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22. Spieltag SC Paderborn 07 - SG Dynamo Dresden

Kann Dynamo in Paderborn überraschen?

Wie die Zeiten sich ändern. Im August 2011 fieberten die Dynamo-Fans nach einem grandiosen Heimsieg über Union Berlin dem nächsten Auftritt gegen Paderborn entgegen. Das Team aus Ostwestfalen sollte als Punktelieferant nach Dresden kommen, ein Dreier war zumindest auf den Rängen fest eingeplant. Doch es kam anders. Die Schwarz-Gelben mussten sich den Gästen mit 1:2 geschlagen geben. „Wir sind in der Lage, gegen jeden Gegner in dieser Liga zu gewinnen, aber auch gegen jeden zu verlieren“, hatte Dynamo-Trainer Ralf Loose im Verlauf der Saison immer wieder betont. Seine Aussage wurde nicht nur durch die erzielten Ergebnisse seiner Mannschaft bestätigt. Auswärts konnten in München oder Braunschweig überraschende Auswärtssiege gefeiert werden, zuhause gab man dagegen wichtige Zähler gegen vermeintliche Kellerkinder wie Aachen oder den FSV Frankfurt ab. Nichts ist also so, wie es im Vorfeld scheint. Nach einem tollen Auftritt gegen den Aufstiegskandidaten Greuther Fürth folgte ein ernüchterndes Resultat in der Berliner Wuhlheide.

Die Mannschaft bringt so auch nach der Winterpause ihre Fans und die Experten stets ins Grübeln: Wie wird wohl das Spiel in Paderborn ausgehen? Eines ist jedenfalls vorher schon klar. Die Vorzeichen stehen diesmal nicht unbedingt auf Dresdner Seite. So schnell und leichtfertig wie vor dem Hinspiel werden die schwarz-gelben Schlachtenbummler das Team aus Paderborn nicht unterschätzen. Dachte man am Anfang noch an eine glückliche Fügung, haben sich die Ostwestfalen nach zwei absolvierten Dritteln der Saison in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga festgesetzt und spielen tatsächlich um die begehrten Aufstiegsplätze mit. Bisher gelang Dynamo bei keinem der fünf Teams von oben ein Punkterfolg, obwohl man bei St. Pauli in Führung ging und in Düsseldorf fast ein Unentschieden erreicht hätte. Allerdings dürfen auch die Dresdner mit einer Erfolgsbilanz optimistisch in die Partie am Freitagabend gehen. Noch nie kehrte Dynamo nach einem Pflichtspiel aus Paderborn punktlos an die Elbe zurück.

Doch nicht nur die Tabellenkonstellation spricht diesmal zunächst für die Gastgeber. Mit Nick Proschwitz, der bisher 14 Mal traf, haben die Ostwestfalen den Top-Torjäger der Liga in ihren Reihen und mit Alban Meha einen absoluten Freistoßkünstler. Der Albaner, mit fünf Toren zweitbester Schütze bei Paderborn, verwandelte seine Standardsituationen entweder direkt, wie schon beim Hinspiel in Dresden, oder legt für seine kopfballstarken Mitspieler auf. Die viertbeste Defensive der Liga und nur sieben Gegentore auf eigenem Platz lassen erahnen, wie schwer es für Dynamos Offensive werden kann. Doch Dynamo-Coach Ralf Loose glaubt an die Stärken seiner Schützlinge und hat mit ihnen gemeinsam die Fehler aus dem Union-Spiel ausgewertet. „Wir sind Aufsteiger und mussten in dieser Saison schon einige Rückschläge hinnehmen. Das gehört dazu. Die Jungs haben ordentlich, konzentriert und mit viel Biss trainiert. Die Bedingungen waren sehr gut“, lobt Ralf Loose das Engagement der Stadion-Projektgesellschaft, die es der Mannschaft zweimal ermöglichte, sich auf dem Rasen im Stadion auf die schwere Auswärtsaufgabe vorzubereiten. Der Trainer weiß, dass sein Team nur dann bestehen kann, wenn die Abwehrleistung stimmt und Bälle nicht leichtfertig verschenkt werden, um das eigene Spiel in Ruhe aufzubauen. „Zeigen wir von der ersten Sekunde an, dass wir da sind und unser Torwart gut drauf ist, können wir als Aufsteiger auswärts etwas mitnehmen“, nennt Ralf Loose sein Erfolgsrezept.

Beim Unterfangen, eine schwarz-gelbe Überraschung beim Überraschungsteam der Liga zu erreichen, muss er allerdings auf zwei Spieler verzichten. Pavel Fort fällt mit einer schweren Angina aus und Maik Kegel laboriert immer noch an einer Sprunggelenksverletzung. Die lange Fahrt nach Paderborn haben dagegen der wiedergenesene Robert Koch, Florian Jungwirth, der das Abschlusstraining mit einem individuellen Programm komplett absolvieren konnte, und der zuletzt mit Bauchschmerzen geplagte Giannis Papadopoulos angetreten.

Die Partie beginnt um 18 Uhr in der Energieteam-Arena. Ab 16:30 Uhr öffnen die Stadiontore. An den Tageskassen sind noch ausreichend Karten für den Gästebereich erhältlich. Insgesamt werden 8.000 Zuschauer erwartet, aus Dresden ca. 1.000 Fans. Schiedsrichter des Spieles wird Christian Leicher aus Landshut sein.

