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29. Spieltag SG Dynamo Dresden - Eintracht Braunschweig

Ralf Loose: "Uns wird alles abverlangt"

“Frohe Ostern“ werfen sich die Menschen rund um die christlichen Feiertage zu, die wir an diesem Wochenende begehen. Dynamo-Fans ergänzen diesen Gruß unweigerlich mit dem Wunsch, drei weitere „Eier“ nach dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig auf dem Punktekonto der Sportgemeinschaft vorfinden zu können. Am Sonnabend treffen die Spieler im Trikot mit dem weißen D auf weinrotem Grund auf den Mitaufsteiger der Vorsaison. Es ist mittlerweile schon die sechste Begegnung der beiden Vereine an der Lennéstraße. Noch nie hat Dynamo zuhause gegen die Niedersachsen verloren. Im ersten Aufeinandertreffen gab es im November 2003 durch ein Tor von „Neubi“ einen 1:0-Sieg für die Einheimischen. Kurios: Die anderen fünf Duelle endeten jeweils mit einem 1:1-Unentschieden. Beim letzten Mal erzielte Leihspieler Dani Schahin im Januar 2011 per Foulelfmeter die späte Führung für die Schwarz-Gelben, bevor die Braunschweiger wenig später doch noch den Ausgleich bejubeln durften. Als Freunde einer friedlichen Punkteteilung erwiesen sich die Gäste bisher auch in dieser Saison. In ihren letzten zehn Begegnungen holten sie acht Mal einen Punkt, verloren und gewannen jeweils eine Partie. Neben Aachen und Düsseldorf führen die Niedersachsen mit zwölf Unentschieden diese Rangliste an.

Während Braunschweig in der vergangenen Saison souverän und ungefährdet in Richtung 2. Bundesliga marschierte, gelang Dynamo der Sprung nach oben erst in einem mitreißenden Herzschlagfinale gegen den VfL Osnabrück. Nun treffen zwei Tabellennachbarn aufeinander und mit einem Sieg mit mindestens drei Toren Differenz könnten die Schwarz-Gelben an ihrem Kontrahenten in der Tabelle vorbeiziehen. Das Hinspiel entschieden die Schützlinge von Trainer Ralf Loose etwas überraschend mit 2:0 für sich. Im Oktober 2011 traf Robert Koch doppelt in die Maschen. Der Mittelfeldspieler kehrt nach seiner Sperre zurück auf den Rasen. Maik Kegel, der in Aachen in der Startelf stand, rückt zunächst wieder in die zweite Reihe. Nach seiner Fingerverletzung kehrt auch Torwart Wolfgang Hesl zurück in den Kader. Dort darf auch Sascha Pfeffer Platz nehmen, der Clemens Walch ersetzt. Der vom 1. FC Kaiserslautern ausgeliehene Rechtsaußen klagte im Training über leichte Knieprobleme und fällt deshalb für das Aufsteiger-Duell aus. Auf Experimente will sich der Coach jedoch nicht einlassen, vermittelt seinen Kickern aber eine klare Botschaft: „Auf dem Platz wird immer die Mannschaft stehen, die gesund ist und es sich verdient hat. Durch die englische Woche sind wir jetzt aber auch auf andere Spieler angewiesen. Wir haben kurzfristig einige Ausfälle zu beklagen und da kann es bis zum Ende der Saison schnell passieren, dass einer in die Mannschaft rückt, der sonst immer hinten dran war.“

