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10. Spieltag TSV 1860 München - SG Dynamo Dresden

Loose: „Wir wollen versuchen, lange die Null zu halten!“

Bei Dynamo Dresden geht es in dieser Woche absolut tierisch zu. Im letzten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Montag gingen die Kicker auf dem Rasen leider erfolglos auf Adlerjagd. Auch bei der Fernseh-Gala zur Verleihung der „Goldenen Henne“ mussten Trainer Ralf Loose und Kapitän Cristian Fiel mit leeren Händen wieder nach Hause fahren. Nun steht am Sonntag der nächste tierische Höhepunkt auf dem Programm. Die SGD muss nach München in die Höhle der Löwen. Sprichwörtlich heißt es zwar, dass „aller guten Dinge drei sind“, doch Dynamo braucht gegen die Sechziger dringend ein Erfolgserlebnis.

Die Vorzeichen für diese Partie stehen dabei bis auf das angekündigte schöne Wetter und die Anzahl der mitreisenden Gäste-Fans eher gegen Dynamo. Stehen die „Löwen“ in der Heimtabelle mit vier Siegen souverän auf dem zweiten Platz, findet man Dresden in der Auswärtstabelle auf dem vorletzten Rang wieder. Bisher gelang in dieser Saison in der Fremde kein einziger Punktgewinn. Trainer Ralf Loose weiß um die Stärken des Gastgebers und begegnet dem Gegner mit Respekt: „Ich habe die letzten Spiele der Münchner gesehen, das Heimspiel gegen den FSV Frankfurt live im Stadion verfolgt. Die Sechziger haben einen guten Lauf. Sie besitzen gute Offensivkräfte. Die beiden Stürmer Lauth und Volland, aber auch die Außenspieler Aigner und Halfar haben schon jeweils mehr Tore geschossen als unser Torschützenbester. Da wird meiner Mannschaft alles abverlangt, um ein möglichst gutes Resultat zu erzielen. Wir wollen versuchen, lange die Null zu halten, um den Gegner zu verunsichern. Im besten Fall können wir ihm dann auch den Schneid abkaufen.“

Mit Optimismus dürfen die Fans in das Duell der Traditionsvereine gehen. Immerhin gewann Dynamo die letzten beiden Aufeinandertreffen in der Saison 2005/2006. Unvergessen ist der legendäre 2:1-Sieg vor über 20.000 mitgereisten Dynamofans in der damals erst neu eröffneten Allianz-Arena. Auch das Rückspiel entschied das Team von der Elbe mit 2:0 für sich. Mit Hilfe einer improvisierten Rasenheizung wurde der Platz damals erst aufgetaut und später mit einem Hubschrauber bespielbar gefönt. Spiele gegen die Löwen hatten also schon immer ganz besondere Umstände. Insgesamt gab es erst sieben Begegnungen gegeneinander, davon eine im Pokal. Das Verhältnis ist ausgeglichen. Bei einem Unentschieden gelangen jeder Mannschaft bisher drei Siege.

Trotz der beiden Niederlagen zuletzt setzt Ralf Loose weiterhin voll auf die Klasse seiner Mannschaft: „Ich denke, dass unsere Spieler das Vertrauen genießen müssen. Sie sind unsere Rennpferde, die letztendlich die Liga halten sollen“, fordert der Trainer vom Umfeld die notwendige Unterstützung und begründet dies mit dem Leistungssprung zwischen dritter und zweiter Liga, an den sich noch nicht alle gewöhnt haben. Den Konkurrenzkampf schürt er trotzdem: „Die Jungs müssen auch an den Dingen arbeiten, die zuletzt nicht so gut geklappt haben. Wer spielt, hängt immer mit davon ab, wie sich die Trainingsleistungen entwickeln.“ Zur Aufstellung ließ sich der Trainer noch nicht in die Karten schauen, da sich Zlatko Dedic einer Operation an der Nase unterziehen musste und in dieser Woche nicht trainieren konnte. Deshalb will Ralf Loose die letzte Übungseinheit am Samstag abwarten, um zu entscheiden, welche Elf er auf den Rasen schickt. Ob Florian Jungwirth dabei sein wird, ließ der Trainer offen. Der Abwehrspieler agierte gegen Eintracht Frankfurt nicht immer glücklich, trotzdem spricht ihm Ralf Loose Mut zu: „Ich habe schon in der Halbzeitpause gesagt, dass es für jeden jungen Spieler wichtig ist, so etwas wegzustecken. Das gehört zur Entwicklung dazu. Es ist möglich, dass er von Anfang an wieder beginnen wird.“

Der 22-Jährige, der bis 2010 insgesamt zehn Jahre in München unter Vertrag stand, bei den „Löwen“ alle Nachwuchsstationen durchlief, bevor er nach Dresden kam, hat die Niederlage gegen Frankfurt zwar abgehakt, seine Leistung trotzdem noch mal auf den Prüfstand gestellt: „Natürlich war ich nach dem Spiel enttäuscht. Ich habe mir das anders vorgestellt. Meine Situationen konnte ich mir einen Tag später noch mal anschauen und sachlich analysieren. Ich habe die Fehler erkannt und gesehen, was ich besser machen kann. Das versuche ich auf dem Trainingsplatz und natürlich im Spiel jetzt umzusetzen.“ Aufgeregt ist er vor dem wichtigen Duell nicht. Die Befürchtungen, er könnte in diesem für ihn besonderen Spiel übermotiviert zu Werke gehen, teilt Florian Jungwirth nicht: „Ich kenne mich selbst ganz gut. Was mich in der Vergangenheit immer ausgezeichnet hat, war meine Ruhe auf dem Platz. Sicherlich werden viele Freunde und Familienangehörige dabei sein, aber das muss ich ausblenden. Es gibt keinen Grund, wieso mir das am Sonntag nicht auch gelingen sollte.“

