KREISEL-Interview mit Dietmar „Ditti“ Preußer

Dynamo alles untergeordnet

Dietmar Preußer

Seit 2012 war Dietmar „Ditti“ Preußer als Busfahrer und wenig später auch als Zeugwart eine allseits geschätzte Größe im Team hinter dem Team bei der SGD. Nach acht Jahren in Diensten der Sportgemeinschaft hat sich der 49-Jährige nun dazu entschieden, den Verein zu verlassen.
 
Wir haben das schwarz-gelbe Original im wohlverdienten Urlaub erreicht und mit ihm über seine bewegte Zeit bei Dynamo Dresden gesprochen. Im Interview erzählt „Ditti“ unter anderem von Aufklebern gegnerischer Vereine auf seinem Bus, der Rückfahrt aus Magdeburg nach dem Aufstieg 2016, Irrwegen in Bochum oder seinem „liebsten Feind“, dem Schacht.  

Hallo Ditti, erst einmal natürlich eine Frage, die dieser Tage weit mehr als eine reine Floskel ist: Wie geht es dir im Moment?
Im Moment geht es mir richtig gut. Ich bin gerade mit meiner Frau im Urlaub auf der Insel Rügen. Also: ‚Herz, was willste mehr?‘ (lacht)

Rügen - wie kommt’s?
Meine Frau war noch nie auf Rügen und bevor ich zu Dynamo gekommen bin, war ich als Reisebusfahrer einmal hier. Da dachte ich, ich zeige meiner Frau auch mal dieses schöne Fleckchen Erde.

Nimm uns doch einmal mit zurück in deine Zeit bei der Sportgemeinschaft. Was waren in den acht Jahren hinter dem Steuer ganz besondere Erlebnisse mit der SGD?
Da gibt es einige. Angefangen bei meiner ersten Auswärtsfahrt nach Bochum 2012 – unter Ralf Loose war das damals noch. So etwas behält man selbstverständlich in Erinnerung. Auch meine erste Fahrt nach St. Pauli werde ich nie vergessen. Da wurde das Stadion umgebaut und deshalb musste man mit dem Bus erst vorwärts rein und anschließend sehr umständlich wieder rückwärts raus fahren. Danach hatte ich circa 50 Pauli-Aufkleber auf dem Bus kleben. (lacht) Aber die gingen zum Glück alle schnell und gut wieder ab.

Welche Auswärtsfahrt war denn für dich das absolute Highlight?
Ganz klar die Aufstiegsfahrt 2016 von Magdeburg zurück. Schon aus Magdeburg raus wurde es interessant, weil die Polizei uns über irgendwelche Dörfer geführt hat, wo vom Stinkefingerzeigen bis zu verschiedensten Dingen, die an die Scheibe geklatscht sind, alles dabei war. Aber am Ende ist alles ganz geblieben und nichts kaputt gegangen.

Wie ging es dann weiter?

Auf der Autobahn haben auf jeder Brücke Dynamo-Fans gestanden oder sind mit ihren Pkws vor hinter und neben uns gefahren, haben gejubelt und gehupt. Ab Dresden-Hauptbahnhof war dann bloß Schrittgeschwindigkeit möglich, weil wir dort quasi zeitgleich mit den ganzen Fans ankamen, die aus Magdeburg mit dem Zug zurück kamen. Unter den Brücken am Hauptbahnhof war dann erst einmal kurz Vollsperrung angesagt und wir haben von dort bestimmt 45 Minuten bis zum Stadion gebraucht.

Bist du jemals zu spät zu einem Spiel gekommen?
Einmal habe ich mich verfahren. Das war letztes Jahr in Bochum unter Maik Walpurgis. In meiner Funktion als Zeugwart habe ich zusammen mit Teammanager Martin Börner ja vorher immer die Kabine eingeräumt und bin dann zurück zum Hotel, um die Mannschaft abzuholen. Irgendwie habe ich es geschafft, mit dem Team hinten drin an irgendeinem Kreisverkehr falsch abzubiegen. Das habe ich dann aber erst in einer Spielstraße einer Wohnsiedlung gemerkt, wo zu allem Überfluss noch eine Baustelle war. Deshalb musste ich gefühlt einen Kilometer rückwärtsfahren und wir kamen erst 60 Minuten vor Anpfiff statt der üblichen 90 am Stadion an. Am Ende war aber alles gut, weil wir trotzdem dank Moussa Koné mit 1:0 gewonnen haben (lacht).

