KREISEL-Interview mit Niklas Hauptmann

Den größten Anteil haben meine Eltern und meine beiden Brüder.


Niklas Hauptmann

Anfang letzter Woche, noch vor dem Pokalspiel gegen Bielefeld, trafen wir uns mit Niklas Hauptmann im Stadion zum Interview. Der 20-Jährige, der seit der D-Jugend das Wappen der Sportgemeinschaft trägt, hat im Oktober seinen ersten langfristigen Profivertrag unterzeichnet. Ein toller Schritt für beide Seiten – und ein Schritt, für den „Haupe“ in den letzten Jahren hart gearbeitet hat.

Wir sprachen mit Niklas über die Nervosität vorm Zweitliga-Debüt und vor seiner ersten Pressekonferenz. Wir wollten wissen, wie er mit den Liebesschwüren junger Damen umgeht, und was ihm durch den Kopf ging, als er beim Heimsieg gegen Stuttgart Weltmeister Kevin Großkreutz den Ball abluchste. Außerdem verriet „die Schlange“ uns, ob er plant, sich demnächst tätowieren zu lassen.

Niklas, wann warst du nervöser – bei deinem Zweitliga-Debüt vor ausverkauftem Haus gegen Nürnberg, oder letzte Woche, als du im Spielertunnel auf deine erste Pressekonferenz gewartet hast?
(lacht) Es war schon noch mal was anderes, vor 30.000 Zuschauern aufzulaufen, da war ich ein Stückchen aufgeregter. Nichtsdestotrotz war die Pressekonferenz etwas Ungewohntes und Neues für mich.

Wenn man auf dem Platz steht, fällt die Nervosität dann ab?
Ja, ab dem Moment, wenn man auf den Platz läuft, blendet man alles rundherum komplett aus. Aber vor meiner Einwechslung, auf dem Weg zur Bank, habe ich schon mal kurz darüber nachgedacht, was gleich passieren würde.

Obwohl du dein Profi-Debüt ja schon im April in der 3. Liga gegeben hast …
Als ich gegen Wiesbaden ins Spiel gekommen bin, stand es schon 3:0, das Spiel war faktisch gelaufen. Das war auf jeden Fall der Moment, den ich mehr genießen konnte, in dem ich die Stimmung mehr aufsaugen konnte. Gegen Wiesbaden waren zwar auch 30.000 Zuschauer im Stadion, aber beim Zweitliga-Auftakt gegen Nürnberg war die Anspannung noch mal ein ganzes Stückchen höher.

Du bist seit 2008 bei Dynamo, damals also in der D-Jugend eingestiegen?
Genau …

Was macht diesen Verein für dich aus?
Man braucht sich nur aller zwei Wochen ins Stadion zu setzen, dann weiß man, was diesen Verein ausmacht. Wenn man hier auf dem Platz steht und 30.000 dich nach vorne peitschen, dann holt das noch mal ein paar Prozentpunkte aus dir raus. Dynamo hat einfach ein gigantisches Umfeld, das sehr viel bewegen kann. In der Jugend wurden wir vor allem technisch sehr gut ausgebildet, ich denke, dass mir das jetzt sehr zugute kommt.

Jetzt hast du deinen ersten langfristigen Profi-Vertrag unterschrieben. Welchen Stellenwert hat das für dich?
An der Vertragsdauer sieht man schon, dass es ein ziemlich großer Schritt für mich ist. Ich bin froh, dass die Angelegenheit jetzt abgeschlossen ist. Ich muss mir jetzt erstmal keine Gedanken um meine Zukunft machen. Das wird mir helfen, befreit aufzuspielen, denke ich.

Nachdem die Vertragsverlängerung verkündet war, hat man dir angesehen, dass du ziemlich glücklich warst …
(lacht) Auf jeden Fall. Ein langfristiger Vertrag bedeutet auch viel Wertschätzung von Seiten des Vereins. Das freut mich natürlich sehr, weil ich mich hier wohl fühle.

