20120816 09frankfurtheader bild

9. Spieltag SG Dynamo Dresden - Eintracht Frankfurt

Duell der Traditionsvereine

Ein Freitag im Februar 2005. Die vier „Giraffen“ erzeugten Flutlichtatmosphäre, 15.600 Zuschauer hatten bei winterlichen Temperaturen den Weg ins alte Rudolf-Harbig-Stadion gefunden und die SG Dynamo Dresden stand vor dem 21. Spieltag am Tabellenende. Zu Gast war der große Aufstiegsfavorit Eintracht Frankfurt. Die Rollenverteilung schien klar und trotzdem gelang der Mannschaft um Volker Oppitz (heute Hauptgeschäftsführer) und Rene Beuchel (heute Teammanager) im Abstiegskampf ein wichtiger 2:1-Heimsieg. Dynamo startete mit diesem Erfolg vom letzten Platz aus eine Aufholjagd und hielt am Saisonende souverän die Klasse.

Die Vorzeichen sind für das erneute Aufeinandertreffen am Montagabend nach mehr als sechs Jahren nicht viel anders. Wieder werden die Leuchten unterm Dach des neugebauten Stadions den Rasen mit Licht überfluten, die Kulisse wird diesmal allerdings fast doppelt so groß sein. Dynamo hat den Klassenerhalt als Saisonziel ausgegeben, die Eintracht möchte nach dem Abstieg im Sommer direkt wieder in die 1. Bundesliga hoch und geht als klarer Favorit ins Rennen um die drei Punkte. Das sieht auch Trainer Ralf Loose so, der seiner Mannschaft aber Chancen einräumt und weiß, wie der Gegner zu besiegen ist: „Keiner sollte bei der Kulisse ein Problem haben, sich zu motivieren, auch wenn man damit allein keine Spiele gewinnen kann. Wenn jeder Spieler seine zugeteilten Aufgaben erfüllt und die taktischen Vorgaben eingehalten werden, können wir auch gegen Eintracht Frankfurt bestehen.“

Der Coach fordert vor allem disziplinierte und konzentrierte Arbeit auf dem Platz und hofft darauf, dass jeder seine Emotionen im Griff behält. Denn das Stadion wird mit knapp 29.000 Zuschauern ausverkauft sein, seit Wochen freuen sich beide Fanszenen auf die Partie, schon im Vorfeld ist die Anspannung bei allen sehr groß. Auch Marcel Heller, der im Juni vom Main an die Elbe wechselte, kann die Partie gegen die Eintracht, bei der er mehr als vier Jahre lang unter Vertrag stand, kaum erwarten. „Jedes Spiel ist interessant und wichtig für uns. Ich bin natürlich besonders heiß darauf, gegen meinen Ex-Verein zu spielen und brenne auf einen Einsatz. Ich möchte meinem alten Club zeigen, was ich kann und beweisen, dass es unnötig war, mich wegzuschicken“, zeigt sich der Mittelfeldspieler voller Vorfreude auf das Duell der beiden Traditionsvereine.

Ralf Loose weiß, dass die Hessen besonders bei Standardsituationen schwer zu verteidigen sind. „Die Eintracht hat lange Kerle vorn drin, gegen dir wir gut stehen müssen, um Tore zu verhindern.“ Schwächen hat er in der Abwehr der Frankfurter ausgemacht, die zuletzt mit einigen Abstimmungsproblemen in der Defensive zu kämpfen hatte. „Mit schnellem Spiel und genauen Pässen in die Spitze haben wir eine Chance, sie zu knacken“, nennt Marcel Heller das Rezept, dass erfolgreich sein könnte. Der Trainer zieht noch ein zweites Ass aus dem Ärmel und bringt dabei wieder den „Zwölften Mann“ ins Spiel: „Es ist für uns eine Auszeichnung, gegen einen namhaften Gegner wie Frankfurt zu spielen, die eigentlich in die 1. Bundesliga gehören. Wir haben aber schon bewiesen, dass wir zuhause mit den Fans im Rücken auch gegen große Mannschaften bestehen und überraschen können.“

Dynamo geht mit dem gleichen Personal der letzten Spiele in das Montagsspiel, das den 9. Spieltag der zweiten Liga komplettiert. Cristian Fiel kehrt nach einer weiteren Woche im Mannschaftstraining in den Kader zurück, dagegen fällt Sascha Pfeffer nach einer Verletzung, die er im Spiel der zweiten Mannschaft erlitt, für den Heimauftritt gegen Frankfurt aus.

