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2. Runde Borussia Dortmund - SG Dynamo Dresden

Ralf Loose: „Uns erwartet eine phantastische Atmosphäre“

Die SG Dynamo Dresden trifft in der 2. Runde des DFB-Pokals auf den Deutschen Meister Borussia Dortmund. Topmodel Sara Nuru hatte bei der Auslosung am 6. August 2011 die Kugeln der schwarz-gelben Traditionsvereine aus der Trommel gefischt. Schon seit Wochen elektrisiert das Duell die Fans! Der Gästebereich ist seit langer Zeit ausverkauft. Mindestens 8.900 Dynamo-Fans werden ihrer Mannschaft die Daumen drücken. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl derjenigen, die mit den Sachsen sympathisieren, noch höher sein dürfte. Die Dortmunder erwarten insgesamt über 70.000 Zuschauer.

Seit 16 Jahren tritt erstmals wieder eine Dynamo-Elf im größten deutschen Fußballstadion an. Viermal durften die Dresdner zu Bundesligazeiten bereits im Westfalenstadion antreten. Jedes Mal blieben sie dabei ohne Punkte und eigenen Treffer (0:13 Tore). Unvergessen ist die Partie vom 1. September 1993, als der damalige Schiedsrichter Schmidt fünf Platzverweise vergab – bis heute Bundesliga-Rekord. Die Gastgeber kassierten eine Rote und Gelb-Rote Karte, auf Dresdner Seite mussten drei Spieler vorzeitig duschen gehen (1 x Rot, 2 x Gelb-Rot). In den bisher acht Pflichtspielen gegeneinander gewann die Borussia fünfmal, Dynamo nur zweimal. Dafür aber gleich beide Male zuhause mit 3:0. Einmal trennte man sich unentschieden. Das letzte Aufeinandertreffen gab es im Juli 2010 im Rahmen der Saisonvorbereitung. Den freundschaftlichen Vergleich gewannen die Westfalen in Dresden mit 2:1.

Nach dem sensationellen Einzug in die zweite Pokalrunde wollen Trainer und Mannschaft mit einer positiven Einstellung in Dortmund auftreten. „Wir haben nichts zu verlieren. Uns erwartet eine phantastische Atmosphäre unter Flutlicht vor einer Kulisse, die keiner meiner Jungs jemals vergessen wird“, frohlockt Ralf Loose vor der Partie in seiner Heimatstadt, ohne die Bedeutung der Begegnung zu unterschätzen. „Jeder Spieler weiß, dass wir die Farben von Dynamo Dresden vertreten. Wir haben eine unglaubliche Hürde genommen, die zweite wird wesentlich schwieriger“, schätzt der Coach ein. Er unterstreicht damit, trotz der klar verteilten Rollen den Favoriten ein wenig ärgern zu wollen. „Es steht außer Frage, dass wir versuchen, den Spielfluss des Gegners zu unterbinden. Deshalb sind wir gut beraten, hochkonzentriert in die Partie zu gehen.“ Die Mannschaft soll nach Meinung des Trainers die richtige Mischung finden, um einerseits befreit aufzuspielen, sich andererseits sportlich gut zu verkaufen. Wer für Dynamo in der Startelf steht, will Ralf Loose erst kurz vor dem Spiel entscheiden. „Wir hatten eine kurze Regenerationsphase, deshalb beobachte ich im Training ganz genau, wer sich in welcher Form präsentiert.“

Per Flugzeug geht’s für die Schwarz-Gelben schon am Vorabend ins Revier. An Bord mit dabei sind alle Pokalhelden, allen voran Alexander Schnetzler, dem der vielumjubelte Siegtreffer gegen den Vizemeister aus Leverkusen gelang. Wie viele Dynamo-Fans hofft auch Mittelfeldspieler David Solga auf ein zweites Wunder: „Wir sind zwar krasser Außenseiter, aber im Fußball ist alles möglich. Und es heißt ja, dass aller guten Dinge drei sind. Vielleicht gelingt uns nach den Siegen in München und Braunschweig jetzt der dritte Streich.“ Der 29-Jährige ist wie Ralf Loose in Dortmund geboren und spielte lange Zeit in der 2. Mannschaft des BVB.

Beide Vereine konnten im Punktspielbetrieb am vergangenen Sonnabend ein Ausrufezeichen setzen. Meister Dortmund schickte lustlose Kölner mit einer 5:0-Packung wieder nach Hause, während Dynamo sich bei der überlegenen Eintracht in Braunschweig einen wichtigen 2:0-Sieg erkämpfte. Die kurze Regenerationsphase sieht Ralf Loose nicht als Problem an und verweist darauf, dass der Gegner auch nur zwei Tage für die Vorbereitung Zeit hatte. „Meine Spieler brennen auf diese Partie. Die Beine werden deshalb vermutlich nicht ganz so schwer“, glaubt er an die läuferischen Qualitäten seiner Schützlinge.

