KREISEL-Interview mit Fred Mecke

Wehmut ist auf jeden Fall dabei.

Fred Mecke

Nach 51 Jahren verlässt die SGD in diesem Sommer durch den Umzug in die neue AOK PLUS Walter-Fritzsch-Akademie im Sportpark Ostra die altgediente Trainingsanlage im Großen Garten.
 
Aus diesem Anlass haben wir uns mit einem Mann zum Gespräch getroffen, der zwischen 1973 und 1983 nicht nur als Jugend- und Herrenspieler viel Blut, Schweiß und Tränen auf dem altehrwürdigen Grün an der Lennéstraße vergossen hat, sondern seit geraumer Zeit auch als Greenkeeper bei Dynamo dafür sorgt, dass Selbiges die bestmöglichen Trainingsvoraussetzungen für die heutigen Profis bietet.
 
Fred Mecke spricht im KREISEL-Interview über seine ereignisreiche Zeit im schwarz-gelben Trikot, seine ganz besondere Verbindung zu den Plätzen im Großen Garten und seine heutige Tätigkeit als Greenkeeper bei der Sportgemeinschaft. Zudem verrät der 59-Jährige, warum man beim Training gut beraten war, den Blick stets nach vorne zu richten.

Der große Garten ist seit 51 Jahren die heilige Trainingsfläche der SG Dynamo Dresden. Was verbindest du persönlich mit diesem Ort?
Ich bin 1973 zu Dynamo Dresden gekommen und damals gab es ja noch die beiden Hartplätze. Da war man als Nachwuchsspieler natürlich froh, wenn man mal im Großen Garten trainieren durfte, auch wenn das leider nicht allzu oft der Fall war. Später ab der Nachwuchs-Oberliga verbinde ich mit diesem Ort vor allem viele harte, aber auch schöne Trainingseinheiten, die ich hier erlebt habe.

Nimm uns doch mal mit ins Jahr 1973. Wie sah das Gelände denn aus, als du damals hier als Nachwuchsspieler aufgeschlagen bist?
(lacht) Das ist schon eine ganze Weile her. Ich glaube es gab den Rasenplatz 1, den sogenannten „Pionierplatz“, bereits. Die anderen Plätze sind im Laufe der Jahre dann nach und nach dazugekommen.

Drainage und Beregnungsanlage gibt es hier erst seit kurzer Zeit. Waren die Trainingsbedingungen damals sehr wetteranfällig?

Also da muss man natürlich dazusagen, dass wir da früher anders herangegangen sind (lacht). Da gab es noch nicht die heutigen Maßstäbe. Man war erst einmal überhaupt froh, wenn man überhaupt auf dem Rasen trainieren konnte. Auf den Hartplätzen standen immer die Pfützen, da hat das Training definitiv keinen Spaß gemacht.

Was war das für ein Gefühl, als du Ende der Siebziger Jahre endlich auf dem Pionierplatz angekommen bist und ein Teil der sehr erfolgreichen damaligen Mannschaft wurdest?
Es bis dorthin geschafft zu haben und dann auch vor über 30.000 Zuschauern im Stadion einzulaufen, war ein sehr geiles Gefühl und für mich eine riesengroße Ehre.

Was bedeutet es dir heute sagen zu können, dass du mal Spieler von Dynamo Dresden warst?
Das ist schon sehr lange her, aber ab und zu denkt man schon noch an das ein oder andere Spiel. Ich habe zum Beispiel einmal ein Tor gegen den BFC vor 33.000 Zuschauern gemacht. So etwas bleibt natürlich in Erinnerung.

Erzähl‘ uns von dem Tor!
Es war ein Heimspiel und der BFC war mit 1:0 in Führung gegangen. Dann fiel das 1:1 und das 2:1 für uns. Kurz vor Schluss habe ich den Ball an der Mittellinie im Zweikampf gewonnen und bin von dort aus bis kurz vors Tor gelaufen und habe eingeschoben. Das vergisst man nicht.

Welche Erinnerungen verbindest du mit deinem Pflichtspieldebüt am 23. August 1980 gegen Wismut Aue?

