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12. Spieltag Eintracht Braunschweig - SG Dynamo Dresden

Dynamo will wieder Löwen zähmen

Anfang Oktober ging Trainer Ralf Loose mit seiner Mannschaft in München schon einmal auf Löwenjagd – und zwar sehr erfolgreich. Das soll am 12. Spieltag der zweiten Bundesliga wieder so sein, wenn Dynamo Dresden zum Auswärtsspiel in Braunschweig antreten muss. Die Eintracht trägt in ihrem Vereinswappen ebenfalls den König aller Tiere auf der Brust.

Im Duell der beiden Aufsteiger können die Gastgeber nicht nur auf den Heimvorteil bauen – das Stadion ist zumindest auf Braunschweiger Seite ausverkauft – sondern im Gegensatz zu Dynamo mit einer eingespielten Elf auf Punktejagd gehen. Während Ralf Loose seinen Kader erst recht spät beisammen hatte, blieb Torsten Lieberknecht, seit 2008 in Braunschweig für die erste Mannschaft zuständig, ausreichend Zeit, um frühzeitig sein Zweitliga-Team zusammen zu stellen. Dabei mussten sie mit Karim Bellarabi, der zu Bayer Leverkusen wechselte, nur einen einzigen Stammspieler abgeben. Dementsprechend gut starteten die Niedersachsen nach ihrem souveränen Aufstieg in die Saison und rangieren vor der Partie gegen die Dresdner im oberen Tabellendrittel. In elf Spielen kassierte die Eintracht nur zwei Niederlagen, konnte ambitionierte Mannschaften wie St. Pauli (1:0) und Energie Cottbus (3:1) schlagen.

Dynamo-Trainer Ralf Loose weiß, dass in Braunschweig für seine Mannschaft ein hartes Stück Arbeit wartet: „Braunschweig ist ein Aufsteiger, der für Furore gesorgt hat. Wir müssen die Anfangsphase schadlos überstehen und dann über den Kampf ins Spiel finden. Gelingt es uns, für Torgefahr zu sorgen, müssen wir eiskalt zuschlagen. Wir sind nicht immer selbst in der Lage, dem Gegner unser eigenes Spiel aufzudrücken, aber keinesfalls werden wir uns verstecken. Wichtig wird sein, dass wir oft selbst in Ballbesitz kommen, uns in der Defensive auf die Eintracht sehr gut einstellen und dann auch Mut zeigen, offensiv nach vorn zu spielen.“ Weil Stürmer Zlatko Dedic auf jeden Fall wegen einer Grippe ausfällt, nicht mit in den Mannschaftsbus stieg, wird Ralf Loose seine Anfangself aus dem letzten Spiel ändern müssen. Sascha Pfeffer rückt in den Kader auf und auch Mickael Poté, der in dieser Woche nur individuelles Training absolvierte, ist einsatzbereit und soll im Angriff für Bewegung sorgen. Auf seinen dritten Einsatz darf sich Torhüter Wolfgang Hesl freuen. Er kennt das Eintracht-Stadion bereits aus der Regionalliga, als er mit der zweiten Mannschaft des Hamburger SV dort zu Gast war: „Die Fankurve ist auf Heimseite zwar sehr stimmgewaltig, aber ich glaube, dass unsere Fans dagegen halten können. Wir wollen das auch als Mannschaft tun.“ Der Trainer fordert dafür von jedem Spieler eine hohe Motivation, kontrolliertes Spielverhalten und taktische Disziplin.

Mit einer Top-Leistung kann Dynamo, da ist sich Ralf Loose sicher, aus Braunschweig auch etwas mitnehmen. Konzentrationsprobleme befürchtet er vor dem schon am Dienstag anstehenden Dortmund-Spiel bei seinen Schützlingen nicht: „Meine Spieler wissen, dass Braunschweig im Vordergrund steht und deshalb denken wir nur an dieses Spiel.“ Wolfgang Hesl schaute sich die Champions League-Partie der Dortmunder in Piräus zwar im Fernsehen an, versicherte aber, dass in der Kabine noch niemand über den Pokalhit spricht. „Braunschweig ist das Pflichtspiel, in Dortmund erwartet uns die Kür. Zuletzt haben wir gezeigt, dass wir gefährlich waren, wenn wir Fußball gespielt haben. Wie vor jedem Spiel gibt es am Abend vor der Partie noch ein DVD-Studium, damit wir perfekt auf Braunschweig eingestellt sind“, erklärt der Torhüter die Bedeutung der Partie am Sonnabend. Auch Ralf Loose betonte noch mal, dass Dynamo in der zweiten Liga mitten im Abstiegskampf steckt: „Wir sind noch weit auf hoher See und wollen irgendwann den Hafen erreichen. Da ist jede Partie für uns wichtig, um die notwendigen Punkte für das ausgegebene Ziel einzufahren.“

Anpfiff der Partie wird um 13 Uhr sein, die Stadiontore öffnen bereits zwei Stunden zuvor. Insgesamt werden über 22.000 Zuschauer im Eintracht-Stadion erwartet. Bisher wurden 1.450 Gästekarten verkauft. An den Tageskassen im Bereich Nordkurve (Gästeparkplatz P4) sind noch ca. 700 Karten für Dynamo-Fans verfügbar. Schiedsrichter der Parie ist Christian Leicher aus Landshut.

