immer mal wieder versuchen sich in den eigenen Kopf von vor zehn bis 15 Jahren hineinzuversetzen. Da waren die Erwartungen ganz andere und wesentlich geringer. Und ich war diese acht Jahre hier ja auch nicht nur irgendwie dabei, sondern davon sogar auch dreieinhalb Jahre Kapitän. Das ist für mich etwas sehr Besonderes.

Was sind deine drei unvergesslichen Dynamo-Momente, die dir jetzt spontan einfallen?
Was mir da sofort in den Sinn kommt, ist das Pokalspiel gegen RasenBallsport Leipzig. Nicht mal unbedingt, weil die sportliche Bedeutung so groß war oder ich eine extreme Rivalität empfinde. Ich mag den Verein nicht sonderlich, bin aber niemand, der da negative Emotionen in sich schüren kann, wegen so einem Spiel. Für mich war dieser letzte Elfmeter von Aias Aosman einfach so etwas Besonderes, weil dabei alle Erwartungen und Hoffnungen der Menschen vor Ort auf eine Millisekunde heruntergebrochen wurden. So intensiv habe ich das danach nie wieder erlebt.

Hast du ein Stadion schon einmal lauter pfeifen hören als bei diesem Elfmeterschießen?
Nein, das war Wahnsinn. Man hat gemerkt, dass es um etwas anderes geht als nur Fußball und ein DFB-Pokalspiel zu gewinnen. Das kannst du so wahrscheinlich nie wieder erzeugen. Ich weiß noch genau, wie die Leute in diesem Moment ausgerastet sind. Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass du das so ähnlich noch einmal erleben kannst, wenn Dynamo wirklich irgendwann noch einmal im Europapokal spielen sollte.

Fährst du dann mit?
Da wäre ich dabei. (lacht) Zum Reisen kann man mich immer begeistern. Wenn es dann noch einen entspannten Block gibt, komme ich mit.

Was sind für dich die anderen Momente?
Das DFB-Pokalspiel im Olympiastadion war einmalig. Wie stolz man allein ist, wenn man im Mannschaftsbus in eine andere Stadt fährt und einen ringsherum Dynamo-Autos begleiten. Und auf dem Weg nach Berlin war das mit all diesen Menschen einfach nur unglaublich. Als Spieler fieberst du schon Tage vorher mit, wie viele Zuschauer es werden und feierst jede weitere geknackte Marke. Sportlich hatte das Spiel zwar keinen positiven Ausgang, aber von der Atmosphäre her war das ein unvergessliches Erlebnis. Genauso war auch die 1:8-Niederlage in Köln ein unglaublich krasser Punkt in meiner Zeit hier bei Dynamo. Mit Abstand betrachtet kann man das heute einigermaßen neutral einordnen. Aber das war krank, vor über 50.000 Zuschauern mit 8:1 in Köln zu verlieren.

Ist es ein Makel für dich, dass du bei Dynamos höchster Niederlage auf dem Platz standest?
Nein. In dem Moment habe ich mich auf dem Platz natürlich geschämt. Das war schon peinlich. Aber wie das mit vielen Dingen im Leben so ist, empfinde ich heute mit einem gewissen Abstand nicht mehr so. Man hat dazugehört und an diesem Tag ganz schlechte Leistungen gebracht. Dazu hat sich eine gewisse Eigendynamik entwickelt, die wir nicht gestoppt bekommen haben, egal, was wir versucht haben.

Woraus lernt man mehr im Leben – aus Niederlagen oder aus Siegen?
Wenn man für alles offen ist, kann man aus vielen Dingen – egal, ob Sieg oder Niederlage – etwas mitnehmen. Solange man dabei immer ehrlich zu sich selbst ist und vernünftig reflektiert. Gerade deutliche Niederlagen führen häufig dazu, dass in einem das Gefühl erzeugt wird, es unbedingt besser machen zu wollen. Daraus kommt dann manchmal eine Energie heraus, die im Anschluss für Erfolg sorgt.

Bist du als Familienvater inzwischen ein besserer Verlierer geworden?
Ich bin schon entspannter geworden. Es ist brutal anstrengend, immer und überall gewinnen zu wollen und auch auf gewisse Art und Weise zu müssen als Leistungssportler. Deshalb habe ich es mir bei einigen Dingen, die nicht unbedingt relevant sind, abgewöhnt.
 
Zu was ist für deine Familie und dich Dresden in den vergangenen acht Jahren geworden?
Es ist ein Stück Heimat für uns. Heimat ist immer da, wo man sich wohlfühlt und Menschen sind, die man mag. Wir haben so viele tolle Leute hier im Verein und auch daneben kennengelernt, mit denen wir sehr viel machen. Zum anderen ist es aber auch die Stadt an sich, bei der wir voller Stolz sagen ‚Wir wohnen in Dresden‘, weil sie zum einen wunderschön ist und uns zum anderen so viele Dinge ermöglicht. In der Freizeit unternehmen wir gerne etwas und haben hier unglaublich viel gefunden, was uns gefällt.

