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24. Spieltag VfL Bochum - SG Dynamo Dresden

Bochum ist angeknockt, aber noch nicht geschlagen.

Dynamo Dresden tritt am Freitagabend um 20:30 Uhr beim VfL Bochum an. Die Flutlicht-Partie gegen die einstige „graue Maus“ der Bundesliga ist für die schwarz-gelben Anhänger keinesfalls eine ganz normale Begegnung. Doch dazu später mehr. Beide Teams gingen mit einer gemeinsamen Besonderheit in die aktuelle Saison, „qualifizierten“ sich nämlich erst durch zwei Relegationsspiele für die 2. Bundesliga. Dynamo kam aus der Dritten Liga, während die Gastgeber im Unterhaus des deutschen Fußballs verbleiben mussten. Die Bochumer wurden nach ihrem knapp verpassten Erstliga-Aufstieg deshalb zunächst als ernstzunehmender Kandidat für die Spitzengruppe der Liga eingestuft. Wie schnell sich im Fußball die Zeiten aber ändern, bewies nicht nur der damalige Gegner in den Relegationsspielen. Fastabsteiger Borussia Mönchengladbach hat sich überraschend im Oberhaus auf den Qualifikationsplätzen für den europäischen Wettbewerb etabliert, die Bochumer hängen dagegen aktuell im Mittelfeld der Tabelle fest, mit nur einem Punkt mehr einen Platz vor Dynamo.

Auf die Mannschaft von Trainer Ralf Loose wartet in jedem Fall ein angeknockter Gegner. Der kassierte beim letzten Spiel in Fürth gleich sechs Gegentore. „Das Team hat zwar mit Verletzungssorgen zu kämpfen und wird auf gesperrte Spieler verzichten müssen, zuhause haben sie sich aber bisher sehr stark präsentiert“, warnt der Coach davor, die Bochumer zu unterschätzen. „Ich werde die Mannschaft darauf vorbereiten und darauf achten, dass niemand zu leichtfertig in diese Partie geht.“ Der Trainer fordert aber auch ein selbstbewusstes Auftreten seiner Schützlinge und verweist auf den Fakt, dass im Heimspiel gegen Duisburg seit langer Zeit mal wieder hinten die Null stand. „Wenn es uns gelingt, den Gegner zu kontrollieren, können wir auch unsere Stärken in der Offensive ausspielen. Schaffen wir es, einen frühen Rückstand wie in Paderborn zu vermeiden, ist vielleicht auch mehr drin.“

Nach einer kurzen Trainingswoche, in der die Mannschaft wegen der schlechten Platzverhältnisse im Großen Garten zweimal auf Kunstrasen ausweichen musste, hat Ralf Loose seinen Kader zwar im Kopf und wird vermutlich die gleichen Spieler wie zuletzt nominieren. Allerdings haben mit Zlatko Dedic, Mickael Poté und Vujadin Savic gleich drei wichtige Akteure durch ihre Länderspielreise nicht mit der Mannschaft trainiert. „Wir müssen abwarten, wie die Jungs zurückkommen und erst dann entscheiden wir, wer in die Startelf rückt.“ Schon am Donnerstagmorgen geht es für Dynamo per Flugzeug nach Düsseldorf, wo am Nachmittag nochmal eine Trainingseinheit ansteht. Weil die Partie am Freitag erst halb neun angepfiffen wird und als Top-Spiel der 2. Bundesliga den eigentlichen Sendeplatz der 1. Liga einnimmt, die aufgrund der Länderspiele pausiert, will Trainer Ralf Loose seine Schützlinge auch am Vormittag nochmal ins Schwitzen bringen.

