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12. Mai 2017 // 10.27 Uhr

„Sein Herz war Dynamo.”

Gespräch über Reinhard Häfner mit seiner Tochter Romy Auslender | Ehrenspielführer-Interviews zum Traditionstag, Teil VII von VIII


Den „1. Dresdner Traditionstag“ beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf nahm die aktive Fanszene zum Anlass, mit den Ehrenspielführern der SG Dynamo Dresden ins Gespräch zu kommen.Carsten, Danny, Fabian, Felix, Mathias, Paul und René von ULTRAS DYNAMO sprachen mit „Hansi“ Kreische, Klaus Sammer, Dieter Riedel, „Dixie“ Dörner, Eduard Geyer und Hartmut Schade. Außerdem nahmen sich Romy Auslender, die Tochter von Reinhard Häfner, und René Beuchel als ehemaliger Schützling von Wolfgang Oeser Zeit für ein Gespräch.

Wir veröffentlichen die Interviews als achtteilige Serie, hier ein Gespräch über Reinhard Häfner mit seiner Tochter Romy Auslender.

Frau Auslender, welches Bild haben Sie vor Augen, wenn Sie an Ihren Vater denken?

Ich sehe einen wunderbaren Menschen vor mir, der offenherzig, liebevoll und ehrgeizig ist. (lacht)

Sie haben eine bewegende Rede auf der Trauerfeier für Ihren Vater gehalten. Den Fußballer und Trainer kannte die Öffentlichkeit, was war Ihr Vater für ein Mensch?

Er war mein Stern und liebster Gesprächspartner. Er war ein Mensch, der an dieser Welt und diesem Leben interessiert war, der fair mit anderen umgegangen ist und vor allem liebevoll zu seinen Mitmenschen war. So möchte ich ihn auch für immer in Erinnerungen behalten.

Welche Rolle hat der Fußball in Ihrer Kindheit gespielt?

Eine sehr große, weil mein Vater aufgrund seines Berufes permanent mit Dynamo Dresden oder der Nationalmannschaft unterwegs war und ich die wenigen Tage sehr genossen habe, an denen er ausschließlich Zeit mit seiner Familie verbracht hat.

Haben Sie als Kind Ihren Vater auch im Stadion erlebt?

Ja, dieses Privileg hatte ich tatsächlich, weil mich meine Mutter bereits als junges Kind mit ins Stadion genommen hat. Es ist natürlich bis heute etwas ganz Besonderes für mich, dass ich das alles miterleben durfte.

Ihr Vater ist in Sonneberg in Thüringen geboren und aufgewachsen. Durch seine Zeit bei Dynamo ist er in Dresden heimisch geworden. Was hat Ihrem Vater die Stadt bedeutet?

Dresden hat für ihn als Stadt eine große Bedeutung gehabt, hier hat er mit ganzem Herzen gelebt. Er hat vor allem das Umfeld genossen, welches durch seine Zeit als Dynamo-Spieler entstanden ist und ihn bis zu seinem Tod begleitet hat. Viele seiner ehemaligen Mitspieler sind über die Zeit zu wahren Freunden geworden. Da denke ich beispielsweise an Ralf Minge, Hansi Kreische, Hans-Jürgen Dörner und Dieter Riedel, um nur einige zu nennen.

Reinhard Häfner war einer der größten Spieler der Vereinsgeschichte. Er war bis zuletzt als Besucher ständig im Stadion. Welche Bedeutung hatte Dynamo für Ihren Vater?

Sein Herz war Dynamo. Er fühlte sich extrem mit diesem Verein verbunden, und das hat ihn für sein ganzes Leben geprägt. Vor allem in den letzten Jahren hat er aus dieser Verbundenheit auch sehr viel positive Energie gezogen. Am Ende war es ein Geben und Nehmen, denn mein Vater hat zu seiner aktiven Zeit sehr viel dafür getan, um ein so guter Fußballer zu werden. Später hat es ihn gefreut, dass die Menschen seine Leistung anerkannt und ihn nicht vergessen haben. Irgendwann wurde ihm klar, dass der Fußball alles für ihn in seinem Leben war.

{media-left}Ihr Vater musste in seinem Leben einige Klippen umschiffen und harte Prüfungen bestehen. Trotzdem hat man ihn nie verbittert erlebt …

Er war ein bodenständiger Mensch, der nie vergessen hat, wo er herkommt. Er war sehr dankbar, dass ihn sein Umfeld und Dynamo gerade in den schweren Zeiten so unterstützt haben. Allein wäre es sicher sehr schwer für ihn geworden. Er hat es auch vermocht, seine eigenen Leiden zu verstecken und hat auch in den persönlich größten Krisen nie gejammert. Auch wenn es ihm schlecht ging, hat er immer versucht, etwas Positives auszustrahlen. Dementsprechend hat er uns auch erzogen. Ihm war es wichtig, dass man im Leben auch in schweren Momenten nach vorne schaut und sich auf den nächsten Tag und den nächsten Sonnenaufgang freut.

In welchen Momenten waren Sie ihm am nächsten?

Ich war ihm vor allem seit der Zeit am nächsten, als ich aus Dresden in die Schweiz gegangen bin, geheiratet und mit der Geburt meiner zwei Kinder eine eigene Familie gegründet habe. Wir waren in den letzten zehn Jahren seines Lebens trotz der großen Entfernung zwischen Dresden und Genf sehr, sehr eng verbunden. Die Distanz hat uns nochmals richtig zusammengeschweißt. Das war eine intensive und unvergesslich schöne Zeit.

Ihr Vater wurde 2013 zum Ehrenspielführer von Dynamo Dresden ernannt. Wissen Sie, was ihm diese Würdigung bedeutet hat?

Sehr, sehr viel! Das war eine riesengroße Ehre für ihn. Er war unheimlich glücklich darüber und sehr stolz darauf, dass er zu einem der ersten Ehrenspielführer von Dynamo Dresden ernannt wurde. Vielleicht können Sie seine Gedanken nachvollziehen, wenn ich Ihnen sage, dass ihm die späte Anerkennung durch diese Auszeichnung, zu den besten Spielern der Vereinsgeschichte zu gehören, sehr wichtig war. Er hat sich gefreut und bestätigt gefühlt.

Die aktive Fanszene des Vereins hat nach dem Tod Ihres Vaters eine spontane Spendensammlung durchgeführt. Was hat das Ihrer Familie bedeutet?

Unsere gesamte Familie hat diese Spendenaktion überwältigt und tief berührt. Eine unglaubliche Aktion der aktiven Fanszene, die unterstreicht, was für ein besonderer Verein Dynamo Dresden ist.

Um dieses einmalige Verhältnis der Fans zu den ehemaligen verdienten Spielern dauerhaft zu würdigen und weiterhin fortleben zu lassen, möchten wir, Familie Häfner, in Abstimmung mit der Geschäftsführung der SG Dynamo Dresden, Teile der Spende gern in ein „Traditionsprojekt“ zurück geben. Mit diesem Projekt soll auch für die nachfolgenden Generationen Vergangenes erlebbar gestaltet werden.

Liebe Grüße in die Schweiz, an Ihre Kinder und Ihren Mann, Frau Auslender. Und herzlichen Dank für das Gespräch!

Interview: Carsten (Ultras Dynamo)

Dies ist eine migrierte News einer früheren Website-Version der SG Dynamo Dresden. Wir bitten um Verständnis, dass es aus technischen Gründen möglicherweise zu Fehlern in der Darstellung kommen kann bzw. einzelne Links nicht funktionieren.


 

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