Das war sehr aufregend, weil man ja auch den ganzen Zuschauern gegenüber eine gewisse Verantwortung übernimmt. Das war schon ein sehr kribbeliges Gefühl. Ich war sowieso ein Typ, der vor den Spielen immer relativ nervös wurde. Irgendwann ging das Spiel los und die Nervosität hat nachgelassen. Dann ist man viel gelaufen und hat nur noch versucht, gut Fußball zu spielen. Das hat dann zwar nicht immer geklappt, aber nervös war ich nicht mehr. (lacht)

Zu DDR-Zeiten war das Kollektiv innerhalb einer Mannschaft sehr wichtig. Haben dir die älteren Spieler geholfen?
Auf jeden Fall. Wir hatten ein super Kollektiv mit vielen erfahrenen Spielern wie „Dixie“ Dörner oder Andreas Trautmann. Klar musste man als junger Spieler auch die Trainingsutensilien tragen und sich erst einmal alles erarbeiten. Aber insgesamt sind die jüngeren Spieler ordentlich aufgenommen worden. Von daher gab es nichts zu beanstanden.

Du bist 1983 dann zu Stahl Riesa gegangen und hast später auch noch für Chemie Halle gespielt. Wie bist du anschließend dazu gekommen, als Greenkeeper wieder Teil der Dynamo-Familie zu werden?
Fußballerisch ist es bei mir irgendwann mit nicht mehr so gelaufen, dass es hier für die 1. Männermannschaft gereicht hätte. Dann bin ich nach Riesa gegangen und danach zwei Jahre zu Chemie Halle, wo ich auch sehr schöne Zeiten erlebt habe. Nach der Wende war ich selbstständig und als das dann nicht mehr so richtig geklappt hat, fing ich bei Borea Dresden als Platzwart an. Über Umwege bin ich 2010 zur U21-WM der Frauen in einer Art Nebentätigkeit hier gelandet. Und das hat sich in der Folge zu einem festen Job entwickelt, der mir immer noch sehr viel Spaß macht.

Hat sich damit für dich eine Art Kreis geschlossen?

Eigentlich schon. Früher hat man das nicht in dem Maße wahrgenommen, oder ich sage mal, für voll genommen, wenn die Platzwarte ihre Arbeit gemacht haben. Wenn man es dann selber machen muss, lernt man erst mal die Arbeit der Greenkeeper zu schätzen (lacht).

Wie hast du die Corona-Zeit erlebt?
Die Arbeit ging hier ganz normal weiter, weil der Rasen vor Corona natürlich keine Rücksicht nimmt. Wir sind jetzt gerade in der Hauptwachstumsphase, da muss man fast jeden Tag mähen. Auch als die Profis nicht da waren, musste der Platz weitergepflegt werden.

Du bist Mannschaftssportler. Inwiefern ist Greenkeeping auch ein „Teamsport“?
Ganz alleine bekommt man das alles natürlich nicht hin. Es sieht vielleicht erst einmal einfach aus. Fünf Minuten mit dem Rasenmäher drüberfahren reicht aber selbstverständlich nicht. Da gehören sehr viele Faktoren wie Wässern, Düngen und so weiter dazu. Dafür braucht man viele helfende Hände. Ähnlich wie beim Fußball ist das also ebenfalls eine gewisse Teamarbeit.

Nach 51 Jahren heißt es Abschiednehmen aus dem Großen Garten. Du hast hier viel Schweiß, Tränen und Blut vergossen. Wie viel Wehmut ist dabei, wenn hier zum letzten Mal gemäht und dann das Tor abgeschlossen wird?
Wehmut ist auf jeden Fall dabei. Man hat das alles dann nicht mehr um sich und vielleicht verblasst die ein oder andere Erinnerung an alte Tage. Aber ich freue mich auch auf die neue Anlage. Die Freude überwiegt sogar, würde ich sagen.

Was ist das Kurioseste, das dir in all den Jahren im Großen Garten passiert ist?
Ich bin als Nachwuchsspieler, als wir mal außerhalb des Geländes trainiert haben, beim Fangen spielen einmal gegen einen Baum gelaufen. Ich habe nicht aufgepasst und bin voll dagegen gerannt. Das tat richtig weh (lacht).

Fred, vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast.

Interview: Henry Buschmann, Marcel Devantier
Fotos: Steffen Kuttner (1,2,3,5), Frank Dehlis (4)

Mehr zum Trainingsgelände und Fred Meckes Dynamo-Vergangenheit gibt es im Beitrag bei „Dynamo-TV“.