Ob die Sportgemeinschaft am Ende nicht ganz punktlos wieder zurück an die Elbe fährt, bleibt die spannende Frage unter den Dynamo-Fans. Nicht wenige Anhänger schraubten nach der desolaten Leistung der Bochumer in Fürth und den vielen Ausfällen die eigene Erwartungshaltung nach oben. Dabei gelang Dynamo in den bisher vier Auftritten im Ruhrstadion noch nie ein Sieg. 1992 reichte es im zweiten Bundesliga-Jahr wenigstens zu einem 2:2-Unentschieden und bei der letzten Begegnung im September 2005 klingelte es kurz vor Schluss im Kasten der Schwarz-Gelben, die sich mit 0:1 geschlagen geben mussten. Der Heimsieg im Hinspiel, als Neuzugang Muhamed Subasic die Gäste mit zwei Toren wieder nach Hause schickte, war der erste Pflichtsieg gegen den VfL überhaupt. Als Angstgegner gelten die Bochumer deswegen aber nicht, denn die schmerzlichste Begegnung mit den „Unabsteigbaren“, die mittlerweile mit sechs Abstiegen aus der 1. Bundesliga den Negativ-Rekord in den Händen halten, gab es indirekt am letzten Spieltag der Saison 2005/06. Dynamo traf in Rostock auf Hansa und gewann, während sich die bereits aufgestiegenen Bochumer im Süden von München mit einem 0:0 begnügten. Das Ende ist bekannt und nagt noch heute in den Seelen der schwarz-gelben Fans. Ein Sieg gegen den VfL Bochum wäre deshalb schon in doppelter Hinsicht eine wundervolle Sache. Mit drei Punkten könnte man am Tabellennachbarn vorbeiziehen und dem Klassenerhalt, im Gegensatz zu damals, ein ganzes Stück näher rücken.

Schiedsrichter der Partie wird Robert Kempter aus Sauldorf sein. Die Stadiontore und Tageskassen werden zwei Stunden vor Beginn öffnen. Bisher wurden 1.000 Karten an Dynamo-Fans verkauft.

Dynamo entführt drei Punkte

"Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser, als man glaubt". Herbert Grönemeyer kennt die Sonnenseiten der Stadt Bochum und diese Erfahrung durften am Freitagabend auch die Fans von Dynamo Dresden machen. Mit einem 2:0-Sieg holte die Mannschaft von Trainer Ralf Loose die nächsten drei Punkte für den Klassenerhalt und zieht damit auch am Kontrahenten aus dem Ruhrpott in der Tabelle vorbei.

Mit einer überzeugenden Leistung, vor allem einer stets wachsamen Abwehr und zwei blitzsauberen Kontertoren überraschten die Sachsen die Gastgeber und feiern ihren ersten Sieg in Bochum überhaupt. Nachdem die Hausherren in den ersten Minuten zunächst das Spiel dominierten, schlugen die Schwarz-Gelben eiskalt zu. Nach einem Pass von Romain Brégerie kam Zlatko Dedic an den Ball und lief allein auf das Tor von Andreas Luthe zu. Der Slowene, vom VfL Bochum ausgeliehen, nutze diese Chance und brachte Dynamo in Führung. Mit seinem zehnten Saisontor setzte sich der Stürmer vorerst auch die interne Torschützenkrone auf. Danach wurde das Team von Trainer Ralf Loose im weiteren Spielverlauf immer besser und konnte bis zur Halbzeit das 1:0 halten. Brenzlig wurde es nur einmal, als der Georgier Nika Gelashvili nach einem Haken beim Sprung über Dynamo-Keeper Benjamin Kirsten plötzlich wie eine Schwalbe im Sommer durch den Strafraum flog. Da die Temperaturen aber noch längst nicht an die warme Jahreszeit erinnern, ließ der Schiedsrichter Robert Kempter auch richtigerweise weiterspielen.

Nachdem beide Mannschaften aus der Kabine zurück auf den Rasen kamen, war die zweite Hälfte noch keine zwei Minuten alt, als die Schwarz-Gelben erneut mit einem Paukenschlag ihren Gegner in Bedrängnis brachten. Pavel Fort wurde schön frei gespielt und stand ebenso wie Zlatko Dedic beim 1:0 allein vor dem Bochumer Keeper. Erst tanzte der Tscheche den Schlussmann aus, setze dann nochmals einen Haken und versenkte den Ball schließlich in den Maschen.

Bochum versuchte nun, dem Spiel nochmal eine Wende zu geben, aber alle Angriffsbemühungen scheiterten an der sicheren Abwehr und einem überragend aufgelegten Benjamin Kirsten im Dynamo-Tor. Der bewahrte schon in der ersten Halbzeit sein Team mit einem wahnsinnigen Reflex nach einem Schuss von Nika Gelashvili vor dem Ausgleich und hatte auch im zweiten Abschnitt nochmal seinen großen Moment, als er einen Kopfball des georgischen Stürmers der Bochumer glänzend parierte.

Am Ende stand zum zweiten Mal in Folge die Null auf Dresdner Seite. Wie schon gegen Duisburg treffen beide Stürmer, diesmal nur in umgekehrter Reihenfolge. Dynamo kann sich im Mittelfeld der Tabelle festsetzen und die bisher erfolgreiche Rückrunde mit einem positiven Ergebnis fortführen.