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28. August 2018 // 13.13 Uhr

„Für viele Fans ist das Stadion wie ein zweites Zuhause.“

Ronny Günther wohnt in der Nähe von Leipzig und ist seit seinem achten Lebensjahr Dynamo-Fan. Seit Anfang der 1980er Jahre sammelt er Daten zu allen Spielen der SGD. (Fotos: SGD/Steffen Kuttner)

Dynamos Chefstatistiker Ronny Günther im Interview | Abstimmung Stadionname bis 31.08.


Als das klar war, griff die KREISEL-Redaktion direkt zum Telefonhörer und wählte die Nummer von Dynamos Chefstatistiker Ronny Günther.

Fürs Stadionmagazin KREISEL (erschienen zum Heimspiel gegen Heidenheim) suchte Ronny die sportliche Bilanz der SGD in ihrer Spielstätte an der Lennéstraße in den einzelnen Dekaden heraus. Aber auch sonst war das Gespräch mit unserem Herrn der Zahlen wieder sehr spannend.

Ronny, wie findest du die Aktion von KONSUM DRESDEN und DREWAG? Aber bitte verrate uns nicht, wie du abstimmen wirst!

(lacht) Das hatte ich auch nicht vor, Wahlen sollten immer geheim bleiben. Die Aktion finde ich richtig stark! Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas überhaupt noch einmal möglich ist. Es gibt nicht mehr so viele Stadien im deutschen Fußball, die ihren ursprünglichen Namen besitzen oder behalten durften. Oft sind die wirtschaftlichen Argumente ja doch ausschlaggebend und die merkwürdigsten Stadionnamen entstehen. Bei den Fans hingegen bleibt der alte Name weiterhin bestehen.

Kannst du dir erklären, warum die Namen von Fußballstadien immer schon Projektionsfläche für große Emotionen sind?

{media-left}Ich glaube, neben dem Vereinsnamen und den Vereinsfarben ist die Spielstätte mit das Wichtigste, was einen Verein und seine Tradition ausmacht. Für viele Fans ist das Stadion fast schon wie ein zweites Zuhause. Hier war man seit seiner Kindheit. Hier hat man zusammen mit Freunden große Siege und manchmal auch Niederlagen erlebt. Das ist mit vielen Emotionen und Erinnerungen verbunden. Diesen Platz möchte man doch nicht ständig umbenennen. Wenn man an die ganz großen Stadien dieser Welt denkt, wie Wembley oder Maracana – sie hätten sicher nicht den Mythos oder Bekanntheitsgrad, wären sie ständig umbenannt worden.

Wie war es zu DDR-Zeiten – gab es damals auch gängige Muster, nach denen die Benennung der Spielstätten erfolgte?

Ja, die gab es auch damals schon. Einige werden sich sicher an das Otto-Grotewohl-Stadion in Aue oder das Georgi-Dimitroff-Stadion in Zwickau erinnern. Diese Stadiennamen waren wie viele andere politisch geprägt. Wenn man so will, gab es bei den Betriebssportgemeinschaften damals auch schon Namen, die sich von Unternehmen ableiteten. Oder wie man treffender sagen müsste, von den Trägerbetrieben. Ich denke da zum Beispiel an das Stadion der Stahlarbeiter in Brandenburg oder das Stadion der Eisenbahner in Cottbus.

{media-right}Dein Steckenpferd sind statistische Daten aller Art, die Dynamos erste Mannschaft seit Anfang der 50er Jahre produziert. Hättest du aus dem Stegreif sagen können, wann die Spielstätte der SGD welchen Namen trug?

Ja, ich glaube schon. Zum einen war das Thema durch den Stadionneubau 2008/09 natürlich sehr präsent. Zum anderen hat Dynamo seit 1957 fast ununterbrochen am selben Standort spielt. Bis 2010 gab es dafür nur die Namen Dynamo-Stadion oder Rudolf-Harbig-Stadion.