Gab es für dich bestimmte Lieblingsziele, die du mit Dynamo regelmäßig angesteuert hast?
Ich sage immer: ‚Mein liebster Feind ist der Schacht‘. Das sind kurze Wege, ein schönes Hotel und geile Derbys. Zudem ist man relativ zeitnah wieder zu Hause. Und wenn man dann noch 4:0 oder 4:1 gewonnen hat, macht das richtig Laune. Andersherum war die Rückfahrt natürlich nicht ganz so schön.

Was war rückblickend für dich die schönste Phase bei der SGD?
Das waren die beiden Jahre, als wir erst 2015/16 aus der dritten Liga aufgestiegen und 2016/17 in der 2. Bundeliga als Aufsteiger Fünfter geworden sind. Da herrschte eine super Stimmung im ganzen Team und die meisten Spiele von uns waren richtig stark.

Hat man als Busfahrer nach einem Spiel eigentlich generell einen Einfluss auf die Stimmung der Spieler, wie beispielsweise mit der Musikwahl?

Eigentlich nicht wirklich. Die Mannschaft hatte ja immer eine eigene große Musikbox mit, die sie bei Siegen auf der Heimfahrt auch gerne mal mit in den Bus genommen hat. Da konnte ich vorne am Regler drehen wie ich wollte (lacht). Das war meistens nicht so ganz mein Musikstil. Obwohl an eine schöne Party erinnere ich mich gerade …

Erzähle uns mehr!
Es war die Rückfahrt aus Dortmund, damals noch in der 3. Liga unter Cheftrainer Peter Nemeth. Da haben die Trainer sich vorne nacheinander ins Bluetooth eingeloggt und ihre Lieblingslieder angemacht. Höhe Leipzig kam „Wiege“ (Patrick Wiegers, Anm. der Red.) nach vorne und hat sich über die Musikauswahl und -lautstärke beschwert. Wir haben dann einfach leiser und hinten ausgemacht, aber vorne weiter unseren Spaß gehabt.

Für dich geht jetzt eine Ära zu Ende. Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?
Erst mal gehe ich zurück in meine Busfirma, wo ich immer noch als Busfahrer angestellt bin. Mein Traum wäre es – oder besser gesagt: ich arbeite ein bisschen darauf hin – einen ganz klassischen Arbeitsalltag zu haben. Also von Montag bis Freitag voll zu arbeiten und am Wochenende dann im Garten sitzen oder ins Stadion gehen zu können. Wo und wann das sein wird, weiß ich aber noch nicht genau. Ob meine Busfirma da mitspielt oder ich zurück auf den Lkw gehe, wird sich zeigen. Ich bin da relativ flexibel.

Das war wahrscheinlich auch der Hauptgrund, warum du dich dazu entschieden hast, bei Dynamo aufzuhören?
Genau. Ich bin einfach, nennen wir es mal, ‚wochenendmüde‘. Die letzten Jahre war man ja doch fast jedes Wochenende unterwegs und ich habe dann im vergangenen Jahr im Türkei-Trainingslager entschieden, dass ich meinen Vertrag noch erfülle und dann Schluss ist. Meine Frau hatte immer großes Verständnis, aber wir haben Dynamo im Prinzip alles untergeordnet, gerade auch was Urlaubsplanung und dergleichen betrifft. Jetzt habe ich zu meiner Frau gesagt: ‚Wir werden 50. Fangen wir doch einfach mal eine neue Ära an und gucken wie es weitergeht‘.

Das ist nachvollziehbar. Im Rudolf-Harbig-Stadion  werden wir dich aber trotzdem wieder antreffen, oder?
Klar! Ich werde meine Jahreskarte behalten und wenn wir dann wieder reindürfen, im Familienblock sitzen, ganz vorne an der Mauer, und die Jungs anfeuern, wenn sie gut spielen. Und wenn sie schlecht spielen, kriegen sie was zu hören. (lacht) Sie wissen ja dann von wem es kommt. Das habe ich dem ein oder anderen schon angedroht.

Und auswärts? Wirst du privat auch mal zum Auswärtsfahrer?
Da würde ich dann zuhause glaube ich richtig auf den Deckel kriegen. (lacht) Wenn ich jetzt noch zu meiner Frau gehe und sage: ‚Pass auf. Ich habe zwar bei Dynamo aufgehört, aber ich könnte ja auswärts noch ein bisschen mitmachen‘. (lacht)

Lieber Ditti, vielen Dank, dass du dir in deinem Urlaub die Zeit für uns genommen hast. Wir wünschen dir für deine Zukunft von Herzen nur das Beste und hoffen, dich weiterhin so oft es geht bei Dynamo begrüßen zu können.

Interview: Marcel Devantier
Fotos: Steffen Kuttner (1,3,4,5), Frank Dehlis (2)