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27. Spieltag SG Dynamo Dresden - TSV 1860 München

Kann Dynamo die Löwen bändigen?

„Aaamaaateeeuuureee“ rief er in unnachahmlicher Weise in die Kamera und ließ seinen Frust über die deutliche Niederlage gegen 1860 München am Platzwart und dem nicht gewalzten Rasen heraus. Dabei zeigte er wild gestikulierend die Hügel, die sich in seinem Strafraum aufgetürmt haben sollen. Die Rede ist von Ignjac Kresic, der sich wenige Minuten zuvor im heimischen Rudolf-Harbig-Stadion von den Löwen ganze vier Tore einschenken ließ und er bei einem Gegentreffer mächtig daneben langte. Kurz vor ihm war das runde Leder beim Aufprall auf dem Boden versprungen und ihm deshalb durch die Finger gerutscht. In ihrer ersten Zweitliga-Saison 2004/2005 blieben die Schwarz-Gelben von der Elbe in zwei Partien gegen 1860 München sieg- und torlos. Das 0:4 vor fast sieben Jahren ist bis heute allerdings die letzte Niederlage gegen die Löwen geblieben. Danach folgten ausschließlich Siege. Zweimal gelang ein überraschender und umjubelter Auswärtserfolg vor einer unglaublichen schwarz-gelben Kulisse, auch das letzte Heimspiel im Februar 2006 wurde mit 2:0 gewonnen. Kurios: Alle bisherigen Aufeinandertreffen in der 2. Bundesliga zwischen beiden Teams in Dresden fanden jeweils am Freitagabend statt.

Am 27. Spieltag der aktuellen Zweitliga-Saison empfängt Dynamo erneut die Gäste aus der bayrischen Landeshauptstadt und neben den schwarz-gelben Schlachtenbummlern, die erneut für eine volle Hütte sorgen, freut sich auch Trainer Ralf Loose auf die Partie. „Es ist schön, dass wir auf den Rängen wieder unterstützt werden und Fußball erleben, wie man ihn als Trainer und Spieler braucht.“ Personell kann er auf den zuletzt gesperrten Abwehrspieler Romain Brégerie zurückgreifen und seine beste Mannschaft auf das Feld schicken, zu der auch Mittelfeldmann Filip Trojan gehört. „Wir brauchen drei Punkte und wollen gewinnen“, sagt der Tscheche, der sich für eine Vertragsverlängerung entschieden hat, weil er weiß, dass er in einer starken Mannschaft steht, die auch in der kommenden Saison wieder gut aufgestellt sein wird. Auf diese Stärke verweist auch sein Coach, der keinen Zweifel aufkommen lässt, dass die Spieler trotz einer komfortablen Tabellensituation weiterhin motiviert zu Werke gehen. „Wir sind in Frankfurt chancenlos gewesen, früh in Rückstand geraten und haben es dem Gegner zu leicht gemacht“, zählt der 49-Jährige die Faktoren für die Niederlage bei der Eintracht auf. Was gegen die Löwen, die über eine ähnlich gute Offensivabteilung wie der letzte Gegner verfügen, besser werden muss, fügt er gleich hinzu: „Wir müssen mehr Zähne zeigen, die eigene Initiative ergreifen und selbstbewusst nach vorn gehen.“ Damit das funktioniert, gibt es für die Spieler vor der Partie noch eine Videostunde, in der die Formationen des Gegners studiert werden, besonders bei Standardsituationen. „So können wir uns auf ihn einstellen und hoffentlich ein gutes Spiel absolvieren“, glaubt der Trainer.

Antreten will der Coach bis zum Ende der Saison ausschließlich in Bestbesetzung. Zeit, um seine Ergänzungsspieler zu testen, weil der Abstand zu den Abstiegsplätzen mit zwölf Punkten schon beachtlich ist, bleibt aber nicht. „Es wäre zu brisant, um jetzt irgendetwas zu probieren, außerdem ist es Wettbewerbsverzerrung“, sagt Loose und macht deutlich, dass nur diejenigen in den Kader und die Startelf rücken, die sich im Training aufdrängen. „Es geht nur über Leistung. Ich beobachte als Trainer die Mannschaft jeden Tag und muss dann abwägen, wer spielt. Meistens fällt die Entscheidung kurz vor dem Anpfiff, man darf sich auch nicht zu früh festlegen.“ Trotzdem weiß Loose, dass nicht nur die Stammspieler wichtig sind und hat dafür auch die passende Erklärung: „Dass die Mannschaft bis jetzt so viele Punkte geholt hat, ist nicht nur der Verdienst der Stammspieler. Daran haben alle einen Anteil.“

Nachdem die Gäste aus Giesing mit fünf Siegen erfolgreich in die Rückrunde starteten und zwischenzeitlich sogar noch einmal die Gelegenheit hatten, in den Aufstiegskampf mit einzugreifen, gelang in den letzten vier Partien kein Dreier mehr. Somit dürfte es für die Mannschaft von Trainer Rainer Maurer, der übrigens auch beim letzten Löwen-Sieg gegen Dresden an der Seitenlinie stand, faktisch nur noch um ihre aktuelle Tabellenposition gehen. Zieht man nur die Rückrundentabelle in Betracht, wartet auf die über 29.000 Zuschauer trotzdem ein echtes Spitzenspiel. 1860 München belegt in dieser Rangliste den Relegationsplatz, Dynamo lauert mit zwei Punkten weniger auf Platz sechs. Die spannende Frage wird also sein, ob am Ende die Münchner Löwen mit einem Sieg im Gepäck nach Hause fahren oder die Dresdner Löwen für einen neuen Jubelrausch an der Lennéstraße sorgen?

