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23. Spieltag SG Dynamo Dresden - MSV Duisburg

Zebra-Verbot im Dynamo-Strafraum

Es war ein herrlicher Sommertag im August 2004. Über Elbflorenz schien bei strahlend blauem Himmel die Sonne und sorgte für bestes Fußballwetter. 17.200 Zuschauer hatten sich auf den Traversen des ehrwürdigen alten Rudolf-Harbig-Stadions eingefunden, um den ersten Auftritt ihrer schwarz-gelben Lieblinge in der 2. Bundesliga zu erleben. Sie sahen die Gäste von der Wedau nach 62 Minuten mit 1:0 in Führung gehen, doch eine Viertelstunde später war die Glückseligkeit in die Gesichter der Dynamo-Fans zurückgekehrt. Innerhalb von neun Minuten schossen Karsten Oswald, Klemen Lavric und Joshua Kennedy die Dresdner in Front und bescherten den Sachsen einen überraschenden, am Ende aber überzeugenden und verdienten Auftakt nach Maß. Der damalige Gäste-Trainer Norbert Meier musste mit seiner Mannschaft punktlos die Rückreise antreten und Dynamo Dresden belegte nach dem ersten Spieltag den zweiten Platz in der Tabelle, hinter Erzgebirge Aue und gefolgt von Rot Weiß Erfurt. Seitdem stand nie wieder ein Trio aus dem Osten der Republik gemeinsam ganz oben und auch für die Schwarz-Gelben war es die bisher beste Platzierung ihrer gesamten Zweitliga-Geschichte.

Nach siebeneinhalb Jahren gastiert nun der MSV Duisburg am 23. Spieltag wieder einmal im schönen Dresden. Im Gegensatz zu damals, als die aufstiegsambitionierten Meidericher als klarer Favorit an die Elbe kamen, um gegen Aufsteiger Dynamo zu spielen, sind die Rollen diesmal ein wenig anders verteilt. Während die Gastgeber im Mai des letzten Jahres mit Glück und einem hochemotionalen Finale den Sprung in die 2. Bundesliga schafften, erreichten die Duisburger sogar das DFB-Pokalfinale in Berlin, das allerdings mit 1:5 gegen die Königsblauen aus Gelsenkirchen verloren ging. Die Sachsen haben im Gegensatz zum Kontrahenten in dieser Saison jedoch schon sechs Punkte mehr auf ihrem Konto, doch für Dynamo-Trainer Ralf Loose ist das kein Grund, seinem Team die Favoritenrolle überzustülpen. „Über diese Konstellation mache ich mir keine Gedanken. Das Hinspiel haben wir klar verloren. Wir wissen, dass wir mit Mickael Poté auf unseren besten Schützen verzichten müssen“, übt sich der Coach in Bescheidenheit und nennt die Tugenden, die ausschlaggebend sein werden, um vor heimischer Kulisse einen Sieg erringen zu können: „Wir müssen hochmotiviert, taktisch geschickt und entschlossen sein. Zuhause sind wir nicht so leicht zu besiegen.“ Doch auch der 49-Jährige weiß, dass Fußball unberechenbar bleibt und nicht alle Faktoren eines Spieles zu beeinflussen sind. Zuletzt trat die Mannschaft als Team auf, in dem jeder für den anderen Spieler gekämpft und sich mit aufmunternden Worten gegenseitig motiviert hat. Der Trainer weiß aber auch, dass die individuelle Leistungsfähigkeit seiner Schützlinge wichtig sein wird, um Spiele zu gewinnen.

