KREISEL-Interview mit 1953international

Rassismus hat nichts mit Fußballrivalität zu tun

Max von 1953international

Das Heimspiel gegen den FSV Zwickau stand im Zuge der FARE-Aktionswochen wieder ganz unter dem Zeichen „Love Dynamo – Hate Racism“. Die Botschaft der antirassistischen Faninitiative „1953international“ war dabei wie in den Jahren zuvor anstelle von Dynamos Hauptsponsor auf der Trikotbrust der SGD vertreten.

Vor dem Aktionsspieltag gegen die Freunde aus Zwickau haben wir uns deshalb mit Max von der schwarz-gelben Faninitiative zusammengesetzt, um über diesen besonderen Tag, aber auch generell das Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung zu sprechen.

Die Corona-Pandemie hält weiterhin die Welt in Atem und sorgt für große Veränderungen im Alltag der Menschen. Wie schwer ist es in diesen Zeiten für dich, das Dasein als Fan bei der Sportgemeinschaft auszuleben, Max?
Natürlich ist es grundsätzlich erst mal schwierig, wenn du nicht wie gewohnt ins Stadion gehen und die SGD bei den Spielen unterstützen kannst. Gerade der soziale Kontakt mit Freunden, die du vom Fußball kennst, fehlt extrem. Nichtsdestotrotz finde ich es wichtig, die aktuellen Bestimmungen einzuhalten, um einerseits besonders gefährdete Personen zu schützen und anderer-seits dabei mitzuhelfen, dass die Pandemie schnellstmöglich überstanden ist.

Wie schafft man es, trotz dieser gefühlt alles bestimmenden Thematik die Anti-Rassismus-Arbeit weiter voranzutreiben?
Für uns als 1953international ist es zunächst einmal eine Selbstverständlichkeit, sich jederzeit klar gegen Rassismus und Diskriminierung zu positionieren. Das haben wir uns als Initiative seit der Gründung im Jahr 2006 auf die Fahne geschrieben und entsprechend gelebt. Dabei spielen die Begleitumstände keine Rolle – unabhängig, ob das die aktuelle Pandemie-Lage oder andere Widrigkeiten, von denen es in all den Jahren einige gab, betrifft.

Im Zuge der FARE-Aktionswochen kommt es beim Heimspiel gegen den FSV Zwickau unter dem Motto „Love Dynamo - Hate Racism“ wie in den Jahren zuvor wieder zu einem Aktionsspieltag, an welchem auf dieses wichtige Thema aufmerksam gemacht wird. Wie liefen die Vorbereitungen auf diesen Tag ab?
Zunächst einmal haben wir den Aktionsspieltag des vergangenen Jahres rekapituliert und geschaut, was aus unserer Sicht nicht so gut lief und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Dabei wurde uns schnell klar, dass wir dieses Mal etwas machen möchten, das eine nachhaltigere Wirkung entfaltet. Aus diesem groben Gedanken ist letztlich die Idee zur sogenannten ‚Bildungsflanke‘ entstanden, die im Zuge der diesjährigen FARE-Wochen zum ersten Mal durchgeführt wird. So konnten wir im Austausch mit den Mitarbeitern der SGD und allen anderen Beteiligten auf kurzem und unkomplizierten Weg etwas auf die Beine stellen, das vor allem jungen Menschen zugutekommt.

Was genau darf man sich unter der ‚Bildungsflanke‘ vorstellen?
Das ist eine zwei- bis dreitägige Bildungsreise für Kinder und Jugendliche, die jährlich rund um die FARE-Wochen stattfinden soll. Über geschichtliche Zusammenhänge soll den jungen Menschen ein Bewusstsein für die eigene Verantwortung vermittelt werden, sich kritisch und selbstbestimmt mit verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Als passenden Start der ‚Bildungsflanke‘ haben wir uns in diesem Jahr für Dresden entschieden, weil die Stadt zum einen viele Punkte bietet, an denen man Geschichte erlebbar machen kann und zum anderen die Heimat der SG Dynamo Dresden ist.

Um solche Aktionen umsetzen zu können, ist sicherlich eine gute Absprache mit dem Verein und allen anderen Beteiligten vonnöten …
Genau. Wir beteiligen uns mit Unterstützung des Vereins seit 2006 an den FARE-Wochen und konnten über die Jahre einen guten Austausch mit den Verantwortlichen und mitwirkenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etablieren. Neben der SGD gebührt zudem natürlich allen anderen beteiligten Partnern, wie beispielsweise ALL-INKL.COM für das Zur-Verfügung-stellen des Trikotbrustbereichs, sowie allen Unterstützern der ‚Bildungsflanke‘ unser großer Dank. Nicht zu vergessen ist dabei auch die Teilnahme des FSV Zwickau, der sich relativ kurzfristig dazu bereit erklärt hat, sich an dem Projekt zu beteiligen und seine U13 mit auf die erste ‚Bildungsflanke‘ schicken wird.