Schiedsrichter der Partie wird Knut Kircher aus Rottenburg sein. Anpfiff ist um 18 Uhr, die Stadiontore öffnen wie immer zwei Stunden vor dem Spiel. Das Stadion ist ausverkauft, aus München werden etwa 800 Löwen-Fans erwartet.

Ohne Durchschlagskraft muss sich Dynamo den Löwen beugen

Benjamin Kirsten hielt Dynamo mit seiner Leistung lange im Spiel, doch einmal hatte auch er ein Nachsehen. Die Schwarz-Gelben kassieren in einer Partie mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten eine ärgerliche Niederlage gegen einen überlegenen Gegner, der eiskalt zuschlug. Benjamin Lauth konnte nach einem langen Ball in den Strafraum mit dem Kopf den entscheidenden Treffer erzielen und sicherte damit drei Punkte für die "Löwen".

Dynamo-Trainer Ralf Loose schickte vor dem Anpfiff bis auf eine Ausnahme die gleiche Elf auf den Platz, die eine Woche zuvor auch in Frankfurt die schwarz-gelben Farben vertreten durfte. Für Florian Jungwirth stand der Franzose Romain Brégerie wieder im Aufgebot. Bevor die Partie losging, sorgte der Vorsänger aus dem K-Block für die richtige Einstimmung und brachte das gesamte Stadion und sogar die Ersatzspieler der Schwarz-Gelben zum Hüpfen und Singen.

In den ersten Spielminuten hatte man als Zuschauer den Eindruck, dass beide Mannschaften zunächst mit Entspannung in die Partie gehen wollten, aber diese Sicht änderte sich schlagartig. Filip Trojan hatte nach zehn Minuten die erste gute Dynamo-Chance. Nach einer Ablage kam er im Strafraum frei zum Schuss, den Gabor Kiraly aber parieren konnte. Kurz darauf hatte Zlatko Dedic seine Gelegenheit, schlenzte den Ball aber aus 18 Metern nur wenige Zentimeter am Toreck vorbei. Neben vielen Offensivaktionen prägten auch viele Foulspiele die Partie. Sebastian Schuppan und Robert Koch kassierten dafür Gelbe Karten, später bekam auch noch Romain Brégerie nach einem taktischen Foul im Mittelfeld den Karton gezeigt. Der Franzose sorgte nach einer halben Stunde für die erste Schrecksekunde bei den 29.000 Dynamo-Fans. Mit der Hacke wollte er im Strafraum klären, was gründlich misslang. Seinen Querschläger nutze Benjamin Lauth aus, der den Ball glücklicherweise nicht voll traf. Die Kugel rollte quer zur Torlinie am Pfosten vorbei. Den Nachschuss der Münchner konnte Benjamin Kirsten mit einer tollen Parade zur Ecke lenken.

Auf der anderen Seite ließ sich auch Dynamo nicht lumpen. David Solga marschierte mit dem Ball durch das Mittelfeld und zog zentral vor dem Strafraum ab. Sein Ball wurde dabei abgefälscht und ging knapp am Tor vorbei. Die erste Halbzeit war ein offener Schlagabtausch mit teilweise hochkarätigen Chancen für beide Mannschaften. Kurz vor dem Halbzeitpfiff konnte Benjamin Kirsten sein Team vor dem Rückstand bewahren. Zunächst entschärfte er einen Schuss von Stefan Aigner aus der Distanz und lenkte das Leder mit den Fingerspitzen zur Ecke. Anschließend kratzte er mit einer Glanzparade einen Kopfball der Gäste von der Linie. So ging es torlos nach einer trotzdem unterhaltsamen ersten Hälfte in die Kabinen.

Sebastian Schuppan blieb gelb-rot gefährdet draußen, für ihn kam hinten links Muhamed Subasic zum Einsatz. Dynamo ließ sich bis zur ersten Chance auch nicht lange bitten. Zlatko Dedic war in den Strafraum des Gegners gerannt, ackerte unermüdlich um den Ball, fand aber keinen Mitspieler und probierte es deshalb allein. Sein Schuss aus spitzem Winkel wurde aber zur Ecke geklärt. Danach flaute die Partie ab und vom schwungvollen Fußball der ersten 45 Minuten war nicht mehr viel zu sehen. Chancen blieben Mangelware und als man das Gefühl bekam, dass alles auf torloses Remis hinauslaufen könnte, gingen die Münchner plötzlich in Führung. Ein langer Ball segelte in den Strafraum, wo Benjamin Lauth nur noch seinen Kopf hinhalten brauchte, um die Kugel am verdutzten Benjamin Kirsten vorbei in den Maschen zu legen. Ein Schock für die bis dahin begeisternde Kulisse auf den Rängen und die Mannschaft von Trainer Ralf Loose.

Der musste anschließend mit ansehen, wie Mittelfeldspieler Robert Koch nach einem Zusammenprall von Schiedsrichter Knut Kircher seine zweite Gelbe Karte kassierte und vom Platz geschickt wurde. Auch Filip Trojan und Pavel Fort erhielten in der hitzigen Schlussphase eine Verwarnung. Nun wurde jeder Ballkontakt der Gäste mit einem gellendem Pfeifkonzert begleitet, jeder Dynamo-Angriff dagegen frenetisch bejubelt. Leider blieben die Anfeuerungsrufe von den Rängen wirkunglos. Obwohl sich die Schwarz-Gelben in Unterzahl aufrappelten und noch einmal alles nach vorn warfen, gelang der Ausgleich leider nicht mehr. Aufgrund der fehlenden eigenen Durchschlagskraft in der zweiten Halbzeit und den besseren Chancen für die Gäste aus München stand am Ende dieser Partie eine knappe Niederlage zu Buche.