Klar ist, dass Mickael Poté wegen seiner fünften Gelben Karte nicht spielen kann. Wer den gesperrten Stürmer vertreten wird, ist offen: „Logisch wäre, dass Pavel Fort in die Startelf rückt“, sagt Ralf Loose, der jedoch darauf verweist, dass der Tscheche nach einer schweren Angina eine Woche lang nicht trainiert hat und durch Medikamente seinen alten Fitnesszustand noch nicht wieder erreicht hat. Deshalb denkt der Trainer über andere Optionen nach und freut sich, dass er variabel einsetzbare Offensivkräfte hat, die alle auf einen Einsatz brennen. Im Training wurden deshalb verschiedene Varianten probiert. Die sicherste Position hat laut Ralf Loose ohnehin nur Torwart Benjamin Kirsten, der nach seinen ersten 45 Zweitliga-Minuten in Paderborn das erste Mal seit genau neun Monaten wieder von Anfang an zwischen die Pfosten darf. Seinen letzten Auftritt in der Dynamo-Startelf hatte der 24-Jährige am 24. Mai 2011 beim Relegationsspiel in Osnabrück. „Für mich ist das nach der langen Leidenszeit in der Reha unheimlich wichtig und in gewisser Weise auch der Lohn für den schwierigen Kampf zurück auf den Platz. Mir wäre es allerdings lieber gewesen, ich hätte den Sprung in die Startelf aus Leistungsgründen geschafft, aber so ist es eben im Fußball“, erzählt die neue Nummer 1 im Dynamo-Tor und wünscht seinen Teamkameraden trotz Konkurrenzkampf eine schnelle Genesung. Als Ersatzmann wird Axel Mittag aus dem Kader der zweiten Mannschaft gegen Duisburg auf der Bank sitzen. Der zuletzt angeschlagene Abwehrspieler Cheik Gueye hat das Abschlusstraining mit seinen Teamkollegen absolviert, so dass Ralf Loose davon ausgeht, dass sein etatmäßiger Rechtsverteidiger einsatzfähig ist. Über andere Positionen grübelt der Trainer allerdings noch, da er einige seiner Akteure beim Auftritt in Paderborn nicht in Bestform erlebte. „Wenn dann der eine oder andere  Spieler an der ersten Elf kratzt, macht man sich seine Gedanken und momentan ist das so“, kommentiert der Coach den Konkurrenzkampf in der Mannschaft und lässt dabei anklingen, dass es durchaus zu Veränderungen auf der linken Abwehrseite und im defensiven Mittelfeld kommen kann. Einen guten Einstand bescheinigte Ralf Loose dem Neuzugang Vujadin Savic, der erneut von Beginn an spielen wird.

Den Gegner erwarten die Schwarz-Gelben mit Respekt und wissen um dessen Gefährlichkeit. „Sie haben große Leute, gegen die wir mit voller Wucht reagieren müssen. Unser Ziel ist, den Ball vom eigenen Tor fernzuhalten. Wir treffen auf eine Mannschaft mit erfahrenen Spielern, deshalb benötigen wir eine Topleistung, um sie in die Knie zu zwingen“, sagt Ralf Loose, der mit einem Dreier ein sportliches Highlight setzen will, um die Aufmerksamkeit rund um die Berufungsverhandlung beim DFB wieder auf das Wesentliche zu lenken und damit die Dinge ins richtige Licht rücken möchte. Er äußerte deutlich Unverständnis darüber, dass man eine solche Verhandlung einen Tag vor einem Punktspiel abhält. Als zusätzlichen Ansatzpunkt zur Motivation nahm der Trainer in der Pressekonferenz schmunzelnd den Hinweis entgegen, die Mannschaft, an die deutliche Niederlage im Hinspiel zu erinnern, die sich vor den eigenen Fans nun für dieses Resultat revanchieren kann. Genauso hatten es vor zwei Wochen die „Eisernen“ aus Berlin gegen Dynamo auch gemacht und sind damit erfolgreich gewesen. Das Spiel wird um 18 Uhr von Schiedsrichter Harm Osmers aus Hannover angepfiffen. Die Stadiontore öffnen wie immer zwei Stunden vorher. Die Tageskassen haben ab 10 Uhr am Kassenbereich Lenneplatz neben dem Fanshop geöffnet, ab 15:45 Uhr auch an allen anderen Eingängen. Bisher wurden 19.000 Karten verkauft, aus Duisburg werden ca. 200 Gästefans erwartet.