Ralf Loose weiß um die Herausforderung, die seiner Mannschaft in München bevorsteht: „Wenn man sich die bisherigen Spiele ansieht, den Lauf der Sechziger hinzu nimmt, sind die Hoffnungen auf einen Erfolg sicherlich gedämpft. Wir wissen jedoch, dass im Fußball alles möglich ist.“ Der Trainer setzt für einen Erfolg aber auch klare Vorgaben, die seiner Meinung nach der Schlüssel sein werden, um aus München etwas mitzunehmen: „Wir müssen auf den Platz gehen, taktisch klug spielen, mit höchstem Einsatz und höchster Konzentration agieren und möglichst lange kein Gegentor kassieren. Wenn das trotzdem passiert, dürfen wir den Kopf nicht hängen lassen und müssen mental stark und vor allem weiter organisiert dranbleiben. Wenn uns vorn auch mal ein Tor gelingt, kann der Glaube in der Mannschaft wachsen. Dieser Weg ist der richtige und muss auch in Zukunft in die Köpfe der Spieler. Sie sollen sich darauf konzentrierten, ihre Leistung so gut wie möglich auf den Platz zu bringen und sich nicht damit beschäftigen, wie das Spiel ausgehen wird.

Die Partie wird am Sonntag um 13:30 Uhr in der Allianz-Arena angepfiffen. Die „Löwen“ erwarten mehr als 30.000 Zuschauer, davon werden etwa 10.000 Fans die Schwarz-Gelben unterstützen. Schiedsrichter der Partie ist Tobias Christ. Der 35-Jährige stammt aus Münchweiler an der Rodalb.

Sensation nach zweifachem Doppelschlag

Alle Dynamo-Fans träumten vor dem Spiel von einer Wiederholung des sensationellen Auftritts im September 2005, als in der Arena in München ein überraschender Auswärtssieg gelang. Nach dem erneuten Gastspiel in der "Höhle der Löwen" wissen wir, dass Träume manchmal wahr werden. Eigentlich erinnerte alles an damals. Das Stadion war zwar nicht ausverkauft, aber die Kulisse prächtig. Über 15.000 schwarz-gelbe Fans sorgten für die richtige Atmosphäre auf den Rängen und die Mannschaft belohnte sich und ihre Anhänger mit einer tollen kämpferischen Leistung.

Die erste Viertelstunde war noch gar nicht vorbei, als auf der Anzeigetafel bereits ein 2:0 für Dynamo stand. Das war 2005 genauso, als Marco Vorbeck zweimal vor der Pause traf. Und auch diesmal sorgte ein Dynamo-Spieler mit einem Doppelpack innerhalb von vier Minuten für frenetischen Jubel in der Dynamo-Kurve. Mickael Poté war nach einem Freistoß erst per Kopf zur Stelle, wenig später ließ er Gabor Kiraly im Tor der Gastgeber mit einem abgefälschten Rechtsschuss keine Chance. Mit zwei Toren in den Anfangsminuten schockten die Gäste die Löwen sichtlich, denn die wenigen Möglichkeiten der Gastgeber wurden von der Dynamo-Abwehr geklärt oder spätestens von Wolfgang Hesl, der seinen ersten Pflichtspieleinsatz für Dynamo absolvierte, durch tolle Paraden zunichte gemacht. Nach vorn versteckte sich die Mannschaft von Trainer Ralf Loose auch nicht und erspielte sich weitere Chancen. Vor allem Mickael Poté bewies seine Klasse und wurde von seinen Mitspielern immer wieder in Szene gesetzt. Mit einer kämpferisch und taktisch disziplinierten Leistung sicherte Dynamo die Führung bis zur Halbzeit und ging mit diesem Ergebnis beruhigt in die Kabine.

Nach der Pause erwartete man einen Sturmlauf der Löwen, doch Dynamo konnte dagegen halten und im Strafraum von Wolfgang Hesl kam kaum ein laues Lüftchen auf. Zudem dezimierten sich die Löwen nach einer Notbremse. Stefan Buck kassierte die Rote Karte. Viel besser klappte es bei Dynamo im Angriff. Nach einer Ecke kam Romain Bregerie frei zum Kopfball und hämmerte die Kugel zum vorentscheidenden 3:0 ins linke obere Eck. Der Jubel um diesen Treffer war kaum verhallt, als Mickael Poté erneut ins Tor traf. Ein Rückpass der Löwen ging zunächst an den Pfosten, aber im Stile eines Wühlers vollstreckte er eiskalt den Nachschuss und sorgte dafür, dass die Dynamo-Kurve endgültig ins Wanken geriet. 4:0 - dieses Ergebnis übertraf zu diesem Zeitpunkt alle Erwartungen der mitgereisten Schlachtenbummler. Mit diesem Vorsprung war das Spiel entschieden und im weiteren Verlauf kam Dynamo noch zu guten Chancen. Fast schon im Minutentakt hatten die Dynamo-Fans den Torschrei auf den Lippen. Ein fünfter Treffer sprang dabei aber leider nicht heraus. Auf der anderen Seite konnten die Münchner noch zweimal einnetzen, um das Ergebnis aus ihrer Sicht in Grenzen zu halten. Nach einer Standardsituation und kurz vor dem Abpfiff musste der gut aufgelegte Wolfgang Hesl doch noch zweimal hinter sich greifen.

Letztendlich gelingt Dynamo in München erneut eine unglaubliche Sensation, die sich Fans und Mannschaft aber mit diesem Einsatz und diesem Willen absolut verdient haben.