Dynamo ärgert Paderborn und holt einen Punkt

Die Serie der Dresdner in Paderborn bleibt bestehen. Noch nie kehrten die Sachsen aus Ostwestfalen ohne Punkte heim. Das bleibt auch nach dem Auftritt im Freitagabendspiel gegen den Aufstiegsaspiranten so. Fast hätten die Schwarz-Gelben das bisherige Überraschungsteam der 2. Bundesliga mit einem Auswärtssieg überrumpelt, am Ende durften sich jedoch beide Teams über einen Punkt freuen.

Schon nach drei Minuten schien das Vorhaben von Dynamo, nicht punktelos aus Paderborn wieder abzureisen, gründlich schief zu gehen. Nach einem Pass von Alban Meha auf Jens Wemmer ließ der Verteidiger seinen Gegenspieler Romain Brégerie ins Leere laufen, um anschließend den Ball aus spitzem Winkel ins kurze Eck zu spitzeln. Ein Auftakt nach Maß für die Hausherren, die auch in den nachfolgenden Minuten das Spielgeschehen deutlich dominierten und die neuformierte Abwehr mit Vujadin Savic, der für Florian Jungwirth auflief und sein Pflichtspieldebüt für Dynamo feierte, mehrmals in Verlegenheit brachten. Eine Viertelstunde später wurde Zlatko Dedic nach einem Zuspiel von Mickael Poté im Strafraum von den Beinen geholt. Den fälligen Elfmeter verwandelte der Slowene sicher zum überraschenden Ausgleich. Wichtig war das Tor besonders für Dynamo, denn danach nahm das Team von Trainer Ralf Loose das Heft des Handelns in die Hand und konnte bis zur Pause mit Einsatzwillen und Kampf überzeugen. Die favorisierten Paderborner bissen sich immer wieder an der kompakt stehenden Abwehr der Dresdner die Zähne aus. Die Unruhe im Publikum war ein deutliches Zeichen dafür, dass der Auftritt der Schwarz-Gelben nicht nur die Heimmannschaft beeindruckte. Pech hatte Robert Koch nach einer halben Stunde, als seine Direktabnahme von Paderborn-Torhüter Lukas Kruse mit den Fingerspitzen noch an den rechten Pfosten gelenkt wurde.

Die zweite Hälfte begann mit einer Überraschung. Wolfgang Hesl musste verletzungsbedingt in der Kabine bleiben, für ihn rückte Aufstiegsheld Benjamin Kirsten zwischen die Pfosten. Die etatmäßige Nummer 1 hatte sich bei einer Glanzparade in der ersten Hälfte den kleinen Finger der linken Hand gestaucht und konnte ihn danach nicht mehr bewegen. Wir wünschen auf diesem Weg eine schnelle Genesung. Paderborn bestimmte nun aber das Spiel, ohne dabei zwingend gefährlich zu werden. Zwar wurde es hin und wieder im Dresdner Strafraum etwas unübersichtlich, aber Benjamin Kirsten klärte in seinem ersten Zweitliga-Spiel die Bälle souverän, als hätte er seit Wochen nichts anderes gemacht. Gemeinsam mit seinen Vorderleuten in der Abwehr entnervte er die Gastgeber von Minute zu Minute. Mit viel Glück und Geschick gelang es, die andauernde Überlegenheit der Paderborner schadlos zu überstehen. Einziger Wermutstropfen neben der Verletzung von Wolfgang Hesl war die fünfte Gelbe Karte für Mickael Poté. Der Stürmer fehlt nun im nächsten Heimspiel gegen den MSV Duisburg.

Zehn Minuten vor dem Ende nahm der Nationalspieler des Benin seine ganze Wut zusammen, marschierte über die rechte Seite bis in den Strafraum und schoss aus spitzem Winkel auf das Tor. Paderborn-Keeper Lukas Kruse konnte nur zur Mitte abwehren, wo Zlatko Dedic aus Nahdistanz eiskalt zur Führung für Dynamo abstaubte. Effektiver hätten die Schwarz-Gelben die perplexen Hausherren nicht auskontern können. Nun galt es die letzten Minuten noch zu überstehen. Als sich im feiernden schwarz-gelben Fanblock die mitgereisten Schlachtenbummler schon auf einen unerwarteten Auswärtssieg einstellen wollten und ihre Freude mit lautstarken Gesängen dokumentierten, schlug der eingewechselte Matthew Taylor zu. Nach einer verlängerten Flanke köpfte er an Benjamin Kirsten vorbei und der Aufstiegsaspirant durfte sich doch noch über einen Punktgewinn freuen. Schiedsrichter Christian Leicher pfiff danach trotz angezeigter Nachspielzeit nicht mehr an.

Die Schwarz-Gelben ließen zunächst die Köpfe hängen, durften sich aber schlussendlich doch über einen weiteren wichtigen Punkt im Kampf um den Klassenerhalt freuen. Vergleicht man die Spielanteile (66:34), legte Paderborn gerade in den ersten Minuten und über weite Strecken der zweiten Hälfte das bessere Zweikampfverhalten (59% : 41%) an den Tag und verzeichnete auch die größere Anzahl an Torschüssen (15:7). Verdient ist der eine Zähler für Dynamo aber allemal, denn mit einer taktischen Meisterleistung und effektivem Angriffspiel zeigte man erneut, und diesmal auch erfolgreich, dass man auswärts gegen die Großen der diesjährigen Zweitliga-Saison mithalten kann.