Doppelschlag bringt drei Punkte

Die Situation nach dem Spiel sprach Bände. Während die Kicker aus Duisburg vor dem Gästeblock mit ihren frustrierten Fans über das gerade verloren gegangene Spiel diskutierten, stand Dynamo-Keeper Benjamin Kirsten schon auf dem Capo-Turm im K-Block, um mit der Mannschaft und den Fans gemeinsam mit einer Uffta den 2:0-Heimsieg zu feiern.

Dynamo-Trainer Ralf Loose hatte für den gelbgesperrten Mickael Poté den Tschechen Pavel Fort ins Sturmzentrum gestellt und vertraute sonst der gleichen Startelf, die in der Vorwoche einen wichtigen Punkt in Paderborn erkämpfte. Bevor der Ball rollte, zeigten sich die Dynamo-Fans aber von ihrer Zuckerseite. Mit einer riesengroßen Choreographie erinnerten sie an sieben bedeutsame Momente der bisherigen Vereinsgeschichte. Ein gutes Jahr vor dem 60. Geburtstag der Sportgemeinschaft blickten sie zurück auf das Gründungsdatum am 12. April 1953, huldigtem den Meistertrainer Walter Fritzsch und gedachten noch einmal den legendären "Giraffen", den alten Flutlichtmasten des ehemaligen Rudolf-Harbig-Stadions.

Nachdem die ersten Spielminuten noch vom Abtasten beider Mannschaften geprägt waren, startete Dynamo nach einer Viertelstunde durch und kam zweimal gefährlich vor das Tor des Gegners. Zunächst eroberte Cheikh Gueye in seiner unnachahmlichen Weise den Ball und spielte ihn auf Robert Koch, der direkt auf David Solga weiterleitete. Der Mittelfeldspieler brachte das Leder dann in die gegnerische Hälfte und ein kluger Pass auf Pavel Fort ermöglichte dem Tschechen freistehend eine optimale Schussgelegenheit. Tollkühn warf sich der Duisburger Torwart aber dazwischen und vereitelte die frühe Führung für die Schwarz-Gelben. Wenige Minuten später kam Robert Koch zentral am Strafraum ebenfalls zum Schuss, doch sein Versuch wurde von einem Abwehrspieler der Gäste gefährlich abgefälscht. Nur knapp verfehlte die Kugel den Kasten von Felix Wiedwald. Danach waren Höhepunkte oder Strafraumaktionen eher Mangelware, so dass beide Mannschaften torlos nach 45 Minuten in die Kabine gingen.

Mit einem Doppelschlag innerhalb von zwei Minuten sorgten die Schwarz-Gelben in der zweiten Halbzeit jedoch für einen verdienten Erfolg und sicherten sich drei weitere wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. Zunächst flankte Robert Koch von links in den Strafraum des Gegners, wo sich Pavel Fort am höchsten schraubte und die Kugel gegen die Laufrichtung des Gästekeepers über die Linie drückte und die wichtige Führung für Dynamo erzielte. Und schon im nächsten Angriff zappelte es wieder im Netz der überraschten Duisburger. Ein weiter Abschlag von Benjamin Kirsten landete am anderen Strafraum genau bei Zlatko Dedic, der sich die Chance nicht entgehen ließ und freistehend über den herausgelaufenen Torwart den Ball zum 2:0 in die Maschen hob.

Nun entwickelte sich kurzeitig ein Schlagabtausch, weil die Duisburger wütend auf den Rückstand reagierten und immer wieder im Strafraum der Schwarz-Gelben auftauchten. Doch spätestens beim bestens aufgelegten Benjamin Kirsten war dann Endstation für die offensiven Bemühungen der Gäste. Der von den Fans geliebte Torhüter zeigte mit teilweise spektakulären Faustparaden, dass er seit dem furiosen Aufstiegsfinale trotz langer Verletzungspause nichts von seinen Fertigkeiten eingebüßt hat. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, bei der sich alle Spieler an der Verteidigung des Zwei-Tore-Vorsprungs beteiligten, sicherten sich die Hausherren souverän gegen nachlassende "Zebras" schließlich den Heimsieg und drei Punkte.