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32. Spieltag FC Erzgebirge Aue - SG Dynamo Dresden

Ralf Loose: "Wir leisten keine Schützenhilfe."

Mit klaren Worten läutete Dynamo-Trainer Ralf Loose die abschließende Vorbereitung auf das anstehende Sachsenduell zwischen den Schwarz-Gelben beim FC Erzgebirge Aue ein. Die Sportgemeinschaft hat sportlich und wirtschaftlich die Voraussetzungen geschaffen hat, mindestens ein weiteres Jahr in der 2. Bundesliga zu verbringen, die „Veilchen“ allerdings müssen mächtig zittern. Nachdem es für die Mannschaft von Trainer Karsten Baumann im März in sechs Punktspielen nur eine Niederlage gab und der Abstand auf die Abstiegszone komfortabel schien, sieht die lila-weiße Fußballwelt nach zuletzt drei Niederlagen anders aus. Von unten haben sich die Kellerkinder der Tabelle herangekämpft und lediglich vier Punkte trennen Aue noch vom Relegationsplatz. Deshalb steckt in der ohnehin schon reizvollen Begegnung der zwei sächsischen Zweitligisten doppelte Brisanz, denn mit einem Auswärtssieg der Schwarz-Gelben würde man die Gastgeber tiefer in den Abstiegskampf drücken. Allerdings spricht die Bilanz nicht unbedingt für Dynamo. Von fünf Begegnungen in der 2. Bundesliga gewannen die „Veilchen“ vier, nur einmal durften die Dresdner über drei Punkte jubeln. Und auch sonst erwies sich das Erzgebirgsstadion seit dem Abstieg aus der Bundesliga vor siebzehn Jahren nicht als erfolgreiches Pflaster für die Kicker aus der Landeshauptstadt. Die Erinnerungen an das letzte Aufeinandertreffen im November, als die Dynamo-Fans mit einer sensationellen Choreographie aufwarten konnten, dürften noch in den Köpfen der Spieler stecken, die kurz vor Abpfiff das bittere zweite Gegentor kassierten und verloren.

Mit voller Kapelle und einer gehörigen Portion Motivation will deshalb auch Dynamo-Trainer Ralf Loose in Aue antreten. Im Gegensatz zum erfolgreichen Spiel gegen Fortuna Düsseldorf wird es keine Wechsel im Kader der Schwarz-Gelben geben. „Ich habe keinen Grund, etwas zu ändern“, sagt der 49-Jährige erfreut über die personelle Situation im Team. Er erwartet in Aue ein schwieriges Spiel. „Unser Gegner wird mit allen Mitteln um die Punkte kämpfen und sehr körperbetont spielen. Wir müssen in den Zweikämpfen bestehen, um zu gewinnen und selbst die Offensive suchen.“ Allerdings hat der Coach auch Respekt und will seine Schützlinge auf die Stärken der „Veilchen“ einstellen. Mit einer Videoanalyse hat er insbesondere die gegnerischen Schlüsselspieler unter die Lupe nehmen lassen. Einer davon ist Ronny König, der mit acht Treffern als bester Schütze der Erzgebirgler im Angriff mit viel Robustheit auftritt und nur schwer zu verteidigen ist. „Ich habe in unserer Kabine gefragt, wer sich mit dem Schachspiel auskennt“, verriet Ralf Loose mit einem verschmitzten Lächeln, um auch gleich den Zusammenhang zum anstehenden Punktspiel aufzulösen. „Wir haben zwar im Team keine Schach-Spieler, aber wer sich damit auskennt, wird wissen, wie man einen König matt setzt.“

