SGD gratuliert Gerd Weber
Dreimaliger DDR-Meister feiert 70. Geburtstag
Er gehörte zu jener großen Generation der Sportgemeinschaft, die den Mythos Dynamo in den 1970er Jahren prägte und bis heute unvergessen ist. Dreimal holte er mit Schwarz-Gelb die Meisterschaft, einmal den FDGB-Pokal und 1976 mit der DDR sogar die Olympische Goldmedaille, ehe seine Karriere auf tragische Weise beendet wurde. Am Sonntag feiert Gerd Weber seinen 70. Geburtstag.
„Ich habe Gerd Weber leider nicht mehr persönlich im Stadion auflaufen sehen, seine besondere Art des Fußballspielens und seinen für einen Mittelfeldakteur außergewöhnlich ausgeprägten Torriecher aber in zahlreichen Videos kennenlernen dürfen. 1979/80 war er sogar bester Torjäger unserer Mannschaft. Er ist einer jener Spieler, die in Dresden geboren wurden, ihre ganze Karriere der Sportgemeinschaft verschrieben und mit großartigen Leistungen auf nationaler und internationaler Ebene zu einem Aushängeschild für unsere Stadt und unseren Verein wurden. Wer weiß, welche Erfolge er noch hätte feiern können, wäre seine Laufbahn nicht auf tragische Weise viel zu früh beendet worden. Er war gerade 24 Jahre alt, als er 1981 gemeinsam mit Peter Kotte und Matthias Müller verhaftet wurde mit dem Vorwurf der geplanten Republikflucht. Noch immer läuft mir eine Gänsehaut den Rücken herunter, wenn mir diese Geschichte in den Kopf kommt. Ich habe Hochachtung vor Gerd Weber dafür, wie er mit dieser unerträglichen Situation umgegangen ist und sein Leben nach dieser Ungerechtigkeit neu ausgerichtet ist. Obwohl er viel zu kurz für unsere SGD spielen durfte, wird er für immer eine Vereinslegende bleiben“, sagt SGD-Präsident Ronny Rehn.
Als kleiner Junge hatte Weber beim FSV Lok Dresden mit dem Fußballspielen begonnen, ehe er im Alter von 14 Jahren zur SGD delegiert wurde. Dort feierte er bereits als 17-Jähriger sein Debüt für die erste Mannschaft. Insgesamt bestritt er 216 Pflichtspiele für Dynamo, darunter 35 im Europapokal. Dabei gelangen ihm 59 Tore. 1976 wurde er gemeinsam mit „Dixie“ Dörner, Reinhard Häfner, Dieter Riedel, Gert Heidler und Hartmut Schade in Montreal Olympiasieger. Er wurde 35-mal für die A-Nationalmannschaft der DDR eingesetzt.
1981 fand seine Karriere ein jähes Ende. Am 24. Januar wurde er kurz vor dem Abflug der DDR-Nationalmannschaft zu einer Länderspielreise nach Südamerika verhaftet, ebenso wie Kotte und Müller. Gegen sie wurde der Vorwurf erhoben, einen ungesetzlichen Grenzübertritt zu planen. Weber wurde zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt, von denen er elf Monate absitzen musste. Das Fußballspielen wurde ihm verboten, auch sein Sportstudium musste er ohne Abschluss abbrechen. Weber absolvierte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, arbeitete noch lange Jahre in der DDR und floh 1989 über Ungarn in den Schwarzwald, wo er als Industriekaufmann und Kfz-Sachverständiger arbeitete.
Seit 2001 ist Weber Ehrenmitglied der SG Dynamo Dresden.