Koch versalzt Braunschweig die Suppe

23 Torschüsse für die Eintracht, neun für Dynamo, acht Ecken für die Gastgeber, nur eine für Dresden – die Statistik spricht Bände, aber im Fußball zählen die Tore. Und die schoss im fast ausverkauften Eintracht-Stadion die Elf von Ralf Loose.

Der Trainer der Schwarz-Gelben hatte mit Giannis Papadopoulos einen dritten Sechser ins Mittelfeld gestellt und reagierte damit auf die Offensivkraft der Braunschweiger, die mit zwei Stürmern für Gefahr sorgen wollten. Die Hausherren ließen sich nach dem Anpfiff nicht lange bitten und suchten den Weg zum Tor. Mit schnellen Zuspielen in den Strafraum setzen sie die Dynamo-Abwehr unter Druck. Es war etwa eine Viertelstunde vergangen, als Filip Trojan mit einem Lupfer die erste Chance für Dynamo hatte. Kurz darauf schraubte sich Mickael Poté vor dem Strafraum der Braunschweiger weit nach oben. Seine Kopfballablage landete bei Robert Koch, der mit rechts auf das Tor schoss. Sein Ball wurde dabei noch leicht abgefälscht und für den Eintracht-Keeeper Daniel Davari immer länger. Links unten schlug die Kugel schließlich ein und es stand 1:0 für Dynamo.

Die Gastgeber schienen von diesem überraschenden Rückstand etwas beeindruckt zu sein, doch nach wenigen Minuten rollten die Angriffe wieder auf das Tor von Wolfgang Hesl. Nach einer Ecke musste der Schlussmann dann sein ganzes Können aufbringen. Aus Nahdistanz kam der Ball, noch abgefälscht von Gueye, direkt auf ihn zu, doch mit einem sensationellen Reflex bewahrte er seine Mannschaft vor dem Ausgleich. Kurz darauf landete der Torwart selbst in den Maschen, als er nach einem erneuten Freistoß wieder zur Stelle war und das Leder aus der Gefahrenzone boxte. Auch der Pfosten war mit Dynamo verbunden, als Nico Zimmermann per Kopf den Ball Richtung Tor bugsierte und Wolfgang Hesl geschlagen schien. Mit Glück und einer souveränen Abwehrleistung konnte Dynamo die knappe Führung aber bis in die Halbzeit retten. Ralf Loose ließ dabei Cheik Gueye in der Kabine, der mit einer Verwarnung gelb-rot gefährdet war. Für ihn rückte Florian Jungwirth auf die Rechtsverteidigerposition, während der eingewechselte Martin Stoll die Innenverteidigung verstärkte.

Das sollte sich im Verlauf der zweiten Halbzeit auszahlen. Nicht nur, weil die Braunschweiger wie erwartet mit Wut und Elan zurück auf den Rasen kamen, sondern Martin Stoll mit dem besten Zweikampfwert aller Dresdner (82 Prozent) das Spiel beendete. Gemeinsam mit Romain Bregerie ließen die beiden Innenverteidiger im Strafraum die Eintracht-Spieler verzweifeln. Nach dem ersten Angriff in der zweiten Hälfte durften dann aber wieder die mitgereisten Dresdner jubeln. Poté schirmte im Strafraum den Ball ab, der Klärungsversuch der Braunschweiger landete als Bogenlampe bei Robert Koch auf dem Fuß, der den Ball volley mit links völlig freistehend direkt ins Gehäuse beförderte. Daniel Davari blieb ohne Chance. Mit dem 2:0 war das Bemühen der Hausherren auf den Kopf gestellt, ins Spiel zurück zu finden. Auch die Zuschauer wähnten sich im falschen Film, denn während Braunschweig zahlreiche Versuche unternahm, den Ball im Tor unterzubringen, glänzte Dresden mit unglaublicher Effektivität. Zwei Tore bei drei Chancen brachten die Vorentscheidung. Obwohl die Gastgeber anschließend alles nach vorn warfen und in ihren Aktionen entweder glücklos oder umständlich agierten, ließ die gut aufgestellte Mannschaft der Schwarz-Gelben nichts mehr anbrennen.

Mit einem glücklichen, aber doch verdienten Auswärtssieg findet Dynamo Dresden mit 14 Punkten den Anschluss ans Mittelfeld der Tabelle und kann nun mit einem guten Gefühl zum Pokalhit nach Dortmund reisen.