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8. Spieltag FC Ingolstadt 04 - SG Dynamo Dresden

„Die 2. Liga ist keine Spaßveranstaltung“

Pünktlich um 11:30 Uhr am Donnerstagmorgen begab sich der 19-köpfige Kader plus Trainer- und Betreuerstab mit dem Mannschaftsbus auf die Reise zum nächsten Auswärtsspiel nach Oberbayern. Wo das Team von Trainer Ralf Loose am Freitagabend, ab 18 Uhr, im direkten Duell im Kampf um den Klassenerhalt auf den FC Ingolstadt trifft.  

Ralf Loose blickte am Tag vor Dynamos achtem Zweitliga-Spiel zunächst noch einmal auf die Partie gegen den VfL Bochum am vergangenen Montagabend zurück und hob dabei einzelne Spieler bewusst heraus: „Maik Kegel hat ein gutes erstes Zweitliga-Spiel von Anfang an gemacht, bei ihm sehe ich aber ganz klar noch Steigerungspotential. Florian Jungwirth hat sich mit seiner gezeigten Leistung ebenso empfohlen.“ Doppeltorschütze und Matchwinner des vergangenen Spiels Muhamed Subasic war nach seinem ersten Spiel verständlicherweise überglücklich. „Er kann den momentanen Hype um seine Person gut verkraften, denn er ist ein geerdeter und sachlicher Typ. Aber ich habe ihm bewusst unter der Woche nicht zu oft auf die Schulter geklopft“, ergänzte der Cheftrainer mit einem Schmunzeln im Gesicht.

„Never change a wining team“, sagte Loose auf der Pressekonferenz vor der Abreise und verriet so gewollt, dass er auch gegen Ingolstadt von Anfang auf die siegreiche Elf vom Bochum-Spiel setzt. „Ich habe keinen Grund etwas zu ändern, auch wenn ich natürlich sehr froh darüber bin, dass ich im Falle eines Falles sehr gute Alternativen auf der Bank sitzen habe“, erklärte Dynamos Coach die neue Konkurrenzsituation um die begehrten Stammplätze in seinem Team. Ob Marcel Heller auf der Bank Platz nehmen kann, ist hingegen noch nicht abschließend geklärt. Der Ex-Frankfurter plagt sich nach einem Zusammenprall im Training mit einer Knieprellung herum. Erst am Freitagmorgen wird nach Rücksprache mit der medizinischen Abteilung über die Einsatzfähigkeit des 25-Jährigen entschieden. Als eventueller Heller-Ersatz auf der Auswechselbank durfte Sascha Pfeffer kurzfristig als 19. Spieler mit in den Bus steigen.

Wie immer wurde der kommende Gegner vorher eingehend vom Trainerteam unter die Lupe genommen. „Die Ingolstädter haben beim letzten Heimspiel gegen Rostock ihre Heimstärke einmal mehr unter Beweis gestellt. Sie haben sehr gut gespielt und verdient gewonnen. Das wird ein hartes Kampfspiel. Wir müssen in der Defensive sehr gut und konzentriert verteidigen und vor dem Tor unbedingt die Ruhe bewahren“, fasste Loose seine Erkenntnisse zusammen und warnte sein Team nochmals explizit vor der kommenden Aufgabe: „Jeder meiner Spieler muss wissen, dass die 2. Liga keine Spaßveranstaltung ist!“

Neben Loose nahm Dynamos neue Sturm-Hoffnung Zlatko Dedic auf der Pressekonferenz Platz. Der slowenische Nationalspieler berichtete den anwesenden Medienvertretern wie er sich inzwischen bei seinem neuen Verein eingelebt hat: „Ich bin toll aufgenommen worden und fühle mich sehr wohl in Dresden. Ich verstehe mich sehr gut mit der Mannschaft. Die Jungs sind einfach klasse und natürlich war der Sieg gegen Bochum sehr wichtig für das Selbstvertrauen des gesamten Teams!“ Dynamos Cheftrainer wünscht seinem neuen Schützling nur das Beste: „Ich hoffe dass er hier bei uns sein Glück findet, dass er Spaß am Spiel hat, Tore erzielt und sich fürs Nationalteam empfehlen kann. Wir brauchen erfahrene Spieler wie Zlatko, die auch schon international gespielt haben und wissen, wie man auf und neben dem Platz als Vorbild voran geht.“ Der 26-Jährige hat sich einiges für seine Zeit im Dynamo-Trikot vorgenommen, dies konnte man schon bei seinem ersten Einsatz für die SGD erkennen. Dass es ihm dabei nicht vordergründig um sich selbst geht, nimmt man dem sympathischen Slowenen ab: „Natürlich würde ich gerne gegen Ingolstadt mein erstes Tor für Dynamo erzielen, aber zuerst gilt es, als Mannschaft erfolgreich zu sein. Wir müssen am Freitag gewinnen und im Idealfall drei Punkte mitnehmen. Das ist das Wichtigste und nur das zählt für mich.“

