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02. September 2013 // 16.25 Uhr

„Mein größter Titel.“

Geburtstags-Interview mit Stanislaw Tschertschessow


Am Montag, sechs Tage vor dem FDGB-Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Mönchengladbach, erreichten wir Stanislaw Tschertschessow in Moskau am Telefon. Wir riefen den ehemaligen Dynamo-Torwart an, um ihm zum 50. Geburtstag zu gratulieren. Außerdem wollten wir mit dem Kult-Keeper über ein besonderes Erlebnis aus einem Spiel gegen die Gladbacher Fohlen sprechen.Der aus Alagir in Nordossetien stammende ehemalige Nationaltorwart der Sowjetunion, der GUS und Russlands stand zwischen 1993 und 1995 in 57 Bundesliga-Spielen für Dynamo im Kasten. In Dresden wurde der Mann mit dem Schnauzer schnell zum Publikumsliebling. Momentan trainiert Tschertschessow den russischen Erstligisten Amkar Perm. Wir sprachen mit „Stani“ über seine unvergessliche Begegnung mit einem Schweden an seinem 31. Geburtstag und fragten ihn, wie er seine Zeit bei Dynamo in Erinnerung hat. Außerdem verriet er uns, was seine Frau ihm zum Geburtstag aufgetragen hat.

Hallo Herr Tschertschessow, zuerst einmal alles Gute zum 50. Geburtstag!

Danke, danke.

Wo erreichen wir Sie gerade?

Ich bin in Moskau. In zwei Stunden werde ich mit meiner Familie und ein paar Freunden etwas zusammensitzen und feiern. Es kommen etwa 120 Leute.

Erinnern Sie sich noch an Ihren 31. Geburtstag?

Ja, ich erinnere mich. 2:0 auswärts, eine gute Technik von Tschertschessow und ein super Tor von Martin Dahlin.* (lacht) Martin Dahlin ist inzwischen Spielervermittler und wir sehen uns ab und zu. Da siehst du, wie klein die Welt ist.

Sie sind 1993 als russischer Nationaltorhüter von Spartak Moskau nach Dresden gekommen, für Dynamo war es ein spektakulärer Transfer. Können Sie uns sagen, wie der Wechsel seinerzeit zustande gekommen ist?

Wir hatten in diesem Jahr gute Spiele im Europapokal gemacht [Halbfinal-Einzug Europapokal der Pokalsieger; d. Red.] und der eine oder andere Spielervermittler aus Deutschland war bei unseren Spielen. Darüber ist das Angebot aus Dresden zustande gekommen.

Dresden war Ihre erste Station im Ausland. War das für Sie als 29-Jähriger eine aufregende Zeit?

Naja, es war schon eine Herausforderung. Die Qualität für die Bundesliga hatte ich. Aber ich habe damals noch kein Deutsch gesprochen und musste mich erst akklimatisieren. Deshalb war der Start insgesamt nicht so gut bei Dynamo, ich habe das eine oder andere Spiel nicht mitgemacht und René Müller stand dann für mich im Tor. René und ich waren sehr gut befreundet und er hat super gehalten. Ich hatte in Dresden insgesamt eine gute Zeit, auch wenn ich nicht vergessen habe, dass der Club am Ende absteigen musste. Der Halbfinaleinzug 1994 im DFB-Pokal gegen Werder Bremen ist eine schöne Erinnerung. Nicht zu vergessen, dass mein Sohn in Dresden geboren wurde. Das ist sozusagen mein größter Titel aus der Zeit.

Spricht Ihr Sohn auch so gut Deutsch wie Sie?

Er spricht sieben Sprachen…

Sieben Sprachen! Weshalb so viele?!

Nach meiner Zeit in Dresden war ich lange in Innsbruck beim FC Tirol. Er ist immer dort gewesen und hat sein Abitur in Österreich gemacht. Jetzt studiert er Wirtschaft und spricht Italienisch. Außerdem spricht er Französisch, Lateinisch, Russisch, Ossetisch, Englisch.