Fast ununterbrochen, weil der Verein bis in die 60er Jahre immer mal wieder ins größere Heinz-Steyer-Stadion gezogen ist.

Ja, aber nur für ausgesuchte Spiele. Eigentlich nur dann, wenn eine besonders hohe Kartennachfrage erwartet wurde. So zum Beispiel beim Europapokal-Debüt gegen die Glasgow Rangers 1967. 40.000 Zuschauer hätten damals nicht ins Rudolf-Harbig-Stadion gepasst.

Für manche Fans wird es immer das Dynamo-Stadion sein, für andere das Rudolf-Harbig-Stadion. Hast du eine Theorie, warum sich zwei historische Namen in der Art nebeneinander etablieren konnten?

Als Dynamo 1957 in das damals kleinere Dresdner Stadion am Großen Garten umzog, trug diese Spielstätte bereits den Namen von Rudolf Harbig. Ab Sommer 1971 wurde dann der Name Dynamo-Stadion verwendet. Eine offizielle Umbenennung gab es nicht, aber man darf davon ausgehen, dass es politisch nicht gewollt war, dass der Namensgeber seine großen sportlichen Erfolge während der Zeit des Nationalsozialismus gefeiert hatte. Dass der Name Dynamo-Stadion sich trotzdem bei vielen Fans fest etablierte, hängt sicher damit zusammen, dass die Verbindung mit dem Vereinsnamen einfach per se naheliegt.

{media-left}Wann hat Dynamo das erste Spiel im alten Oval bestritten?

Während der Anfangsjahre bis 1956 spielte der Verein wie gesagt noch im Heinz-Steyer-Stadion im Ostragehege, das damals eine größere Kapazität hatte. Aber schon ein paar Jahre früher bestritt Dynamos Vorgängerverein SG Volkspolizei Dresden sein erstes Pflichtspiel am Großen Garten. Auf den Trümmern der im Krieg zerstörten Ilgen-Kampfbahn war eine neue Spielstätte errichtet worden. Als man das neue Rudolf-Harbig-Stadion im September 1951 einweihte, wurde das Oberliga-Punktspiel gegen Lok Stendal dort ausgetragen. 14.000 Zuschauer waren dabei, die SG Volkspolizei verlor das Spiel mit 1:3. Auch wenn es vor der Gründung der SG Dynamo Dresden war, kann man es als unser erstes Spiel an heutiger Stelle sehen.

Und das erste Pflichtspiel im „RHS“ nach der Vereinsgründung?

Das war am 24. April 1955. Gegen Motor Altenburg gab es in der DDR-Liga eine 0:3-Niederlage vor 1.000 Zuschauern.

Und wann datierst du das letzte Spiel?

Auch das liegt im Auge des Betrachters, weil der Umbau im laufenden Spielbetrieb erfolgte. Am 12. November 2007 wurde die Baustelle auf dem Stadiongelände eingerichtet, eine Woche später erfolgte der offizielle Baustart. Der Sprecherturm ist wenige Tage später gefallen, am 26. November. Ich würde also sagen, dass das Spiel gegen den Wuppertaler SV am 10. November 2007 das letzte Spiel im alten Rudolf-Harbig-Stadion war. Ein 3:0-Sieg und gleichzeitig das 1.175. Spiel, das Dynamo in dieser Spielstätte austrug.

Die Gesamtbilanz hast du sicher auch parat?

Die sieht positiv aus. 774 Siegen stehen 235 Unentschieden und nur 166 Niederlagen entgegen.

Ronny, danke dir sehr für dieses interessante Gespräch!

Interview: Jan Franke

Rudolf-Harbig-Stadion? Oder Dynamo-Stadion?

Dies ist eine migrierte News einer früheren Website-Version der SG Dynamo Dresden. Wir bitten um Verständnis, dass es aus technischen Gründen möglicherweise zu Fehlern in der Darstellung kommen kann bzw. einzelne Links nicht funktionieren.


 

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