Während die Journalisten vor der Pressekonferenz beim Blick auf die Tabelle der 2. Bundesliga eifrig darüber diskutierten, ob es in Sachen Abstieg für Dynamo nochmal spannend werden könnte, dabei sämtliche Wahrscheinlichkeiten und Ansetzungen ins Kalkül einbezogen, wollte sich auch der Dynamo-Trainer noch nicht festlegen. „Theoretisch ist noch alles möglich. In Aachen haben wir einen wichtigen Schritt zum Klassenerhalt gemacht. Die Ergebnisse in den anderen Partien zeigen aber, dass es immer wieder Überraschungen geben kann“, warnt Ralf Loose davor, sich bereits neue Ziele zu setzen. „Rein rechnerisch sollten wir abwarten, bis wir wirklich befreit aufspielen können. Dann wird sich auch zeigen, ob das positiv für uns ist. Wir befinden uns in einer guten Situation und ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft verhalten wird.“ Die Befürchtung, dass die Luft sechs Spieltage vor Schluss schon raus ist, widerlegt Kapitän Cristian Fiel, der nach einer Erkältung und zwei Tagen Trainingspause wieder an Bord ist: „Wir haben den Klassenerhalt in meinen Augen in der Tasche, aber der Urlaub beginnt für uns jetzt noch nicht. Es gibt noch Prämien zu verdienen, also reicht die reine Anwesenheit nicht aus, um die nächsten Spiele anzugehen.“

Mit Eintracht Braunschweig kommt ein starker Gegner in die sächsische Landeshauptstadt. „Sie können eine gute Bilanz vorweisen, haben bisher nur sieben Niederlagen kassiert. Uns wird in diesem Spiel alles abverlangt“, schätzt Ralf Loose ein. „Die Gäste haben erfahrene Spieler im Aufgebot, sind als Mannschaft lange zusammen und auf der Trainerposition herrscht Kontinuität. Das wird ein hartes Stück Arbeit.“ Deshalb will sich der 49-Jährige auch nicht nach oben orientieren, um wie die Dynamo-Fans davon zu träumen, bester Aufsteiger zu werden oder gar nach 17 Jahren die „ostdeutsche Meisterschaft“ mal wieder nach Elbflorenz zu holen. Für ihn ist die Eintracht als Verein einen Schritt voraus, weil sie über eine bessere finanzielle Basis verfügen. Dieses Lob hat der Coach der Schwarz-Gelben auch für Union Berlin parat, die er als wesentlich stärker einschätzt. „Es spricht für uns und die wahnsinnige Entwicklung in Dresden, dass wir mit diesen Mannschaften in der Tabelle fast auf Augenhöhe stehen.“ Mit Selbstbewusstsein und Entschlossenheit wollen der Trainer und die Mannschaft in das Spiel gegen Mitaufsteiger Braunschweig gehen, um durch guten Offensivfußball die Fans zu begeistern. „Sie sorgen auf ihre Art und Weise erneut für ein volles Haus. Und mir geht es darum, nicht immer auf das nackte Resultat zu schauen. Wir müssen die Spielqualität entwickeln, dann werden die guten Ergebnisse von allein kommen.“

Die Partie wird um 13 Uhr von Schiedsrichter Tobias Christ aus Münchweiler angepfiffen. Die Stadiontore öffnen um 11 Uhr. Die Tageskassen bleiben geschlossen, das Stadionmagazin „Kreisel“ und Aufwertungskarten sind jedoch erhältlich. Aus Braunschweig reisen ca. 1.000 Fans mit nach Dresden. Der Verein bittet alle Besucher, sich frühzeitig auf den Weg ins Stadion zu begeben, um einen reibungslosen Ablauf am Einlass aufgrund des hohen Zuschaueraufkommens zu gewährleisten.

Poté sichert mit Doppelpack einen Punkt

Ein 2:2 stand am Ende auf der Anzeigetafel. Friedlich und absolut verdient teilen sich die Aufsteiger Dynamo Dresden und Eintracht Braunschweig die Punkte und setzen damit die unglaubliche Serie in diesem Duell in der sächsischen Landeshauptstadt fort. Im siebten Spiel in Elbflorenz trennen sich beide Mannschaften zum sechsten Mal in Folge unentschieden. Dynamo-Trainer Ralf Loose ließ Kapitän Cristian Fiel zunächst auf der Bank und gab dem Griechen Giannis Papadopoulos eine Einsatzchance. Robert Koch kehrte nach seiner Sperre ebenso in die Anfangself zurück. Die defensivstarken Braunschweiger zeigten sich in den ersten Minuten offensiv und hatten durch Norman Theuerkauf die erste Chance. Benjamin Kirsten konnte den platzierten Schuss zur Ecke lenken. Im weiteren Verlauf der Partie ließen sich die Schwarz-Gelben dann von der heißen Stimmung im Rund inspirieren und sorgten mit sehenswerten Angriffen für Belebung auf dem Rasen.