Du hast Dynamo Dresden über die Jahre in all seinen Facetten kennengelernt. Wie würdest du einem Fremden den Verein in wenigen Sätzen beschreiben?
Es gibt eine extreme Identifikation der Menschen und der gesamten Region mit diesem Verein. Das ist der absolute Wahnsinn. Dazu ist das gesamte Umfeld super emotional. Von großen Träumereien bis hin zu extremen Rückschlägen, die sich zunächst meist schlimmer anfühlen, als sie es wirklich sind, ist hier die ganze Bandbreite abgedeckt.

Was wünschst du der aktuellen Mannschaft, zu der du bis vor Kurzem noch gehört hast?
Dass sie genau da weitermachen, wo sie gerade sind und dass sie vor allem versuchen als Mannschaft mit den Rückschlägen umzugehen, die sowieso irgendwann kommen werden. Wenn sie es schaffen, auch unter schwierigen Bedingungen diese Energie auf den Platz zu bringen, werden sie eine super Saison spielen. Und das wird von den Leuten hier honoriert, auch wenn es mal nicht so erfolgreich läuft. Ich glaube, sie werden sich viele coole Momente erschaffen, wie ich sie hier acht Jahre lang erleben konnte.

Was wünschst du dem Verein für die Zukunft?
Ich hoffe, dass der Verein sich zunächst einmal diese Emotionalität bewahrt, auch mit diesen hohen Ausschlägen und den Träumereien. Das darf und muss alles sein, weil es ein Stück der Dynamo-Identität ist. Die emotionale Verbindung der Anhänger zum Verein macht es letztlich doch aus. Dinge rational und realistisch einzuschätzen, sollte man weiter den Verantwortlichen überlassen. Und so würde ich mir wünschen, dass Dynamo irgendwann auch mal einen ähnlichen Weg geht, wie das Union Berlin beispielsweise gelungen ist.

Gibt es ein Trikot aus deiner Dynamo-Zeit, das eine besondere Bedeutung für dich hat?
Da gibt es jetzt kein Spezielles. Ich habe mir eigentlich von jeder Saison ein Heim- und Auswärtstrikot gesichert, meist sogar mit der Aufschrift ‚Love Dynamo – Hate Racism‘. Ansonsten finde ich das Camouflage-Trikot überragend, zu dem ich damals auch ‚Model‘ stehen durfte. Allerdings ist das leider schon etwas abgetragen, weil ich das zu Hause schon so oft anhatte.

Was wünschst du dir für deine Verabschiedung im Stadion beim Spiel gegen Paderborn?
Ich hoffe einfach, dass so viele Menschen wie möglich reindürfen und auch kommen werden. Ich wünsche mir noch einmal diese fantastische Dynamo-Stimmung, die, wie man in den letzten Spielen gesehen hat, auch mit 14.000 bis 16.000 Zuschauern möglich ist. Auch wenn das während meiner Karriere nie so richtig mein Ding war, ist die Tatsache noch einmal im Mittelpunkt zu stehen etwas, auf das ich mich sehr freue. Genauso freue ich mich aber auch auf den Punkt danach, wenn der Abschied dann geschehen ist und ich ein bisschen loslassen kann.

Und irgendwann planst du die Rückkehr zu Dynamo in anderer Funktion, damit sich der Kreis schließt?
Das ist auch noch völlig offen. Es ist schon ein Gedanke, den ich in mir habe und mir wurde auch von Vereinsseite angeboten, dass ich mich bei Interesse jederzeit melden könne. Im Moment ist das aber noch keine Option für mich, weil ich erst einmal gerne ein bisschen Abstand zum Fußball bekommen würde. Man wird sehen, was die Zukunft bringt. Ich habe eine schöne Zeit im Fußball verbracht, weiß jetzt aber auch nicht, was in zwei Jahren ist und wie sich alles entwickelt. Sei es die eigene Entwicklung als Mensch, die Vorstellungen, die man als Familie teilt oder aber der Fußball selbst. Und natürlich auch, was bei Dynamo passiert und welche Menschen dann hier tätig sind. Irgendwann werde ich diese Entscheidung treffen müssen, aber jetzt eben noch nicht.

Vielen Dank, ‚Harti‘. Nicht nur für dieses Gespräch, sondern auch für all das, was du in den letzten acht Jahren für Dynamo geleistet hast. Genieß die Zeit mit deiner Familie und hoffentlich sehen wir uns bald wieder.

Interview: Henry Buschmann
Fotos: Dennis Hetzschold, Steffen Kuttner, Frank Dehlis