Ihr Sohn ist jetzt ungefähr 20 Jahre alt…

Am 26. September wird er 19 Jahre.

Was macht er heute, wo lebt er?

Er hat in Innsbruck bei den Amateuren gespielt. Dann hat er ein Jahr Auszeit von der Uni genommen und ist jetzt bei mir in der 2. Mannschaft. Er ist auch Torwart. Schauen wir mal, was kommt.

Im Wintertrainingslager haben sich Ihre Wege und die von Dynamo gekreuzt. Beobachten Sie Dynamo aus der Entfernung?

Natürlich. Im Trainingslager habe ich mit Grosny gegen Dynamo verloren. Dynamo ist aufgestiegen und jetzt schon im dritten Jahr in der 2. Liga. Aber der Verein könnte bestimmt besser dastehen. Ich kann von hier aus nicht sagen, was in Dresden los ist. Die Zuschauer waren immer toll! Ich hoffe jedenfalls, dass für Dynamo wieder bessere Zeiten kommen.

Wo genau feiern Sie heute in Moskau?

In einem Hotel, in einer großen Halle. Neben meiner Familie und engen Freunden werden auch ein paar ehemalige Mitspieler und Kollegen da sein. Ich feiere meinen Geburtstag sonst nicht, bin kein Freund davon. Aber meine Frau hat zu mir gesagt, ‚Das machst du nicht für dich, das musst du für deine Familie und Freunde organisieren!‘. Da habe ich gesagt, okay, machen wir.

Sie sind im Moment Trainer bei Amkar Perm. Wann geht es dorthin zurück?

Ich fliege am 4. September. Ich habe meinen Spielern über die Länderspielpause ein paar Tage frei gegeben, damit sie auch ein bisschen Auszeit nehmen können. Wir hatten erst schwere Spiele gegen Spartak Moskau und ZSKA Moskau, jetzt erwartet uns Rubin Kazan, bald auch Lokomotive Moskau. Das sind alles schwere Spiele, auf die wir uns dann gut vorbereiten werden.

Herr Tschertschessow, haben Sie vielen Dank, dass Sie sich an Ihrem Geburtstag die Zeit für dieses kleine Interview genommen haben. Alles Gute im Namen des Vereins für Sie, und feiern Sie heute noch schön!

Dankeschön! Alles Gute auch für Dynamo und die Dynamo-Fans. Ich hoffe, ich kann irgendwann mal wieder für ein paar Tage nach Dresden kommen, auch damit mein Sohn sich mal wieder seine wunderschöne Geburtsstadt anschauen kann. Es hat sich viel verändert in Dresden.

Wir freuen uns. Lassen Sie sich noch feiern heute!

Danke, das einzige Problem ist nur, dass ich damals als Spieler schon nichts getrunken habe, und heute auch nichts trinke.

Noch nicht einmal einen Wodka?

Nein. Aber meine Gäste können trinken, was sie für richtig halten. Meine Aufgabe ist es dann, alles zu bezahlen.

Dann hoffen wir, es wird nicht zu teuer! Auf Wiedersehen.

Ciao, ciao, Tschüss.

Interview: Jan Franke, Henry Buschmann

* Am 2. September 1994 verlor Dynamo Dresden auf dem Gladbacher Bökelberg mit 0:2. Den Führungstreffer der Borussia erzielte direkt nach Anpfiff der zweiten Halbzeit Martin Dahlin. Vorausgegangen war der legendäre Versuch von Stanislaw Tschertschwessow, den Ball nach einem Rückpass von Thomas Rath mehrmals zu jonglieren. Das misslang – und Dahlin bedankte sich. Kurz vor Spielende machte Stefan Effenberg noch das 2:0.

Dies ist eine migrierte News einer früheren Website-Version der SG Dynamo Dresden. Wir bitten um Verständnis, dass es aus technischen Gründen möglicherweise zu Fehlern in der Darstellung kommen kann bzw. einzelne Links nicht funktionieren.


 

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