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21. Spieltag 1. FC Union Berlin - SG Dynamo Dresden

Ralf Loose: "Wir sind in der Lage, etwas mitzunehmen."

„Willkommen in der Höhle der Löwen“. Mit diesen freundlichen Worten begrüßten die Dynamo-Anhänger in der heimischen Spielstätte ihre Berliner Gäste im August 2011 zum Hinspiel zwischen den Schwarz-Gelben und den „Eisernen“ aus Köpenick. Gastgeschenke verteilten die Schützlinge von Ralf Loose damals allerdings nicht. Im Gegenteil, die Spieler von Union Berlin wurden gleich viermal von den wild und entfesselt aufspielenden Elbestädtern aufgefressen. Mit einer deftigen 0:4-Packung im Gepäck ging es für die Hauptstädter zurück in die „Alte Försterei“. Nun steht das Rückspiel in der Wuhlheide an. „Union Berlin freut sich auf Dynamo und wir freuen uns auf Union“, umschreibt Kapitän Cristian Fiel die Vorfreude beider Mannschaften, die genauso wie die Fans ein tolles und spannendes Fußballfest erwarten. „Es wird schön zur Sache gehen, denn die Berliner haben zuletzt in Paderborn ordentlich gespielt. Aber auch wir haben gegen Fürth gezeigt, was wir drauf haben“, stellt der Mittelfeldspieler klar und unterstreicht damit das Selbstvertrauen der Schwarz-Gelben.

Dynamo-Trainer Ralf Loose muss in jedem Fall seine Siegerelf aus dem letzten Spiel neu zusammenstellen, denn mit Robert Koch (Rücken) und Maik Kegel (Sprunggelenk) fallen zwei wichtige Spieler aus. „Wir wollen kein Risiko eingehen und haben uns entschieden, dieses Mal auf Robert zu verzichten. Er soll sich auskurieren und nächste Woche wieder ins Training einsteigen. Alle anderen Akteure sind zum Glück einsatzbereit, haben jede Übungseinheit mitgemacht und stehen deshalb voll im Saft“, sagt Loose, der einem anderen Spieler eine Chance geben will. „Die Ersatzleute brennen auf einen Einsatz und können sich nun beweisen. Wir haben bei der Kaderplanung berücksichtigt, dass alle Positionen doppelt gut besetzt werden können. Zur Aufstellung halte ich mich aber noch bedeckt, weil ich die letzten Eindrücke aus dem Abschlusstraining abwarten will. Wir haben verschiedene Optionen, ändern vielleicht auch das taktische System.“ Obwohl der Coach in dieser Woche im Trainingsbetrieb aufgrund der schwierigen Wetterverhältnisse immer wieder improvisieren musste, bewertet er die Vorbereitung seiner Schützlinge positiv: „Die Spieler hängen sich voll rein“, lobt der 49-Jährige, ergänzt seine Ausführungen aber mit einem bildhaften Vergleich: „Im Training kann sich jeder empfehlen, entscheidend ist aber schlussendlich die Leistung im Wettkampf. Es bringt nicht viel, wenn bei einem Schauspieler im stillen Kämmerlein jeder Spruch sitzt und auf der Bühne dann nichts mehr funktioniert.“

Ralf Loose tritt als Trainer zum ersten Mal in der „Alten Försterei“ an, kennt die Stärken der „Eisernen“ aber ganz genau und begegnet dem Kontrahenten mit Respekt. „Sie haben ihre Heimspiele teilweise sehr souverän gewonnen. Wir haben Union oft beobachtet und wissen um ihre Erfahrung in der zweiten Liga. Der Vorteil liegt auf Berliner Seite.“ Bei aller Wertschätzung für die Gastgeber will der Dynamo-Coach nicht freiwillig auf Punkte verzichten: „Wir sind in der Lage, etwas mitzunehmen, müssen selbstbewusst agieren, im richtigen Moment kluge Entscheidungen treffen und bis an die Leistungsgrenze gehen.“ Den Ausfall von Union-Kapitän Torsten Mattuschka, der wegen einer Sperre gegen die Dresdner fehlen wird, sieht Ralf Loose nicht unbedingt als Vorteil an: „Sie sind sicher gehandicapt, aber dadurch auch schwerer auszurechnen.“

