KREISEL-Interview mit Christoph Daferner

Eine große Ehre, für Dynamo zu spielen

Christoph Daferner

Christoph Daferner ist seit seinem Wechsel nach Dresden im vergangenen Sommer längst zur festen Größe im Angriff der SGD geworden – und mit elf Pflichtspiel-Treffern sowie sieben Vorlagen sowohl auf als auch neben dem Platz als bodenständiger Mensch ein wichtiger Teil der Sportgemeinschaft.
 
Im KREISEL-Interview erzählt der 23-jährige Stürmer, warum er im Zuge des Transfers nach Elbflorenz ein Déjà-vu erlebte, was ihn und die Mannschaft auszeichnet und warum er nicht auf den gängigen Social-Media-Plattformen aktiv ist.

Außerdem erklärt Daferner, warum er es als große Ehre empfindet, das Trikot der Sportgemeinschaft zu tragen und weshalb er auf dem Platz keinen Schönheitspreis gewinnen will und dies wahrscheinlich auch nie wird.

Chris, lange bevor du dir überhaupt ernsthaft Gedanken über eine Profi-Fußball-Karriere gemacht hast, geschweige denn ein Engagement bei Dynamo ein Thema war, warst du schonmal in Dresden. Wie kam es dazu?
Das müsste im Jahr 2012 gewesen sein. Wir haben zusammen als Familie einen Tagesausflug gemacht und uns unter anderem bei einer Stadtrundfahrt den Zwinger, die Elbe, das Rudolf-Harbig-Stadion und den Großen Garten angeschaut. Daran kann ich mich noch gut erinnern.

Im letzten Sommer hast du dann also ein kleines Déjà-vu erlebt, als du nach Elbflorenz gewechselt bist?

Es fühlte sich tatsächlich etwas so an, da ich einiges ja schon mal gesehen hatte – obwohl der erste Besuch zu dem Zeitpunkt auch schon rund acht Jahre her war. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir damals tatsächlich das Rudolf-Harbig-Stadion. Zu dem Zeitpunkt habe ich im Alter von 14 Jahren noch bei der JFG Neuburg nahe meines Heimatortes gespielt und hätte mir nie erträumen lassen, jemals in einem so großen Stadion auflaufen zur dürfen.

Du bist im Sommer vom SC Freiburg nach Dresden gekommen, hast aber die letzte Saison auf Leihbasis bei Dynamos Rivalen FC Erzgebirge verbracht. War das jemals ein Thema für dich?
Es gab diesbezüglich keine einzige negative Situation. Für mich war von Anfang an klar, dass ich der SGD das mir entgegengebrachte Vertrauen zurückzahlen möchte. Da gab es nur eine Devise: Alles geben und abliefern.

Zumal du dich vom ersten Tag an mit Dynamo identifizierst, immer wieder zeigst, dass die SGD für dich nicht nur irgendein Verein ist
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Ich habe mich auf Anhieb richtig gut mit ‚Leo‘ Löwe verstanden, der Dynamo in- und auswendig kennt. Er hat mir direkt einige Anekdoten erzählt und erklärt, was es bedeutet, das Trikot der SGD zu tragen. Das ist nicht nur mir, sondern auch der gesamten Mannschaft bewusst. Es ist eine große Ehre, für Dynamo zu spielen.

Auch wenn die Fans aktuell nicht im Stadion sein dürfen, hast du bei den Anhängern nicht nur durch deine sportlichen Leistungen, sondern auch deine menschliche Art, ein hohes Standing. Wie sehr genießt du diese Anerkennung?
Ich habe mich hier vom ersten Tag an wohlgefühlt, wurde von allen mit offenen Armen aufgenommen und versuche meinen Teil zu dem großen Ganzen beizutragen. Dass das anerkannt wird und die Menschen rund um den Verein sehen, dass ich alles für Dynamo gebe, mich auf dem Platz immer voll reinhaue, freut mich natürlich.

Eine besondere Anerkennung seitens der Fans wurde euch auch nach dem 3:1-Auswärtssieg in Rostock und dem 1:0-Erfolg in Magdeburg zuteil, als ihr jeweils – Corona-konform – mit einem leuchtenden Spalier empfangen worden seid ...
Das sind Momente, in denen man merkt, dass sich die tagtägliche harte Arbeit brutal lohnt. Denn wir spielen ja nicht nur für uns, sondern ebenso für unsere Fans. Auch, wenn die in der aktuellen Situation nicht so nah dran sein können, wie wir uns das alle wünschen würden, wissen wir, dass unsere Anhänger voll hinter uns stehen. Das „pusht“ unglaublich und setzt noch mehr Motivation frei, immer weiter zu arbeiten.

Wie siehst du deine persönliche Entwicklung in den letzten Monaten?
Ich spüre hier einhundertprozentiges Vertrauen in meine Person und bin mit meiner Entwicklung und dem, wie es im Moment läuft zufrieden. Darauf darf und werde ich mich aber nicht ausruhen. Denn: Viel wichtiger als zu wissen, was man gut kann, ist, zu wissen, woran man noch arbeiten muss. Ich freue mich vor allem, dass ich mit meinen Toren und Assists zum Erfolg der Mannschaft beitragen kann.

Du bist ein sehr höflicher und bodenständiger Mensch. Sobald aber das Spiel beginnt, scheint es, als würde sich bei dir ein Schalter umlegen und die Zurückhaltung weicht einem absoluten Killerinstinkt. Wie gelingt dir das?
Ich bin in der Tat ein eher ruhigerer Typ. Als Stürmer ist Zurückhaltung auf dem Feld aber fehl am Platz. Andernfalls gibt es gegen die gegnerische Defensive kein Durchkommen. Da geht es dann neben den fußballerischen Qualitäten auch um die eigene Körpersprache.

