KREISEL-Interview mit Yannick Stark

In Dresden verliebt.


Yannick Stark

Yannick Stark wechselte im Sommer von seinem Heimatverein, dem SV Darmstadt 98, zur SGD. Nach weniger als einem halben Jahr lässt sich festhalten: „Starki“, wie er in der Mannschaft gerufen wird, ist angekommen: Stammspieler, Vize-Kapitän und Herbstmeister –  so lautet die verkürzte Bilanz für den gebürtigen Darmstädter.

Vor dem Aufeinandertreffen seiner neuen und seiner alten Liebe spricht Yannick Stark im KREISEL-Interview darüber, wer in jeder Saison seit jeher als erstes mit einem Trikot ausgestattet wird und seine Verbindung zu Ex-Verein Darmstadt. Außerdem verrät der 30-Jährige, wer in Dresden sein Herz erobert hat und warum er so sehr von den Dynamo-Fans angetan ist.

Yannick, du bist ein Darmstädter Jung, auch dein Vater kommt aus der Stadt, deine Mutter aus Mittelhessen. Gibt es für die beiden eigentlich, während du gegen deinen Heimatclub alles für den Einzug ins Achtelfinale tun wirst, zuhause auf dem Sofa einen Gewissenskonflikt?

Da geht der Sohnemann natürlich vor. Meine Eltern drücken mir sowie dem gesamten Verein fleißig die Daumen, dass wir gewinnen und in die nächste Runde einziehen.

Hast du deine Eltern schon mit Dynamo-Trikots ausgestattet?
Na klar! Die beiden werden immer als erstes mit Trikots versorgt. Das erste verschwitzte Trikot jeder Spielzeit gebührt den Eltern (lacht). Am 1. Spieltag waren beide auch beim ersten Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg live dabei.

Die heimische Fankurve ist also schwarz-gelb ausgestattet ...

In jedem Fall. Was muss, das muss.

Hast du selbst in den Tagen vor der Partie Kontakt zu deinen ehemaligen Mitspielern und Weggefährten in Darmstadt gehabt?
Ich stehe weiterhin in regem Kontakt mit den Jungs und Mädels im Verein. Vor allem mit dem Physio- und Betreuer-Team schicke ich regelmäßig Sprachnotizen hin und her und telefoniere immer mal wieder.

Mit wem ist der Kontakt besonders eng?
Da will ich eigentlich keinen besonders herausheben, weil es echt noch einige sind. Mit Tobias Kempe habe ich aber zum Beispiel gerade erst telefoniert. Auf dem Platz muss die Freundschaft dann aber mindestens 90 Minuten ruhen. Da gibt es für uns nur ein Ziel: Wir wollen mit Dynamo in die nächste Runde einziehen.

Stammspieler, Vize-Kapitän und Herbstmeister – es hätte schlechter für dich laufen können, seitdem du von deinem Heimatclub im Sommer nach Dresden gewechselt bist, oder?
Ich habe vor meinem Wechsel von Beginn an in den Gesprächen mit der sportlichen Leitung und dem Trainerteam ein gutes Gefühl bekommen, von dem ich mich bei der Entscheidung für Dynamo habe leiten lassen. Dass es sportlich gut läuft, haben wir uns natürlich alle erhofft, aber davon ausgehen kann man ja nie. Umso schöner ist es, dass wir immer besser ins Rollen kommen. Wir hatten aber auch schwierigere Phasen, in denen nicht alles wie am Schnürchen gelaufen ist. Das wissen wir und arbeiten im Training täglich hart dafür, dass wir erfolgreich sind.

Was macht euch als Mannschaft im Moment – Achtung Wortspiel – so stark?
Uns war klar, dass es nach dem großen Umbruch im Sommer Zeit braucht, bis wir uns einspielen und unsere Abläufe finden werden. Wir verfügen über viel Qualität in der Truppe, die wir nun im Laufe der Saison immer besser abrufen, um die „PS“ auf den Platz zu bringen.

