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16. Spieltag FC St. Pauli - SG Dynamo Dresden

Dynamo will wieder für eine Überraschung sorgen

Der 16. Spieltag in der 2. Bundesliga führt die SG Dynamo Dresden nach Hamburg an das Millerntor. Die Sachsen gastieren zum dritten Mal als Pflichtspielgegner bei den Kiez-Kickern, die nach ihrem Abstieg aus der 1. Bundesliga in dieser Saison direkt wieder nach oben wollen. Alt-Trainer Holger Stanislawski wechselte im Sommer nach Hoffenheim, doch mit ihrem neuen Coach Andre Schubert, der aus Paderborn zu St. Pauli kam, kämpfen die Hamburger in der Spitzengruppe der Liga und zählen mit ihrer erfahrenen und eingespielten Mannschaft zu den Aufstiegsfavoriten. Das sieht auch Dynamo-Trainer Ralf Loose so: „Wir treffen auf einen Gegner, der gute Spieler in seinen Reihen hat, auch auf der Auswechselbank. Sie haben bisher eine starke Saison gespielt, stehen hinten sicher und beherrschen auch andere Dinge ganz gut“, weiß der 48-Jährige zu berichten und erwähnt beispielhaft den geduldigen Spielaufbau oder die gefährlichen Standardsituationen. Dynamo muss sich daher auf eine schwere Aufgabe einstellen und obwohl Ralf Loose seine Mannschaft als krassen Außenseiter sieht, traut er ihr am Millerntor etwas zu. „Die Rolle als Underdog liegt uns besser. Wir haben auswärts schon mehrmals für eine Überraschung sorgen können. Der Glaube an den Erfolg muss im Spiel zwar erst einmal wachsen, aber die neuen Spieler brennen auf einen Einsatz und haben jetzt die Chance, sich zu präsentieren“, sagt der Trainer und spielt damit auf das Verletzungspech an. Neben Kapitän Cristian Fiel fallen auch Mickael Poté und Marvin Knoll für das letzte Auswärtsspiel der Hinrunde aus. Erst kurz vor dem Spiel will Ralf Loose seinen Spielern verraten, wer in der Startelf steht, die er auf jeden Fall ändern muss. Lars Jungnickel und Alexander Schnetzler fahren mit auf den Kiez und stehen erstmals seit langer Zeit wieder im Kader. Cidimar da Silva und Maik Kegel werden dagegen nicht mit elbaufwärts reisen.

Eine besondere Rückkehr wird es für Filip Trojan. Der Tscheche spielte ab 2007 zwei Jahre lang beim FC St. Pauli und freut sich nun auf den Auftritt im Dynamo-Dress an seiner alten Wirkungsstätte: „Seit meinem Wechsel bin ich nie wieder am Millerntor gewesen. Die Atmosphäre ist wie in Dresden sehr laut. Das Stadion ist oft ausverkauft. Als Gastgeber führt man da schon vor dem Anstoß“, erinnert sich der Mittelfeldspieler an die Vorzüge der kultigen Spielstätte, die sich seit dem letzten Dynamo-Gastspiel vor viereinhalb Jahren durch einen Umbau jedoch optisch stark verändert hat. Gleich geblieben ist die Einlaufmusik, zu der die Spieler auf den Rasen laufen. Die Glocken aus dem ACDC-Klassiker „Hells Bells“ gehören wie der Totenkopf zum unverwechselbaren Repertoire des alternativen Fußballklubs, der sich im Schatten des Bundesliga-Dinos und Stadtrivalen Hamburger SV als zweite Kraft in der Hansestadt etabliert hat. Filip Trojan weiß, dass die Schwarz-Gelben nur mit vollem Einsatz gegen die Kiez-Kicker bestehen können: „Wenn wir nicht alle 100 Prozent geben, wird es schwer“, mahnt er an und blickt dabei auf die letzte Auswärtspartie zurück. „Wir sind stark genug und können auf dem Platz ein Spiel für uns entscheiden. Wenn wir genauso auftreten wie in Düsseldorf, können wir auch in Hamburg etwas holen.“

Die bisherigen Auftritte beim FC St. Pauli waren für die SG Dynamo Dresden legendär und erfolgreich. 2003 und 2007 gab es bei sommerlichen Temperaturen jeweils ein 2:2 und auch die beiden Heimspiele gingen nicht verloren (1:0, 3:0). Als sich die Wege der beiden Kultvereine das erste Mal in Hamburg kreuzten, musste Dynamo mit zwei lädierten Torhütern wieder nach Hause fahren. Nachdem man bereits mit 0:2 hinten lag, konnte kurz vor Schluss per Elfmeter der viel umjubelte Ausgleich gefeiert werden. Schiedsrichter der damaligen Begegnung war übrigens Robert Hoyzer. Die Uffta der über 2.000 schwarz-gelben Anhänger nach dem Spiel in den Nebenstraßen der Reeperbahn sorgte für staunende Gesichter bei den Kiez-Bewohnern. Unvergessen dürfte für beide Fanszenen ebenso die letzte Begegnung sein. Erneut erkämpften sich die Dresdner in der Schlussminute ein Unentschieden. „Den besten Auftritt aller Gästefans am Millerntor“ laut St. Pauli-Fans legten jedoch die mitgereisten Schlachtenbummler aus Dresden auf den Rängen hin. „SG Dynamo, shalalalala, SG Dynamo, shalalalala“ klingt noch heute wie ein Ohrwurm nach, wenn man sich an diesen Tag erinnert, an dem sich die Gastgeber ganz nebenbei auch ihren Aufstieg in die 2. Bundesliga sicherten.

