Aufarbeitung der Vorfälle gegen Berlin
SGD erarbeitet erste Maßnahmen
Nach den Vorfällen beim Heimspiel der SG Dynamo Dresden gegen Hertha BSC am Samstag, dem 4. April genießt die Auswertung des Spieltages für Dynamo weiterhin höchste Priorität. In Folge der Aufarbeitungen in der Vorwoche hat die Sportgemeinschaft jetzt erste Maßnahmen ergriffen.
„Wir waren schockiert darüber, derartige Szenen beobachten zu müssen. Dass erstmals seit dem Stadionneubau 2009 eine solche Eskalation passieren konnte, hat alle erschüttert. Gleichzeitig konnten wir im gesamten Verein ein großes Bestreben und Engagement wahrnehmen, um bestehende Maßnahmen zur Prävention zu überprüfen und zu stärken. Wenn Vertrauen missbraucht und deutliche Grenzen überschritten werden, sind wir als Verein in der Verantwortung, grundsätzliche Vorgehensweisen zu ändern“, sagt Michael Ziegenbalg, Aufsichtsratsvorsitzender der Sportgemeinschaft.
Im Rahmen der Aufarbeitungen sammelten die Verantwortlichen der SGD in persönlichen Gesprächen mit Vertretern der Verbände, Polizei, Sicherheitsträgern, Fanszene und Fanprojekt, Hertha BSC sowie dem Innenministerium und der Landeshauptstadt Dresden Informationen und Beobachtungen zusammen, um eine lückenlose Aufklärung zu gewährleisten. Genutzt wird hierfür auch das von der SGD in der Saison 2024/25 geschaffene Kooperationsformat mit dem Fanprojekt, der Stadt Dresden sowie Vertretern der Polizei.
Im Rahmen der Auswertungen der letzten Tage gab es erste Erkenntnisse zu den Vorkommnissen am Karsamstag. Bereits vor Spielbeginn wurde zwischen Stehplatz- und Sitzplatzbereich der Gäste eine mehrfach verglaste Sicherheitsscheibe gewaltsam bearbeitet und im weiteren Verlauf durchtrennt, sodass keine Trennung beider Bereiche mehr möglich war. Zudem kam es im Gästeblock zu einem Fahnendiebstahl. Die Entwendung der Fahne steht hierbei in keinerlei Zusammenhang mit dem eingesetzten Ordnungsdienst im Gästebereich. Aufgrund von ersten Auseinandersetzungen hinter dem Gästebereich wurden zu Spielbeginn erste Ordnungskräfte des Innenraums in den Stadionumlauf versetzt. Beim Aufeinandertreffen beider Fangruppen im Innenraum war deshalb die geplante Präsenz des Ordnungsdienstes nicht vorhanden. Im Anschluss betraten die Einsatzkräfte der Polizei den Stadioninnenraum und trennten beide Lager.
Stephan Zimmermann, Geschäftsführer der SGD: „Durch die Sichtung von Foto- und Videomaterial konnten wir zahlreiche Erkenntnisse der Abläufe gewinnen. Im nächsten Schritt sollen jetzt mit Hilfe der Polizei die entsprechenden Personen ermittelt werden, die erkennbar im Innenraum an den Auseinandersetzungen beteiligt waren. Für uns gibt es hierbei keinerlei Diskussionspotenzial – sobald Täter ermittelt werden, wird es neben der strafrechtlichen Verfolgung durch die Polizei auch ein striktes Verfahren für Stadionverbote von unserer Seite geben.“
Darüber hinaus gab es im Rahmen einer Auseinandersetzung von Anhängern der SGD und dem 1. FC Nürnberg in der Nacht von Freitag (10. April) auf Samstag (11. April) in Thüringen eine große Anzahl an Feststellungen von Personendaten auf Dresdner Seite. Gegen die Personen wird die SG Dynamo Dresden schnellstmöglich ein Hausverbot für das Rudolf-Harbig-Stadion aussprechen. Im nächsten Schritt obliegt es in diesem Fall dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein Verfahren für Stadionverbote durchzuführen.
Wir werden beim Ehrenrat dafür plädieren diesen Personen die Mitgliedschaft zu entziehen.Ronny Rehn, Präsident der SG Dynamo Dresden
„Wer derartige Verfehlungen vorweist, kann nicht länger Teil unserer Sportgemeinschaft sein. Unsere Mitgliedschaft lebt von den im Leitbild festgehaltenen Leitsätzen. Wenn Werte wie Respekt, Fairness und Menschlichkeit mit Füßen getreten werden, werden wir beim Ehrenrat dafür plädieren diesen Personen die Mitgliedschaft zu entziehen“, sagt Ronny Rehn, Präsident der Sportgemeinschaft.
Neben persönlichen Strafen wird Dynamo Dresden auch infrastrukturelle Veränderungen vornehmen. Die SGD prüft derzeit etwaige Umbaumaßnahmen im Rudolf-Harbig-Stadion, um den Gästebereich weiter zu sichern und darüber hinaus auch den Sitzplatzbereich für Gästefans in Richtung des Stadioninnenraums sowie den angrenzenden Tribünen einzugrenzen.
Auch das Sicherheitskonzept für die Heimspiele der SGD inklusive der Einlasssituation im Rudolf-Harbig-Stadion wird nach den Vorkommnissen überarbeitet. So sollen zukünftig bei Hochrisikospielen Mitarbeiter des Ordnungsdienstes auch vor dem Bereich des K-Blocks den Innenraum absichern. Darüber hinaus werden Polizeikräfte direkt im Stadion positioniert. Nach Rücksprache mit der Polizei werden zudem ab sofort die Pufferbereiche im Heimbereich rund um den Gästeblock erweitert. Etwaige Zugeständnisse rund um die Spieltage, die in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen stehen, werden von Vereinsseite für Fanvertreter überprüft und im nächsten Schritt entsprechend zurückgezogen. In Summe wird ein tiefgreifendes Präventionskonzept erarbeitet, um Abläufe am Spieltag weiter zu verbessern.
Sören Gonther, Sportgeschäftsführer von Dynamo Dresden: „Unser Stadion soll auch zukünftig ein sicherer Ort für alle sein. Den eingeschlagenen Weg, mit über 30.000 Zuschauern, die Woche für Woche für eine Gänsehautatmosphäre sorgen, werden wir uns nicht von Einzelpersonen kaputt machen lassen. Es gilt jetzt schnellstmöglich die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, um ein deutliches Signal zu senden, dass wir für unsere Worte und Werte einstehen.“