Die Eintracht wird von 2.400 Gästefans unterstützt, das als Sicherheitsspiel eingestufte Duell zieht zudem zahlreiche Maßnahmen nach sich. Im Stadion wird es keinen Alkohol geben, auch die Kontrollen am Einlass werden entsprechend intensiv durchgeführt. Das Stadion ist restlos ausverkauft, von einer Anreise zum Stadion ohne Eintrittskarte wird abgeraten, die Tageskassen bleiben geschlossen, eine Aufwertung ermäßigter Karten ist möglich. Der Verein appelliert an alle Fans, den eingeschlagenen Weg mit den guten Auftritten aus den Spielen gegen Cottbus oder Rostock fortzuführen und den Abend zu nutzen, um ganz Fußballdeutschland zu zeigen, dass man mit Kreativität und Lautstärke als Fanszene überzeugen kann. Dynamo Dresden braucht sportlich positive Schlagzeilen und freut sich auf die Unterstützung der Anhänger.

Beginn der Partie ist um 20:15 Uhr, die Tore zum Stadion öffnen zwei Stunden vor Anpfiff. Schiedsrichter wird Wolfgang Stark sein, der Erfahrung aus 244 Bundesliga-Spielen und 80 Zweitliga-Spielen sowie zahlreichen internationalen Einsätzen, u.a. auch bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika mitbringt.

Dynamo misslingt die Adlerjagd

Vorfreude und Motivation waren vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt die bestimmenden  Gefühle im Umfeld von Dynamo. Doch nach 90 Minuten stand nur noch die Enttäuschung in den Gesichtern der Spieler, Offiziellen und Fans. Der Bundesliga-Absteiger ließ über die gesamte Spielzeit keinen Zweifel aufkommen, in Dresden weitere drei Punkte für die Mission Wiederaufstieg einsammeln zu wollen.

Nachdem die Begegnung in den ersten 30 Minuten ausgeglichen war, beide Mannschaften sich in ihren Offensivbemühungen abwechselten, ließ Cristian Fiel mit seinem Führungstor durch einen direkt getretenen Freistoß, der von der Frankfurter Mauer noch abgefälscht wurde, die Dynamofans von der nächsten Überraschung träumen, doch innerhalb von neun Minuten holte Theofanis Gekas das ganze Stadion wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit einem Doppelschlag brachte der Grieche noch vor der Pause die Hessen in Front. Zweimal war er freistehend per Kopf zur Stelle und nutzte die Lücken in der Dynamo-Abwehr eiskalt aus.

Mit Beginn der zweiten Hälfte ließen die Dynamos erkennen, dass sie der Eintracht nochmal Paroli bieten wollten, doch die Frankfurter Mannschaft bewies ihre Klasse und konnte im weiteren Verlauf die Partie weitestgehend kontrollieren. Oft erkämpften sich die Schwarzgelben mit Kampf und Leidenschaft die Bälle, doch zu schnell landeten diese wieder beim Gegner. Als die Mannschaft von Ralf Loose in den letzten zehn Minuten mit dem Fans im Rücken nochmal auf Angriff schaltete, brillierte die Eintracht mit Konterfußball. Zweimal stand Mohamadou Idrissou frei im Strafraum und brauchte das Leder nur noch mit dem Fuß über die Linie zu drücken.

Am Ende stand ein 1:4 an der Anzeigetafel, dass für die Eintracht verdientermaßen ausfiel, für Dynamo aber zu hoch. Wichtig wird nun sein, wie Trainer Ralf Loose die Moral der Mannschaft vor dem nächsten Auswärtsspiel gegen 1860 München aufrecht erhalten kann.

Stimmen aus der Pressekonferenz

Armin Veh: „Insgesamt war das eine souveräne Leistung meiner Mannschaft. In der ersten Hälfte haben wir noch zu viele  Bälle verloren. Die Führung vor der Halbzeitpause war für uns sehr wichtig. In der zweiten Hälfte haben wir unsere spielerische Klasse gezeigt, hatten auch die Räume für unser Spiel, weil der Gegner müde wurde. So konnten wir die Punkte mitnehmen, auch wenn der Sieg am Ende vielleicht zu hoch ausgefallen ist.“

Ralf Loose: „Wir haben für unsere Verhältnisse zu Beginn gut mitgehalten, haben dann aber zu unkonzentriert gespielt. Bei Standards hatten wir mehrere gute Szenen, die wir aber nicht nutzen konnten. Wenn man in der 31. Minute mit 1:0 führt, sollte man zumindest nicht mit einem Rückstand in die Halbzeitpause gehen. In der Kabine habe ich an die Moral meiner Spieler appelliert, aber wir haben nicht die spielerischen Mittel gefunden, um nochmal in die Begegnung zurückzukommen. Die späten Gegentore durch Konter sind auf die Klasse der Frankfurter zurück zu führen.“