Diese grandiose Stimmung der Dynamo-Fans wird am Sonntag fehlen. Für die Mannschaft könnte das ein Nachteil sein, aber Trainer Ralf Loose will das schon im Vorfeld nicht als Entschuldigung gelten lassen: „Es ist schöner, wenn die Fans dabei sind, weil wir sie brauchen. Das haben wir in München und Braunschweig gesehen. Wir müssen das jetzt aber so hinnehmen und uns auf die eigene Leistung konzentrieren“, fordert er unmissverständlich. Nach der ärgerlichen Niederlage gegen Erzgebirge Aue erwartet der Coach ein taktisch kluges und hochkonzentriertes Auftreten seiner Profis. „Wir müssen den Kampf annehmen und dürfen die Bälle nicht wieder zu schnell leichtfertig verlieren“, fordert Loose.

Nachdem es in den letzten beiden Spielen jeweils in der Nachspielzeit im Tor von Wolfgang Hesl einschlug, steht der Fußballgott vielleicht mal wieder auf der schwarz-gelben Seite und mit etwas Glück ist ja dann auch wieder ein Punktgewinn auf dem Kiez drin. Schiedsrichter der Partie wird Wolfgang Stark aus Ergolding sein. Anpfiff der Begegnung ist um 13:30 Uhr, insgesamt werden 24.000 Zuschauer erwartet.

Mannschaft belohnt sich nicht für couragierte Leistung

Mit einer bitteren Niederlage endet der dritte Pflichtspielauftritt der Schwarz-Gelben am Millerntor. Den Kiez-Kickern gelingt dagegen zum ersten Mal ein Sieg im Punktspiel gegen engagiert auftretende Dynamo-Spieler, die Mitte der zweiten Halbzeit überraschend in Führung gingen, in nur wenigen Minuten aber wieder auf den harten Boden zurückgeholt werden.

Der Regen prasselte in der ersten Halbzeit unaufhörlich auf den grünen Rasen des Millerntor-Stadions. Der Stimmung auf den Rängen tat das keinen Abbruch. Auch die mitgereisten Dynamo-Fans, die zuvor sehr herzlich von Seiten der Gastgeber begrüßt wurden, ließen sich nicht lange bitten und machten mit Sprechchören auf sich aufmerksam. St. Pauli zeigte keine Anlaufschwierigkeiten und präsentierte sich mit dem Anstoß gleich hellwach. Mit schnellen Spielzügen gelang der Ball immer wieder bei den Kiez-Stürmern, die beim Abschluss jedoch zu ungenau zielten. Wolfgang Hesl musste nicht einmal ernsthaft eingreifen und agierte bei den wenigen hohen Bällen der Paulianer souverän. Robert Koch hatte für Dynamo die größte Möglichkeit. Nach einem Freistoß von Filip Trojan aus dem zentralen Mittelfeld kam unsere Nummer 25 frei zum Kopfball. Leider prallte der Ball nur an den Pfosten.

Nach dem Pausenpfiff war wieder der Regen da und das Spiel wurde vor allem von Seiten der Gastgeber richtig flüssig. Trainer Andre Schubert hatte seinen Profis in der Kabine wohl die Leviten gelesen. Dynamo musste in der Abwehr hart arbeiten und aufmerksam sein, denn die Kiez-Kicker drängten auf das Führungstor, um im Aufstiegskampf im Rennen zu bleiben. Die Elf von Trainer Ralf Loose wurde in der eigenen Hälfte eingeschnürt und ein Gegentreffer war nur noch eine Frage der Zeit. Diese Erwartungshaltung war auch beim Publikum zu spüren, die immer wieder unruhig wurden, weil St. Pauli vor dem Tor von Wolfgang Hesl nicht zum Abschluss kam. Mit dem ersten Angriff stellten die Dresdner den bisherigen Verlauf der zweiten Hälfte auf den Kopf. Zlatko Dedic spielte auf halblinks seinen Sturmpartner Pavel Fort frei, der allein in den Strafraum lief und das Leder gekonnt am herauseilenden Pauli-Keeper vorbei schlenzte. Den langsam ins Tor trudelnden Ball versenkte Zlatko Dedic dann endgültig hinter der Linie und Dynamo durfte sich über die Führung freuen.

Die währte allerdings nur wenige Minuten. Nach einem Freistoß von der linken Seite war im Strafaum Fabian Boll per Kopf zur Stelle. Und während sich die Dresdner noch ärgerten und die Pauli-Fans den Ausgleich feierten, schlug es erneut im Kasten von Wolfgang Hesl ein. Deniz Naki wurde zentral am Strafraum in Szene gesetzt und zog sofort ab. Der Ball schlug unhaltbar ein und innerhalb von zwei Minuten hatten die Gastgeber den Rückstand in eine Führung gedreht. Dynamo warf nun alles nach vorn und hatte durch Cheikh Gueye, Robert Koch und Zlatko Dedic noch Chancen auf den Ausgleich, doch ein Tor wollte nicht mehr fallen. Das gab es dann auf der anderen Seite. Marius Ebbers wurde nach einem Querpass im Strafraum angespielt und musste die Kugel nur noch hinter die Linie befördern. Das war die Entscheidung in dieser Partie.

Leider konnte Dynamo die eigene Führung nicht für einen Überraschungserfolg nutzen und kassierte stattdessen noch drei Gegentreffer. Unverdient ist der Sieg für die Kicker von Trainer Andre Schubert nicht. Das Chancenverhältnis (15:15) und Eckenverhältnis (2:10) sprechen für eine couragierte Leistung der schwarz-gelben Spieler, auch wenn es am Ende nicht für einen Punktgewinn reichte. Mit Applaus verabschiedeten die Zuschauer die Elf von Ralf Loose, die nun am kommenden Sonntag die Gelegenheit hat, im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt für ein solides Halbserienergebnis zu sorgen.