Kreisel-Interview mit Niklas Kreuzer

Ich bin stolz, dieses Trikot tragen zu dürfen.


Niklas Kreuzer

Im Sommer 2014 kam er von Rot-Weiß Erfurt an die Elbe. Inzwischen zählt er zu den dienstältesten Akteuren im Trikot der SGD und hat gerade seinen Vertrag um weitere drei Jahre verlängert. Vor dem Heimspiel gegen Jahn Regensburg sprachen wir mit Niklas Kreuzer über die Schlafqualität in den Nächten nach einem Spiel und seine neuen Erfahrungen als „Single-Wohner“.

Außerdem unterhielten wir uns mit „Kreuz“ über die Genesung nach seiner Leistenbruch-OP sowie die Bedeutung seines Vaters Oliver für die persönliche und fußballerische Entwicklung. Dabei verriet er uns auch, warum er mitunter lieber einmal „den Ball flach halten“ soll.

Niklas, wie lange brauchst du nach Spielen wie gegen den HSV, um einschlafen zu können?
Lange! Es dauert immer seine Zeit, bis man die Dinge so verarbeitet hat, die auf dem Platz passiert sind und über Sieg und Niederlage entschieden haben.

Ist es ein Unterschied, ob man selbst gespielt hat oder nicht?
Ja, definitiv. Das ist immer ein großer Unterschied, weil man einfach viel mehr Adrenalin im Blut hat, wenn man selbst auf dem Platz gestanden hat. Wenn ich 90 Minuten gespielt habe, schlafe bei solch späten Spielen immer erst früh am Morgen ein – egal, wie das Spiel ausgegangen ist.

Wie verbringst du dann die Zeit, wenn du nicht schlafen kannst?
Wir sind ja in Hamburg geblieben, und da nutze ich dann schon die Zeit, um das Spiel mit meinem Teamkollegen noch mal zu reflektieren. Du liegst ja meistens mit Spielern auf einem Zimmer, mit denen du dich auch privat richtig gut verstehst.

Gehst du dann auch noch mal bestimmte Szenen durch?
Ja, auf jeden Fall. Aber natürlich macht die Rückschau auf ein Spiel viel mehr Spaß, wenn es gewonnen wurde.

Bist du eher ein Kurz- oder Langschläfer?
In den vergangenen Jahren haben wir ja unter Uwe Neuhaus eher zeitig trainiert. Darauf hatte sich meine innere Uhr irgendwann auch eingestellt. Maik Walpurgis handhabt es anders, jetzt trainieren wir eher mittags. Da passt sich der Körper  dann auch immer ganz schnell an.

Gibt es besondere Regeln, wenn du mit einem Mitspieler auf dem Zimmer bist?
Ich habe mir in der Vergangenheit immer die Mitspieler ausgesucht, die nicht schnarchen. Da hatte ich mit Möschi, Wiege oder Aias auch immer ein ganz gutes Los gezogen. Ansonsten gibt es bei mir keine besonderen Regeln, da ich ein ganz entspannter Typ bin. Das sind meine Zimmergenossen eigentlich auch immer.  

Du bist „WG-erprobt“ in deinem Leben. Wie sehr vermisst du eigentlich deinen ehemaligen Mitbewohner Patrick Wiegers?
Wir hatten eine wirklich sensationelle Zeit zusammen, von der ich keine Sekunde missen möchte. Wiege ist jetzt aber verheiratet und hat sich für ein anderes Leben ohne mich entschieden. (lacht) Nein, im Ernst. Das hat alles Vor- und Nachteile. Ich hatte mit Wiege jahrelang einen Mitbewohner, der wirklich sensationell kochen kann und ein toller Mensch ist. Auch abends mal zusammen einen Film zu schauen oder bisschen zu quatschen war schön, aber mit Mitte 20 ist es auch mal schön, wenn man allein ist und die Ruhe genießen kann.

Die Sehnsucht sollte auch nicht zu groß werden zwischen euch, daher seid ihr direkt ins selbe Haus gezogen?
Das war eigentlich ein Zufall. Wir kannten die Maklerin noch von unserer ersten Wohnungssuche. Sie hat uns jetzt auch geholfen, und so wohnen wir jetzt zwar nicht mehr in derselben Wohnung, aber zumindest noch im selben Haus. So kann ich mich zur Not auch noch zum Essen bei Wiege einladen, wenn mein Kühlschrank mal leer sein sollte. (lacht)

Als Fußballer lebt man auch ein bisschen aus dem Koffer. Magst du diesen Lebensstil?

Ich habe kein Problem damit, ständig unterwegs zu sein. Ich denke, dass das im Leben eines Fußballers auch einfach dazu gehört. Umso erfolgreicher man als Fußballer ist, desto mehr ist man auch unterwegs. Aber wenn ich dann zuhause bin, kann ich auch ganz gemütlich auf meinem Sofa entspannen. (lacht)

Was ist das schönste Privileg, das man als Fußballer genießen darf?
Es wurde tausend Mal schon gesagt, aber es ist natürlich der Fakt, dass man mit seinem liebsten Hobby auch sein Geld verdienen darf. Das ist ein unglaublich großes Geschenk, weil die Arbeit immer Spaß macht. Dieses Privileg schätze ich am meisten.

Auch wenn du in Hamburg nicht zum Einsatz gekommen bist – bleibt es über die Jahre dennoch etwas Besonderes, wenn 8.000 Dynamo-Fans an einem Montagabend quer durch die Republik fahren, um auf diese Art ihre Mannschaft zu unterstützen?
Mein Kindheitstraum vom Fußball-Profi ist in Erfüllung gegangen. Das ist wie eben gesagt schon ein sehr großes Glück! Aber solche Abende wie am vergangenen Montag in Hamburg machen einem nochmals ganz klar, warum man als Kind überhaupt diesen Traum hatte. Für solche Menschen wollte man doch immer Fußball spielen, und diese Leute sind es, die Dynamo Dresden im deutschen Fußball zu etwas ganz Besonderem machen. Ich bin stolz, dieses Trikot tragen zu dürfen.