Dabei kann Mannschaftskapitän Cristian Fiel noch nicht helfen, er befindet sich nach überstandener Virus-Infektion noch im Aufbautraining und wird nach Aussage des Cheftrainers behutsam wieder an die Mannschaft herangeführt. Ebenso nicht dabei sind krankheits- oder verletzungsbedingt Lars Jungnickel (Virus-Infektion), Alexander Schnetzler (Muskelfaserriss) und die Langzeitverletzten Gerrit Müller (Reha nach Kreuzbandriss), Benjamin Kirsten (Schambeinentzündung) und Jens Möckel (Ermüdungsbruch).

Die Stadiontore des Ingolstädter Sportparks öffnen am Spieltag bereits um 16 Uhr. Bisher wurden gut 1.000 Tickets an Dresdner Fans verkauft. Es stehen am Spieltag noch gut 1.500 Eintrittskarten für den Dynamo-Block zum freien Verkauf. Bis zum Donnerstagabend wurden rund 6.000 Tickets für das Spiel FC Ingolstadt gegen die SG Dynamo Dresden verkauft – insgesamt werden circa 8.000 Zuschauer erwartet.

Dynamo verliert Schlagabtausch in Ingolstadt

Zum ersten Mal überhaupt war die SG Dynamo Dresden zu Gast im neugebauten Sportpark in Ingolstadt. Die Gastgeber standen vor der Partie mit dem Rücken zur Wand und wollten deshalb die drei Punkte unbedingt in Bayern behalten. Dementsprechend ging die Elf von Benno Möhlmann auch ins Spiel. Ingolstadt bestimmte sofort das Geschehen auf dem Rasen und bereits nach drei Minuten durfte das Heimpublikum jubeln. Der erste Eckball sorgte für die Führung der „Schanzer“. Kein Abwehrspieler konnte Edson Buddle beim Kopfball stören, der Ball zappelte im Netz und Dynamo musste frühzeitig einem Rückstand nachlaufen. So hatte sich Trainer Ralf Loose den Start in das schwere Auswärtsspiel nicht vorgestellt, denn schließlich wollte man im Sportpark das erste Erfolgserlebnis auf fremden Platz in dieser Saison feiern.

Ingolstadt setzte die Dynamo-Kicker mit aggressivem Zweikampfverhalten und schnellem Offensivspiel unter Druck. So blieb wenig Zeit, die Abwehr zu organisieren und Ruhe in die eigenen Reihen zu bringen. Unter diesen Vorzeichen kam Ingolstadt mehrmals gefährlich vor den Kasten von Dennis Eilhoff, der in einigen Situationen sein ganzes Können aufbieten musste, um weitere Tore zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt musste man schon befürchten, dass dieser Abend bitter werden könnte. Vor allem der Torschütze des ersten Ingolstädter Treffers brachte die Dynamo-Abwehr immer wieder in Bedrängnis. Glück und Unvermögen der Gastgeber verhinderten in dieser Phase ein zweites Gegentor. Erst nach zwanzig Minuten konnte sich Dynamo dann aus der eigenen Hälfte befreien und selbst Akzente nach vorn setzen. Einige Male tauchten Zlatko Dedic und Mickael Poté im gegnerischen Strafraum auf, blieben bei ihren Aktionen aber ungefährlich. Das Spiel wurde von beiden Seiten durch hohes Tempo und kampfbetonten Einsatz geprägt. Die Gelben Karten für Maik Kegel und Zlatko Dedic waren Bestätigung dafür, dass Dynamo trotz Rückstand nicht aufstecken wollte.

Nach einer halben Stunde sorgte ein Kopfball von Robert Koch für Diskussionsstoff. Nachdem Filip Trojan von links geflankt hatte und Kirschstein im Kasten der Ingolstädter den Ball nicht richtig wegfausten konnte, nutze unser Kapitän die Gelegenheit, mit einer Bogenlampe den Ball ins leere Tor zu befördern. Noch bevor die Fans der SGD richtig jubeln konnten, folgte schon die Ernüchterung. Der Assistent an der Seitenlinie hatte wegen Abseits von Dedic die Fahne gehoben und der Treffer zählte nicht. Trotzdem war Dynamo nun da und nur wenige Minuten später konnte Robert Koch mit einem Pass in die Spitze Mickael Poté frei spielen, der allein auf Kirschstein zu ging und sich diese Chance nicht entgehen ließ. Mit einem Tunnel schob er den Ball ins Netz und ließ die etwa 2.500 mitgereisten Anhänger im Gästeblock jubeln. Jetzt war Dynamo da und es dauerte keine fünf Minuten, als sich plötzlich die Gelegenheit zur Führung für die Schwarz-Gelben ergab. Filip Trojan wurde im Strafraum gefoult und Zlatko Dedic nahm sich selbstbewusst das runde Leder und brachte Dynamo mit einem Elfmeter zurück auf die Erfolgsspur. Die Devise lautete nun, die knappe und ein wenig überraschende Führung mit in die Halbzeitpause zu nehmen. Doch die Freude war schnell verflogen. Erneut nutzte Ingolstadt eine Standardsituation. Nach einer Ecke konnte wieder Buddle ohne Gegenwehr mit dem Kopf einnetzen und mit einem 2:2 ging es in die Kabinen.

