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28. Spieltag Alemannia Aachen - SG Dynamo Dresden

Schwarz-Gelbes Duell auf dem neuen Tivoli

Wir brauchen Eier“, meinte vor Jahren ein ehemaliger Nationaltorwart in Anbetracht der Leistungen seiner Mannschaft, für die es um die Meisterschaft ging und deshalb jeder Punkt wichtig war. Drei davon gibt es für Dynamo Dresden im Auswärtsspiel gegen Alemannia Aachen am Freitagabend zu gewinnen, um dem Klassenerhalt einen Schritt näher zu kommen. Die Schwarz-Gelben treffen am 28. Spieltag der 2. Bundesliga auf einen Gegner, der tief im Abstiegskampf steckt und sieben Endspiele vor sich hat. Die Aachener stehen mit dem Rücken zur Wand derzeit auf dem Relegationsplatz und brauchen unbedingt auch diese „Eier“, um sich aus ihrer bedrohlichen Lage zu befreien. Der Abstand zum ersten Nichtabstiegsplatz beträgt bereits sechs Punkte, von hinten droht Gefahr von Hansa Rostock und dem Karlsruher SC. „Wer sich die Tabelle anschaut, wird erkennen, dass wir mit einem Sieg in Aachen das Thema Klassenerhalt zu unseren Gunsten beeinflussen können“, sagt Dynamo-Trainer Ralf Loose. Er erwartet ein kampfstarkes und beherztes Spiel, das mit „harten Bandagen geführt wird.“

Mindestens eine Veränderung muss der Coach im Gegensatz zur Heimniederlage gegen 1860 München vornehmen. Mittelfeldspieler Robert Koch ist nach seiner Gelb-Roten Karte gesperrt und bleibt daheim. Für ihn rückt Maik Kegel in den Kader und steigt mit in das Flugzeug nach Düsseldorf, das am Donnerstagmorgen abheben wird. Von der Rheinmetropole fährt die Mannschaft weiter in die Kaiserstadt, wo das Abschlusstraining stattfinden wird. Erst danach möchte Ralf Loose entscheiden, wer die schwarz-gelben Farben in der Startelf vertreten darf. „Wir haben in dieser Woche einige Varianten probiert. Es gab im Training Licht und Schatten, deswegen warte ich wie immer ab und treffe erst nach der letzten Einheit eine Entscheidung.“ Damit schürt der 49-Jährige innerhalb des Teams den Konkurrenzkampf und hält sich die Option offen, eventuell auch andere Positionen auszutauschen. Der Coach durfte in dieser Woche auch zwei seiner Schützlinge wieder auf dem Trainingsgelände im Großen Garten begrüßen, die nach langwierigen Verletzungen aus der Rehabilitation zurückgekehrt sind. Wolfgang Hesl (Finger) und Marcel Heller (Sprunggelenk) absolvierten die ersten Einheiten ohne Probleme und ackern nun täglich mit ihren Mitspielern für ein baldiges Comeback im schwarz-gelben Dress. Mit Dennis Eilhoff und Marcel Franke fehlen Ralf Loose im Kader damit nur noch zwei Spieler, die verletzungsbedingt weiterhin ausfallen.

Der Coach beschreibt die Lage vor dem wichtigen Spiel in Aachen als „eine komfortable Ausgangsposition, die andere Vereine nicht haben." Allerdings erwartet er keinen Spaziergang am Tivoli, sondern eine schwierige Aufgabe. „Wir benötigen einen kühlen Kopf, Ruhe und Übersicht in unseren Offensivaktionen, um den Ball zu behaupten, damit die Hinterleute mit nach vorn rücken können. Wenn es uns gelingt, die sich bietenden Torchancen entschlossen zu verwandeln, können wir einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt gehen.“ Mit der gleichen Einstellung blickt auch Linksverteidiger Sebastian Schuppan auf die Partie: „Wir haben uns vorgenommen, die Zweikämpfe viel engagierter zu bestreiten. Es ist ein Spiel, das wir auf keinen Fall verlieren möchten. Die Alemannia wird uns das Leben schwer machen, deshalb dürfen wir sie nicht unterschätzen. Wenn wir konzentriert zu Werke gehen, nehmen wir auf jeden Fall was mit.“