Aber: Die Saison ist lang, noch ist die Hälfte des langen Weges zu gehen. In welchen Bereichen siehst du noch Potenzial für euch als Mannschaft?
Luft nach oben und Verbesserungsmöglichkeiten gibt es immer. Die Entwicklung geht immer weiter und hört nie auf – sowohl als Mannschaft aber auch für jeden Einzelnen. Es gilt, dass wir uns noch besser aufeinander einstimmen und die Prozesse auf dem Feld verfeinern, so dass wir weniger gute Phasen noch seltener zulassen. In der 3. Liga wird immer wieder deutlich, dass die Leistungsdichte sehr eng ist. Wir wissen, dass wir immer an die eigene Grenze gehen müssen, um unsere Qualitäten abrufen und ausspielen zu können.

Nach der ersten Saisonhälfte ist auch Zeit, privat ein kleines Fazit zu ziehen. Gibt es etwas, in dem die Stadt Dresden dich überrascht hat, etwas was du so nicht erwartet hast?
Ich bin rundum begeistert von der Stadt. Dass Dresden schön sei, haben mir vor meinem Wechsel viele erzählt, dass es hier aber wirklich so schön ist, habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Ich bin rundum überzeugt und habe mich ehrlich gesagt ein bisschen in Dresden verliebt.

Dennoch ist das gesamte Leben im Moment durch die Corona-Pandemie eingeschränkt. Wie sieht dein Tagesablauf derzeit aus?
Das stimmt leider. Mein Leben spielt sich daher derzeit vor allem auf dem Platz und im Trainingszentrum sowie in den eigenen vier Wänden ab. Mir liegt es aber fern, über meine Situation zu jammern. Ich bin unglaublich dankbar, dass wir auch in diesen schwierigen Zeiten unseren Beruf ausüben dürfen.

Du bist kein großer Fan von traditionellen Dingen aus der hessischen Heimat wie etwa dem „Äppelwoi“. Gibt es trotzdem etwas, das in Darmstadt anders ist und du hier vielleicht sogar ein bisschen vermisst?
Bis auf die Entfernung zu Freunden und Familie fällt mir da tatsächlich nichts ein. Was das angeht, war ich in den letzten Jahren aber auch wirklich privilegiert: Heimatverein, Heimatstadt – da war das soziale Umfeld natürlich immer ganz dicht dran. Dahingehend war der Wechsel natürlich eine kleine Umstellung. Durch die Pandemie kann ich an einer Hand abzählen, wie oft ich meine Freunde und Familie seit dem Umzug gesehen habe.

Apropos vermissen: Obwohl der Fußball aufgrund der Corona-Pandemie derzeit ohne Zuschauer in den Stadien auskommen muss, sind bei der Partie gegen den SV Darmstadt über 53.000 Dynamo-Fans „#ImGeisteDabei“. Was bedeutet dir dieser unglaubliche Rückhalt der eigenen Anhänger?
Das bedeutet nicht nur mir, sondern der gesamten Mannschaft wirklich sehr viel. Auch in der aktuellen Zeit wird einmal mehr deutlich, welche Wucht und Strahlkraft Dynamo Dresden hat. Das war für viele von uns ‚Neuen‘ ja auch mit ein Grund, hier her zu wechseln. Diese große Begeisterung haben wir ein Stück weit schon beim Erstrunden-Pokalspiel gegen den Hamburger SV miterleben dürfen, wo die Stimmung fantastisch war – und das mit „nur“ rund 10.000 Fans. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was hier los ist, wenn das Stadion irgendwann wieder ausverkauft sein wird.

Die Dynamo-Fans scheinen es dir angetan zu haben …
Ich sag‘ es, wie es ist: Die Jungs und Mädels sind positiv verrückt. Auch der Busempfang nach dem Auswärtssieg in Rostock hat gezeigt, dass der Verein etwas Besonderes ist. Das pusht uns Spieler ungemein und gibt uns ein gutes Gefühl. Man spürt selbst in der aktuellen Phase, wo der unmittelbare Kontakt mit den Fans leider nicht möglich ist, einfach, was hier mit diesem Umfeld möglich ist. Unglaublich!

Und wenn du am 23. Dezember die Zeitung aufschlägst: Welche Schlagzeile willst du da lesen?
‚Dynamo Dresden überwintert als Tabellenführer der 3. Liga auch im DFB-Pokal.‘

Das wäre ebenso unglaublich. Da gehen wir mit. Yannick, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg gegen den SV Darmstadt.


Interview: Lennart Westphal
Fotos: Dennis Hetzschold (1,2,4 Steffen Kuttner (3,5,6)