Die letzte Saison ist für dich nicht optimal verlaufen, mit einer Schambeinentzündung bist du für ein paar Monate ausgefallen …
Im Nachhinein war das vielleicht ganz wertvoll für mich, weil ich in dieser Zeit an meiner Konstitution arbeiten konnte. Ich habe Krafttraining gemacht und körperlich ein bisschen zugelegt, aber natürlich war das nicht die schönste Zeit.

Hättest du dir bei deinem Profi-Debüt am 23. April in Wiesbaden träumen lassen, dass du in den darauffolgenden sechs Monaten bei jedem Pflichtspiel im Kader stehen und regelmäßige Spielzeiten bekommen würdest?
Davon bin ich nicht ausgegangen. Ich hatte vor der Saison schon das Ziel, in den Kader zu rücken. Aber wenn man sich hohe Ziele setzt, dann ja auch immer in dem Bewusstsein, dass Dinge schief gehen können. In der Vorbereitung habe ich dann gespürt, dass was gehen kann, dass ich mithalten kann. Aber dass ich immer wieder zu Einsatzzeiten kommen würde, hatte ich so vorher nicht erwartet.

Was hat sich dadurch für dich verändert?
Im fußballerischen Bereich habe ich einen Schritt nach vorne gemacht, ansonsten hat sich nicht so viel verändert. Den Respekt der Mannschaft hatte ich auch vorher schon verspürt, das konnte ich jetzt durch Leistungen ein wenig untermauern. Ansonsten bin ich derselbe geblieben. Dafür wird meine Familie auch immer sorgen, dass ich so bleibe, wie ich bin.

Es heißt immer, für eine Karriere als Profi-Fußballer muss man auf Vieles verzichten – worauf hast du in den letzten Jahren verzichtet?
Auf sehr viel Freizeit. Ich bin seit der 5. Klasse aufs Sportgymnasium gegangen, hatte zweimal in der Woche früh Training, nachmittags sowieso. Wenn man mal einen freien Nachmittag in der Woche hatte, war das schon gut. Aber man gewöhnt sich daran, man lebt damit. Deshalb vermisse ich auch nichts.

Als Dynamo-Profi wird man in Dresden verehrt wie anderswo nur Bundesliga-Spieler. Wie gehst du damit um, wenn dir in den Sozialen Medien reihenweise junge Damen ihre Liebe zutragen?
(lacht) Ich gehe damit ganz locker um. Bisher wurde ich auch auf der Straße nicht angesprochen. Klar, manchmal merkt man schon, dass jemand kurz schaut und sich sagt, irgendwoher kenne ich den doch. Man bekommt das natürlich alles mit, aber wirklich Gedanken mache ich mir darüber keine. Ich sage mal so – es freut mich mehr, als dass es mich belastet.

Eine Tätowierung hast du noch nicht – warum eigentlich?
Ich habe bisher noch kein passendes Motiv gefunden, und ich glaube, dass ich erst mal auch nicht damit anfangen werde. Es ist einfach nicht so mein Ding, andere sind dafür vielleicht eher prädestiniert.

Auch sonst machst du die eine oder andere modische Erscheinung, die man bei deinen Mitspielern beobachten kann, nicht mit. Willst du damit einfach den tadelnden Blick deines Vaters vermeiden?
(lacht) Das kann vielleicht unterbewusst ein Grund sein. Ehrlich gesagt mache ich mir darüber relativ wenige Gedanken.

Ist das Business, mit all seinen Eigenheiten, für dich trotzdem ein Traumberuf?
Ich empfinde es als extremes Privileg, Fußballprofi sein zu dürfen. Fußballspielen ist das, was ich schon tue, seit ich denken kann. Und dass ich damit jetzt auch noch Geld verdienen kann, ist eigentlich das Beste, was mir passieren konnte. Man hat viel investiert in diesen Sport, und es ist schön, wenn man merkt, dass sich Arbeit auch auszahlt. Ich bin ja noch ganz am Anfang, aber ich würde schon sagen, dass es ein absoluter Traumberuf ist.