Nach der kleinen Negativserie und drei Spielen ohne eigenen Treffer musste sich Dynamo-Trainer Ralf Loose als Psychologe beweisen. Mit speziellen Übungseinheiten arbeitete er besonders intensiv mit den Stürmern zusammen, die es zuletzt auf dem Rasen nicht leicht hatten, für den Trainer aber definitiv zu den Schlüsselspielern der Saison gehören. „Sie haben uns in diese gute Situation gebracht. Eine Durststrecke ist im Fußball auch nicht unnormal. Das Selbstvertrauen ist bei den Jungs da, der Konkurrenzkampf spornt sie zusätzlich an. Sie genießen mein vollstes Vertrauen und ich bin überzeugt, dass sie zu ihrer Torgefährlichkeit zurückfinden werden.“ Leichte Zweifel, ob die zuletzt wenig überzeugenden Leistungen mit nachlassender Kondition zu tun haben könnten, wischt Abwehrspieler Sebastian Schuppan konsequent zur Seite: „Wir haben bewiesen, dass wir bis zur 90. Minute Gas geben können, uns gegen Frankfurt und München aber nicht gewehrt.“ Genau das soll gegen Aachen besser werden, ohne übermotiviert ins offene Messer zu laufen. „Wir dürfen keine Hektik aufkommen lassen und müssen taktisch klug agieren, auch wenn es lange torlos bleibt. Mit diesem Ergebnis könnten wir am Ende eher leben als die Aachener.“

Trainer und Mannschaft freuen sich auf das erstmalige Gastspiel am neuen Tivoli. Im alten Stadion der Alemannia gab es für die Schwarz-Gelben in den zwei bisherigen Begegnungen nicht viel zu holen. Bitter war nicht nur die 1:5-Klatsche im ersten Zweitliga-Jahr, auch der zweite Auftritt im März 2006, damals steckte Dynamo tief im Tabellenkeller fest, ging mit 0:2 in die Hose. Die Gesamtbilanz spricht für die Gastgeber, die im Hinspiel entgegen der großen Erwartungen des Dynamo-Anhangs nach dem sensationellen Auswärtssieg in München einen Punkt aus Dresden entführen konnten. Pavel Fort gelang damals erst in der Nachspielzeit per Kopf der umjubelte Ausgleich. Eine besondere Angelegenheit wird es für Cristian Fiel, der zum ersten Mal nach seinem Wechsel an die Elbe als Spieler in die Kaiserstadt zurückkehrt, in der er mit der Alemannia von 2004 bis 2010 seine größten sportlichen Erfolge feierte und insgesamt 179 Spiele für die „Öcher“ absolvierte.

Diese Bezeichnung steht übrigens im Zusammenhang mit dem „Öcher Platt“, einem sprachlichen Dialekt, der vor allem von der älteren Generation in dieser Gegend noch heute gesprochen wird. Zu den größten Erfolgen der Alemannia zählt die Vize-Meisterschaft in der Bundesliga im Jahr 1969, das dreimalige Erreichen des DFB-Pokalfinales und 2004 der Einzug in den UEFA-Cup trotz einer Niederlage im Endspiel im Berliner Olympiastadion gegen den Deutschen Meister Werder Bremen. Der Aachener Turn- und Sportverein Alemannia, wie er eigentlich heißt, wurde 1900 gegründet und kann wie Dynamo Dresden auf vier Spielzeiten in der 1. Bundesliga verweisen (1967 bis 1970, 2006/2007). Seit Dezember 2009 ist die Alemannia außerdem Spitzenreiter in der ewigen Tabelle der 2. Bundesliga.

Die Partie wird um 18 Uhr angepfiffen, ab 16 Uhr öffnen die Stadiontore. Insgesamt werden 18.000 Zuschauer erwartet, aus Dresden ca. 1.500 Gästefans.

Weitere Spiele mit Dynamo-Beteiligung am Wochenende:

2. Mannschaft – Oberliga, 24. Spieltag
Sonntag, 31.03., 13:30 Uhr, Heinz-Steyer-Stadion, Pieschener Allee 1
Heimspiel gegen den FC Erzgebirge Aue 2.