Zunächst verpasste Vujadin Savic nach einer Ecke per Kopf knapp das Gehäuse von Daniel Davari, kurz darauf probierte es Giannis Papadopoulos aus der Distanz ebenso erfolglos. Nach zwanzig Minuten setzte Robert Koch das nächste Achtungszeichen, als er gefühlvoll den Ball von rechts aus spitzem Winkel leider nur auf die Lattenoberkante hob. Zwei Minuten später tobte das Stadion dann aber schon. Mickael Poté konnte nach langer Durststrecke endlich wieder einen Treffer erzielen. Passend zu Ostern hatte er sich ein echtes Highlight für die Fans ausgesucht. Ein abgeprallter Ball flog im Strafraum durch die Luft und der Stürmer ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen, um zum Fallrückzieher anzusetzen. Punktgenau traf er die Kugel und legte sie sensationall und traumhaft mit seinem rechten Fuß ins Tor.

Doch lange durften sich die Dresdner nicht über die Führung freuen, denn Braunschweig spielte weiter offensiv nach vorn und kam nach etwas mehr als einer halben Stunde auch zum bis dahin verdienten Ausgleich. Damir Vrancic stand am Strafraum zentral frei, tanzte noch seinen Gegenspieler aus, um den Ball mit links schließlich ins untere Toreck zu befördern. Benjamin Kirsten hatte keine Chance. Danach wurde das Spiel etwas härter, Cheikh Gueye und Filip Trojan kassierten jeweils eine Gelbe Karte. Für den Tschechen war es die fünfte Verwarnung der Saison, er fehlt damit im nächsten Spiel gegen Karlsruhe am Mittwoch. Mit einem 1:1, dem eigentlichen Standardergebnis im Duell Dynamo gegen Braunschweig in Dresden, ging es in die Kabine.

Nach der Pause plätscherte das Spiel erst einmal dahin, denn auf beiden Seiten fehlte es an klaren Tormöglichkeiten und der letzten Konsequenz im Angriff. Fast zwanzig Minuten passierte auf dem Rasen keine nennenswerte Aktion, doch dann schlugen die Gäste eiskalt zu. Nach einem leichten Ballverlust der Schwarz-Gelben an der gegnerischen Strafraumgrenze konterte die Eintracht und wurde durch David Solga per Foul gestoppt. Der fällige Freistoß landete bei Dominik Kumbela auf dem Kopf und danach im Kasten von Benjamin Kirsten. Im Gegenzug verpasste Robert Koch aus Nahdistanz den direkten Ausgleich. Trotzdem durften sich die Braunschweiger Fans nur wenige Minuten über die Führung ihrer Mannschaft freuen. Mickael Poté kam im Strafraum an den Ball, musste sich nochmal um seinen Gegenspieler drehen und schickte die Kugel schließlich mit Gewalt direkt in die Maschen.

Im Anschluss an den Ausgleich mobilisierten beide Teams ihre letzten Kräfte, wollten sich nicht mit einem Punkt zufrieden geben. Ralf Loose hatte schon vor dem zweiten Dynamo-Tor Cristian Fiel und Maik Kegel gebracht. Der Youngster zeigte bei seinem Kurzeinsatz seine ganze Klasse, spielte auf rechts Mickael Poté schön frei, der flach nach innen flankte und Filip Trojan die Möglichkeit gab, aus der Distanz nochmal auf das Tor zu schießen. Obwohl die Partie bis zum Ende spannend blieb, beide Mannschaften ambitioniert offensiv agierten, blieb es nach 90 Minuten und einer Minute Nachspielzeit beim 2:2.