Welche Menschen haben Anteil daran, dass du drauf und dran bist, in deinem Traumberuf anzukommen?
Den größten Anteil haben meine Eltern und meine beiden Brüder. Sie standen immer an meiner Seite, auch und vor allem in den schwierigen Zeiten waren sie für mich da. Viel zu verdanken habe ich auch allen Trainern, die mich im Nachwuchs weiterentwickelt haben. Und zuletzt hatten natürlich der Trainer (Uwe Neuhaus; Anm. d. R.) und Ralf Minge einen großen Anteil. Ich bin ein Spieler, der das Vertrauen spüren muss. Beide haben mir dieses Gefühl gegeben, das hat für meine Entscheidung, mich längerfristig zu binden, auch eine Rolle gespielt. Und natürlich gab es über die Jahre auch den einen oder anderen guten Freund, der mir im richtigen Moment mit einem Ratschlag weitergeholfen hat.

Worin hat Uwe Neuhaus dich verbessert, seit du unter ihm trainierst?
Ich glaube, dass ich mein Passspiel unter ihm enorm verbessert habe. Und ich bin handlungsschneller geworden. Auch was die Wege in die Offensive angeht, habe ich unter Uwe Neuhaus als Trainer sehr viel gelernt.

Bist du in der Zentrale am besten aufgehoben?
Ja, auf der „Acht“ fühle ich mich am wohlsten. Dort hat man ein paar Freiheiten, kann das Spiel ein bisschen mit beeinflussen. Im Moment würde ich sagen, dass es die beste Position für mich ist.

Wo siehst du aktuell den größten Spielraum, um dich weiter zu verbessern?
An erster Stelle in puncto Robustheit, körperlich muss ich noch mehr draufpacken. Dann im Kopfballspiel, das ist glaube ich katastrophal. (lacht) Daran muss ich noch ein bisschen arbeiten. Und mein rechter Fuß ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Aber in erster Linie muss ich zusehen, dass ich körperlich weiter auf Trab komme.

Gegen Stuttgart hattest du vor dem 5:0 eine Balleroberung gegen Kevin Großkreutz. Ging dir in dem Moment durch den Kopf, wer da vor dir steht?
Nein, ich hatte das komplett ausgeblendet. Erst am Abend kam mein Bruder zu mir und sagte: ‚Du hast grad gegen den Weltmeister gespielt und den Ball gewonnen‘ – dann überlegt man schon kurz und sagt sich, hey, das passiert nicht jeden Tag. (lacht) Aber auf dem Feld spielt das keine Rolle.

Dein Kapitän Marco Hartmann hat dir einen Spitznamen verpasst. Kannst du dich damit anfreunden?

Solange es nur die „Schlange“ ist, und nicht die „falsche Schlange“, ist das in Ordnung für mich. (lacht) Marco hatte mir diesen Spitznamen schon lange verpasst, bevor er es in der Öffentlichkeit gesagt hat. Aber er hat sich in der Mannschaft nicht wirklich durchgesetzt, dort nennen mich eigentlich alle weiter „Haupe“.

Du wirst also in absehbarer Zeit auch keine Patenschaft für eine Schlange im Dresdner Zoo übernehmen?
(lacht) Nein, das habe ich in nächster Zeit nicht vor.

Man sagt, nach zehn Spieltagen lügt die Tabelle nicht mehr. Denkst du, der gesicherte Mittelfeldplatz sollte für Dynamo in diesem Jahr der Anspruch sein?
Der Anspruch sollte immer das Maximum sein. Wir haben gezeigt, dass wir gut mithalten können. Vielleicht sind wir noch nicht ganz so stark, wie uns der eine oder andere nach den ersten Spielen gesehen hat. Aber wir sind ganz sicher besser als wir uns in den vier sieglosen Spielen gezeigt haben. Im Moment stehen wir auf einem ganz ordentlichen Platz, daran sollten wir anknüpfen.

Niklas, dafür viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch!


Interview: Jan Franke
Fotos: Steffen Kuttner