Heißt: Wenn der Anpfiff ertönt, setzt du das „Game-Face“ auf?
So kann man es gut beschreiben. Wenn ich im Nachgang dann die Zusammenfassungen der Spiele oder Bilder von mir sehe, erkenne ich mich manchmal selbst nicht wieder (lacht). Aber: Wenn ich auf dem Platz stehe, haue ich einfach alles rein, will mich für die Mannschaft zerreißen. Einen Schönheitspreis muss und will ich während des Spiels ja auch gar nicht gewinnen. Ich will erfolgreich sein.

Dein Spiel zeichnet sich sowohl durch Körperlichkeit als auch eine wirklich gute technische Anlage aus. Wo hast du dir diese Kombination angeeignet?
Ich habe vor allem bei 1860 München in der Jugend sowie später beim SC Freiburg eine wirklich gute Ausbildung genossen und dort viel gelernt. Nach den Spielen schaue ich mir außerdem meine Szenen an, gucke, wo ich mich weiter verbessern kann, bin sehr wissbegierig und immer für Tipps offen – egal ob vom Trainerteam oder meinen Mitspielern.

Hast du persönlich für dich ein persönliches Ziel, was du kurz-, mittel- oder langfristig sportlich erreichen möchtest?
Für mich ist es wichtig, jetzt in diesem Moment da zu sein, meine Leistung zu bringen und abzuliefern. Meine Situation lässt sich eigentlich ganz gut mit der von uns als Mannschaft vergleichen. Es ist gut, was wir bisher geschafft haben, aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Um da hinzukommen, müssen wir unseren Weg Schritt für Schritt weitergehen, von Spiel zu Spiel schauen und unsere Hausaufgaben machen. Der Rest kommt dann von ganz alleine.

Während du auf dem Platz stets sehr präsent bist, bist du es auf einem anderen Feld nicht – dem der sozialen Medien. Warum?

Zum einen, weil man da aus meiner Sicht einfach zu viel Zeit verbringt, beziehungsweise sogar verschenkt. Und zum anderen wirkt dies auf mich wie eine kleine Scheinwelt, in der immer nur dann Bilder gepostet werden, wenn es gerade gut läuft. Davon wollte ich mich loseisen. Am Ende soll aber jeder für sich selbst entscheiden, ob und inwiefern er dort aktiv ist. Mir tut die Social-Media-Abstinenz zumindest gut.

Dir ist es außerdem wichtig, nicht nur in der sogenannten Fußball-Blase zu leben, hast auch andere Interessen und bildest dich darüber hinaus stets weiter. Du absolvierst derzeit zum Beispiel ein Fernstudium. Was hat es damit auf sich?
Ich studiere an einer Fern-Uni Sportmanagement und strebe den Bachelor-Abschluss an. Aktuell stehe ich zwar mit dem 2. Semester noch recht am Anfang, möchte das Studium neben dem Fußball aber unbedingt durchziehen. Mir ist es wichtig, sich nicht nur mit Fußball zu beschäftigen, sondern über den Tellerrand hinauszublicken und die Zukunft sowie die Zeit nach der aktiven Karriere im Blick zu haben.

Die gesamte Mannschaft hat eine echte Siegermentalität entwickelt, ihr seid als Team sehr gefestigt. Was zeichnet euch aus?
Es ist immer wichtig, sich auch nach vermeintlich „großen“ Siegen, wie es etwa das 4:0 gegen Ingolstadt war, wieder zu sammeln, das Vergangene abzuhaken und den Blick auf die kommende Aufgabe zu lenken. Wir wissen, dass ganz viele in der 3. Liga nur darauf warten, dass wir scheitern und Punkte liegen lassen. Deshalb war die Partie in Meppen genauso wichtig wie das gegen Ingolstadt.

Ihr habt als im Sommer komplett neu zusammengestelltes Team zu Saisonbeginn erwartungsgemäß etwas gebraucht, um euch zu finden, seid aus dieser Phase aber gestärkt hervorgegangen. Woran machst du das fest?
Wir sind im Gesamten eine Mannschaft, die nicht nur für Lob, sondern erst recht auch für Kritik empfänglich ist. Fehler kann und darf jeder machen. Wichtig ist, daraus zu lernen, es beim nächsten Mal besser zu machen, den Fokus auf das große Ganze zu legen und Eigeninteressen hinten an zu stellen. Da spielt natürlich auch das Trainerteam eine große Rolle, welches uns immer wieder antreibt und uns auf den Punkt vorbereitet. Eines ist nämlich klar: Die Saison ist noch lang und – auch wenn es nach einer Floskel klingt: Wir müssen von Spiel zu Spiel denken.

Bevor es auf den Platz geht: Hast du eigentlich ein besonderes Ritual, welches du vor dem Spiel in der Kabine durchführst, ehe es dann scharf geht?

Rund zehn Minuten vor dem Aufwärmen auf dem Platz absolviere ich mit unserem Athletiktrainer Matthias Grahé immer ein kurzes, individuelles Mobilisationsprogramm, fokussiere mich dabei voll auf die Partie, bereite mich mental vor und dann geht’s los.

Chris, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei der SGD.

Interview: Lennart Westphal
Fotos: Steffen Kuttner, Dennis Hetzschold