Dynamo kam zuerst wieder auf den Rasen zurück und signalisierte damit, an die guten letzten Minuten der ersten Hälfte anknüpfen zu wollen. Ohne Punkte wollte man die Heimreise nicht antreten. Doch die besseren Chancen erspielte sich zunächst Ingolstadt. Filip Trojan fälschte einen Schuss von Leitl fast unhaltbar ins eigene Gehäuse ab, der darauf folgende Eckball ließ das Herz der Dynamofans bis in die Hose rutschen. Für Aufregung war an diesem Abend garantiert im Stadion gesorgt. Die Gastgeber dominierten zu diesem Zeitpunkt das Spiel und die erneute Führung schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Das Chancenverhältnis fiel zu deutlich zugunsten der „Schanzer“ aus. Dynamo gelang es selbst nicht, sich entscheidend aus der eigenen Hälfte zu befreien und für Entlastung zu sorgen. Es kam, wie es kommen musste. Das Ingolstädter Sturmduo Hartmann und Leitl konnte mit einem schnellen Doppelpass die Abwehr der Schwarz-Gelben soweit verwirren, dass Buchner an der rechten Strafraumecke frei stand. Er schlenzte den Ball genau ins lange Ecke und ließ Dennis Eilhoff im Tor keine Abwehrgelegenheit. Dieses Tor sorgte für reichlich Frust auf dem Rasen und den Rängen. Maik Kegel ließ das seinen Gegenspieler an der Seitenlinie spüren. Nach zwei weiteren Großchancen für Ingolstadt, beide jeweils per Kopfball, wurde zumindest deutlich, dass Dynamo zu viele Duelle in der Luft verlor.

Anzurechnen ist der Mannschaft auf jeden Fall, dass sie wieder einmal Moral bewies und ihr Glück im Offensivspiel suchte. Robert Koch versäumte es allein im Strafraum, direkt auf das Tor zu schießen, auch Zlatko Dedic und Mickael Poté hatten bei ihren guten Chancen nicht das Glück auf ihrer Seite. Gelegenheiten zum Ausgleich waren auf jeden Fall vorhanden, aber fehlende Übersicht und Unkonzentriertheiten verschafften dem Kasten der Ingolstädter keine echte Gefahr mehr. Zlatko Dedic übersah ein erstes Mal den mitlaufenden Robert Koch und verschenkte wenig später einen Eckball, weil er das runde Leder vor der Grundlinie stoppte, um ihn dann selbst ins Aus zu spielen. Fünf Minuten vor dem Ende hatte Mickael Poté die letzte gute Möglichkeit für einen Torerfolg, doch seinen Schuss konnte Kirschstein gerade noch so abwehren. Dynamo warf alles noch mal nach vorn, den Schlusspunkt setzten in der Nachspielzeit jedoch die Gastgeber. Knasmüllner lupfte die Kugel elegant über den heraus stürmenden Dennis Eilhoff zum entscheidenden Treffer in die Maschen, direkt danach pfiff Schiedsrichter Norbert Grudzinski die unterhaltsame und torreiche Partie ab. Nach dem Abpfiff bedankte sich die Mannschaft bei den Fans für die tolle Unterstützung und bekam ebenso verdienten Applaus für die kämpferische Leistung.

Mit 2:4 musste sich die SG Dynamo Dresden den Hausherren geschlagen geben. Knackpunkt des Spiels war aus Dynamo-Sicht wohl nicht allein nur das nicht gegebene Abseitstor nach einer halben Stunde, sondern der Ausgleich kurz vor der Halbzeitpause. Außerdem war Ingolstadt im Luftkampf überlegen, vor allem auch nach Standardsituationen, die direkt zu Gegentoren führten. Der Sieg der „Schanzer“ sollte Dynamo aber nicht zu lange auf der Seele brennen, denn schon das nächste Heimspiel hat es in sich. Dann kommt Eintracht Frankfurt an die Lennestraße und mit einem Erfolg kann alles wieder gut werden.