Obwohl die historisch gewachsene Rivalität zwischen Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue die Duelle beider Mannschaften vor allem für die Anhänger zu Saisonhöhepunkten macht, geht der Trainer der Schwarz-Gelben ohne Emotionen in die Begegnung. „Es ist ein Spiel wie jedes andere, das wir unbedingt gewinnen wollen. Aue hat das Hinspiel etwas glücklich für sich entschieden, nun müssen wir unsere Anhänger zufriedenstellen und das geht nur mit einem Sieg.“ Im Vergleich der Saisondaten bewegen sich beide Mannschaften in der Defensive auf dem gleichen Level. Aue hat ein Tor mehr als Dresden kassiert (51:50), steht dafür aber offensiv weit zurück (27:47). Für Torgefahr soll bei den Gastgebern Ex-Dynamo Halil Savran sorgen, der von 2008 bis 2010 an der Elbe kickte und nach seinem Intermezzo bei Union Berlin in der Winterpause ins Erzgebirge wechselte. Neben ihm steht mit Marc Hensel auch ein zweiter ehemaliger Dresdner für die „Veilchen“ auf dem Platz. In der letzten Saison schoss sich der Mittelfeldspieler noch als „Pistolero“ durch die 2. Bundesliga und verhalf den Lila-Weißen zum sportlichen Höhenflug, in dieser Saison blieb der 26-Jährige noch torlos.

Das Duell der beiden sächsischen Vereine wird am Sonnabend um 13 Uhr angepfiffen. Die Partie steht unter der Leitung von Günter Perl aus Pullach. Die Stadiontore öffnen um 11 Uhr, bisher wurden 11.000 Karten verkauft, davon 2.700 für den schwarz-gelben Gästeblock.

Gerechte Punkteteilung im Duell der sächsischen Zweitligisten

Bestes Fußballwetter lag über dem Lößnitztal und für ein spannendes Duell der zwei sächsischen Zweitligisten war alles angerichtet. Das beschauliche Erzgebirgsstadion war würdig voll besetzt. Die Vorzeichen für beide Mannschaften konnten unterschiedlich nicht sein. Dynamo reiste mit dem sicheren Klassenerhalt an, die "Veilchen" dagegen waren zum Siegen verdammt, denn der Abstand nach unten war alles andere als beruhigend.

Nach etwas mehr als einer Viertelstunde durften die Heimfans jubeln. Nach einem Pass von Ronny König, der in abseitsverdächtiger Position den Ball auf seinen Nebenmann Florian Müller ablegte, konnte der Rechtsverteidiger der Gastgeber mit einem platzierten Rechtsschuss in die linke untere Ecke Dynamo-Torwart Benjamin Kirsten überwinden. Mit dem Halbzeitpfiff fiel wie aus dem Nichts der Ausgleich für die Schwarz-Gelben. Nach einem Freistoß aus zentraler Position flog der Ball in hohem Bogen in den Strafraum und Linksverteidiger Sebastian Schuppan stand fünf Meter vor dem Tor goldrichtig, um per Kopf den Ball über die Linie zu drücken.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wechselten beide Trainer ihr Personal. Auf Dynamo-Seite kam für den gelbverwarnten Giannis Papadopoulos Cristian Fiel in die Partie. Erst nach einer Stunde Spielzeit nahm das Duell richtig Fahrt auf und es entwickelte sich ein spannender Schlagabtausch. Innerhalb einer Minute verbuchten beide Teams ihre jeweils größte Gelegenheit im zweiten Durchgang. Zunächst war es Mickael Poté, der für die Schwarz-Gelben nur den rechten Pfosten traf, nachdem er von Robert Koch mit einem Steilpass schön freigespielt wurde. Auf der Gegenseite blieben den 3.000 Dynamo-Fans im Stadion fast die Schlachtgesänge im Hals stecken, als Ronny König plötzlich ganz allein vor Benjamin Kirsten auf das Tor zulief. Doch irgendwie schaffte es der "Veilchen"-Stürmer, den Ball über das Tor zu schießen.

Obwohl Dynamo Dresden über mehr Ballbesitz verfügte, wirkten die Gastgeber wesentlich dominanter und gefährlicher, nutzten zum Glück aber ihre Chancen nicht. Am Ende fehlte ihnen die Kraft und auch die Schwarz-Gelben konnten trotz frischer Offensivkräfte nach vorn ebenfalls keine Akzente mehr setzen, um vielleicht doch noch den Auswärtssieg einzufahren. Deshalb blieb es am Ende beim verdienten Unentschieden, mit dem Dynamo sicherlich besser leben kann als die "Veilchen".