KREISEL-Interview zum Trainingszentrum

„Auf der Baustelle besteht Helmpflicht.”

Sven Hartmann

In der Woche vor dem Cheftrainer-Debüt von Cristian Fiel hat die KREISEL-Redaktion ein anderes sportliches Thema mit Langzeit-Charakter unter die Lupe genommen: Am 7. März wird der Grundstein fürs Funktionsgebäude des neuen Trainingszentrums im Sportpark Ostra gelegt.

Wir haben dieses Ereignis zum Anlass genommen und mit Dynamos Kaufmännischem Geschäftsführer Michael Born und Projektleiter Sven Hartmann über das Bauvorhaben gesprochen. Wie ist der aktuelle Stand am Messering? Wann soll Richtfest gefeiert werden? Welche Zeitdokumente werden dem Grundstein beigelegt? Der Geschäftsführer und der Technische Leiter der Sportgemeinschaft standen uns Rede und Antwort.

Schaut ihr häufiger auf den Wetterbericht, seit das Bauvorhaben im Gange ist?

BORN: Grad im Winter auf jeden Fall. Längere Frostperioden können dazu führen, dass Bauverzug entsteht. Die verschiedenen Gewerke greifen ineinander, und natürlich stehen in den Auftragsbüchern der Firmen auch noch andere Kunden als Dynamo Dresden. Aber große Verzögerungen sind bisher glücklicherweise ausgeblieben.

HARTMANN: In Summe gab es über den Winter knapp vier Wochen witterungsbedingte Einschränkungen. Aber das bleibt in dieser Jahreszeit nicht aus, dafür sind im Bauzeitenplan Puffer vorgesehen. Der Schnee war das geringere Problem, Verzögerungen entstehen vor allem bei Frost. Dann kann nicht geschalt und betoniert werden, womit die Errichtung des Rohbaus quasi zum Erliegen kommt. Und auch Kräne stellt man ungern auf gefrorenem Boden auf. Wenn es taut, gibt‘s dann schnell mal ein statisches Problem.

Als vor vier Wochen über Nacht mehr als 20 Zentimeter Schnee gefallen sind, habt ihr also nicht zuerst ans Schlittenfahren gedacht?

BORN: (lacht) Das war Gedanke Nummer drei. Zuerst ging es darum: Wer räumt die Plätze, damit die Profis und der Nachwuchs trainieren können? Aber genau daran arbeiten wir ja, dass wir uns von solchen äußeren Faktoren ein Stück weit unabhängig machen. Stichwort Rasenheizung.

HARTMANN: Mit Blick auf den Baubetrieb sind auch solche heftigen Schneefälle zu verkraften. Ein paar Tage Baustopp sind weniger dramatisch als ein Trainingsstopp.

Wie oft seid ihr vor Ort?

BORN: Ich wohne relativ nah dran und schaue häufiger vorbei. Es ist interessant zu sehen, wie es vorangeht. Aber das passiert in der Regel abseits von Terminen, zum Beispiel bei einem Spaziergang am Wochenende. Sven als Projektleiter ist deutlich mehr vor Ort eingebunden.

HARTMANN: Es gibt eine wöchentliche Bauberatung, die derzeit jeden Mittwoch stattfindet und fest in meinem Terminkalender steht. Meistens kommen pro Woche noch ein, zwei Termine dazu. Aber ich stehe immer im Kontakt mit dem Bauleiter, der sein Containerbüro auf der Baustelle hat.

BORN: Alle 14 Tage findet eine Planungsberatung statt, an der wir beide teilnehmen. Aber dazu treffen wir uns im Stadion.

Habt ihr für eure Besuche am Messering einen Helm im Kofferraum?

HARTMANN: (lacht) Das wird höchste Zeit, auf der Baustelle besteht grundsätzlich natürlich Helmpflicht.

BORN: Vielleicht fährst du heute direkt noch mal in den Baumarkt und kaufst ein paar Helme. Aber in Dynamo-Gelb.

Wie ist der aktuelle Stand der Bauarbeiten?

HARTMANN: Im Moment entsteht die Bodenplatte. Die Schalungen für die beiden Fahrstuhlschächte, Treppenhäuser und Entmüdungsbecken sind fertig, auch die Grundleitungsanschlüsse sind vorbereitet. Unter der Bodenplatte sind in den letzten Wochen Bohrlöcher entstanden, die mit Mineralgemisch gefüllt wurden. Das ist eine baugrundverbessernde Maßnahme, damit das Haus festen Boden unter den Füßen hat.

Wie viele Bohrlöcher sind das und wie tief reichen sie nach unten?

HARTMANN: Wir reden von einem Raster von über 400 Bohrlöchern im Abstand von 1,50 Metern. Alle zwischen vier und fünf Meter tief. Mit den Bohrungen für das Erdsondenfeld sind wir noch mal deutlich tiefer gegangen.

Welche Erdsonnen?

HARTMANN: (lacht) Erdsonden. Es wurden 20 Erdsonden in bis zu 70 Meter Tiefe versenkt. Ziel ist, damit den Energiegrundbedarf des Gebäudes zu decken. Das Entmüdungsbecken lassen wir da mal außen vor. (lacht)

Ein Stromfresser …

BORN: Die Kosten nehmen wir gern in Kauf, wenn es der Regeneration der Spielerbeine dient. Das Entmüdungsbecken wird rechtzeitig geliefert, so dass wir es noch reinheben können, bevor Mitte April die Decke übers Erdgeschoss gezogen wird.

Warum zwei Fahrstühle?