Du bist Teil der antirassistischen Faninitiative „1953international“. Kannst du einmal kurz zusammenfassen, was es mit diesem Zusammenschluss von Dynamo-Fans auf sich hat?
„1953international“ ist ein Zusammenschluss von Fans aus ganz verschiedenen Bereichen des Stadions. Wir möchten eine Fankultur, die frei von Diskriminierung jeglicher Art ist und haben uns im Jahr 2006 nach einem Spiel gegen die Sportfreunde Siegen gegründet, nach dem Diskussionen innerhalb der Fanszene über rassistische Rufe im Stadion aufkamen. Daraus ist letztlich die Initiative entstanden, mit der man dieser Tendenz entgegenwirken und dafür eintreten wollte, dass das nicht mehr als „Normalzustand“ hingenommen wird.

Woher kommt der Name „1953international“?
Der Name „1953international“ ist bewusst gewählt, weil es die Geschichte von Dynamo mit dem Fakt verbindet, dass viele Spieler, die die SGD zu ihren Erfolgen geschossen haben, aus ganz vielen unterschiedlichen Ländern kommen. Das zeigt, wie wichtig es ist, gegen Rassismus und Diskriminierung einzutreten, weil wir in einer vielschichtigen Gesellschaft leben und auch leben möchten.

Was waren deine Beweggründe, dich bei „1953international“ zu engagieren?
Im Prinzip ist es ganz einfach: Ich gehe, seit ich elf Jahre alt bin, zu Spielen von Dynamo Dresden und verbinde mit meinem Engagement bei „1953international“ meine Überzeugung für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft einzutreten mit meiner Fan-Liebe zu diesem Verein.

Was macht ihr neben eurem Engagement rund um den jährlichen Aktionsspieltag?
In Zusammenarbeit mit dem Verein haben wir in der Vergangenheit im Rahmen der FARE-Wochen immer einige Original-Trikots aus den entsprechenden Spielen mit unserem Slogan vorne drauf versteigert. Aus den Erlösen werden verschiedene Dinge für den guten Zweck initiiert. Um nur mal einige zu nennen, wurden beispielsweise sogenannte Stolpersteine in der Dresdner Neustadt verlegt, Stadionbesuche von geflüchteten Personen finanziert oder ein „Probetraining“ mit Ralf Minge und Geflüchteten abgehalten. Darüber hinaus sind wir Mitinitiator des Jorge-Gomondai-Gedenkturniers und Teil der Jury des jährlich vergebenen SGD-Preises.

Auch dieses Mal werden wieder einige „matchworn“ Jerseys der SGD-Profis für den guten Zweck versteigert. Habt ihr euch schon überlegt, wofür der Erlös in diesem Jahr eingesetzt wird?
Dazu gibt es im Moment noch verschiedene Gedanken, von denen allerdings noch keiner spruchreif ist. Sobald der Verwendungszweck feststeht, werden wir diesen selbstverständlich wieder transparent kommunizieren.

Euer Slogan „Love Dynamo – Hate Racism“ wird gegen Zwickau zum nunmehr zehnten Mal anstelle des Hauptsponsors die Brust des Trikots der SGD schmücken. Was hat sich deiner Meinung nach seit dem Start eurer Initiative im Dynamo-Umfeld getan?
Zunächst einmal funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Verein heute deutlich besser als noch zu Beginn. Daran hat gerade Volker Oppitz großen Anteil, der sowohl als Spieler als auch später als Geschäftsführer ein offenes Ohr für uns hatte, wodurch wir die gemeinsamen Bemühungen auf eine andere Ebene stellen konnten. Im Stadion sieht man heutzutage immer häufiger Fans, die unseren Slogan auf dem Trikot oder dem Schal tragen und damit ein sichtbares Statement setzen. Insgesamt kann man sagen, dass sich innerhalb der Fanszene ein gewisser Diskurs entwickelt hat, wodurch eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema entstanden ist.

Wie sollte man deiner Erfahrung nach reagieren, wenn einem Rassismus im Stadion begegnet?
Grundsätzlich gibt es da verschiedene Möglichkeiten, die immer auch von der entsprechenden Situation abhängen. Du kannst beispielsweise bei rassistischen Rufen die Initiative ergreifen und gegeben falls deine Sitznachbarn aktivieren, um zusammen klarzumachen, dass das Gerufene nichts Normales ist. Rassismus hat nichts mit Fußballrivalität zu tun. Du hast aber natürlich auch die Möglichkeit, Hilfe beim Ordnungsdienst zu suchen. Was ganz wichtig ist: Wenn es zu einer gewalttätigen Situation kommt, sollte man sich nie in Gefahr begeben.

Vielen Dank für das Gespräch, Max und viel Erfolg weiterhin mit „1953international“.

Interview: Marcel Devantier
Fotos: Steffen Kuttner (1,2,3), Dennis Hetzschold (4), Frank Dehlis (5)