20120816 11aachenheader bild

11. Spieltag SG Dynamo Dresden - Alemannia Aachen

Nach der Kür folgt die Pflicht

Zwei Wochen sind seit dem überraschenden Sieg bei 1860 München vergangen. Völlig unerwartet holte die Mannschaft von Trainer Ralf Loose in der bayrischen Landeshauptstadt vor über 15.000 Dynamo-Fans ihre ersten drei Auswärtspunkte. Dieser Erfolg soll nun im kommenden Heimspiel vergoldet werden. Am Sonntag wird Tabellenschlusslicht Alemannia Aachen in Dresden erwartet. Die Kulisse wird in jedem Fall wieder prächtig sein, aber sportlich wartet für das Team um Kapitän Cristian Fiel eine ganz andere Aufgabe als noch in München.

Die Mannschaft aus der Kaiserstadt reist mit ihrem neuen Trainer Friedhelm Funkel an, der erst vor wenigen Wochen am 6. Spieltag in Dresden nach der 1:2-Niederlage mit dem VfL Bochum seinen Job verlor und wenig später in Aachen anheuerte. Die Vorzeichen der Partie sprechen eigentlich eine deutliche Sprache. Aachen kommt mit der Roten Laterne an die Elbe, hat noch keinen einzigen Sieg eingefahren und gerade mal zwei Tore selbst geschossen. Dynamo trägt die Bürde des Favoriten auf den Schultern, doch Trainer Ralf Loose warnt davor, die Gäste zu unterschätzen: „Wir freuen uns über den ersten Auswärtssieg, die Mannschaft hat in München überzeugend gespielt und verdient gewonnen. In dieser zweiten Liga ist für uns aber jedes Spiel eine Herausforderung. Wir wissen, dass Aachen eine Mannschaft ist, die eigentlich weiter oben einzuordnen ist und jetzt überraschend unten steht. Wir sind psychologisch im Vorteil, weil wir zuletzt gewonnen haben und zu Hause spielen, aber nicht mehr und nicht weniger.“

Um die nächsten wichtigen Punkte im Kampf für den Klassenerhalt einzufahren, fordert der Coach von seinen Spielern wieder Kampf und Leidenschaft. Gespannt darf man sein, mit welcher taktischen Marschrichtung er seine Startelf ins Rennen schickt. Den Platz zwischen den Pfosten wird wieder Wolfgang Hesl einnehmen, davor eine Viererkette spielen. Martin Stoll nimmt dafür wieder auf der Bank Platz. Wer als Linksverteidiger aufläuft, ließ Ralf Loose noch offen, nachdem Muhamed Subasic zuletzt nicht immer überzeugen konnte und Sebastian Schuppan in den beiden Testspielen gegen Liberec und Grimma eine überzeugende Leistung bot. Im defensiven Mittelfeld sind David Solga und Cristian Fiel gesetzt. Der Kapitän trifft nach seinem Wechsel zu Dynamo Dresden zum ersten Mal auf seinen Ex-Verein, bei dem er nicht nur sechs Jahre aktiv war, sondern auch die größten sportlichen Erfolge feiern konnte. In Aachen gelang ihm nicht nur der Aufstieg in die erste Bundesliga, sondern auch der Sprung ins Pokalfinale und damit ins internationale Geschäft. Trotzdem geht er ohne besondere Gefühle in die Partie: „Ich will dieses Spiel hundertprozentig gewinnen. Seitdem ich weg bin, hat sich viel verändert und soviele Leute kenne ich da nicht mehr. Nach dem Sieg in München haben wir jetzt die Gelegenheit, nochmal nachzulegen und das wäre eine super Sache.“

Zur Aufstellung und Taktik ließ sich Ralf Loose nicht in die Karten schauen. Er erwartet die Gäste mit nur einem Stürmer und hält es daher für möglich, wieder mit einer Viererkette in der Abwehr zu beginnen. Für Tore soll auf jeden Fall Mickael Poté sorgen. Der dreifache Torschütze aus dem letzten Spiel erhält von Ralf Loose wieder das Vertrauen. Ob Zlatko Dedic auch von Anfang an ran darf, bleibt offen. Er kam zwar im EM-Qualifikationsspiel am Dienstag zwischen Slowenien und Serbien nicht zum Einsatz, verpasste aber durch seine Länderspielreise die Gelegenheit, sich im Trainingsbetrieb anzubieten. Ralf Loose hält trotzdem viel von seinem Schützling und weiß um seine Qualitäten. Bessere Chancen auf den zweiten Platz im Sturm hat deshalb vielleicht zunächst Pavel Fort, der in den Testspielen insgesamt dreimal traf. Robert Koch und Filip Trojan werden das bewährte Duo im Mittelfeld bilden.

Ein Wiedersehen gibt es auch mit Jonas Strifler, der in der Sommerpause von der Elbe in die Kaiserstadt wechselte und unter Trainer Friedhelm Funkel auch mehr Einsatzzeiten erhält. Zumindest kommt Alemannia Aachen mit einer positiven Bilanz nach Dresden. In den bisher vier Begegnungen konnte Dynamo nur einmal gewinnen, dreimal ging man als Verlierer vom Platz. Diesmal soll vor mehr als 27.000 Zuschauern, die erwartet werden, ein Heimsieg gelingen. Mit einem vollen Erfolg hätte die Mannschaft die Möglichkeit, im Abstiegskampf etwas Luft zu holen und sogar den Anschluss ans Tabellenmittelfeld herzustellen. Verlassen kann sich das Team auf seine Fans, die als „Zwölfter Mann“ wieder für die passende Unterstützung auf den Rängen sorgen werden. Leiten wird die Partie DFB-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus aus Hannover.