Die Euphorie um das Pokalspiel kennt zumindest auf Dresdner Seite keine Grenzen. Der nicht ganz ernst gemeinte Traum vom Europapokal hat zumindest dafür gesorgt, dass für die Fans ein grandioser Abend bevorsteht, ganz egal, welches Ergebnis am Ende auf der Anzeigetafel erscheint. Anstoß der Partie wird um 20:30 Uhr sein. Die Stadiontore öffnen zwei Stunden früher. Das Kontingent für den Gästebereich ist komplett ausverkauft. Schiedsrichter der Partie ist Peter Gagelmann aus Bremen. Das letzte Spiel unter seiner Leitung gewann Dynamo mit 4:0 gegen Union Berlin.

Meister zeigt Dynamo die Grenzen auf

Die Kulisse war prächtig und angerichtet für einen tollen und aufregenden Pokalabend. Dynamo beim Deutschen Meister Borussia Dortmund – für viele Dynamo-Fans war das schon vorher ein absolutes Highlight. Dementsprechend groß waren die Hoffnungen auf eine erneute Pokal-Überraschung.

Trainer Ralf Loose hatte wieder einmal mit seiner Aufstellung für eine Überraschung gesorgt. Auf der linken Abwehrseite kam Alexander Schnetzler zu seinem zweiten Einsatz im Dynamo-Trikot, der erste seit dem Pokaltriumph gegen Leverkusen Ende Juli. Für ihn musste Muhamed Subasic auf der Bank Platz nehmen. Martin Stoll verstärkte zusätzlich wie schon in München die Fünfer-Abwehrreihe. In den ersten Minuten der Partie gelang es Dynamo, mit einer kompakten Abwehr den Spielaufbau der Gastgeber früh zu stören. Mickael Poté hatte in der Anfangsphase sogar die Gelegenheit für einen Torschuss. Die ersten Torversuche der Borussen wurden allesamt von Wolfgang Hesl pariert oder gingen weit über sein Gehäuse. Der Keeper konnte nach einer halben Stunde einen strammen Schuss von Sven Bender mit den Fingerspitzen zur Ecke klären. Die kam anschließend von Mario Götze getreten in den Dynamo-Strafraum geflogen. Robert Lewandowski schraubte sich am höchsten und nickte die Kugel mit Wucht in die Maschen. 1:0 für den Favoriten. Der Traum von einem erneuten Pokalerfolg platze in diesem Moment wie eine Seifenblase. Dynamo gelang es danach trotzdem, bis zur Pause in der Abwehr sicher zu stehen und keinen zweiten Gegentreffer zu kassieren.

Nach Wiederanpfiff agierten beide Teams zunächst verhalten, bis der BVB wieder aufdrehte und sich einige gute Chancen herausspielen konnte. Dynamo selbst ließ in dieser Phase den Offensivdrang vermissen. Etwas mehr als eine Stunde war gespielt, als Sven Bender mit einem Pass auf Mario Götze erneut glänzte. Der Jungstar der Westfalen hatte aus halbrechter Position im Strafraum die Chance zum 2:0 und nutze die Gelegenheit eiskalt. Das zweite Gegentor sorgte nicht nur bei den Dynamo-Spielern für Ernüchterung. Mit einem kleinen Zwischenspurt hatte der Deutsche Meister die Vorentscheidung herbeigeführt. Die Elf von Ralf Loose kam erst im Anschluss wieder öfter in die Hälfte der Gastgeber und hatte durch den eingewechselten Zlatko Dedic die eine oder andere Möglichkeit für den Anschlusstreffer. In der Schlussphase ging zudem ein Freistoß von David Solga knapp am linken Dreiangel vorbei.

Letztendlich reichte es für Dynamo im Westfalenstadion erneut nicht zum Torerfolg gegen die erste Mannschaft von Borussia Dortmund. Im fünften Spiel setzte es die fünfte Niederlage (0:15 Tore). Mit einer würdigen Leistung verdiente sich der BVB den Sieg und die nächste Pokalrunde. Dynamo konnte trotz der permanenten Unterlegenheit allerdings als "Weißes Ballett" einen couragierten Auftritt auf das das grüne Rasenparkett hinlegen und verabschiedet sich zumindest für diese Saison vom DFB-Pokal. Nun gilt die volle Konzentration auf das anstehende Ligaspiel am Sonnabend gegen den Karlsruher SC.