Gehört dieses Spiel zu den Highlights deiner bisherigen Auswärtsspiele mit Dynamo?
Was für eine Frage. (lacht) Ich wäre auch mit nach Hamburg gekommen, wenn ich nicht im Kader gewesen wäre. Das hätte ich mir nicht entgehen lassen, weil klar war, dass das mal wieder etwas ganz Spezielles in der Dynamo-Welt wird. Ich habe München, Stuttgart, Hannover, Nürnberg und jetzt Hamburg erlebt. All diese Erlebnisse werde ich nicht mehr vergessen, weil sie auf ihre Weise einzigartig waren.

Zweimal Deutscher Meister und einmal UEFA-Pokalsieger mit dem FC Bayern München – dein Papa Oliver hat selbst eine sehr erfolgreiche Fußball-Karriere erlebt. Wie viel Fußball hat er dir eigentlich in deiner Kindheit mitgegeben?
Sehr viel, würde ich sagen. Ich habe wirklich sehr viel von ihm mitbekommen. Zwischendrin war er sogar mal in der Schweiz mein Trainer in der Jugend beim FC Ettingen, wo ich bis zum meinem 12. Lebensjahr gespielt habe. Das war keine einfache Zeit, weil er immer schon mein größter Kritiker war.

Ist der Kontakt heute immer noch so eng?
Ja, sehr eng. Wir telefonieren in der Woche fünf- oder sechsmal, mindestens. Wir sprechen immer vor den Spielen und danach. Er gibt mir immer sein ehrliches Feedback und sagt mir, was ich seiner Meinung nach verbessern muss. Wir diskutieren wirklich alles aus. Mein Dad ist neben meiner Mom und meinem Bruder der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Dein Papa ist Sportdirektor in Karlsruhe und ein Kenner der Szene. Hat er dich beglückwünscht, dass du deinen Vertrag bei Dynamo bis 2022 verlängert hast?
Ja, auf jeden Fall. Er hat die Vertragsverlängerung auch sehr befürwortet. Es ist glaube ich normal, dass auch ich mir bei einem auslaufenden Vertrag intensiv Gedanken gemacht habe, wie es für mich am besten weitergeht. Aber die Gespräche mit meinem Berater und meinem Dad haben am Ende das gleiche Ergebnis gehabt, dass ich hier gern meine Geschichte weiterschreiben möchte, denn Dynamo Dresden ist kein Verein wie jeder andere. Die Gespräche mit meinem Dad waren am Ende der letzte, ausschlaggebende Punkt, warum ich meinen Vertrag hier bis 2022 verlängert habe.

Dein Papa hat den Großteil seiner Karriere in den 1990er Jahren verbracht. Ist er manchmal etwas neidisch, dass du heute in so modernen und stimmungsvollen Fußballstadien spielen darfst?
Wenn ich ihm sage, dass am Wochenende wieder geile Stimmung war, und das Stadion voll, dann setzt er schon manchmal ein paar Nadelstiche und sagt mir: ‚Junge, halt mal den Ball flach. Ich habe mit dem FC Bayern auch im Camp Nou gegen den FC Barcelona gespielt.‘ (lacht)

In der Gegenwart erlebt der Fußball eine hohe Fluktuation an Spielern. Wie wichtig ist dir die Identifikation mit dem Verein, für den Du spielst?
Mir persönlich ist das Thema Identifikation sehr wichtig. Es war schon immer mein Ziel, nicht als „Wandervogel“ durchzugehen. Als ich 2014 hierhergekommen bin, hatte ich das Ziel, mich in der 3. Liga durchzusetzen und irgendwann mit dem Verein aufzusteigen. Jetzt ist unser nächstes Ziel, dass wir uns in der 2. Liga etablieren – dazu will ich, wie auch schon in den letzten Jahren, meinen Beitrag leisten.

Mit 128 Pflichtspielen und 207 Spielen insgesamt bist du der Rekordspieler der aktuellen Mannschaft. Macht dich das stolz?
Auf jeden Fall! Mein Ziel war immer, zu spielen und fit zu sein. Bis vor ein paar Monaten hatte ich dieses Glück auch immer, dass ich kerngesund war, den Trainern zur Verfügung stand und meine Leistungen bringen konnte. Mein Ziel für die Zukunft ist, das weiter auszubauen. Ich will nicht in drei Jahren mit vielleicht 150 Pflichtspielen hier stehen – es sollten schon ein paar mehr sein. Ich glaube, dass ich – wenn ich fit bin – der Mannschaft helfen kann. Das will ich auch in den nächsten drei Jahren machen und mit den Mannschaftskollegen zusammen erfolgreich sein.

Wie geht es deiner OP-Narbe nach dem Leistenbruch?
Inzwischen geht es wieder gut – alles ist bestens verheilt und die Narbe ist geschmeidig. Unsere Physios, vor allem Tobi Lange, haben mich top behandelt und im Reha-Training ordentlich gefordert. Jetzt bin ich seit zwei Wochen wieder im Mannschaftstraining. Aufgrund der Witterung ist alles noch etwas schwer, aber inzwischen fühle ich mich wieder ganz gut und will wieder voll angreifen, um der Mannschaft zu helfen.


Niklas, wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg! Danke für das Gespräch.


Interview: Henry Buschmann
Fotos: Steffen Kuttner (1,2,3,5,7) Frank Dehlis (4,6)