KREISEL-Interview mit Michael Born

Eine Thematik, die vielen Dynamos unter den Nägeln brennt.

Michael Born

Vor dem Heimspiel gegen Holstein Kiel haben wir uns mit Dynamos Kaufmännischem Geschäftsführer Michael Born zum Interview getroffen. Der 52-Jährige, der seit über drei Jahren die Geschicke des Vereins in leitender Position mitverantwortet, gab dabei interessante Einblicke in die zahlreichen Projekte, die die Sportgemeinschaft im Moment beschäftigen.

Wir sprachen mit Michael Born unter anderem über die Ordentliche Mitgliederversammlung, die positive Entwicklung von Dynamos Finanzen, den Digitalisierungsprozess und den Baufortschritt des neuen Trainingszentrums. Außerdem verriet er uns, welche Herausforderungen den Verein im kommenden Jahr erwarten.

Michael, die Ordentliche Mitgliederversammlung liegt noch nicht lange zurück. Wie fällt dein Fazit der Veranstaltung aus?
Durchweg positiv. Man kann den Tag rückblickend als vollen Erfolg und mit der Aufsichtsratswahl auch als sehr gutes Beispiel für den demokratischen Entscheidungsfindungsprozess innerhalb unseres Vereins werten. Es fand ein lebhafter Austausch zwischen den Verantwortlichen und Mitgliedern statt, der sowohl Lob als auch Kritik beinhaltete. Insgesamt überwog aber wieder einmal der Eindruck, dass der in unserem Leitbild beschworene Zusammenhalt nicht bloß eine leere Worthülse ist.       

Den Mitgliedern konnte die beste wirtschaftliche Bilanz der Vereinsgeschichte präsentiert werden. Auf was führst du als „Herr der Zahlen“ die anhaltend positive finanzielle Entwicklung der Sportgemeinschaft zurück?
Wie ich auf der Mitgliederversammlung erklärte, ist dieses erfreuliche Ergebnis die Gesamtleistung unserer Sportgemeinschaft. Zusammen mit allen Mitgliedern, Fans, Sponsoren und Mitarbeitern haben wir es geschafft, den Verein in den vergangenen Jahren finanziell so solide aufzustellen, dass wir in der Lage sind, unsere Zukunft aktiv selbst gestalten zu können. Dadurch können wir uns personell, infrastrukturell und strategisch stark genug aufstellen, um für die kommenden Herausforderungen gewappnet zu sein.  

9,4 Millionen Euro Eigenkapital können sich mehr als sehen lassen – was passiert in naher Zukunft mit dem Geld?
Auf der einen Seite werden wir natürlich weiterhin in neue, zukunftsträchtige Projekte wie die Digitalisierung, den Strategieprozess oder das neue Trainingszentrum investieren. Die Mehreinnahmen werden insbesondere aber auch im sportlichen Bereich verankert – sowohl was das Budget der Profiabteilung als auch das der Nachwuchs Akademie angeht. Zudem sollte man ein gewisses Polster für schwierige Zeiten immer in Reserve haben.

Beim Thema Digitalisierung kooperiert die SGD mit dem FC Bayern München. Wie darf man sich die Zusammenarbeit mit dem deutschen Rekordmeister vorstellen?    
Wir haben uns als Verein sehr intensiv mit der Digitalisierung beschäftigt, da sie für die Zukunftsfähigkeit der SGD von großer Bedeutung ist. Der FC Bayern hat mit der Gründung der „FC Bayern Digital & Media Lab GmbH“ eine tiefgreifende digitale Transformation durchlaufen und eine Vorreiterrolle beim Thema Digitalisierung im Fußball eingenommen. Mit diesem Knowhow und den in enger Zusammenarbeit mit SAP und der Deutschen Telekom erarbeiteten Systemen, werden wir uns eine digitale Infrastruktur erstellen, die exakt den Bedürfnissen unserer Sportgemeinschaft angepasst ist.  

2020 ist der Relaunch des Onlineauftritts des Vereins geplant. Wie weit ist das Projekt fortgeschritten und welche Ziele sind damit verknüpft?
Für den Relaunch unserer Website und die erstmalige Einführung einer nativen App haben wir in den vergangenen Monaten einen Anforderungskatalog erstellt. Momentan erfolgt die finale Bearbeitung der Ausschreibungsunterlagen, damit wir den Relaunch hoffentlich im dritten beziehungsweise vierten Quartal 2020 vollziehen können. Der neue Auftritt wird auf die neue digitale Infrastruktur aufsetzen. Ein großer Mehrwert für unsere Mitglieder und Fans wird darin liegen, dass die Daten integriert werden. Wenn beispielsweise ein Mitglied umzieht, dann muss die Adressänderung künftig nur einmal erfolgen, weil das Mitgliederwesen und der Fanshop auf denselben Datensatz zugreifen können. Dabei behält der Nutzer natürlich immer die Hoheit darüber, welche Daten er an welcher Stelle zur Verfügung stellen möchte.

