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20. Spieltag SG Dynamo Dresden - SpVgg Greuther Fürth

Reizvoller Auftakt gegen einen Aufstiegskandidaten

„Es muss für den Verein geradeaus weitergehen“, sagte Steffen Menze auf der Pressekonferenz vor dem anstehenden Heimspiel der SG Dynamo Dresden gegen die SpVgg Greuther Fürth. Der überraschende Rücktritt von Volker Oppitz als Hauptgeschäftsführer beschäftigt derzeit die Gemüter der Dynamo-Fans, doch für den Sportlichen Leiter und Trainer Ralf Loose ist der Blick auf die schwierige Aufgabe gegen den Aufstiegsaspiranten aus Franken gerichtet. Nach einer langen und harten Vorbereitung mit Trainingslager in der Türkei und mehreren Testspielen beginnt nun für die Schwarz-Gelben wieder der wichtige und ernste Fußballalltag in der 2. Bundesliga.

Mit Greuther Fürth kommt eine Mannschaft nach Dresden, die in dieser Saison zu den absoluten Aufstiegskandidaten zählt. Das Team von Trainer Mike Büskens rangiert auf dem 2. Tabellenplatz und hat neben der besten Abwehr der Liga auch den torgefährlichsten Angriff zu bieten. Die Stürmer Christopher Nöthe und Olivier Occean haben jeweils zehn Tore auf ihrem Konto und mit Dani Schahin steht in der Offensivabteilung noch einer in Lauerstellung, der Dynamo im vergangenen Jahr zum Aufstieg ballerte. Fürth gilt zwar als „unaufsteigbar“ und mit diesem Prädikat gehen die Franken auch selbstbewusst um - sie haben diese Botschaft in großen Buchstaben auf ihrem Mannschaftsbus stehen - doch in diesem Jahr könnten sie diesen Ruf endlich ablegen.

Zwei Heimspiele gab es bisher gegen die Franken in der 2. Bundesliga und beide Duelle haben sich wie das Hinspiel im August ins Gedächtnis der Dynamo-Fans gebrannt. Beim letzten Auftritt am Ronhof in Fürth schickte  Schiedsricher Tobias Stieler mit Cristian Fiel und Pavel Fort gleich zwei Schwarzgelbe frühzeitig in die Kabine und auch Ralf Loose musste noch vor dem Abpfiff auf die Tribüne. Im Mittelpunkt der letzten Begegnung im alten Rudolf-Harbig-Stadion stand im März 2006 ebenfalls der Schiedsrichter. Peter Gagelmann zeigte drei Minuten vor dem Ende auf den Elfmeterpunkt, nachdem Pavel Pergl im Strafraum gefoult hatte. Die Gäste nutzten diese Chance zum Siegtreffer, nachdem Dennis Cagara zuvor mit seinem Tor noch die Fürther Führung egalisiert hatte. Spektakulärer war der erste Auftritt der Franken an der Elbe im November 2004. Erst haute Klemen Lavric über den Ball und ermöglichte damit den Grün-Weißen den ersten Treffer und wenig später musste Alen Basic nach einer Gelb-Roten Karte vorzeitig duschen gehen. In Unterzahl gelang trotzdem kurz nach der Pause durch Volker Oppitz nach einer Ecke der Ausgleich und als zehn Minuten vor Schluss der eingewechselte Ronny Scholze nach einem traumhaftem Pass von Daniel Jules Wansi das 2:1 erzielte, wurde das Stadion zum Hexenkessel. Bis in der letzten Minute der Nachspielzeit doch noch der Ausgleich fiel...

Bewegende und emotionale Momente, die in Erinnung geblieben sind und die Vorfreude auf ein Heimspiel gegen die Fürther steigen lassen. Ralf Loose jedenfalls sieht dem Punktspielauftakt mit Spannung entgegen. „Die Partie gegen Fürth wird nicht einfach, aber darin liegt der Reiz“, meint der Coach und will eine konzentrierte und gut aufgestellte Elf ins erste Pflichtspiel des Jahres schicken. „Jetzt gibt es keine Entschuldigung mehr. Wir sind spritzig und dynamisch, wollen mit einer guten Leistung ein gutes Resultat erzielen.“