A-Jugend – Regionalliga, 19. Spieltag
Sonnabend, 31.03., 13:00 Uhr, Sportpark Ostra - Platz 6, Pieschener Allee 21
Heimspiel gegen den 1. FC Neubrandenburg

B-Jugend – Bundesliga Nord-Ost, 20. Spieltag
Sonnabend, 31.03., 12:00 Uhr, Bodenbacher Straße 154
Heimspiel gegen Hertha BSC

Dank Dedic-Tor Klassenerhalt so gut wie sicher

Es war ein spannendes und kampfbetontes Spiel, in dem es für die Alemannia um sehr viel und für Dynamo darum ging, dem Klassenerhalt ein gewaltiges Stück entgegen zu gehen. Es war nicht unbedingt ein schönes Spiel, weil den Gastgebern nach vorn zwar das Bemühen anzumerken war, die Verunsicherung aber auch. Mit einem 1:0-Sieg, dem zehnten in der aktuellen Saison, gelang den Schwarz-Gelben aus Dresden der letzte und entscheidende Schritt in Richtung Klassenerhalt. Vor der Partie hatte Ralf Loose davor gewarnt, den Gastgebern ins offene Messer zu laufen. Diese Order setze seine Mannschaft klug und gewissenhaft über die gesamte Spieldauer um.

Dynamo-Trainer Ralf Loose musste im Mittelfeld auf den gesperrten Robert Koch verzichten, für ihn durfte Maik Kegel von Beginn an ran. Das Spiel begann mit einem Sturmlauf der Alemannia, der jedoch an der sicher stehenden Dynamo-Abwehr abprallte. Die Gastgeber konnten in den ersten Minuten wesentlich mehr Spielanteile verbuchen, daraus allerdings keinen entscheidenden Vorteil ziehen. Bei einem frühen Zweikampf im Strafraum warf sich Vujadin Savic mit vollem Einsatz in den Ball und prallte dabei mit Aachens Rechtsverteidiger Kim Falkenberg zusammen. Beide Spieler konnten zwar schnell aufstehen und weiterspielen, aber nach einer halben Stunde musste der Dynamo-Innenverteidiger mit einem schmerzenden Pferdekuss aufgeben. Für ihn rückte Florian Jungwirth in das Abwehrzentrum. Die erste Chance im Spiel hatte schließlich Dynamo. Zlatko Dedic wurde mit einem klugen Pass von Maik Kegel im Strafraum des Gegners freigespielt, allerdings war der Winkel dann doch zu spitz. Mit einer Direktabnahme beförderte der Slowene das Leder über das Tor. Im weiteren Verlauf versuchte die Alemannia wiederholt ihr Glück nach vorn, konnte aber Benjamin Kirsten im Dynamo-Tor kaum fordern. Die Schwarz-Gelben fanden dagegen zunehmend besser in die Partie und erspielten sich mit Konterfußball weitere Gelegenheiten, die allerdings nicht zum erhofften Tor führten. So ging es zunächst torlos in die Halbzeitpause.

Ohne Wechsel kamen beide Teams zurück auf den Rasen. Doch den 18.572 Zuschauern bot sich ein ähnliches Bild wie in der ersten Hälfte. Die Gastgeber bliesen zum Angriff, ohne Benjamin Kirsten entscheidend in Verlegenheit zu bringen. Nur einmal stockte den mitgereisten Dynamo-Fans der Atem, als ihr Keeper den Ball nach einem harten Schuss abprallen lassen musste und Benjamin Auer plötzlich frei zum Torschuss kam. Doch der Kapitän der "Öcher" spitzelte den Ball knapp am Tor vorbei. Auf der anderen Seite machten es die Dresdner nach einer Stunde Spielzeit dann besser. Zlatko Dedic kam unbedrängt zum Abschluss und zwang Aachen-Schlussmann Boy Waterman zur Glanzparade. Der abgewehrte Ball landete vor den Füßen von Filip Trojan, der zurück auf Zlatko Dedic flankte. Dieser nickte die Kugel über den herausstürzenden Torwart in den Kasten, markierte so seinen elften Saisontreffer und sorgte im Gästeblock für einen wahren Jubelschrei.

Nun agierte die Alemannia mit wütenden Angriffen und die Dynamo-Abwehr hatte Schwerstarbeit zu verrichten. Mit Glück und Geschick zog man den Gastgebern den letzten Zahn, allerdings blieben eigene Entlastungsangriffe aus. So mussten die Schwarz-Gelben bis zur letzten Minute zittern, während die Aachener mit dem Mut der Verzweiflung alles nach vorn warfen. Es reichte aber nicht mehr zum Ausgleich. Dynamo sichert sich durch eine souveräne und taktisch kluge Leistung drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt, der zwar rechnerisch noch nicht sicher, aber ein riesengroßes Stück näher gekommen ist.