Fort rettet Dynamo einen Punkt

Die offizielle Spielzeit war bereits abgelaufen und es schien fast so, als ob Dynamo Dresden der Alemannia aus Aachen den ersten Saisonsieg beschert. Doch mit der allerletzten Gelegenheit konnte sich die Mannschaft von Trainer Ralf Loose doch noch mit einem Punkt belohnen. Eine Flanke von Romain Brégerie flog durch den gesamten Strafraum der Gäste, am langen Pfosten schraubte sich der eingewechselte Pavel Fort weit nach oben und köpfte die Kugel unter die Latte. Kurz darauf pfiff Bibiana Steinhaus die Partie ab.

Aachen kam sieglos nach Dresden, stand damit schon mit dem Rücken zur Wand, während Dynamo mit dem Sieg in München das nötige Selbstbewusstsein hatte, um mit einem Heimsieg weitere wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu sammeln. Doch schon oft in der Vergangenheit konnte die Mannschaft nach einer sehr guten Leistung im darauf folgenden Spiel nicht daran anknüpfen. So sollte es auch diesmal werden. Die Mannschaft von Trainer Ralf Loose ließ in den Anfangsminuten den Offensivgeist vermissen und bot den Gästen zu viele Räume. Die konnten allerdings keinen Nutzen daraus ziehen. Die größte Chance für die Alemannen hatte Ex-Nationalspieler David Odonkor, der nach einem Pass von Reinhold Jabo einen Schritt zu spät kam, um die Kugel im freien Tor unterzubringen. Auf der anderen Seite hatte zweimal Zlatko Dedic die Möglichkeit, die Dynamo-Fans zum Jubeln zu verhelfen. Wenig später legte sich Filip Trojan den Ball zu weit vor und vergab damit freistehend vor dem Aachener Tor. Mit einem Elfmeter ging Aachen schließlich in Führung. Muhamed Subasic hatte nach einem Foul Tobias Feistenhammel umklammert und niedergerissen. Die vorher noch umjubelte Schiedsrichterin Bibana Steinhaus zögerte keinen Augenblick und zeigte auf den Punkt. Muhamed Subasic erhielt für sein Foul auch noch die Gelbe Karte. Aimen Demai ließ Wolfgang Hesl keine Chance und schoss ins linke untere Eck

Beide Mannschaften kamen unverändert aus der Kabine, aber der Aufschwung auf dem Spielfeld blieb aus. Sowohl Dynamo als auch die Gäste fanden keine Mittel, um das Tor des Gegners in Gefahr zu bringen. Die größte Gelegenheit hatten die Aachener, nachdem David Odonokor zunächst Muhamed Subasic enteilt war. Benjamin Auer konnte freistehend schießen, den abgewehrten Ball bekam wieder ein Gästespieler vor die Füße, aber Hesl klärte mit Glück. Auf der anderen Seite bemühte sich Dynamo immer wieder um Chancen. Mickael Poté und Robert Koch versuchten es per Kopf und Fuß, aber die Kugel wollte einfach nicht ins Tor. So plätscherte die Partie dahin, weil Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus immer öfter wegen Fouspiel beider Mannschaften unterbrechen musste. Erst spät wechselte Ralf Loose und brachte noch mal neuen Schwung. Marvin Knoll, Pavel Fort und Marcel Heller sorgten noch mal für Schwung. Als Aachen in der 90. Minuten den dritten Wechsel vollzog, um Zeit zu gewinnen, glaubte kaum noch einer an die eine Chance für Dynamo. Sie sollte kommen. Pavel Fort verwertete die letzte Flanke von Romain Brégerie mit dem Kopf und sicherte der SGD einen verdienten Punkt.

Trainer-Stimmen zum Spiel:

Ralf Loose: „Das war heute ein packendes Kampfspiel, Abstiegskampf pur. Aachen haben wir zweikampfstark und bissig erwartet und waren darauf vorbereitet. Es war ein ausgeglichenes Spiel. Am Anfang haben wir noch Fehler gemacht, auf der anderen Seite aber Dinge auch gut umgesetzt. Schlussendlich zählen im Fußball die Tore. Die Elfmeterentscheidung mussten wir hinnehmen und lange diesem Rückstand nachrennen. Die Mannschaft hat kühlen Kopf bewahrt. Im Abstiegskampf sollte man auch intelligent und clever spielen. Das habe ich den Jungs in der Kabine gesagt. Nachdem wir taktisch noch offensiver aufgestellt waren, durften wir den späten Ausgleich bejubeln. Nach dem Spielverlauf sind wir damit auch zufrieden."

Friedhelm Funkel: „Aufgrund des späten Ausgleiches fühlt sich das Remis wie eine Niederlage an. Das Tor war in der Entstehung unnötig. Es ist sehr ärgerlich, dass wir zwei Punkte liegen gelassen haben. Unterm Strich ist das Ergebnis aber gerecht. Meine Mannschaft ist kompakt aufgetreten, hat nach vorn auch versucht, eigene Tormöglichkeiten zu erspielen. Wir waren zum Schluss auf der rechten Seite nicht clever und haben Dynamo die Gelegenheit gegeben, lange Bälle nach vorn zu spielen. Das Publikum ist dann ein entscheidender Faktor gewesen. Wir haben versucht, den Augleich zu verhindern. Das ist uns nicht gelungen."