Mit dem Heimspiel startet Dynamo in das restliche Programm der Rückrunde und hat nur ein Ziel vor Augen: den Klassenerhalt. Entsprechend motiviert will die Mannschaft die Herausforderung annehmen. Wer bei eisigen Temperaturen mit Heißblütigkeit und Engagement die schwarz-gelben Traditionsfarben auf dem Rasen präsentieren darf, will der Coach erst wenige Stunden vor dem Anpfiff entscheiden. Rechtsverteidiger Cheikh Gueye musste mit gesundheitlichen Problemen mit dem Training pausieren und bei der Besetzung der defensiven Mittelfeldreihe hat sich Ralf Loose noch nicht festlegen können, welches Duo vor der Abwehr agieren soll. Um die zwei begehrten Plätze kämpft das Trio Cristian Fiel, Giannis Papadopoulos und David Solga. Im Sturm läuft alles darauf hinaus, dass Zlatko Dedic gemeinsam mit Mickael Poté antreten wird, um die Fürther Abwehr das Fürchten zu lehren. Neuzugang Vujadin Savic, der an einer Bänderdehnung laboriert, wird für das Spiel definitiv ausfallen, aber am Montag schon wieder ins Training einsteigen. Die Langzeitverletzten Jens Möckel, Lars Jungnickel und Gerrit Müller absolvieren noch ein Sonderprogramm und werden ebenfalls nicht im Kader für das Spiel gegen die "Kleeblätter" stehen.

Trotz tiefen Minustemperaturen ist momentan zu erwarten, dass die Partie pünktlich um 18 Uhr durch Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden angepfiffen wird. Am Freitagmittag wird um 12 Uhr eine letzte Platz- und Stadionbegehung erfolgen. Der Rasen im Stadion ist zumindest bespielbar und wird für die Begegnung ständig überwacht, präpariert und vorbereitet. Trainer Ralf Loose geht ebenso davon aus, dass keine Absage erfolgt und freut sich, dass seine Schützlinge mit den Temperaturen zurechtkommen. „Ich muss die Mannschaft darauf einstellen, dass wir spielen, zudem liegt die Entscheidung auch nicht bei mir. Im Training hat sich keiner beklagt, obwohl es nicht gerade angenehm ist, bei diesem Wetter draußen zu sein. Die Spieler haben es ja noch einfacher, bewegen sich und bleiben warm, ganz im Gegensatz zu den Zuschauern“, blickt der Coach voraus. Die sollen von einer aktiven und erfolgreichen Dynamo-Elf erwärmt werden. Loose hofft darauf, dass sich die Fans trotzdem entsprechend dick einpacken. Auf eine angemessene Kleidung weist eindringlich auch Dynamo-Präsident und DRK-Chef Andreas Ritter hin, der von ähnlichen Bedingungen bei früheren Spielen zu berichten weiß und an die Vernunft appelliert, solche Temperaturen nicht zu unterschätzen.

Die Stadiontore öffnen wie immer zwei Stunden vor dem Anpfiff. Eintrittskarten können an den Tageskassen ab 10 Uhr gekauft werden. Bisher wurden mehr als 22.000 Karten verkauft. Aus Fürth werden etwa 300 Gästefans erwartet.

Hochverdient und herzerwärmend: Dynamo feiert Heimsieg

"Oh wie ist das schön", sangen die 23.555 Zuschauer nach Abpfiff der Partie und sie hatten absolut Recht. Dynamo Dresden schlägt im ersten Pflichtspiel des Jahres die als Favorit angereisten Fürther mit 3:1 und feiert damit einen hochverdienten und wichtigen Heimsieg.

Trainer Ralf Loose hatte vor dem Spiel noch einige knifflige Entscheidungen zu fällen, wen er in die Startelf stellt. In der Abwehr konnte er auf Cheikh Gueye zurückgreifen, der zwei Tage zuvor wegen einem Magen-Darm-Virus im Training noch pausieren musste, im defensiven Mittelfeld hatte er sich für Giannis Papadopoulos und David Solga entschieden. Der etatmäßige Kapitän Cristian Fiel blieb zunächst auf der Bank nur Zuschauer. Die Binde durfte Robert Koch wieder tragen. Er führte die Mannschaft auf das gut bespielbare Feld und erwärmte mit einem tollen Tor schon nach fünf Minuten die Dynamo-Fans im eiskalten Stadion. Romain Brégerie schlug den Ball lang aus der Abwehr auf seinen Mitspieler, der sich auf der linken Seite freigelaufen hatte. Mit einer Direktabnahme lupfte der Mittelfeldakteur den Ball clever über den verdutzten Fürther Keeper Max Grün. Ein Auftakt nach Maß.