Im Juli dieses Jahres wurde der Vertrag mit Lagardère Sports zu deutlich besseren Konditionen vorzeitig bis 2025 verlängert. Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Vermarkter seither?   
Der neue Vermarktungsvertrag verschafft uns rückwirkend schon ab dem 1. Juli des vergangenen Jahres deutlich bessere Konditionen, durch die wir in zwei Spielzeiten bereits 1,5 Millionen Euro Mehreinnahmen erzielen konnten. Die Provisionssätze wurden signifikant gesenkt, wir erhalten Sonderkonditionen für Sponsorenverträge im Nachwuchs und die Anmietung unserer LED-Banden wurde für uns günstiger. Zudem beteiligt sich Lagardère selbst mit höheren Ausgaben an Marketingaktionen. Daher haben wir nun eine Ausgangslage, aus welcher Verein und Vermarkter auf Augenhöhe agieren, was die professionelle Zusammenarbeit definitiv weiter gestärkt hat.

Unsere Heimspielstätte feierte im September ihr zehnjähriges Jubiläum. Bei allem Stolz auf diese einzigartige Spielstätte – muss man nun auch über notwendige Modernisierungen sprechen?
Auf jeden Fall. Bei der Stadionmodernisierung sehen wir dringenden Handlungsbedarf, weil wir der Auffassung sind, dass ein Stadion nicht nur DFL-Kriterien genügen, sondern auch ein entsprechendes Ambiente für Zuschauer, Fans und Sponsoren bieten muss. Zunächst wollen wir aber einen neuen Nutzungsvertrag aushandeln, der uns diesbezüglich Planungssicherheit verschafft.

Auf der MV hast du betont, dass die Schaffung einer neuen Vereinsheimat ein ganz wichtiges Thema auf Dynamos Agenda ist. Wie ist dabei der momentane Stand der Dinge?
Auch hierbei ist der Abschluss des neuen Nutzungsvertrags Grundvoraussetzung, da eine Weiterentwicklung am Standort unserer Einschätzung nach erst erfolgen kann, wenn in der vertraglichen Konstellation Klarheit herrscht. Eine parallele Bearbeitung dieser beiden Themen würde zu einer Komplexität führen, die nicht mehr seriös zu händeln wäre. Sobald diese Hürde aus dem Weg geräumt ist, werden wir uns intensiv mit der Thematik Vereinsheimat beschäftigen, die vielen Dynamos schon lange unter den Nägeln brennt.

Das neue Trainingszentrum wächst und gedeiht. Wie bewertest du den bisherigen Baufortschritt?
Das Trainingszentrum liegt dank der guten Arbeit aller Beteiligten weiter voll im Zeitplan, und es gibt absolut keinen Anlass daran zu zweifeln, dass der Verein den Bau wie geplant im Mai 2020 übernehmen und einen Monat später in Betrieb nehmen können wird. Genauso erfreulich stellt sich auch die Kostensituation dar. Das zusätzliche Budget in Höhe von 15 Prozent, dem die Mitgliederversammlung 2018 mit Blick auf gestiegene Kosten zugestimmt hat, mussten wir noch nicht angreifen. Ich bin überaus optimistisch, dass wir finanziell absolut im 2018 gesteckten Rahmen bleiben werden.

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür, traditionell geht es in dieser Zeit ganz besonders darum, schwächeren und benachteiligten Menschen zu helfen. Was ist im Dezember geplant?  
Seit vielen Jahren setzt sich die SG Dynamo Dresden nachhaltig für benachteiligte und erkrankte Menschen ein, nicht nur an Weihnachten. Aber natürlich wird der Verein im Vorfeld der Feiertage auch in diesem Jahr wieder einige gemeinnützige Aktionen umsetzen und unterstützen. Zum letzten Heimspiel des Jahres gegen Sandhausen haben wir beispielsweise 24 Kinder des LitCam-Projekts „Fußball trifft Kultur“ eingeladen, das Spiel live im Stadion zu verfolgen. Zudem werden Vereinsvertreter in den kommenden Wochen wieder verschiedene soziale Einrichtungen, Organisationen und Schulen besuchen, um dynamische Weihnachtsgeschenke zu verteilen. Es geht nicht nur darum, etwas zu geben, sondern dabei auch eine persönliche Ebene zu schaffen. Diese Nähe ist in den Adventswochen besonders wichtig.

Was sind die wichtigsten Projekte und Themen, die auf den Verein im kommenden Jahr zukommen? 
An erster Stelle steht selbstverständlich der sportliche Erfolg. Das Ziel kann nur heißen, so schnell wie möglich aus dem Tabellenkeller zu kommen und am Ende den Klassenerhalt zu sichern. Dafür arbeitet die Mannschaft mit dem Trainerteam und der sportlichen Leitung hart, aber auch unsere Fans und Mitglieder sowie alle Mitarbeiter und Ehrenamtlichen werden das in ihrer Macht stehende dazu beitragen. Abseits des Platzes sind die größten Themen sicherlich die Verhandlungen über einen neuen Stadion-Nutzungsvertrag, die Digitalisierung der Vereinsstrukturen sowie die Fertigstellung des Trainingszentrums. Auch der ins Rollen gekommene Strategieprozess wird weiter forciert. 2020 stehen also einige wegweisende Herausforderungen an, denen wir uns mit großer Freude und dem bekannten Eifer der letzten Jahre stellen werden, damit Dynamos Entwicklung weiter positiv voranschreitet.  

Michael, vielen Dank für das Gespräch.   

Interview: Marcel Devantier
Fotos: Dennis Hetzschold (1), Steffen Kuttner (2/3/4/5)