HARTMANN: Erstmal wird es nur einen geben. Den brauchst du schon aus Gründen der Barrierefreiheit. Ein zweiter Fahrstuhl lässt sich nachrüsten, falls es erforderlich wird. Durch so ein Gebäude wird jede Menge Material bewegt. Deshalb gibt es eine Option auf einen zusätzlichen Aufzug im südlichen Treppenhaus.

Wir reden über ein dreigeschossiges Gebäude ohne Keller. Wie wird das Innenleben aussehen?

BORN: Im Erdgeschoss sind Funktionsräume für 1. Mannschaft, Nachwuchs und Physiotherapie untergebracht. Dort gibt es auch einen Medienarbeitsraum, in dem Pressekonferenzen stattfinden können. Im ersten Obergeschoss entfällt ein großer Teil auf Büroflächen, im zweiten Obergeschoss gibt es eine leistungsfähige Küche, einen Speiseraum, Ruheräume und jede Menge Haustechnik.

Welche Fortschritte sind für die kommenden Monate avisiert?

BORN: Der Rohbau soll dieses Jahr komplett stehen, spätestens im September, wenn wir im Plan bleiben. Dann können wir auch Richtfest feiern.

Wie viele Firmen sind beteiligt?

BORN: Vom Fliesenleger bis zum Landschaftsgärtner werden am Ende über 100 Unternehmen ihren Beitrag geleistet haben. Es freut uns, dass eine ganze Reihe regionaler Firmen bereits den Zuschlag erhalten haben. Und natürlich hoffen wir, dass sich auch an den noch ausstehenden Ausschreibungen viele Unternehmen aus dem Dynamoland beteiligen.

Am Donnerstag ist Grundsteinlegung – ein besonderer Moment?

BORN: Wir hatten eine Vielzahl an Problemen zu bewältigen – die Entsorgung von belastetem Boden, Baupreissteigerungen, notwendige Umplanungen etc. Es war schon ein großer Tag, als die Mitgliederversammlung im vergangenen November der Fortsetzung des Baus mit großer Mehrheit zugestimmt hat. Wenn jetzt der Grundstein gelegt wird und es auf der Baustelle richtig los geht – das wird schon ein Gänsehautmoment.

Wird der Grundstein sichtbar sein?

HARTMANN: Wir haben bei einem Steinmetz einen Sandstein in Auftrag gegeben, der im Eingangsbereich zu sehen sein wird.

Es ist Brauch, im Grundstein eine „Zeitkapsel“ abzulegen. Steht schon fest, was darin enthalten sein wird?

BORN: Neben den Tageszeitungen wollen wir der Nachwelt auf jeden Fall ein Trikot überlassen. Und ich denke, dass auch ein KREISEL in den Grundstein gehört.

Auf der Mitgliederversammlung war die Finanzplanung Gegenstand der Tagesordnung: Sieben Millionen Euro Mehrkosten im Vergleich zum Zeitpunkt der Einreichung des Bauantrags, darin enthalten bereits ein Toleranzrahmen von drei Millionen Euro. Wie gestaltet sich die Kostenentwicklung seither?

BORN: Bisher mussten wir den Toleranzrahmen nicht anfassen. Unser Ziel ist, dass das auch so bleibt. Im Moment sind noch nicht alle Ausschreibungen abgeschlossen. Wenn wir so weit sind, wissen wir mehr. Aber es gibt derzeit keine Anzeichen, dass etwas aus dem Ruder laufen könnte.

Wann wird Klarheit herrschen?

BORN: Ich rechne in jedem Fall damit, dass wir unsere Vereinsmitglieder spätestens auf der nächsten Mitgliederversammlung sehr konkret zum Thema Kostenentwicklung informieren können.

Sind die Naturschutzmaßnahmen schon abgeschlossen?

BORN: Diese Auflagen wurden vollständig erfüllt. Man muss hier auch noch mal eine Lanze für das Thema brechen. Über die Verhältnismäßigkeit mancher Maßnahmen lässt sich sicher diskutieren. Aber es ist begrüßenswert und vernünftig, dass der Naturschutz als gesellschaftliche Aufgabe grundsätzlich einen hohen Stellenwert hat.

Wann wird der Hausschlüssel übergeben?

HARTMANN: Die Übergabe der Anlage wird schrittweise erfolgen. Unser Ziel ist es, im Sommer 2020 Einweihung zu feiern und das Trainingszentrum in der darauf folgenden Saison vollumfänglich in Betrieb zu nehmen.

Wurde schon ein Umzugsunternehmen beauftragt?

BORN: Was wir aus dem Stadion ins Ostragehege mitnehmen, wird in einem überschaubaren Rahmen bleiben. Das Innenleben in den Stadionkatakomben bleibt ja im Wesentlichen bestehen. Einen großen Umzug wird es also nicht geben. Die neue Inneneinrichtung im Trainingszentrum werden wir zu einem guten Teil in Zusammenarbeit mit unseren Partnern realisieren können.

Für die Vereinsmitglieder und Fans heißt es grundsätzlich natürlich, „Baustelle betreten verboten“. Wird es trotzdem die Gelegenheit geben, sich einen Eindruck vor Ort zu verschaffen?

BORN: Eine Art „Tag der offenen Baustelle“ haben wir in diesem Jahr geplant. Wir werden uns Gedanken machen, wann sich das sinnvoll umsetzen lässt. Natürlich ist es unser Wunsch, interessierte Mitglieder und Fans an diesem zukunftsweisenden Projekt teilhaben zu lassen.

Michael, Sven, danke euch für das Gespräch!

Interview: Jan Franke
Fotos: Steffen Kuttner