Auch im weiteren Spielverlauf zeigte Dynamo nicht nur eine kämpferisch überzeugende Leistung, sondern auch ansehnlichen Fußball. Die Gäste aus Franken brachten ihren Coach Mike Büskens das eine und andere Mal zum Verzweifeln. Durch die kompakt stehende Abwehr der Schwarz-Gelben war einfach kein Durchkommen. Hinten brannte es dagegen in der Fürther Abwehr immer wieder, denn die Gastgeber hielten sich nach Ballgewinnen selten lange in der eigenen Hälfte auf und konterten den Aufstiegskandidaten teilweise aus. So erspielte sich Dynamo gute Gelegenheiten, die zwar keinen weiteren Torerfolg brachten, dafür aber in jedem Fall den Fans erwärmende Unterhaltung boten. Greuther Fürth hatte im Gegensatz dazu in der ersten Halbzeit nur eine nennenswerte Offensivaktion, als Edgar Prib aus sechzehn Metern zentral abzog, den Ball aber links am Pfosten vorbeisetzte.

Die zweite Hälfte der Partie begann wieder mit einem Paukenschlag. Robert Koch bekam von Filip Trojan nach einem Fürther Abwehrfehler vorm Strafraum den Ball und spielte den feinen Pass auf seinen Nebenmann Mickael Poté. Der Stürmer stand frei vor Max Grün und verwandelt eiskalt zur 2:0-Führung für die Schwarz-Gelben. Das Stadion verwandelte sich in diesem Moment in ein Tollhaus und von eisiger Kälte war auf den Rängen kaum noch etwas zu spüren. Mit Spritzigkeit und vollem Einsatzwillen raubten die elf Kämpfer in den gelben Dressen den Fürther Kickern augenscheinlich den Nerv. Die Franken hatten zwar die erste hochkarätige Chance im zweiten Durchgang, doch die Abwehrkette der Schwarz-Gelben agierte gegen die Offensivkräfte der Gäste abgeklärt und erfolgreich. Fürths Trainer Mike Büskens reagierte auf das schwache Spiel seiner Mannschaft und brachte zwei frische Kräfte in die Partie. Sercan Sararer, der noch in der Woche vor dem Spiel einen Handbruch erlitten hatte, gelang mit einem sehenswerten Tor der Anschluss. Er schlenzte den Ball vom rechten Strafraumeck über Wolfgang Hesl ins Tor.

Nun standen die Gastgeber unter Druck und die Fans stellten sich die bange Frage, ob Dynamo jetzt dagegen halten kann oder sich vom Gegentor verunsichern lässt. Die Gäste zeigten in dieser Phase des Spieles, dass sie zurecht in der Spitzengruppe der zweiten Liga stehen. Mit Glück und unbändigem Willen überstanden die Schwarz-Gelben diese schwierige Phase jedoch und blieben mit Konterfußball selbst gefährlich. Eine dieser Chancen nutzte Zlatko Dedic zum 3:1. Dabei ließ er die Fans vorher nochmal richtig zittern, denn sein erster Schussversuch wurde vom Torwart noch abgeblockt. Der Stürmer schnappte sich aber den abgeprallten Ball, blieb geduldig und bugsierte die Kugel schließlich hinter die Torlinie.

Das schien die Vorentscheidung zu sein, doch nur wenige Minuten später stockte den Dynamo-Fans der Atem. Schiedrichter Tobias Welz hatte auf den Elfmeterpunkt gezeigt, nachdem David Solga im Strafraum den Ball an die Hand bekam. Bernd Nehrig trat für die "Kleeblätter" an, brachte seiner Mannschaft aber kein Glück. Wolfgang Hesl hielt den Strafstoß souverän und brachte mit seiner Glanzparade die Fans auf den Rängen zum Kochen. Mit dem Hochgefühl des gehaltenen Elfmeters und den Emotionen der Fans im Rücken schaukelten die Schwarz-Gelben den Vorsprung schließlich ins Ziel. Ralf Loose wechselte noch dreimal und brachte neben Cristian Fiel, Pavel Fort auch noch Neuzugang Clemens Walch, der sein Debüt im Dynamo-Trikot gab. Auf Fürther Seite konnte auch der eingewechselte Dani Schahin, der vor dem Spiel noch von den Dynamo-Fans gefeiert wurde, für seine Mannschaft keine Wende mehr einleiten.

Dynamo Dresden gelingt ein überraschender, aber hochverdienter Heimsieg gegen ein Spitzenteam der 2. Bundesliga und bestätigt damit eindrucksvoll, dass man mit einer guten Leistung jeden Gegner schlagen kann. Mit drei Punkten beschenkt die Mannschaft sich, den Trainer und die Anhänger, die nun optimistisch auf die zwei folgenden schweren Auswärtsspiele gegen Union Berlin und den SC Paderborn schauen können.