Die auswärtigen Auftritte der Sachsen gegen die Köpenicker gingen in den vergangenen Jahren allesamt verloren. Bei der Suche nach dem letzten Dreier gegen „Eisern Union“ muss man schon tief in die Archivkiste greifen. Im Frühjahr 1998 gelang Dynamo in der Regionalliga Nordost am 33. Spieltag mit einem 3:0 der letzte Sieg in der „Alten Försterei“. Danach folgten zwei Unentschieden, anschließend hagelte es nur noch Niederlagen. Leicht wird die Aufgabe für die Schwarz-Gelben keinesfalls. Zudem dürften die Berliner hoch motiviert in die Begegnung gehen, um sich für die böse Niederlage aus dem Hinspiel zu revanchieren. Das Spiel beginnt um 13 Uhr, die Stadiontore öffnen ab 11:30 Uhr. Die „Alte Försterei“ ist mit über 18.000 Zuschauern ausverkauft, etwa 1.600 Dynamo-Fans werden ihre Mannschaft nach Berlin begleiten. Schiedsrichter der Partie wird Peter Sippel aus München sein.

Dynamo vergeigt Auftritt in der Wuhlheide

Bei eisigen Temperaturen in der "Alten Försterei" mussten die mitgereisten Dynamo-Fans nicht nur bibbern, sondern sich spätestens in der zweiten Halbzeit auch mächtig ärgern. Denn mit einem 0:4 gingen die Schwarz-Gelben in der Wuhlheide regelrecht unter und ließen sämtliche Fertigkeiten vermissen, die sie noch eine Woche zuvor gegen Greuther Fürth an den Tag gelegt hatten.

In den Anfangsminuten stellten sich beide Mannschaften gar nicht erst auf taktisches Geplänkel ein. Die Hausherren wollten die Schmach aus dem Hinspiel in Dresden auswetzen, die Schwarz-Gelben gar nicht erst den Verdacht aufkommen lassen, sich mit einem Abwehrriegel nur auf die Verteidigung zu konzentrieren. Zwanzig Minuten gelang das sehr gut. Offensivaktionen auf beiden Seiten machten die Partie für beide Fangruppen sehenswert. Nach einer halben Stunde verstärkten die Gastgeber ihre Angriffsbemühungen. Die bis dahin sicher stehende Dynamo-Abwehr bekam mit den quirligen Union-Spielern immer mehr Probleme. Die Chancen für die Gastgeber erhöhten sich, vor allem bei Standards behielten die "Eisernen" die Oberhand und tauchten immer wieder gefährlich vor dem Tor von Wolfgang Hesl auf. Der Halbzeitpfiff war nicht mehr weit, als Union die Dynamo-Abwehr erneut unter Beschuss nahm. Christoph Walch konnte beim Klärungsversuch den Ball nur mit der Hand abwehren. Schiedsrichter Peter Sippel zögerte keine Sekunde und zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Christopher Quiring ließ Wolfgang Hesl keine Chance und verlud den Keeper. Der Ball schlug flach in der linken Ecke ein und die "Eisernen" jubelten über die verdiente Führung.

Nach der Halbzeitpause kamen die Dresdner wenig druckvoll aus der Kabine, während die Gastgeber da weitermachten, wo sie zuvor vom Pausenpfiff unterbrochen wurden. Immer wieder zog Union das Tempo an und brachte die Hintermannschaft von Dynamo in Bedrängnis. Selten gelang es den Schwarz-Gelben, die Bälle aus der Gefahrenzone zu schlagen. Zu schnell kam das runde Leder zurück in den Strafraum. Mit einem Doppelschlag beendeten John Mosquera und Simon Terodde jegliche Hoffnungen der Dresdner, dem Spiel nochmal eine Wende zu geben. Simon Terodde machte eine Viertelstunde vor Schluss mit dem vierten Tor alles klar. "Wir haben wichtige drei Punkte geholt", resümierte Union-Trainer Uwe Neuhaus nach dem Spiel, während Ralf Loose dem Gegner zum verdienten Sieg gratulierte.